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  • CH-9450 Altstätten
  • 12/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6746)

Freihof - Rathaus, Revitalisierung Altstadt


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Allemann Bauer Eigenmann Architekten, Zürich (CH)
    Bauingenieure: Aerni + Aerni Bauingenieure, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Die heutige Situation im Perimeter Freihof-Rathaus ist einerseits geprägt durch das markante Volumen des Restaurants Freihof, welches städtebaulich prägnant die Ecksituation formuliert und mit den anschliessenden Bauten von der Innen- zur Vorstadt überleitet. Andererseits wird der Stadtraum vom liegenden Volumen des Rathauses dominiert, welches die Altstadt optisch abschottet und den Rathausplatz in eine isolierte Lage zwängt. Der durch die Ausdrehung des Rathauses entstehende Platz im Osten ist vom Verkehr dominiert und bietet keine Aufenthaltsqualität. Der Übergang zum parkartigen Grünraum nördlich der Rorschacherstrasse bleibt – trotz des fulminanten Auftakts des Freihofs – bis heute nur diffus formuliert. In gleicher pragmatischer Weise ist die Schnittstelle zwischen spätmittelalterlicher Vorstadt und späterer Stadterweiterung gebildet.

    Drei neue oder umgeformte Stadträume – Rorschacherplatz, Rathausplatz und Balmerhof –funktionieren als Ordnungselemente, welche die vorgefundene Situation klären und neue Bezüge schaffen. Die Neubauten auf den Perimetern Rathaus, Freihof und Vorstadt definieren zusammen mit der bestehenden Bebauung diese Aussenräume und formulieren mit ihren polygonalen Grundformen die Übergänge zwischen den Plätzen und zur Nachbarschaft. Nach oben lösen sich die Volumen auf und finden so den Bezug zur Massstäblichkeit des Kontexts. Mit der den Neubauten gemeinsamen morphologischen Strategie der Abtreppung gliedern sich die Häuser in die Silhoutte der gewachsenen Stadt ein und zeichnen den für Altstätten prägenden Verlauf der Topographie nach.

    Rorschacherplatz
    Der Rorschacherplatz bildet den Übergang von der dichten Innenstadt nach Nordosten zum locker bebauten Parkraum der gründerzeitlichen Stadterweiterung. Von aussen kommend signalisieren die Neubauten Freihof und Vorstadt zusammen mit dem bestehenden Bankgebäude eine einladende Torsituation. Die verlängerte Mauer der Schule fasst den Platz nach Norden und definiert einen präzisen Übergang zum Park. Mit dem neuen Kreisel rückt am Rorschacherplatz der motorisierte Verkehr ins Zentrum, die Fussgängerzirkulation erfolgt entlang der Ränder über die grosszügigen Hausvorbereiche.

    Rathausplatz
    Mit der Situierung des neuen Rathauses als punktueller, vertikaler Baukörper im Nordwesten des Perimeters öffnet sich der Rathausplatz und etabliert einen attraktiven Sicht- und Wegbezug vom Freihof-Areal zur inneren Altstadt und zur Marktgasse. Durch die tangentiale Strassenführung bleibt der Aussenraum vom Verkehr weitgehend unbeeinträchtigt und bildet als eigentlicher Stadtplatz die Bühne für vielfältige Aktivitäten. Im Einklang mit den kommerziellen Nutzungen und als Ergänzung dazu funktioniert so ein genuin städtisches Element als östlicher Attraktionspunkt. Ein Restaurant im platzseitigen Erdgeschoss des Rathauses gewährleistet ausserhalb der Ladenöffnungszeiten einen belebten Raum.
    Die Verlegung der Churerstrasse verleiht auch dem Neubau des Freihofs eine gestärkte Präsenz zur Innenstadt und macht ihn zum ‘Haus am Platz’, dessen Flanken zum Rorschacherplatz bzw. zum Balmerhof überleiten.

    Balmerhof
    Durch die neue Strassenführung wandelt sich die heute prekäre Stellung des Balmerhauses vom ‘Haus am Rank’ zum ‘Haus im Hof’. Der Balmerhof bildet die Schnittstelle zwischen der frühen Vorstadtbebauung und der linearen Stadterweiterung Richtung Bahnhof. Als unprätentiöser Quartierhof unterscheidet er sich mit dem baumbestandenen und bebauten Zentrum deutlich von den übrigen Aussenräumen. Die neue Vorstadt-Bebauung orientiert sich in der Körnung am östlich angrenzenden Quartier: Drei Einzelbauten definieren den Strassenraum und gewährleisten gleichzeitig die quartiertypische Transparenz.


    Freiraumgestaltung

    Der öffentliche Raum um das Rathaus und den Freihof wird als städtischer Platz mit einem einheitlichen Bodenbelag aus Natursteinpflaster gestaltet. Die grosszügige Fläche wird stufenlos, anpassend an die Topographie, mit gesägten Steinen behindertengängig gepflastert.
    Wenige Elemente gliedern den Platz: Der grosskronige Baum und der Lichthof bilden ein Pendant. Der Schnurbaum belebt mit seinem Schattenspiel, seinem lockeren, feingliedrigen Wuchs und den weissen Blütenschleier im Sommer den Platz.
    Belagsbündige Oblichter strukturieren den Rathausplatz, bringen Tageslicht in die oberste Tiefgaragenebene und setzen abends feine Lichtakzente auf den Rathausplatz.
    Sitzbänke werden entlang der Kirchenmauer und der Brüstung des Lichthofes angeordnet. Zwei Trinkbrunnen sorgen für Erfrischung auf dem Platz.
    Im Bereich der Vorstadt wird der Freiraum in einen Garten- und einen Vorplatzbereich unterteilt. Der Vorplatz kann teilweise als Kurzparkplatz für die Gewerbenutzung im Erdgeschoss genutzt werden. Der Hartbelag besteht aus Asphalt und der Übergangsbereich aus befahrbarem Schotterrasen.

    Mit der Neugestaltung des öffentlichen Raumes werden Orte geschaffen, die in ihrer Funktionalität die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzer und Besucher befriedigen. Orte der Stille und Entspannung wechseln sich ab mit Orten, an denen Menschen auf selbstverständliche Weise mit anderen in Kommunikation treten. Die reduzierte Gestaltung und die Schaffung einer offenen Platzfläche lässt eine intensive, heterogene und wechselnde Nutzung zu.


    Nutzungskonzept

    Die drei neuen Plätze mit ihren Weg- und Sichtbezügen bilden die Grundlage des Nutzungskonzepts. Generell sind im Erdgeschoss alle auf direkten Publikumskontakt angewiesenen kommerziellen Nutzungen angeordnet. So entsteht entlang der Fussgänger- und Verkehrswege eine kontinuierliche urbane Abwicklung mit Restaurant, Ladenlokalen sowie Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben. Die Verkaufsfläche des Coops ist im Untergeschoss des Freihofs disponiert, um eine städtebauliche Barriere durch eine introvertierte grossmassstäbliche Nutzung im Erdgeschoss zu vermeiden. Im Zentrum des Planungsperimeters gelegen, ist der Coop von drei Seiten über einen grosszügigen Lichthof direkt einsehbar und erhält dadurch Präsenz auf Strassenniveau. Mit der öffentlichen Passage als Bindeglied zwischen den drei Plätzen funktioniert der Freihof als alternative Fussgängerroute, welche die Attraktivität der angrenzenden Ladenflächen zusätzlich steigert.
    Neben dem platzseitigen Restaurant ist zur Marktgasse die Eingangshalle des Rathauses angeordnet.
    Mit der Lage unter dem Rathausplatz und den prominent platzierten Vertikalerschliessungen ist eine optimale Anbindung der Tiefgarage an die Altstadt gewährleistet. Coop und Ladenpassage sind vom Parking direkt erschlossen.
    Die Häuser Freihof und Vorstadt weisen im Schnitt eine klassische städtische Gliederung mit vertikalem Nutzungsmix auf: Öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss, in den darüberliegenden Stockwerken Büros und im Dachgeschoss Wohnungen. Der Nutzungsmix garantiert rund um die Uhr belebte Gebäude, mithin ein wesentlicher Faktor des angestrebten urbanen Charakters.
    Mit derselben Absicht ist auch das Restaurant im Rathaus angeordnet. Bei Gemeindeanlässen erweitert sich dort die Öffentlichkeit temporär in den Saal und die Dachterrasse im 5. Obergeschoss, wo sich ein reizvoller Ausblick auf Altstätten bietet.


    Rathaus

    Das Rathaus orientiert sich in Volumetrie, Formaten und Materialisierung an den Regierungsgebäuden und Handelshäusern der Altstadt. Profilierte Kunststeinelemente verleihen dem hohen Haus eine feine Massstäblichkeit. Grosse aussenbündige Fenster betonen die Sockelpartie und setzen die öffentlichen Erdgeschossnutzungen in Bezug zum Aussenraum. Mit der geschossweise gespiegelten Anordnung der Elemente wird die Fassade in leichte Bewegung versetzt und die Strenge der nutzungsbedingten Rasterung gebrochen. Die Struktur des Hauses mit innenliegendem Treppenkern ermöglicht eine kompakte, vertikale Organisation des Raumprogramms. Von der Eingangshalle im Erdgeschoss erschliesst eine repräsentative, zenital belichtete Treppe mit grosszügigem Vorplatz sämtliche Stockwerke. Vom Vorplatz sind alle Ämter direkt zugänglich. Im obersten Geschoss weitet sich der Vorplatz zum Foyer des Ratsaals, es bietet sich ein überraschender Ausblick auf die Altstadt. Durch den einfachen strukturellen Aufbau des Gebäudes mit tragender Fasssade und Kern ist eine hohe Planungs- und Nutzungsflexibilität gewährleistet.


    Freihof

    Durch das umfangreiche Raumprogramm bedingt, bezieht sich der Freihof in der Ausdehnung mehr auf die vorhandenen Häusergruppen der Altstadt denn auf Einzelbauten. Indem sich das Volumen nach oben abtreppt und auflöst, findet das grosse Haus eine dem Kontext angepasste Massstäblichkeit. Mit seiner hell verputzten Fassade, den von Gewänden gefassten Fenstern und dem farblich subtil abgesetzten, geschosshohen Sockel aus eingefärbtem, gestocktem Beton interpretiert der Freihof im Ausdruck die klassizistischen Bürgerhäuser der Nachbarschaft. Zugunsten der skulpturalen Gesamtwirkung sind in den Bürogeschossen regelmässige Fensterfelder über das Volumen verteilt. In den obersten Stockwerken sind die Fenster jeweils in Format und Anzahl variiert. Sie bilden so die Wohnnutzung ab und formulieren eine Art „Dachgeschoss“ als Abschluss des Gebäudes. Mit den aussenbündig angeordneten Schaufenstern erhält der Sockel sowohl die notwendige Massivität im Ausdruck wie auch die nutzungsrelevante Transparenz.
    Volumetrie und Organisation des Freihofs bedingen einander gegenseitig: Die auf grosse zusammenhängende Flächen angewiesenen, publikumsintensiven Nutzungen sind im Untergeschoss, Erdgeschoss und dem 1. Obergeschoss disponiert. Die öffentliche Passage im Gebäude verbindet die terrainbedingt versetzten Erdgeschossebenen und bietet über den zenital belichteten Innenhof Weg- und Sichtbezüge zum Unter- und Obergeschoss. Die Büros und Wohnungen in den oberen Stockwerke sind durch vier Treppenhäuser separat erschlossen. Die Zugänge zu den Vertikalerschliessungen erfolgen direkt von aussen oder liegen an den Stichgängen zum Innenhof. Ein nächtlicher Abschluss des Innenhofs ist dadurch problemlos möglich.
    Alle Wohnungen sind mehrseitig ausgerichtet und profitieren von unterschiedlichen Ausblicken. Ein mäandrierender Wohnraum mit flexibel abtrennbarem Zimmer bildet das gemeinsame Konzept der unterschiedlich grossen Wohnungen. Die bei den Gebäudezäsuren angeordneten Einheiten verfügen über grosszügige Dachterrassen, die übrigen Wohnungen sind mit geräumige Loggien versehen.
    Die multifunktionale Nutzung des Gebäudes wird in einer einfachen und ökonomischen Struktur aus tragender Fassade, Stützen und aussteifenden Kernen realisiert. Insbesondere in den Bürogeschossen sind dadurch vielfältige Unterteilungen der Mietfläche möglich.


    Vorstadt

    Die Häuser der Vorstadt-Überbauung interpretieren und skalieren den Typus des kleineren Wohn- und Gewerbehauses, wie er entlang der Bahnhofstrasse zu finden ist. Der architektonische Ausdruck ist geprägt durch eine Plattentektonik mit geschossweise zueinander versetzten Elementen. Grosse aussenbündig angeordnete Fenster werden Teil der Verkleidung, während die zurückliegenden Flügel und die Loggien den Ansichten Tiefe verleihen. Die thematisierte Fassadenverkleidung bezieht sich auf bestehende Gebäude der Vorstadt, welche – im Gegensatz zu den vorwiegend verputzten oder steinverblendeten Häusern der Altstadt – oft mit einem Schindelschirm oder andern vorgeblendeten Verkleidungen versehen sind.
    Der vorgeschlagene Wohnungstyp basiert auf demselben Prinzip wie im Freihof: Küche, Loggia und Zimmer bzw. Bad und Zimmer bilden Raumgruppen, um die sich der Wohnraum mäanderartig entwickelt. Ein Raumbereich mit Zimmergrösse ist zum Wohnraum offen, kann aber bei Bedarf flexibel oder fix davon abgetrennt werden. Alle Wohnungen sind dreiseitig ausgerichtet und profitieren von unterschiedlichen Ausblicken und guter Besonnung.
    Analog dem Rathaus und dem Freihof sind die drei Vorstadt-Häuser auf einem Raster aufgebaut, welches sowohl Wohn- wie Büronutzung ermöglicht. Die klare Struktur mit tragender Fassade und Kern ist die Voraussetzung für eine hohe Planungs- und Nutzungsflexibilität.


    Tragkonstruktion und Baugrube

    Die Tragkonstruktion der Gebäude ist auf eine flexible Nutzung ausgelegt und besteht vollständig aus Stahlbeton. Tragend sind Fassaden, innenliegende Erschliessungskerne und - bei grösseren Raumtiefen - Stützen aus vorfabriziertem Beton. Damit ergeben sich ökonomische Spannweiten für die Ortbetondecken. Die Stabilisierung gegen Horizontallasten erfolgt über die Kernwände. Wo die Erschliessungskerne nicht durch die Parkgeschosse geführt werden können, ist eine Abfangdecke notwendig.
    In der Garage selbst ist der Stützenraster auf eine optimale Parkierung ausgerichtet. Die Deckenstärken ergeben sich durch die Nutzlast der darüberliegenden Geschosse resp. der Erdauflasten. Die Stützen sind vorfabriziert, erdberührte Aussenwände und Bodenplatte sind wasserdicht. Da die Gebäude über dem Grundwasserspiegel liegen, sind keine besonderen Massnahmen gegen drückendes Grundwasser erforderlich. Die Fundation erfolgt flach über die lokal verstärkte Bodenplatte im tragfähigen Baugrund.
    Durch die Einfahrtsrampe im Bereich Vorstadt werden die Möglichkeiten für eine spätere Überbauung nicht eingeschränkt und es sind keine speziellen Vorinvestitionen notwendig.

    Da die Baugrube tief und praktisch allseitig nahe an bestehenden Gebäuden oder Strassen liegt, ist ein vertikaler Baugrubenabschluss unabdingbar. Der Raum für eine rückverankerte oder in die Baugrube gespriesste Rühlwand ist im Projekt ebenso berücksichtigt wie die Aufrechterhaltung der Zugänglichkeit der benachbarten Liegenschaften während der Bauzeit.
    Tiefgarage / Anlieferung

    Die Einfahrt zur Tiefgarage ist direkt an den neuen Kreisel angeschlossen. Ohne eine Fahrbahn zu kreuzen, ermöglicht diese Anordnung ein einfaches Einfahren von allen Strassenzügen her. Indem ein grosszügig bemessener Stauraum im Innern der Tiefgarage auf der Rampe vorhanden ist, werden weder der Verkehr im Kreisel noch die Fussgänger von allfälligen Rückstaus tangiert
    Da die Fahrzeuge zuerst direkt in das tiefste Geschoss geleitet werden, ist eine gleichmässige Auslastung des Parkhauses zu erwarten. Die Geometrie der Fahrgassen und Parkfelder wurde mit Schleppkurvenuntersuchungen überprüft. Sie entspricht den Anforderungen der Komfortstufe B / II.
    Die Ausfahrt erfolgt von der obersten Parkebene ebenerdig in die Ringgasse und von da in die verlegte Churerstrasse. Auch bei der Ausfahrt ist ein genügender Stauraum vorgesehen. Der Knoten Ringgasse – verlegte Churerstrasse bleibt gut leistungsfähig, wie eine Überprüfung mittels Simulationsprogramm ergeben hat.
    Mit direkten Aufgängen zur Marktgasse, zum Rathausplatz und zur Vorstadt und der unmittelbaren Anbindung an den Coop und die Freihof-Passage von allen Parkebenen ist die Tiefgarage bestmöglich mit dem Planungsareal und der Altstadt verknüpft.
    Durch die vorgeschlagene Anordnung der offenen Zufahrtsrampe wird eine spätere Überbauung des Vorstadt-Perimeters nicht determiniert.

    Anlieferung

    Um nur einen minimalen Fassadenanteil des Freihofs zu beanspruchen, erfolgt die Anlieferung rückwärts von der Ringgasse her in die innenliegende Anlieferungsbucht. Die grosszügige Breite der Anlieferungseinfahrt ermöglicht ein direktes Einfahren der Lastwagen im ersten Anlauf. Aufgrund des genügend vorhandenen Platzes und der geringen Anzahl Anlieferungen verursachen die Rückfahrmanöver keine verkehrlichen Probleme.


    Beurteilung durch das Preisgericht

    Aus einer sorgfältigen Analyse der Stadträume und ihren Beziehungen zu den Bauten werden klare Regeln für den städtebaulichen Entwurf erarbeitet. Der Rathausplatz, der Rorschacherplatz und der Balmerhof funktionieren als neue Ordnungselemente im städtebaulichen Kontext. Form und Stellung der Neubauten auf den drei Perimetern reagieren präzise auf den nachbarlichen Bestand und schaffen unterschiedliche urbane Aussenräume. Allen drei Bauten gemeinsam ist ihre polygonale Grundform und Höhe. Trotz der interessanten Strategie der Abtreppung nach oben, verunmöglicht diese Konzeption der Gleichförmigkeit, die von der Jury als wichtig erachtete klare Unterscheidung von Altstadt und Vorstadt. Gleichzeitig ist der Übersprung der Massstäblichkeit der Grossvolumen auf die Bauten der Vorstadt zu hinterfragen. Die Anlehnung an die Architektursprache des Freihofs ist nicht zwingend. Altstadtkörper und Vorstadt müssten klar unterschieden werden. Die städtebaulich prägnante Ecksituation am Ende der Marktgasse wird durch die Stellung des neuen Rathauses zwar verengt, sie bildet jedoch mit dem axial stehenden Brunnen einen intimen kleinen Platz als Ende und Auftakt der historischen Marktgasse. Allerdings genügen die hier vorgeschlagenen Nutzungen kaum um eine attraktive publikumsmagnetische Situation zu schaffen. Zum intimen Platz, gesellt sich ein nächster, axial zum Kircheneingang stehender urbaner Raum. Rathaus und Kirche als Bedeutungsträger stehen am gemeinsamen Platz und bilden zusammen ein neues städtebaulich prägnantes Ensemble. Was als Nutzungskonzept von der Altstadt zur Vorstadt richtig angedacht ist, wird jedoch mit der vorgeschlagenen Passage durch das Freihofgebäude zu einem Ort in Altstätten, der funktional nicht bespielt werden kann.

    Im sehr kompakten Volumen des Rathauses sind sämtliche Ämter in Grossbüros
    untergebracht. Diese Konzeption ist hinsichtlich den Büros für leitende Funktionen, fragwürdig und müsste überdacht werden. Der Ratshausaal im obersten Geschoss gewährt einen überraschenden Ausblick auf die Altstadt. Die tragende Fassade mit den profilierten
    Kunststeinelementen bietet dem steinigen Charakter der Altstadt seine Referenz und etabliert das Gebäude als Rathaus von Altstätten.

    Das durch das Raumprogramm des Freihofs definierte grosse Volumen wird subtil heruntergebrochen. In den oberen Geschossen wird der skulpturale Baukörper aufgelöst, damit werden interessante, rundum belichtete Wohnungstypologien ermöglicht. Die Lochfassaden wirken banal und entsprechen nicht dem Niveau der beiden anderen Bauten. Die Skalierung des Volumens hat zur Folge, dass der Grossverteiler in das Untergeschoss verlegt werden muss. Dies wird grundsätzlich als möglich erachtet. Der Lichthof über dem Treppenabgang müsste jedoch vergrössert werden und architektonisch attraktiv gestaltet sein. Die vorgeschlagene polygonale Längsform des Grossverteilers, mit der seitlichen Anlieferung, ist aus funktionalen Gründen unmöglich

    Die Tiefgarage ist ein immenses Konstrukt von sehr komplizierten, langen Fahrspuren und Rampen. Mit ihrer schieren Grösse erreicht sie ein Ausmass das nur schwer etappierbar ist. Die lange komplizierte Durchfahrt durch die Garage ist für die verschiedenen Benutzer unübersichtlich und unattraktiv. Die Zufahrt zur Garage ist an dieser Stelle aus verkehrstechnischen Gründen unmöglich.
    Die grosse Qualität des Entwurfs liegt in der klaren Disposition von Baukörpern und Aussenräumen, der Schaffung von übergeordneten Bezügen von Altstadt zur Vorstadt und dem sensiblen Umgang mit dem historischen Kontext in Bezug auf Volumen, Materialisierung und Typologie der Bauten.


    Beurteilung Verkehr
    Die Zufahrt zur Anlieferung funktioniert nur unter erschwerten Bedingungen (Verkehrsbehinderung Ringgasse, Problem Verkehrssicherheit). Für eine neue städtebauliche Gesamtlösung (inkl. Verkehr) ist das ungenügend. Die Schleppkurven reichen ca 1.5m ins Balmerareal.

    Ein- und Ausfahrt Parkhaus sind getrennt, was an sich positiv ist. Die Einfahrt ist direkt ab dem Kreisel vorgesehen. Das Problem ist die Höhenlage. Es müssen 3 Geschosse überwun-den werden, bis eine Durchfahrt - im 4. UG - möglich ist, um sich auf dem Areal Freihof wieder zur Ausfahrt hochzuschrauben. Diese Strecke muss bei jedem Parkvorgang zurückgelegt werden, was ein grosses Hindernis darstellt für die Benutzerfreundlichkeit.

    Die VerfasserInnen sehen keine oberirdischen Parkfelder vor.