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  • DE-96450 Coburg
  • 02/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-224270)

Bürgerhaus Wüstenahorn


  • 1. Preis


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    Architekten
    STUDIO GRÜNDER KIRFEL, Bedheim (DE)

    Verfasser
    Florian Kirfel , Anika Gründer

    Preisgeld
    13.500 EUR

    Erläuterungstext
    Das Haus am See ist geprägt durch fünf Gestaltungsmerkmale, die zu einem Gesamtbild verschmelzen. Entstanden sind diese aus einem Diskussions- und Entwurfsprozess über die Nutzungen und Nutzer und über den Ort:

    1. Durchblicke_ Ein klarer Grundriss mit einer transparenten Hülle ermöglicht Durchblicke durch das Haus auf den dahinterliegenden See. Gleichzeitig mindert die Transparenz und Einsehbarkeit auch die Hemmschwelle, das Haus zu betreten. Durchblicke durch das Haus und am Haus vorbei, machen den See von Straße und Platz aus präsent.

    2. Großes auskragendes Dach_ Auf dieser transluzenten Ebene ruht ein verlässliches Dach. Es kragt zu allen Seiten weit aus und bietet damit Sonnenschutz, Wetterschutz und eine Zone für ein geborgenes Ankommen oder Verweilen. Das große Dach verleiht dem Haus einen ganz eigenen Charakter, welcher die Bürger von Wüstenahorn begrüßt und mit welchem sie sich identifizieren können.
    In seiner Formensprache zwischen japanischem Tempel und traditionellem deutschen Walmdach oszillierend, überwiegt durch die oberfränkische Schiefereindeckung doch die heimische Sprache. Auch schlägt die Schiefereindeckung einen Brückenschlag zu der umliegenden Bebauung.

    3. Kamin_ Ein Kamin in Foyer und Bürgercafé gibt dem Haus etwas Verlässliches, Einladendes und Gemütliches. Das Haus am See aus dessen Schornstein Rauch aufsteigt, weckt ein Urbild in uns.

    4. Sockel_ Das transparente Erdgeschoss ruht auf einem Sockel aus geschlämmten Ziegelmauerwerk. Dieser verleiht dem Haus etwas Bodenständiges, übernimmt an der Nord-West-Ecke die Funktion eine Außenbank und ermöglicht gleichzeitig im darunterliegenden Geschoss eine angemessene Raumhöhe. Wenige Stufen und ein Rampe sind in diesen Sockel integriert.

    5. Robustheit_ Während von außen der Eindruck eines filigranen transparenten Eingangsgeschosses, auf dem ein mächtiges Dach ruht, überwiegt, entpuppt sich der Innenraum als erstaunlich robust. Die, hinter der Glasfassade liegenden, das Haus tragenden Holzstützen werden sichtbar, der Kern zeigt sich im gleichen geschlämmten Mauerwerk wie Sockel und Nebengebäude. Der Fußboden besteht aus starken, stumpf verlegten Kieferndielen. Die Möblierung ist solide. Das Haus kann und will benutzt werden, ohne das sich seine Nutzer wie Elefanten im Porzellanladen fühlen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die eindeutige städtebauliche Zuordnung des Bürgerzentrums zum Landschaftsraum des Wolfgangsees wird begrüßt. Die Raum- und Wegefolge Quartiersplatz, Seeterrasse und Promenade entwickelt sich schlüssig und bindet das kompakt-polygonale Gebäude sehr selbstverständlich ein. Auch die Flächenzuschnitte und Proportionen sind gut getroffen und angemessen, nur das vorgeschlagene Obermaterial Kies wird hinsichtlich eingeschränkter Funktionalität und erhöhten Pflegeaufwands angezweifelt und eine etwas großzügigere östliche Anbindung an den See gewünscht.

    Der Eingang ins Bürgerhaus liegt vis-a-vis der Bushaltestelle richtig und führt mittig in ein gut gestaltetes Entree, dem sich die wichtigen Funktionen unmittelbar anlagern. Die jeweiligen Einzelbereiche und -nutzungen scheinen dabei durchaus variabel und sollten bezüglich der Ecklage des großen Veranstaltungsraumes (befürchtet wird häufiger Leerstand zum Quartiersplatz) überprüft werden.

    Der massive Kern mit Treppe, Aufzug und dem schönen Kamin bietet zugleich eine räumliche wie soziale Mitte, was Kommunikation und Inklusion im Haus fördern wird.

    Die umfassende Holz-Glas-Fassade verspricht rundum attraktive Sichtbeziehungen und wird durch den großen Dachüberstand hinreichend verschattet.

    Die massive Sockelausbildung integriert die geforderten Außennutzungen wie Müll- und WC-Räume in geschickter Weise und gibt den Seminarräumen einen direkten Seebezug. Dieser könnte durch präzisere Fensterformate noch gesteigert werden.

    Der expressive Habitus des Gebäudes mit der Schichtung aus massivem Sockelgeschoss, gläserner Hauptebene und hohem Walmdach wird in seiner natürlichen Materialität aus geschlämmtem Mauerwerk, Holz und Schiefer auch aus regionalen Bezügen gut nachvollziehbar, ohne japanische Tempelbauten bemühen zu müssen.

    Kompaktheit und baulicher Aufwand scheinen im Rahmen der gegebenen Kosten denkbar, wobei einzelne Materialien (Schieferdach) und technische Zurüstungen (Photovoltaik) diesen eventuell überschreiten werden.

    Ein eigenständiger Beitrag, dessen Wirkung im und auf den baulichen Kontext sehr spannend zu werden verspricht, von manchen aber in seiner Fremdheit durchaus kritisch gesehen wird.


INFO-BOX

Angelegt am 01.03.2016, 14:27
Zuletzt aktualisiert 13.04.2016, 07:44
Beitrags-ID 4-116937
Seitenaufrufe 145

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