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  • Anerkennung

    Perspektive Haupteingang, © Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

    Architekten
    Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Köln (DE), Dresden (DE), Breslau (PL), Berlin (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Dr. Alexander Gyalokay

    Preisgeld
    4.300 EUR

    Erläuterungstext
    Grundgedanke ist die konsequente Weiterentwicklung der vorhandenen Gebäudestruktur des Robert-Rössle-Instituts in eine kompakte Gebäudekubatur unter Anlehnung an die vorhandenen Öffnungsstrukturen und Oberflächenmaterialien, die klare Fortsetzung der Wegestrukturen sowie die Schaffung eines gleichrangigen neuen Eingangs auf der Ostseite des Campus. Durch großräumige Nutzungseinheiten mit hoher Flexibilität von Installation und raumbildenden Ausbau finden die Anforderungen an ein modernes, an die Zukunft anpassbares Laborgebäude Berücksichtigung.
    Das funktionelle Konzept sieht eine Grundordnung des Gebäudes mit Erschließungskern im Norden und dem eigentlichen Institutsgebäude im Süden vor. Das Institutsgebäude teilt sich wiederum auf drei Obergeschossen in die westlich orientierte Laborzone, eine östlich orientierte Bürozone sowie am südlichen Kopfende befindlichen Sonderräumen auf. Die Laborzone besteht je Geschoß prinzipiell aus zwei Nutzungseinheiten, deren Trennung jedoch flexibel festgelegt werden kann. Die Laborzonen sind prinzipiell frei gestaltbar: die in den oberen beiden Geschossen befindlichen Translationsarbeitsgruppen besitzen durchgängige Auswertezonen an der Fassade, die mit einer transparenten Trennwand abgetrennt sind und über die Stirnseiten auch direkt von außen betreten und verlassen werden können. Die Labornebenräume können dabei sowohl aus den Laborzonen als auch von außen betreten werden. Im Erdgeschoss werden bei gleichem Grundlayout die Omics-Räume untergebracht. Die nicht-belichtete Kernraumzone wird auf eine Breite von 7,20 m ausgeweitet, auf die separate Auswertzone wird verzichtet.
    Ein Aufenthaltsbereich mit direktem Ausgang auf eine Terrasse im Hof ermöglicht zwischen den beiden Nutzungseinheiten ein Zusammenkommen der Mitarbeiter. Im Untergeschoss befinden sich ergänzende Nebenräume sowie Technikflächen. Das Fassadenkonzept versteht sich als Fortsetzung des bestehenden Gesamtkomplexes. Die Außenwände nehmen mit einer hellen, durch Schlämmung homogenisierten Klinkerfassade Bezug auf den vorhandenen mineralischen Kratzputz des Bestands.
    Die Öffnungsstrukturen spiegeln ebenfalls den Formenkanon wieder: die Lochfassade der Büroflächen im Osten und Süden, die Bandfassade der Laborflächen im Westen die Horizontalität, die auch die Balkone der Südfassade von Haus 49 besitzen, das Eingangsgebäude die Rahmenstruktur, die sich u.a. auch an die Westfassade von Haus 46 findet. Die Andeutung von Gesimsstreifen nimmt Bezug auf die klassizistische Ordnung des Ensembles.
    Der eher rauhen, natürlichen Fassade werden hochwertige Fensterelemente entgegengesetzt. Im Bürobereich kommen Holz-Aluminium-Fenster mit Dreifachverglasung zum Einsatz. Die Lüftung erfolgt über einen separaten Lüftungsflügel, so dass hier auf eine Lüftungsanlage verzichtet werden kann. Die Laborfassade erhält Fensterbänder in Aluminiumausführung. Alle Fassaden besitzen einen beweglichen Sonnenschutz als Lamellenraffstore, der in der Dämmebene geparkt werden kann

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Ergänzung der Gebäudestruktur an der Robert Rössle Klinik ist durch einen dreigeschossigen, in seiner Höhe gleichbleibenden, Baukörper ruhig gelöst. Mit der Ausbildung eines Kopfbaus und einer Fuge zum Längsbau wird eine Differenzierung versucht, die mit der inneren Gliederung und Funktionszuordnung übereinstimmt.
    Das Material des Baukörpers, bestehend aus geschlemmter Klinkerfassade, vermittelt zum Bestand der Umgebung. Die Unterscheidung der Fassade hinsichtlich Labor- und Büronutzung bzw. Garten- und Straßenseite fixiert die Nutzungszuordnung, schränkt jedoch die Flexibilität entsprechend der Funktionszuordnung ein.
    Die transparente Gestaltung des Kopfbaus ist für den Haupteingang, die öffentliche Erschließung und die angeordneten Bereiche Café und Besprechungsräume angemessen. Die Anbindung an Haus 47.1 im Erdgeschoss ist gelöst, in den oberen Ebenen jedoch nur mit aufwendiger Erschließung über Brücken, Stufen und Hebevorrichtungen vom offenen Atrium. Das Atrium insgesamt als Lösung zur Anbindung an den Bestand überzeugt nicht.
    Der Neubau ist vom Haus 50 abgerückt und bindet nur über einen schmalen Glasgang an, die Belichtungsverhältnisse des Neubaus sind in diesem Bereich entsprechend eingeschränkt.
    Die Laboranordnung innerhalb des Gebäudes ist funktional gut gelöst. Die Flexibilität für sich ändernde Nutzungsanforderungen oder geänderte Zuschnitte von Arbeitsgruppen wird als positiv eingeschätzt. Die Anordnung einzelner Nebenräume für gesonderte Nutzungsarten sowie die dezentralen Kommunikationszonen auf den Laborebenen sind für die betrieblichen Prozesse förderlich.
    Die Zentralschächte verspringen zwischen Ober- und Erdgeschoss, was bei der weiteren Planung überarbeitet werden müsste.
    Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten stellt der Entwurf eine angemessene Lösung dar.