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  • DE-24534 Neumünster, DE-24119 Kronshagen
  • 03/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-206250)

Bau eines Familienzentrums im Stadtumbaugebiet „Stadtteil West“


  • 1. Preis

    Lageplan, © h2 architekten + städtebauer & scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: architekten h2 Haverkamp Holthaus, Emsdetten (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der Idee eines neuen Familienzentrums bietet sich für den Stadtteil West die Chance, einen lebendigen Gemeinschaftsort städtischen Lebens mit hoher Identität zu schaffen.
    Der Entwurf bildet den Abschluss der öffentlichen Grünachse und integriert sich damit selbstverständlich in die Bebauung des Quartiers. Die Anlage ordnet sich in das umgebende Grundgefüge ein, ohne seine Funktion als öffentlicher, neuer Identi­fikationspunkt im Quartier zu vernachlässigen. Dies geschieht vor allem durch Auf­nahme der Ortstypologie, aber auch durch die auf den Ort "ausstrahlenden“ Bereiche des neuen Forums und des Bewegungsraumes, die der Philosophie des Familien­zentrums in höchstem Maße Rechnung tragen

    Wegefolgen
    Der Entwurf orientiert sich konsequent an den vorgegebenen Prämissen. Der dem Forum vorgelagerte Stadtteilplatz, das Forum selbst, aber auch die trotz Abgrenzungs­möglichkeit gegebene Durchlässigkeit der Bereiche Kita, Familienzentrum sowie Projekthaus sind geprägt vom Gedanken der Verknüpfung und der Schnittstellen.
    Der neue Stadtteilplatz bildet das Entrée des neuen Forums entlang der stadtteil­vernetzenden Grünachse und lässt sich auch für Feste etc nutzen.
    Das Forum schafft im zentralen Gelenk des Gebäudes einen Verweilort, in dem sich die Haupterschließung und frei bespielbare Kommunikationszonen befinden.
    Die Kita schließt südlich an, die Krippe ebenerdig mit den erforderlichen Orientierungs- und Kontrollfunktionen zum Eingangsbereich. Im OG liegt der Elementarbereich, der über verschattete Außenbalkone mit einer Außentreppe Zugang zum eigenen Spielbereich ermöglicht.
    Das Projekthaus unterteilt seine Räume in 2 Ebenen. Über die eigene Lounge, durch Trennwände beliebig bespielbar, wird ein Blick vom Forum über den MFR zur Grünachse möglich. Neugierde wecken, Blickkontakt und Begegnung fördern – permanentes Entwurfsziel.
    Die weiteren Räume des Projekthauses erschließen sich über eine Brücke oberhalb des Forums. Abgeschlossenheit, bei gleichzeitiger visueller und akustischer Ver­netzung.
    Die Gruppenräume und der Medienraum mit Blick in den Spielhof, bieten schnellen Zugang, am Bewegungsraum entlang, zum eigenen Freibereich.
    Barrierefreiheit ist vollständig erfüllt. Ebenerdige Bereiche sind über das gewünschte Maß hinaus umgesetzt. Treppen zu den separaten Außenbereichen, Durchblicke untereinander, zu Park und Forum vernetzen das Zentrum mit seinem Außenraum und dem Stadtteil. Der Bewegungsraum hat durch seine Position oberhalb des Projekthauses und seine exponierte Kubatur eine starke Strahlkraft in den Stadtteil hinein.

    Materialität
    Das Gebäude präsentiert sich mit einer Klinkerfassade als Projekt der Region. Das Material lehnt an die historische Mauer an, die im geschützten Kita- und Familienzentrumsbereich als Abgrenzung für den Freibereich und als Wand der Außenabstellräume dient. Zudem erhält der Bauherr hier eine Fassade mit geringen Instandhaltungskosten und hoher Nachhaltigkeit. Das Gebäude gliedert seine Raumfolgen in verglaste, einladende Bereiche zum einen und in geschützte, Bereiche zum anderen.

    Freiraumkonzept
    Das freiraumplanerische Konzept setzt die städtebauliche Figur des Familienzentrums fort und baut auf Verzahnung zwischen Drinnen und Draußen. Der subtil durch niedrige Klinkermauern in die Funktionsbereiche Außengelände Elementarbereich, Krippe und eine Außenterrasse für die Mensa gegliederte westliche Freibereich bietet vielfältige Spiel- und Aufenthaltsbereiche im Freien. Der durch verschiedene Ober­flächen wie Rasen, farbige EPDM-Beläge und Sand strukturierte Spielhof wird durch Klinker- und Holzterrassen gerahmt. Eine Zierkirschenbaumreihe zwischen Kita und Projekthaus sowie 3 Solitärbäume betonen den grünen Charakter des Hofes.
    Das Zentrum des heckenumsäumten Hofes am Projekthaus bietet eine großzügige Gemeinschaftsterrasse, die den Multifunktionsraum konsequent nach außen erweitert. Weitere Treffpunkt- und Kommunikationsräume im Freien bilden die Jugendlounge unter Bäumen und die höhenausgleichenden Rasensitzstufen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeigt eine eindeutige städtebauliche Gliederung, die aus drei Flügeln besteht, was vom Preisgericht gelobt wird. Das Gebäude, als Abschluss der öffentlichen Grünachse, ist von seinen Riegeln sinnvoll positioniert. Insbesondere die Geste, die hierdurch an der östlichen Grundstücksecke einen Vorbereich erzeugt, der gleichermaßen den Haupteingang mit daneben angeordneten Stellplätzen aufnimmt, wird begrüßt.

    Die historische Mauer bleibt erhalten, sie wird als Rückwand für Abstellmöglichkeiten genutzt (...)

    Das Forum, als zentrales Gelenk, unmittelbar am Zugang gelegen, verbindet alle Bereiche barrierefrei und bietet sich nebenbei für mögliche Veranstaltungen jedweder Form gut an. Die Kita ist eindeutig erreichbar und räumlich klar über zwei Geschosse untergebracht, wobei die Krippe im EG liegt. Lediglich die Anbindung der Kita an den Mensaraum sollte verbessert werden.

    Das Projekthaus ist ebenfalls auf zwei Ebenen untergebracht; es liegt zu den Beratungsräumen getrennt, die über einen eigenen Eingang verfügen. Die Verbindung des Projekthauses erfolgt über eine Flurbrücke über dem Forum hin zu den Gruppenräumen und dem exponiert liegenden Medienraum.
    Im Nordbereich ist der EG-­Multifunktionsraum geschickt mit Kreativraum und Küche verbunden. Der darüber liegende Bewegungsraum mit eigenem Treppenaufgang liegt richtig. Die Fassadencharakteristik mit Ziegelmauerwerk entspricht hiesiger Bautradition, die sicher und spannungsvoll gestaltet ist. Insbesondere die Unterschiedlichkeiten der verschiedenen Gebäudeseiten spiegelt unterschiedliche Nutzungen wieder, was begrüßt wird. Auch die Innenraumperspektive verspricht ein qualitätsvolles, spannendes Eingangserlebnis.

    Die Außenraumgliederungen mit direkter Verbindung von der Krippe zu ihren Spielflächen und der Treppenzugang vom Elementarbereich zu den abgegrenzten Außenflächen wird positiv gesehen. Der Bereich des Multifunktionsraumes erhält eine Terrassenfläche im Norden, die getrennt von den Kleinkinderflächen liegt, was geeignet erscheint.

    Die Kennwerte von BGF, Hüllflächen, BRI liegen im Mittelbereich.
    Die vorgeschlagene Konstruktion gemäß der Schnittdarstellung lassen eine wirtschaftliche Erstellung erwarten.