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  • DE-41564 Kaarst, DE-41564 Kaarst
  • 03/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-228167)

Karlsforster Straße


  • 1. Preis

    Gesamtkonzept

    Landschaftsarchitekten
    plan b - Jürgensmann Landers Landschaftsarchitekten Partnerschaft mbB, Duisburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Jürgensmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: rheinruhr.stadtplaner, Essen (DE)
    Landschaftsarchitekten: SUD[D]EN Gärten & Landschaften, Krefeld (DE)
    Architekten: KNIRR + PITTIG, Essen (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Das landschaftliche Konzept baut auf dem Fußabdruck der orthogonal parzellierten Landwirtschaftsflächen auf und setzt diese in einen extensiven "Parc agricole" um.

    Dabei markiert eine Reihung von Säuleneichen die Trennlinie zwischen Siedlung und siedlungsnahem Grün sowie Landschaft und Landwirtschaft, begleitet von einem Weg, der der Linie der Bäume folgt.

    An der Ecksituation Neuhofstraße / Karlsforster Straße bietet das an der Baumreihe aufgespannte Sichtdreieck weite Blicke in die Landschaft, die Flächen werden weiterhin von der Landwirtschaft als 2-schüriges Grünland extensiv gepflegt.
    Auf der der Siedlung zugewandten Seite sorgt eine Obstwiese für ökolo-gischen Ausgleich und ist regionaltypisches Gestaltungselement am Ortsrand. Hier können die Bewohner des Viertels im Sinne einer Allmende einen Pflückgarten anlegen und betreiben oder der örtliche Naturschutz verarbeitet das Obst zu Kaarster Appelsaft. Die Obstwiese kann - sofern in der Dreiecksfläche neben den Reihenhäusern an der Karlsforster Straße nicht gebaut wird - nach Süden fortgesetzt werden.

    Das in Verlängerung der Heinrich-Lübke-Straße entstehende Freiraum-band beginnt im Quartier mit einem steinernen Platz, der für kleine Feste, Märkte, für das Skaten und Rollerbladen – oder einfach nur zum Verweilen befestigte Bereiche und Sitzmöglichkeiten anbietet. In diese harten Flächen mischt sich - einem "Barcode" ähnlich - bandförmig Grün - erst als gepflegter Rasen, je weiter nach Westen, desto mehr als Wiese. Die vegetationsfreien Bänder werden dann auch für das Aufstellen von Spielgeräten für Kinder, Junggebliebene und Senioren genutzt.

    An die Eichenreihe angelehnt - wegen der Wegediagonale für Fußballer ungeeignet - liegt ein Bewegungsspielbereich für Jugendliche und ein Fitnessareal für Erwachsene, wiederum in einer linearen Bandstruktur.

    Quartiersnah kann eine Wiesenmulde einerseits Aufenthalts- und Veranstaltungsarena sein, andererseits können bei Starkregen die Flächen für Teile der Bebauung für einen Einstau von Niederschlagswasser (20 cm) genutzt werden, um Abflussspitzen zu meiden.

    Nördlich der geplanten Bebauung an der verlängerten Heinrich-Lübke-Straße kommen auch die Hunde einschließlich ihrer Besitzer zu ihrem Recht, hinter einer kleinen Gehölzfläche liegt eine Wiese, die für einen gefahrlosen Auslauf reserviert ist. Östlich davon wird eine ökologische Aufforstungsfläche ergänzend zum Bestand entwickelt.

    Die Kulisse aus Säuleneichen endet an der Heinrich-Lübke-Straße, der Feierabendweg um die Siedlung setzt sich in der grünen Fuge zwischen Bestand und Neubau nach Süden bis an die Karlsforster-/ Mörickestraße fort.
    Nach Norden und Westen sorgen die aus der Siedlung verlängerten Wegeachsen für die Verbindung mit dem stadtweiten Wege- und Frei-raumverbund, kleine Dreiecksplätze helfen, Verweilbereiche zu definie-ren und neue Nachbarschaften zu begründen.

    Als Baumarten werden vorgeschlagen: für die Landschaftskante Säuleneiche Quercus robur "Fastigiata", für die Erschließungsstraßen Blumeneschen Fraxinus ornus "Meczek" und für die Obstwiese lokale alte Obstsorten als Hoch- und Halbstämme.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der städtebauliche Entwurf beinhaltet eine gelungene Aufnahme der vorhandenen
    sladtebaulichen Vorprägung sowohl hinsichtlich der Situation entlang der
    Roseggerstraße als auch hinsichtlich der vorhandenen Bebauung im Bereich des
    Stichweges an der Karlsforster Straße.
    Die Geschosswohnungsbaubereiche im Osten sind so aufgelockert, dass trotz. der
    hohen Anzahl an Wohneinheiten kein Eindruck von hoher Dichte entsteht. Die
    Geschosswohnungsbauten im Norden sorgen für einen vergleichsweise guten
    Schallschutz des Gebietes. Die Gebäude sind in nord ~sa d- oder ost-westausgerichtet
    und somit auch fOr die Integration von Solarenergieanlagen geeignet.
    Die gewählte Abstufung der Geschossigkeit von 111+ bis 11+ reagiert auf die
    vorhandene Bebauung und bildet zugleich einen harmonischen Übergang zur
    Landschaft. Die erreichten Flächenanteile von ca. 40% Bebauung entsprechen dem
    suburban-Iändlichen Charakter des Plangebiets.
    Das gewählte Erschließungssystem mit Anbindung an die Heinrich-LObke Straße und
    die Karlsforster Straße ist einfach, eindeutig und flächensparend. Hinzu kommt, dass
    der Verkehrsraum durch Aufweitung und Verengung als 'Shared Space' und nicht
    nur als Straße für den motorisierten Individualverkehr wahrgenommen wird und
    Aufenthaltsqualität bietet. Die Anzahl der öffentlichen Stellplätze erscheint zu gering
    und wäre in der weiteren Planung zu erhöhen.
    Das Freiraumkonzept ist überzeugend, da es zum einen eine Verbindung aus dem
    Quartier in die Landschaft bildet und zum anderen eine Unterscheidung von
    gestaltetem, bespieltem Freizeitraum zum offeneren Landschaftsraum trifft und diese
    Schnittstelle durch eine Alleeausbildung pointiert. Der Freiraum ist nicht nur fOr die
    unmittelbaren Bewohner gut erreichbar, sondern auch fOr die angrenzenden
    Quartiere durch ein durchdachtes Fußwegekonzept attraktiv. Positiv ist auch die sehr
    bewusste Fußwegeausbildung von Süden fast parallel zur Alten Landwehr, die eine
    Öffnung des Blickes in die Landschaft ermöglicht. Die Fortführung des
    Waldbereiches im Norden ist ebenfalls positiv zu bewerten. Die Parallelität von
    Freiraum und bebaubarer Fläche ist ein Alleinstellungsmerkmal dieses Entwurfes.
    Die Platzierung des Mehrgenerationenwohnens an der alten Landwehr ist aus Sicht
    des Preisgerichts zu hinterfragen, da diese Wohnform grundsätzlich gemeinschaftsorientiert ist und eine Platzierung innerhalb des Wohngebietes diesem Gedanken mehr entspräche. Dort könnte auch die Freirauminfrastruktur durch die Bewohner des Projektes besser genutzt werden.
    Insgesamt entwickelt der Entwurf in allen drei Kategorien [Städtebau, Erschließung &
    Freiraum1 differenzierte und zugleich robuste Lösungen auf durchweg hohem Niveau.