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  • DE-33689 Bielefeld, DE-44803 Bochum
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-228692)

Wohnquartier Bleicherfeldstraße


  • 1. Preis

    Spielplatz für Alt und Jung in der Mitte

    Architekten
    Baufrösche - Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel (DE)

    Erläuterungstext
    Wohnquartier Bleicherfeldstraße Bielefeld Sennestadt

    • Städtebau
    Ziel unseres Vorschlags ist den Charakter der Wohnsiedlung mit wenigen Eingriffen zu
    verbessern und die günstigen Wohnungsmieten nicht zu gefährden. Die bereits begonnene
    Sanierung der Fassaden und der Wohnungen wird sensibel weitergeführt. Das bestehende
    Farb- und Gestaltungskonzeptes (Reichow) bleibt Grundlage für das gesamte
    Sanierungskonzept. Gestalterischen Spielraum sehen wir bei der Neukonzeption der
    Treppenhausfassaden, den Balkonen und den Nebenanlagen im Freiraum. Die Grundrisse
    sind gut! Veränderungen im Grundriss, um die gewünschte Ergänzung im Wohnungsmix
    herzustellen, sind nur mit großem Aufwand möglich (Statik, Installation, zu große
    Wohnungen durch Zusammenlegung...) und werden deshalb von uns nicht empfohlen.
    Wir sehen eine Ergänzung und Erneuerung in Teilbereichen der Siedlung vor. So entsteht
    ein prägnanter Auftakt zur Siedlung, der die Identifikation der Bewohner bewahrt und
    zugleich fördert. In den Neubauten können unterschiedliche Wohnungstypologien angeboten werden, von barrierefreien und Behindertengerechten Wohnungen, Appartements, betreutes Wohnen, Wohnungen mit Dachterrasse oder eigenem Garten, Familienwohnungen und auch Reihenhäuser sind in den Hausbausteinen möglich. Aus städtebaulicher Sicht ist auch ein prägnantes Gebäude am Bärenplatz gut vorstellbar, z.B. ein „Turmhaus“ über dem Sparkassenpavillon.
    Die Parkierung erfolgt im Straßenraum und in Sockelgaragen. Es soll gewährleistet werden, dass ein ausreichendes Parkierungsangebot für das gesamte Quartier geschaffen wird.

    • Außenraumkonzept
    Der Entwurf begegnet den vorgefundenen Missständen durch eine klare Zonierung und
    Klassifizierung in öffentliche, halböffentliche und private Außenräume.
    Dem Bewohner der Siedlung wird privater Außenraum in den Erdgeschoßzonen zuteil, sowie großzügige nachbarschaftlich genutzte Flächen. Des weiteren erhalten die Anwohner in unmittelbarer Umgebung ihrer Wohnung einen qualitätsvollen öffentlichen Park.
    Zusätzlich zu einer neuen Wegeführung innerhalb des Quartiers ist die Anbindung durch
    eine Achse bis zum Bärenplatz geplant. Über gestaltete Parkwege wird das Quartier in die
    umgebende Landschaft angebunden.

    So soll zum einen ein nachbarschaftliches Miteinander entstehen und zum anderen soll die Identifizierung der Bewohner mit ihrem Quartier gestützt werden.

    • Außenraum/Zonierung
    Der Charme der Siedlung stellt vornehmlich der gepflegte alte Baumbestand und die
    Landschaftliche Modellierung der Freiflächen dar. Dies wird zum integralen Bestandteil der
    Gestaltung. Der Baumbestand soll, wenn nötig, durch ortstypische Gehölze ergänzt werden.

    Einzelne Wohnriegel werden über den Außenraum zusammengefasst und bilden eine
    Hofsituation. Innerhalb dieser Höfe soll sich ein nachbarschaftliches Miteinander entwickeln können. Der Außenraum als Treffpunkt. Diese Nachbarschaften (halböffentlichen Räume) sind durch eingeschossige Nebengebäude bzw. Carports von den öffentlichen Straßen abgegrenzt. In diesen Nebengebäuden sind die Müllstandorte untergebracht. Weitere Nebenräume für Fahrräder, Kinderwagen und Rollatoren befinden sich gegenüber der Zugänge zu den Häusern.
    Zusätzlich zu den gemeinschaftlich genutzten Flächen werden im Erdgeschoss private
    Gärten angelegt, die von Hecken (Buchenhecken) umschlossen werden.

    Unter kleinen Baumgruppen und Solitärbäumen (die Bestandsgehölze werden erhalten),
    werden in der „Grünen Mitte“ geschützte Außenräume gebildet die als Kleinkinderspielplatz, Fitnessspielplatz für Senioren, Grillplatz oder Ruhezone nutzbar sind.

    Im Bereich der öffentlichen Parkflächen werden neue Wege unter den mächtigen
    Bestandsgehölzen angelegt. Ergänzt werden diese durch befestigte Flächen als Inseln im
    Grünen. Sie werden als Aktionsflächen angelegt und bilden Raum für Spielplätze aller
    Altersgruppen, Picknickzonen und Sportfelder. Hier sollen Treffpunkte im öffentlichen Raum entstehen. Der Raum wird zu einem Landschaftspark für Kinder, Jugendliche und Flaneure.

    Insgesamt hält sich die Außenraumgestaltung zurück. Eine kostensparende Realisierung
    und ein geringer Pflegeaufwand stehen hierbei im Vordergrund. Der Anteil der versiegelten
    Fläche wird minimiert und die Bestandshöhen werden beibehalten. Zusätzlich wird ein Fokus auf robuste Materialien und Ausstattungselemente gelegt, um den Pflege- und
    Wartungsaufwand zu mindern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das behutsame Eingreifen der Verfasser in den Freiraum und in den Gebäudebestand wird von der Jury insgesamt als positiv und angemessen angesehen. Von daher ist es konsequent, wenn sie das geforderte alternative Wohnungsangebot in Form von Neubauten anbieten. Allerdings erscheint fraglich, ob sie an dieser Stelle wirtschaftlich errichtet werden können und ob in dieser Lage eine entsprechende Nachfrage bestünde. Und es stellt sich die Frage, wie mit diesen Flächen umgegangen wird, falls die neue Bebauung nicht kommt.

    Bei den Bestandsgebäuden lobt das Preisgericht den sensiblen Umgang mit der Bausubstanz. Die Erweiterung der Balkone wird als Wohnwertverbesserung gesehen. Auch die Ergänzung von Stellplätzen nach dem Modell der Bleicherfeldstraße am Biber- und Hirschweg scheint sinnvoll. Durch die Ergänzung mit Carports und Nebengebäuden entstehen so halböffentliche Höfe mit vielfältiger Nutzungsmöglichkeit und Verbesserung der Privatheit. Die Ergänzung von Nebengebäuden für Kinderwagen und Rollatoren wird generell begrüßt, jedoch kann der Standort in nur geringem Abstand gegenüber dem Eingang nicht ganz überzeugen.

    Die Freiraumgestaltung erfolgt durchgehend auf klare und einfache Weise. Die deutliche Hierarchie der Wegebeziehungen wird positiv gesehen. Eine einheitliche Hecke als Abgrenzung der Gärten im Erdgeschoss wird als gut empfunden. Auch die angedachte Rasenmodellierung ist mit wenig Aufwand zu realisieren und verändert nicht wesentlich den Charakter des vorhandenen Freiraums. Die geplanten, nur punktuell barrierefreien Zugänge überzeugen konzeptionell jedoch nicht. Treffpunkt und Spielplatz liegen folgerichtig in der aufgeweiteten Mitte des Wohnquartiers, stellen mit ihrer zurückhaltenden Ausstattung eine sinnvolle Ergänzung zum Quartiersmittelpunkt „Bärenplatz“ dar und machen ihm keine Konkurrenz.

    Insgesamt wirken die vorgeschlagene Freiraumaufwertung und Sanierung der Bestandsgebäude nachhaltig attraktiv und wirtschaftlich. Sie dürften sich stabilisierend auf das Quartier auswirken. Auch erscheint der zu erwartende Pflegeaufwand angemessen.


INFO-BOX

Angelegt am 12.04.2016, 16:14
Zuletzt aktualisiert 15.04.2016, 16:35
Beitrags-ID 4-119288
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