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  • DE-85354 Freising, DE-82031 Grünwald
  • 03/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-230445)

Angerstraße


  • 3. Preis

    © Ammann Albers StadtWerke & Studio Vulkan Landschaftsarchitekten

    Architekten, Stadtplaner
    Ammann Albers StadtWerke, Zürich (CH) Büroprofil

    Verfasser
    Priska Ammann , Martin Albers

    Mitarbeit
    Bartlomiej Cybula

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH, Zürich (CH), München (DE)
    Bauingenieure, Verkehrsplaner: Basler & Hofmann Ingenieure und Planer AG, Zürich (CH), Zollikofen (CH), Luzern (CH)

    Erläuterungstext
    Für ein attraktives Wohnen an diesem Ort ist die Qualität des Wohnumfeldes besonders wichtig, um trotz der Belastungen durch Lärm und Verkehr einen positiven Quartiercharakter zu entwickeln. Zwei Aspekte sind dabei für unseren Entwurf figurprägend:
    Zum einen die attraktive Anbindung an das Grünland im Westen und an die Isarauen im Osten,
    zum anderen die Integration der Angerstraße in das Wohnumfeld.

    Quartierplatz an der Angerstraße

    Die Angerstraße hat südlich des Umgriffs keinen wohnlichen Charakter. Ein Versatz in dieser Straße markiert deshalb den Beginn des bewohnten Gebietes – den eigentlichen Ortseingang. Er bricht die Geschwindigkeit des Verkehrs von der Umgehungsstraße her und macht die Durchfahrt für Lastwagen unattraktiv.
    An diesem Versatz entsteht ein Platzraum, der die prächtige, bestehende Baumgruppe aufnimmt und alle publikumsorientierten Nutzungen im Gebiet bündelt: Die Kita, die Überführung zum Schlüterareal und in den Erdgeschossen der umliegenden Bauten die wenigen, vorgesehenen Nichtwohnnutzungen. Im Ideenteil wird der Eingang des Lebensmittelmarktes an diesen Platz angeschlossen. Der Platz wird zudem von den Schlütertürmen jenseits der Bahn geprägt und bietet durch die nach Norden führende Gasse einen Blick auf Weihenstephan.
    Weil die publikumsorientierten Nutzungen beidseits der Angerstraße liegen, wird diese zu einem Binnenraum des Quartiers – mit dem Höchstmaß an öffentlichem Leben, das in dieser Lage erreichbar ist.

    Wohngewebe aus Gassen, Plätzen und Höfen

    Um den Platz herum entsteht ein kleinstädtisches Wohnquartier mit ruhigen Höfen, abwechslungsreichen Gassen und kleinen, autofreien Taschenparks, das den Bewohnern eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen und Nutzungsmöglichkeiten im Aussenraum bietet. Die Freiraumstruktur übersetzt die Großmaßstäblichkeit der Baukörper in eine kleinteilige, vielfach nutzbare Stadtraumstruktur: Der Alltagsraum verengt sich und weitet sich aus, umfasst Plätze für das Quartiersfest und Pocketparks für Spiel und den Aufenthalt im Grün.

    Die Schiefwinkligkeit des Gassensystems dient dazu, vom Platz aus angenehme und kurze Verbindungen zu schaffen – nicht nur in die neuen Wohnquartiere, sondern auch zu den bestehenden Straßen und Wegen der Nachbarschaft. Der Schleiferbach wird in den Straßenraum integriert, gen Westen bildet er die Schnittstelle zum Gewerbe längs der Gutenbergstraße, markiert den Eingang in die Kindertagesstätte bevor er östlich in das angrenzende Wohngebiet überleitet.

    Der westliche Zielpunkt des Gassensystems ist die Ecke Gutenbergstraße / Frühlingstraße und damit der Auslass ins westliche Grünland an der Moosach.
    Die Gassen sind durch Hauseingänge und private Wohnungsvorplätze geprägt. Für Autos sind die meisten Gassen nur in Notfällen befahrbar. Lediglich je eine Erschließungsschlaufe im Realisierungsteil und im Ideenteil dient dem Zubringerverkehr im Alltag.
    Die Tiefgaragen werden meist direkt von den das Areal umgebenden Straßen aus erreicht. Über die Erschließungsschlaufen werden nur die Tiefgaragen der wenigen Grundstücke in den Hinterlagen angefahren.

    Gleispromenade – aufgespannt zwischen Bahnhof, Moosach und Isarauen

    Entsprechend der umgebenden, sehr heterogenen Bebauung ist die Freiraumstruktur des Areals längs der Angerstraße in unterschiedliche Richtungen eingebunden. Die Bahngeleise sowie die Angerstraße selbst verbinden das Areal mit dem Zentrum und dem Bahnhof von Freising. Eine neue Gleispromenade angereichert mit Sport- und Freizeitnutzungen sowie gemeinschaftlich genutzten Schrebergärten säumt den Raum zur Bahn. Markiert durch eine Baumreihe dient die Promenade dem Langsamverkehr, an ausgewählten Orten knüpft sie an die Angerstraße und das Areal an. Somit wird auch die heutige Rückseite zur Bahn ein aktiver Baustein der bestehenden Quartiere sowie des neu entstehenden Wohnquartiers.
    In der Stadtrandlage von Freising hat auch die Einbindung des Areals quer zu den Gleisen in den umliegenden Landschaftsraum eine besondere Bedeutung. So ist das vorgeschlagene System von Gassen und Plätzen keine in sich abgeschlossene Figur, sie greift vielmehr gen außen und nimmt Bezüge aus der Umgebung auf. Über die Anschlüsse zu den Quartierstraßen hinaus entsteht so eine räumliche Verbindung von der landwirtschaftlich genutzten Ebene zur Moosach im Nordwesten über die Bahngeleise in die bewaldeten Auen längs der Isar. Der gen Südwesten ausgreifende Stadtfinger von Freising ist somit kein starrer Stadtkörper, die innenliegenden Stadträume sind vielmehr verwoben mit dem umliegenden Landschaftsraum.

    Im Herzen des Areals hat diese übergreifende Struktur eine besondere Funktion & Bedeutung: Der Schlüterplatz längs der Angerstraße bildet einerseits die erste Adresse des Areals, gleichzeitig markiert er mit einer neuen Fußgängerbrücke den Übergang zu den Schlüterhallen jenseits der Bahngeleise. Es entsteht so ein Platzpaar welches die öffentlichen & gewerblichen Nutzungen beidseitig der Geleise verbindet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser nähern sich der Aufgabe mit dem Begriff „Kleinstadtquartier“, das sie als ein typisches Merkmal für die Stadt Freising erkennen. Dementsprechend wird das Quartier mit unterschiedlichen schiefwinkeligen Perimeterblöcken gestaltet, die schöne und angenehme Stimmungen erzeugen können. Offensichtlich sind die Randbebauungen als Reihung von Einzelhäusern zu verstehen, die eine sehr angenehme Maßstäblichkeit bilden.
    Das so geschaffene Netz von Gassen und Plätzen reagiert gut mit der Umgebung und führt bestehende Verbindungen selbstverständlich fort.
    Der hierfür notwendige Erschließungsaufwand ist vergleichsweise hoch. Die vorgeschlagene Hauszeile im Nordosten vis a vis der Bestandsbebauung wird kontrovers diskutiert.
    Der Schalleintrag in die geplanten neuen Straßen ist nicht thematisiert, scheint aber beherrschbar.
    Die Idee des Kindergartens als Atriumtyp am Quartiersplatz ist interessant, wenn auch kostspielig und liefert eine gute städtebauliche Lösung im Verschwenkungsbereich der Angerstraße.
    Der vorhandene Baumbestand wird sensibel analysiert und weitgehend in den Entwurf integriert, der Schleiferbach fügt sich nach seiner Verlegung selbstverständlich in den Gesamtentwurf ein.
    Der Grundrissnachweis ist schlüssig und gut nachvollziehbar.
    Die wirtschaftlichen Kennwerte liegen im unteren Bereich, gegebenenfalls müsste die Geschossfläche erhöht werden.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen interessanten Beitrag zur gestellten Aufgabe dar. Die Frage, ob die gewählte Raumtypologie des Innenstadtquartiers an einem Standort zwischen Einfamilienhaus- und Gewerbegebiet angemessen ist, kann die Jury nicht klar zugunsten der Verfasser beantworten.