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  • CH-9315 Egnach, CH-9315 Egnach
  • 03/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-202843)

Entwicklung Gristenbühl


  • 1. Rang

    Ansicht von Dorfstrasse

    Landschaftsarchitekten
    SIMA | BREER, Winterthur (CH) Büroprofil

    Verfasser
    Rolf Heinrich Breer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Baumschlager Eberle Architekten, Lustenau (AT), Vaduz (LI), Wien (AT), Zürich (CH), Hong Kong (CN), Berlin (DE), Hanoi (VN), Paris (FR), Hamburg (DE), Saigon (VN), Kraków (PL)
    Investoren: Implenia Schweiz AG, Winterthur (CH), Dietlikon (CH)

    Preisgeld
    24.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Architektur
    Aus der Lektüre des Ortes auf dem Moränenhügel mit zweiseitigem Ausblick auf See und Berge sowie der solitären Lage des alten Schulhauses schlagen die Verfasser je zwei Einzelhäuser beidseitig des Schulhauses auf dem Grat vor. Die Häuser sind nicht auf einer Linie aufgereiht, sondern so zueinander verdreht, dass eine raumgreifende Geste mit dem vorspringenden Schulhaus in der Mitte entsteht.

    Die Höhenentwicklung in der Nord-Süd-Achse mit den mittig oder nach Süden gelegten Attikageschossen ist ein guter Ansatz. Die Baukörper erscheinen dadurch vom Dorf her gesehen etwas weniger hoch als das Schulhaus, mit dem sich zusammen ein Gleichgewicht einstellt.

    Die Hauseingänge sind direkt an der Gristenbühlstrasse und schaffen so klare, einladende Adressen. In diesem Sinn wird die Eingangstreppe des Schulhauses um 90 Grad zum Zugang hin gedreht.

    Die Wohnungen sind von hoher Qualität. Sie entwickeln sich in die ganze Bautiefe, bieten Ausblicke nach beiden Richtungen und haben ihre Balkone nach Süden hin. Der Wohnungsmix ist etwas zu einheitlich; 26 der 28 Neubauwohnungen haben 3 1/2 oder 4 1/2-Zimmer. Wünschenswert wären auch kleinere Wohnungen. Die Attikawohnungen sind sehr attraktiv, aus Marktüberlegungen jedoch zu gross.

    Die äussere Erscheinung der Häuser wird bestimmt durch ihre regelmässige Befensterung und die feine geschossweise Gliederung auf Brüstungshöhe. Sie strahlen eine unangestrengte Ruhe aus, welche gut mit dem Schulhaus und seinen klassischen Fassaden harmoniert. Die Holzverkleidung der Baukörper kontrastiert positiv mit dem verputzten Schulhaus. Die Absicht, sie unbehandelt den Witterungseinflüssen zu überlassen, steht im Widerspruch zur gewollt einheitlichen Gesamtwirkung. Der gemäss Visualisierung zurückhaltend dunklen Farbgebung entsprechend, sollte eine Holzschutzbehandlung eingesetzt werden.

    Die Tiefgarage, welche sich auf Niveau Untergeschoss Schulhaus im südlichsten Teil des Areals befindet, ist effizient ausgebildet; die tunnelartige Auffahrt von der St.Gallerstrasse technisch vorbildlich ausgearbeitet. Durch die Umklammerung des Schulhauses jedoch verlieren die südlichen Räume im Untergeschoss grösstenteils ihr Tageslicht, die historische Gestaltung der Fassade wird beeinträchtigt.

    Der Umgang mit dem Schulhaus ist zwiespältig. Sinnvollerweise werden die beiden unteren Geschosse in Struktur und Ausbau belassen. Die oberen Geschosse werden dem gegenüber praktisch völlig entkernt. Eine Verlängerung der grossen Treppe um ein Geschoss nach oben erscheint zwar sinnvoll, der neue Treppenlauf beeinträchtigt aber den heute grosszügigen obersten Podestraum.

    Im Prinzip ist der Nutzungsvorschlag, vier Wohnungen in den oberen, öffentliche Nutzung in den unteren Geschossen zwar plausibel, die Umsetzung aus denkmalpflegerischer und ökonomischer Sicht weniger überzeugend.

    Das Projekt widerspiegelt in seiner relativ hohen Dichte das Landkaufangebot. Für die Zonenplanänderung von Zone 'für öffentliche Bauten und Anlagen' muss von einer Zone W3 mit Gestaltungsplan ausgegangen werden.

    Freiraum
    Südseitig der Wohnüberbauung werden private Aussenräume zugeordnet, die durch eine geometrische Formensprache asymmetrischer Flächen gekennzeichnet sind. Die Zugangssituation markieren ein Hausbaum und markant geschnittene Hecken, welche jedoch auch eine gewisse Künstlichkeit vermitteln. Besucherparkplätze stehen in ausreichender Anzahl entlang des Gristenbühl zur Verfügung.

    Einen Wechsel der Formensprache erfahren nordexponierte Aussenräume mit (halb)öffentlicher Nutzung. Vom Gristenbühl knüpfen Wege in spannungsvollen Durchlässen wie `Fäden` an ein organisch angelegtes `Nachbarschaftsband` an, was zu Spiel und Aufenthalt einlädt. Verschiedene ellipsenförmige Erlebnisinseln definieren Räume für derartige Interaktionen. Eine Verzahnung von Bereichen privater und (halb)öffentlicher Nutzung ist attraktiv gelöst; vorhandene Qualitäten des Ortes spielen in das Quartier hinein und verleihen diesem Identität.

    Der solitären Stellung des historischen Schulhauses mit neu zu definierenden öffentlichen Nutzungen wird planerisch u.a. durch eine freigestellte Lage innerhalb des neuen Wohnquartieres begegnet.

    Fazit
    Das Projekt schafft an exponierter Lage eine Gebäudegruppe aus Schulhaus und neuen Wohnbauten, welche in Beziehung zum Dorf selbstbewusst auftritt und damit die künftigen Realitäten in einer baulich ausgewogenen Form ausdrückt.