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  • DE-06449 Aschersleben
  • 05/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6963)

Landesgartenschau Aschersleben 2010


  • Ankauf

    Lageplan Herrenbreite und Bestehornpark

    Landschaftsarchitekten
    Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl.-Ing. Leonore Voland Dipl.-Ing. Thomas Köhlmos

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Parks und Promenaden – Ascherslebener Würze

    Ein wohldosiertes Gemisch aus öffentlichen Parks, Promenaden und Gärten prägt das Bild der Innenstadt von Aschersleben. Diese werden den Besuchern in sechs „Gängen“ kredenzt. Jeder „Gang“ bietet ein ganz eigenes sinnliches Erlebnis: traditionsreich, aber auch modern, spritzig, aktuell und immer regional oder lokal eng verwur-zelt. Der Vorschlag für die Gangfolge ist lediglich als Empfehlung zu verstehen. Selbstverständlich können die „Gänge“ beliebig kombiniert werden und auch ein „cross-over“ ist erwünscht.

    Eine-Terrasse
    Wenn man sich Ascherleben von der durch den Gewürzanbau geprägten Landschaft nähert, ist die neu gestalte-te Eine-Terrasse das Entree zur Stadt. In dem höher gelegenen Teil der Eine-Wiesen informiert die Landwirt-schaft u.a. über die Geschichte und aktuelle Tendenzen des regionalen Gewürzpflanzenanbaus im europäischen und internationalen Kontext. Die modern gestaltete Promenade mit ungewöhnlichen Sitz- und Spielangeboten führt zum traditionsreichen Promenadenring, der die Altstadt umschließt.

    Promenadenring und Innenstadt
    Mit den 15 noch erhaltenen Wehrtürmen steht der Promenadenring quasi als Synonym für die älteste Stadt Sachsen-Anhalts. Insbesondere im südlichen Teil des Rings ist die eigenwillige topographische Lage der Stadt im Flusstal noch erlebbar. Die Gestaltung der Promenade repräsentiert den Zeitgeschmack seiner Entstehungszeit im 19. Jahrhundert. Während der Gartenschau werden hier Sommerblumen präsentiert. Sie schmückten typi-scher Weise die Parks der Jahrhundertwende und sind bis heute beliebte Farbtupfer in den Städten. Ihre Aus-wahl unterliegt starken modischen Schwankungen und wird durch immer neue Züchtungen verändert. Entspre-chend könnten im Wallring die Sommerblumentrends Trends der letzten Jahrhunderte und der letzten Jahrzehnte dem aktuellen Zeitgeschmack gegenübergestellt werden.
    Anknüpfend an die Drive-Thru-Gallerie der Ausfallstraßen werden auch ausgewählte Orte in der Innenstadt tem-porär in Szene gesetzt und lassen somit die gesamte Stadt zum Teil der Ausstellung werden.

    Herrenbreite
    Die historische Grundstruktur des Parks bestehend aus einem die große Wiese umschließenden Promenaden-rahmen, der von einer Blütenbordüre begleitet wird, und das streng axiale Wegesystem im Inneren der Fläche werden wieder hergestellt. Das axiale Wegesystem wird durch Verbindungen zum neuen Bestehornpark ergänzt und passen die mehrfach überformte Parkstruktur der aktuellen Stadtentwicklung an. Auch die heckengefasste Blütenbordüre erhält eine zeitgemäße, wenig pflegeintensive Bepflanzung aus halbschatten- und schattenver-träglichen (ggf. mähbaren) Stauden und Kleingehölzen wie Hortensien. Diese dauerhaft angelegten Pflanzungen können während der Gartenschau als beispielhafte Flächen für die Gestaltung öffentlicher Grünflächen präsen-tiert werden.
    Im Schnittpunkt der Hauptwegeachsen entsteht ein Platz. Er kann für Feste und Veranstaltungen genutzt werden, lässt sich im Winter fluten und in eine Eisbahn verwandeln und bietet in der warmen Jahreszeit bewegliche Fon-tänen, die Jung und Alt zum Spielen herausfordern. Die Fontänen lassen sich in der Intensität und in ihrer Aus-richtung verändern und bieten somit vielfältige Variationsmöglichkeiten und immer neue Wasserbilder.
    Je mehr Fontänen einen zentralen Zielpunkt treffen, um so höher steigt die zentrale Mittelfontäne empor.
    Die benachbarten Wiesen können dauerhaft und während der Gartenschau flexibel für Veranstaltungen genutzt werden.
    Die neuen Wege zum Bestehornpark sind von „duften“ Themengärten begleitet. Die temporären Gärten zeigen Variationen zum Thema Duft, Wellness und Gesundheit auf der Basis von Pflanzen.

    Bestehornpark
    Der Bestehornpark wird Teil des modernen Schulcampus und knüpft gleichzeitig an die historischen Wurzeln der Villengärten an. Ausgehend von dem großzügigen offenen Entree mit breiter Stufenanlage zur Wilhelmstraße wird eine geradlinige, gut auffindbare Wegeverbindung zur Herrenbreite angeboten. Sie wird begleitet von einem sich Richtung Herrenbreite verjüngenden Band mit Spiel- und Bewegungsangeboten, die auch auf die Jugendli-chen Nutzer ausgerichtet sind („Freiluftmuckibude“).
    In Verlängerung der weißen Villa wird westlich des Weges eine ruhige, locker mit den erhaltenen Bäume übestell-te Wiesenflächen angelegt, die für diverse Ballspiele benutzt werden kann. Die wegebegleitende Hecke und die erhaltenen Bäume verweisen auf die ursprüngliche Ausdehnung des Villengartens.
    Der Mensa vorgelagert werden während der Gartenschau und in geringerem Umfang auch als Dauerzustand Wild- und Nutzpflanzen präsentiert. Ziel dieses Ausstellungs- und Gartenthemas ist es, die vergessenen oder auch unbekannten Pflanzen wieder ins Bewusstsein zu rücken und die Vorlieben für Gemüse- und Kräuterarten der einzelnen Epochen darzustellen. Ein Nutzgarten als bunter Teppich der Jahrhunderte wird entstehen, der alle Sinne anspricht. Selbstverständlich können die präsentierten Pflanzen auch im benachbarten Restaurant / Mensa gekostet werden.
    In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen, auch das ehemalige Palmenhaus unter Verwendung der vorhan-denen Mauerrelikte wieder als Glashaus herzustellen. Möglich ist beispielsweise die kostengünstige Herstellung als nicht oder nur über Solarzellen beheiztes Kalthaus, das den Schulen des Bildungszentrums in der warmen Jahreszeit als attraktiver kultureller Veranstaltungsraum zur Verfügung gestellt werden kann.
    Während der Gartenschau kann hier die Garten-Infothek ihren Standort haben und der Raum für Vorträge und / oder Kochvorführungen genutzt werden.

    Stadtpark
    Die Atmosphäre des Stadtpark als ruhige, beschauliche und introvertierte Oase in der Stadt wird kultiviert: ein Ort der Meditation, der Stille, der Mystik.
    Der Charakter des Stadtparks als mauergefasste Baumhalle wird durch die Entnahme einzelner Gehölze und durch die Nachpflanzung der Alleen analog zur denkmalpflegerischen Vorgabe gestärkt. Das Wegkreuz mit mitti-gem Rondell wird als Grundgerüst des ehemaligen Friedhofs besonders herausgearbeitet. Unregelmäßig in den Baumbestand eingefügte torartige Rahmen heben das Wegekreuz räumlich hervor. Sie werfen Nachts einen leichten Lichtschimmer auf die Wege. Das Rondell wird durch einen Wasserspiegel betont, der scheinbar bis in unendliche Tiefen reicht. Auf der Oberfläche spiegeln sich die wippenden Baumkronen und die ziehenden Wol-ken. Das Rondell wird gerahmt von rosa, weiß und violett blühende Halbkugeln aus Rhododendron und Azaleen. Ausgehend von einer dichteren Pflanzung in variierenden Höhen am Rondell versprenkeln die Halbkugeln in die Tiefe des Parks. Blumenzwiebeln verwandeln die baumbestandenen Rasenflächen im Frühjahr in einen Blüten-teppich.
    Bequeme und robuste hölzerne Liegen und Sessel sind im Park frei verteilt und können beliebig positioniert und gruppiert werden. Sie bieten nach einen ereignisreichen Gang durch die Gartenschau Entspannung.
    Wünschenswert wäre die Einrichtung eines öffentlichen Lesezimmers in dem vorhandenen Gebäude an der nörd-lichen Mauer des Parks. Hier könnten alle Besucher nach Belieben und ohne Aufsicht in Büchern, die von A-scherslebener Bürgerinnen und Bürgern gestiftet wurden, blättern, lesen und somit mehr über die Ascherslebener erfahren. Selbstverständlich kann auch ein Buch mit in den Park genommen und auf den Sesseln oder Liegen gelesen werden. Diese Einrichtung ließe sich auch dauerhaft an diesem Ort etablieren – und wenn man sich in einem Buch festgelesen hat, kann man es auch einige Tage mit nach Hause nehmen.

    Rosarium
    Eine große Vielfalt an Rosenblüten und -düfte können Gartenschaubesucher im rekonstruierten Rosengarten genießen.

    Einfriedung Gartenschaugelände
    Die Einfriedung des Gartenschaugeländes erfolgt über semitransparente, in Aschersleben produzierte Vliese. Diese werden in der Herrenbreite z.B. zwischen die Bäume der Randallee bespannt, im Bestehornpark wird da-mit die Einfriedung des Schulcampus bespannt. Die Vliese sind mit individuellen, jeweils auf den jeweiligen Standort bezogenen Motiven bedruckt oder bilden alle Ascherslebener Bürger ab, die so Ihre Besucher empfan-gen.
    Wo dieses möglich ist können auch die Straßenräume als Übergänge integriert werden. Alternativ werden die Bereiche einzeln abgegrenzt und ein elektronisches Ticketing bietet variable Zugangsmöglichkeiten.

    Nachnutzung
    Mit Ausnahme der temporären Gärten und Ausstellungsflächen bleiben alle Bereiche in der Nachtnutzung in vol-lem Umfang erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Positiv sind der Leitgedanke „Ascherslebener Würze“ als regionaler Bezug sowie der behutsame Umgang mit dem Bestand und die Orientierung an den denkmalpflegerischen Zielsetzungen. Hervorzuheben ist ebenfalls, dass ein großer Teil in die Dauernutzung übergeht. Der Entwurf hat insgesamt viel Qualität und man könnte ihn als solide bezeichnen. Dennoch fehlt das Besondere, der Pfiff, das Alleinstellungsmerkmal, was eine Gartenschau in Aschersleben unverwechselbar macht. Auch kommen Spielmöglichkeiten für Kinder zu kurz.
    Auf der Herrenbreite wird der Besucher am Bahnhof mit pflanzlichen Themen empfangen und auf die Gartenschau eingestimmt. Zwei neue Achsen wurden hinzugefügt und leiten in den Bestehornpark. Der Entwurf ist zurückhaltend und orientiert sich an den denkmalpflegerischen Zielen. Das Wasserspiel als begehbare Fläche ist der Höhepunkt im Zentrum des Platzes. Durch die Anordnung der neuen Pflanzachsen ist ein geschickter Übergang in den Besthornpark möglich. Anzumerken ist, dass der neue Kiosk an der südlichen Platzkante bezugslos angeordnet wirkt. Spielmöglichkeiten für Kinder fehlen in der Herrenbreite gänzlich.
    Für den Bestehornpark ist die konsequente Wegeverbindung und die klare Gliederung mit Themen hervorzuheben, die sich am Schulstandort orientieren, wie Schulgarten, Sport und Spiel. Die Aufwertung der ehemaligen Orangerie als Informationspunkt, aber insbesondere auch die Nutzung für Kochvorführungen in Zusammenhang mit den außen liegenden Kräuterbeeten orientiert sich an dem Leitgedanken „Ascherslebener Würze“ und ist eine besondere Attraktion. Der Übergang mit riesigen Treppenanlagen zur Wilhelmstraße ist für den Ort unangemessen. Gelungen ist hingegen die Zugangssituation zum Stadtpark, die mit pflanzlichen Mitteln besonders hervorgehoben wurde.
    Im Stadtpark erhält der Entwurf den waldartigen Charakter. Punktuelle Akzente wie Wasserbecken, Rhododendronpflanzungen und torüberstandene Wege bilden einen Kontrast zu der verwunschene Atmosphäre. Gärtnerische Themen sind entlang der Ränder dezent angeordnet. Seitliche Übergänge zwischen Stadtpark und Eine-Terrasse betonen die Abgeschiedenheit des Stadtparks.
    Auf der Eine-Terrasse orientiert sich der Entwurf an dem IBA-Projekt. Das Leitthema findet sich an diesem Standort wieder.