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  • 1. Preis


    Architekten
    studioinges, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Francesca Saetti Stefan Schwirtz Thomas Bochmann Mitarbeit: Elmar Khan

    Erläuterungstext
    Der Entwurf schafft durch die nördliche Erweiterung des bestehenden Lagergebäudes einen kompakten Baukörper, der in der Gesamtheit seiner Erscheinung, in Volumen und Materialität an die historische Industriearchitektur des Hagenbuchers erinnert. Die Klinkerhaut des Lagergebäudes wird um den Neubau herumgezogen. Nur an der Schnittstelle der beiden Baukörper, der gläsernen Fuge, gibt das Gebäude in schillernden Grün- und Gelbtönen etwas von seinem spannenden Innenleben preis. Dieser Blick eröffnet sich dem Ankommenden aus Richtung Altstadt, der über die neue Adolf-Cluss-Brücke den Hagenbucher betritt. Von Norden, vom Neckarpark, dem künftigen BUGA-Gelände, und vom Parkhaus kommend öffnet sich dem Besucher das Foyer des Gebäudes mit den vorgelagerten Freiluftexponaten. Aus Richtung Süden vom ÖPNV kommend, ziehen die großen Exponate des Ausstellungsgartens die Aufmerksamkeit der Ankommenden auf sich.

    Mit der Anordnung der Ausstellungsräume bleibt der offene Charakter der Lagerräume im Hagenbucher weitgehend erhalten. Lediglich für das Veranstaltungszentrum wird das bestehende Dachgeschoss umgebaut.

    Wie ein Murmelspiel zieht sich die zentrale Erschließung für die Ausstellung entlang der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau und inszeniert sich als eingeschnittenes Element in der „Schnittfassade“ entlang der Fuge. Blickbeziehungen in die Fuge und über sie hinweg zu den Ausstellungsflächen im Altbau entstehen.
    Die räumliche Fuge zwischen Alt- und Neubau symbolisiert auch das wissenschaftliche Entdecken, den Blick tief ins Innere freilegend. Die bedruckten Glaspaneele als modernes Gegenüber der alten Backsteinfassade, die Treppeneinschnitte und die Verbindungsbrücken geben dem zentralen Raum seine architektonische Gestalt. Im Erdgeschoss verbindet er sich gestalterisch und räumlich mit der Eingangshalle.

    Ökologisches Energiekonzept

    Die Wahl einer einfachen und kompakten Kubatur schafft in Zusammenhang mit dem sehr geringen neuen Hüllflächenanteil eine optimale Vorraussetzung für eine gute Bilanz des Gesamtenergieverbrauchs. Hierbei trägt auch der flächige Anbau an die schlecht gedämmte und flächenmäßig große Nordfassade des Altbaus auf geschickte Weise zur Verbesserung des Gesamtenergieverbrauchs des Bestandsgebäudes bei.
    Die Ausrichtung und die natürlichen Eigenverschattung durch das Gebäude im Bereich der großen Glasflächen lässt zudem einen energetisch sinnvollen sommerlichen Wärmeschutz zu.
    Die im neuen Bodenaufbau im Altbau und im Boden- und Wandaufbau im Neubau integrierte Heizung (Bauteilaktivierung) kann auch im Sommer durch z.B. geothermische Quellen zur Grundkühlung eingesetzt werden.
    Die sich nach Außen abzeichnenden Aufbauten des Auditoriums und Veranstaltungssaales werden mit einer transparenten Wärmedämmung zur solaren Energiegewinnung versehen.
    Für die WC-Anlagen wird eine Grauwassernutzung vorgeschlagen.

    Nachhaltigkeit

    Durch die Wahl der Klinkerfassade am Neubau und der mit bedruckten Glaspaneelen verkleideten „Schnittfassade“ werden im Verbund mit der massiven Tragkonstruktion baulich und optisch äußerst langlebige haltbare Materialen im Außenbereich verwendet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der städtebauliche Ansatz, dem Hagenbucher seine Eigenständigkeit zu wahren und durch einen ebenbürtigen Anbau zu ergänzen, ist ein sehr gelungener Ansatz.

    Beide Baukörper, alt und neu, zeigen eine klare und eindeutige Ausdrucksform.
    Positiv gesehen wird die Zäsur zwischen Anbau und Altbau und die vorgesehene Überschiebung der Baukörper, die den Anbau auch im städtebaulichen Kontext deutlich ablesbar und erlebbar machen.

    Die vorgeschlagene Erschließung von Norden ist sinnvoll.
    Kritisch gesehen wird die Zuordnung der Funktionsbereiche Kasse, Garderobe, Shop, Eingangsbereich auf unterschiedlichen Ebenen und der damit verbundenen teilweise fehlendenden Sichtbeziehungen.

    Die Erschließung der jeweiligen Geschosse über die Treppe und den Fahrstuhl im Neubau ist sehr reduziert. Die vorgeschlagene Breite der Treppe mit den anschließenden Erschließungsvorflächen ist im Hinblick auf die zu erwartenden Besucherströme zu überprüfen.
    Die vorgeschlagene Treppenanlage mit ihren Öffnungen, Durchblicken und Ausblicken eröffnet interessante Blickbeziehungen.

    Der neue Baukörper ist zurückhaltend und schlicht in seiner Gestaltung, aber dennoch von hoher gestalterische Qualitäten. Dies erfordert allerdings auch eine sensible Umsetzung im Detail.

    Die auf den Dachflächen vorgesehenen Aufbauten sind zurückhaltend. Eine Wahrnehmung nachts im beleuchteten Zustand ist gegeben.

    Grundsätzlich ist die Wahl der vorgeschlagenen Materialitäten plausibel und nachvollziehbar. Die in den Plänen dargestellt Grünfärbung der Glasmaterialien im Treppenhaus wird in seiner Intensität hinterfragt.

    Das Flächenkonzept für die Ausstellung ist schlüssig und lässt eine vielfältige Nutzung für den späteren Betreiber zu. Der Eingangsbereich und die fehlenden Technikflächen von ca. 200qm erfüllen die gestellten Anforderungen nicht.

    Aufgrund der kompakten Gebäudeform ist energetisch eine gute Effizienz zu erwarten.
    Durch die Kompaktheit und Schlichtheit ist eine wirtschaftliche Umsetzung zu erwarten.
    Insgesamt ist der vorgeschlagene Entwurf städtebaulich und funktionell ein sehr interessanter und gute Arbeit.

    Der schlanke Baukörper fügt sich angenehm in den Park ein. Durch die Einbeziehung des Mühlgrabens in den Baukörper wird das Thema Wasser wirkungsvoll inszeniert. Interessant ist die stegartige Ausbildung der Restaurantterrasse. Die Nutzung des jetzigen Parkplatzes im Süden für die Freiluftexponate erscheint sinnvoll, wenn auch die formale Aussage nicht überzeugt.
    Die Wegebezüge sind nur teilweise erklärt.

    Der Entwurf generiert seine Idee aus der unfertigen Nordseite des Hagenbucher-Baus, er fügt einen klar geschnittenen Neubau in verwandter Materialität hinzu, der in die Blickachse zur Innenstadt gerückt wird. Die Schnittstelle der beiden Bauvolumen wird so thematisiert, dass eine spannungsvolle Erschließungszone entsteht. Diese Fuge ist auch materialtechnisch von den Klinkerhüllen abgesetzt und soll gläsern und lichttechnisch kontrapunktisch zur Klinkerhaut in Erscheinung treten. Diesem Gestaltungskonzept wird eine hohe Prägnanz und Eigenart bescheinigt.