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  • DE Flensburg
  • 10/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-7049)

Fußgängerzone


  • 2. Preis

    Nordermarkt - Fußgängerzone

    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Peter Köster Kerstin König Anne Layer Simone Kühte Jessica Tag, mit architekten prof. klaus sill, Hamburg

    Erläuterungstext
    Fußgängerzone Flensburg – Holm.Große Straße.Norderstraße
    Organischer Verlauf und ´atmender´ Raum

    Das Stadtbild von Flensburg wird in besonderem Masse vom nord-süd-verlaufenden Straßenzug Holm.Große Straße.Norderstraße geprägt. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Stadt entlang die-ses Straßenraums parallel zur Förde entwickelt.

    Im Gegensatz zu den gründerzeitlich entstandenen Querstrassen wie der Rathausstrasse, der Neuen Strasse oder der Nikolaistrasse, weisen der Holm, die Grosse Strasse und die Norderstrasse aber keine durchgängige Breite im öffentlichen Raum auf. Der Straßenraum variiert in seinen Abmessun-gen von 11,0 m bis 18,0 m Breite. Dabei folgt der Straßenzug sehr genau der Topographie des För-dehangs, was zu einem geschwungenen Verlauf in der Längsachse und in der Höhenentwicklung führt.

    Durch diesen organischen Verlauf und den ´atmenden´ Raum erhält der Straßenzug Holm.Große Straße.Norderstraße seinen unverwechselbaren Charakter, der ihn bis heute zu einem der schönsten Straßenräume Norddeutschlands macht.

    Das Konzept für die Fußgängerzone Flensburg setzt an diesen beiden Punkten an, dem organischen Verlauf und dem ´atmenden´ Raum. Ziel der Umgestaltungen sollte nicht nur die Aufwertung der Ober-flächen und der Ausstattung sein, sondern auch die Stärkung dieser beiden historisch bedingten We-senszüge des Straßenraums.

    Für die Fußgängerzone wird eine konsequente Dreiteilung des Straßenraums vorgeschlagen. Den Bürgerhäusern wird auf beiden Seiten ein Gehsteig vorgelagert, der auf der gesamten Länge eine Breite von 3,5 m beibehält. In der Mitte des Straßenraums wird eine Laufbahn angelegt, die in ihrer Breite von 3,8 m an der engsten Stelle im Holm bis zu 11,0 m an der weitesten Stelle in der Grossen Strasse reicht. Mit der Laufbahn werden das ´Atmen des Straßenraums´ und der organische Verlauf zu zentralen Thema der Umgestaltungen. Die Eingänge zu den Höfen und Gängen beidseitig der Strasse werden durch große Stahlplatten betont. Aus den Stahlplatten wird der Name des jeweiligen Hofes oder Ganges ausgelasert. Der Schriftzug wird abends und nachts von unten beleuchtet. Mit dieser Unterbrechung der Gehsteige werden Hinweise auf die versteckten Qualitäten der Stadt gege-ben, ohne den Straßenraum einzuengen.

    Durch eine leicht asymmetrische Anlage des Querprofils wird auf die Topographie des Fördehangs reagiert. Hangseitig (auf der Westseite) trennt ein 40 cm breites Granitbord den Gehsteig von der Laufbahn. Dieses Granitbord, niveaugleich eingebaut, bildet auch ein Funktionsband für die notwendi-gen Einbauten wie Mastleuchten, Sitzbänke und Papierkörbe. In dieses Band könnten auch vorhan-dene Umspannstationen eingebunden werden. Fördeseitig (auf der Ostseite) wird der Gehsteig von einer 60 cm breiten Granitrinne begrenzt. Die Rinne ist 1,5 cm tief und nimmt das Oberflächenwasser aus dem Straßenraum auf. Das Querprofil der Granitrinne ist so angelegt, das Straßeneinläufe im Format 30x50 cm gestalterisch optimal eingebunden werden können.

    Die Materialität der Fußgängerzone wird durch Zurückhaltung geprägt. Die vorgegebenen Kosten erlauben es, die Gehsteige und die Laufbahn mit Granitplatten zu befestigen. Im Bereich der Gehstei-ge werden Granitplatten im Format 60x40 cm im Reihenverband quer zur Laufrichtung vorgesehen. Die Farbigkeit des Granits ist hier hellanthrazit. Die Laufbahn wird mit Granitplatten im Format 40x20 cm befestigt. Das kleinere Format berücksichtigt, dass der Grossteil der Lieferverkehre über die Lauf-bahn abgewickelt wird. Die Farbigkeit des Granits in der Laufbahn ist hellgrau, um mit der Material-wahl die Dreiteilung des Straßenraums zu stärken. Das Bord und die Entwässerungsrinne sind eben-falls aus anthrazitfarbenem Granit. Die Farbigkeit der Bodenmaterialien ist bewusst zurückgenommen, um die Strasse als Bühne für die Menschen und zur Präsentation der Waren nicht zu überfrachten.

    Die Ausstattung mit Mastleuchten, Bänken und Papierkörben wird in das Konzept zur Dreiteilung des Straßenraums eingebunden. Mit der Auslegerleuchte Campo wird der leicht asymmetrische Quer-schnitt des Straßenraums gestärkt. Das indirekte Licht der Mastleuchte hat sich in Fußgängerzonen bewährt, da es nicht in Konkurrenz zur Schaufensterbeleuchtung tritt. Zusammen mit dem Papierkorb und der Granitbank werden die Mastleuchten in die Spur des 40 cm breiten Granitbordes gestellt.

    Mit dem Entwurf für die Fußgängerzone Flensburg werden neben den Oberflächen und Ausstattungs-elementen die historisch bedingten Alleinstellungsmerkmale des Straßenraums nachhaltig aufgewer-tet. Erscheinungsbild und Geschichte werden in Zukunft wieder als eine Einheit zu lesen sein.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    \"Auf Grund der ruhigen und zurückhaltenden Gestaltung und der wenigen Ausstattungselemente ist dieser Vorschlag eine Bühne für die Anlieger und die Kunden.

    Die Eingangssituation der Höfe und Passagen ist gut herausgearbeitet.\"