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  • DE Emden
  • 12/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-7050)

Umgestaltung der Hahn´schen Insel


  • 1. Preis

    Lageplanübersicht

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Matthias Funk, Hiltrud Lintel, Rainer Sachse Mitarbeit: Birgit Bays, Inga Klindworth, Kai Spurling

    Erläuterungstext
    Konzeptidee „Promenade am alten Graben“
    Der alte Graben bildet eine städtebauliche Grenze, die den ersten Befestigungsring der Altstadt Emdens heute noch lesbar im Stadtgrundriss abbildet. Diese ehemalige Grenze zwischen dicht bebautem Stadtkern und offener Marschlandschaft bildet die Grundlage zur Gestaltung der Promenade am alten Graben. Südlich des Straßenzuges Abdenastr. - Jungfernbrückstr. - Agterum wird durch die konsequente Schließung der heute vorhandenen Baulücken eine harte Stadtkante formuliert. Nördlich dieses Straßenzuges werden alle verzichtbaren Ein- und Hochbauten entfernt, so dass eine großzügige Promenade zwischen Stadt- und Wasserkante entsteht. Diese Promenade spannt sich zwischen den städtebaulich extrem markanten Doppelorten „Wasserturm – Wallanlagenauftakt“ und „Kunstmuseum – Hahn\'sche Insel“ auf. Durch gestalterische Freistellung und Einbindung der vorhandenen Merkzeichen Wasserturm, Bastion Wallanlagen, Alter Graben, Kiosk, Bushaltestelle mit Gaspegel, Hahn\'sche Insel und Kunstmuseum wird ein eindeutig wieder erkennbarer Stadtraum geschaffen, der auch für den durchfahrenden Besucher sofort als eigenständiger Raum erkennbar ist.

    Das grüne Band
    Der alte Graben mit seinen seitlichen Böschungen bildet einen zentralen Bestandteil des städtischen Grünverbunds. Um diese Bedeutung zu stärken und gestalterisch sichtbar zu machen, wird die Künstlichkeit des Grabens durch eine gartenarchitektonische Gestaltung der Böschungen mit regelmäßig gesetzten Baumreihen und hochwertiger Unterpflanzung mit standortangepassten Bodendeckern herausgearbeitet. Die vorhandene Strauchschicht wird dazu komplett entfernt, so dass die Wasserflächen von der Promenade aus einsehbar sind.

    Anbindung Innenstadt
    Im Rahmen der Baulückenschließung entlang der Stadtkante können neue Parkhäuser errichtet werden, so dass der Parksuchverkehr stärker zwischen Jungfernbrück- und Bismarckstr. abgefangen werden kann. Die Pottgießerstr. als direkte Verbindung zwischen Stadtmuseum – Rathaus – Rathausdelft – Ottohaus – Alter Markt – Neuer Markt – Kunstmuseum wird zu einer Fußgängerzone umgebaut, die das zentrale fußläufige Erschließungselement des Freizeittourismus in der Innenstadt darstellt.

    Promenade am alten Graben
    In der landschaftsarchitektonischen Gestaltung der Promenade wird der Raum als ehemalige Stadtgrenze thematisiert. Auf der einen Seite die befestigte Stadt mit ihren klaren Grenzen und Regel, auf der anderen Seite die freie Landschaft, in der sich unendlich viele Risiken und Chancen befinden. Dieser Gegensatz der in Emden durch die Historie als Hafenstadt noch prägnanter vorhanden war als in vielen anderen Städten, findet sich auch in der zweigeteilten Oberfläche der Promenade. Südlich ein durchgehendes Band aus Klinkersteinen, das überwiegend als Bewegungsfläche für Radfahrer dient, nördlich eine mit Granitkleinsteinpflaster im Passé-Verband gestaltete Fläche für Fußgänger, die durch zahlreiche nicht parallele Edelstahlbänder sehr dynamisch gegliedert wird. Die Promenade wird bis an die obere Böschungskante ausgebaut und dort mit einem Handlauf gesichert, so dass die tieferliegende Wasserflächen eine Gestaltungseinheit mit der Promenade bilden. Im östlichen Abschnitt der Promenade werden zur Betonung des parkartigen Charakters großzügige Rasenflächen in die Promenade eingelegt. In diesem Abschnitt befinden sich drei Sockel für die spätere Aufstellung der Skulpturen. Im Osten endet die Promenade in einer neuen Platzfläche auf Gehwegniveau, in die die vorhandene Brücke zur VHS ebenengleich integriert werden kann.
    Bushaltestelle und Gaspegelstation
    Die Bushaltestelle wird parallel zum Straßenrand der Jungfernbrückstr. gelegt. Durch die Neugestaltung der Wartehalle der Bushaltestelle sowie der analogen Gestaltung von Fassade und Dach der Gaspegelstation werden diese oftmals eher banalen Architekturen zu städtebaulichen signifikanten Merkzeichen des Eingangs zur Hahn\'schen Insel und zur Kunsthalle.

    Hahn\'sche Insel
    Die Insel wird als eigenständiger Raum zwischen Promenade und Kunsthalle gestaltet. Aus dem Bestand lässt sich eine dreieckige Freiform ableiten, die diese gewünschte Eigenständigkeit herstellt. Die Höhenlage im Bestand wird übernommen und mit einer klaren Grenze zur Promenade hin ausformuliert. Das Niveau der Wegeflächen liegt 100 cm tiefer als die angrenzende Promenade, so dass dieser Höhenversatz zur Anlage einer Stützmauer mit vorgelagerten Bankpodesten genutzt werden kann. Eine großzügige Freitreppe erschließt die Insel von Süden, eine behindertengerechte Rampe stellt den Anschluss an die westliche Promenade dar. Der Charakter einer Insel wird durch das mittige, leicht gewölbte Rasenpodest unterstrichen. In den drei Ecken der Grundform liegen geschwungene Bankpodeste, die den zentralen Aufenthaltsbereich bilden. Hier wird das optimale Gleichgewicht zwischen offen und geschützt erreicht, so dass weder das Lagern von unerwünschten Bevölkerungsgruppen gefördert, noch das Pausieren, Sammeln oder Treffen von Besuchergruppen behindert wird.

    Skulpturen
    Das Aufstellen der vorhandenen Skulpturen im öffentlichen Freiraum erscheint nicht ganz einfach, da die Skulpturen weder eine gestalterische Einheit bilden, noch einen dem Freiraum angepassten Maßstab aufweisen. Ursprünglich waren die Skulpturen wohl eher zur Präsentation in privaten Räumen (Galerie, Gärten, Museum) gedacht. Der Betrachterabstand zu den meisten Skulpturen sollte daher nicht zu groß gewählt werden. Wir schlagen eine wegbegleitende Aufstellung auf flachen Granitsockeln vor. Im ersten Bauabschnitt werden die Skulpturen auf Sockeln an den Enden der Bankbögen platziert; im dritten Bauabschnitt können sie dann alternativ auch entlang der Promenade aufgestellt werden.

    Platz am Wasserturm
    Der Beginn der Wallanlagen nördlich des alten Grabens legt eine Gestaltung des südlichen Ufers als Auftakt in die Wallanlagen nahe. Dazu wird das Umfeld des Wasserturm freigeräumt und eine flache Treppenanlagen mit einigen solitären Bäumen angelegt. Hier könnte auch ein weiterer Schiffsanleger eingerichtet werden, so dass Besucher die Möglichkeit haben, mit einem Boot zum Museum zu fahren.

    Ausstattung und Beleuchtung
    Auf eine Ausstattung der Promenade mit Bänken wird verzichtet, da die Promenade als Bewegungsraum funktioniert; Aufenthaltsräume mit großzügigen Sitzmöglichkeiten sind am Wasserturm und auf der Insel vorhanden. Begleitend zur Promenade ist ein Handlauf/Geländer notwendig, dass in Anlehnung an Schiffsrelinge gestaltet wurde. Die Leuchten der Promenade (LPH = 4.00m) sind ebenfalls in dieser Gestaltungssprache entwickelt. Die Endpunkte der Edelstahlspuren in der Promenade werden von Lichtlinien im Boden gebildet. Die Beleuchtung der Insel erfolgt über bodennahe Wandeinbauleuchten in den Stützmauer, Geländern und Bankbögen, so dass die Insel eine blendfreie Beleuchtungsebene unterhalb der Augenhöhe erhält.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    scape Landschaftsarchitekten:
    Zwischen den städtebaulich markanten Orten Wasserturm und Kunsthalle wird auf überzeugende Weise eine städtische Promenade angeordnet. Der Alte Graben als ehemalige Stadtgrenze wir durch das vollständige Entfernen der Strauchschicht wieder sichtbar gemacht und in den neu definierten Stadtraum einbezogen. Der Platz am freigestellten Wasserturm wird mit Treppenstufen an das Wasser des Alten Grabens herangeführt. Im Osten entsteht durch Rasenflächen ein parkähnlicher Chararkter des Freiraums. Die Promenade endet auf einer platzartigen, der Hahn\'schen Insel vorgelagerten Fläche.

    Über eine großzügige Treppenanlage gelangt man von Süden auf die Halbinsel (Anbindung Fußgängerzone), die Promenade wird von Westen über eine Rampe an die Halbinsel angebunden. Nachteilig ist die Führung der Fußgänger, die umständlich aus der Pottgießerstr. kommend um die freigestellte Trafostation herumgeführt werden müssen, um über die Treppe auf die Halbinsel zu gelangen.

    Insgesamt behält die Insel ihre markante Form und bildet einen eigenständigen Raum zwischen Kunsthalle und Promenade. Die Anordnung der Bäume auf der Ostseite lässt einen freien Blick auf die Kunsthalle zu. Die Höhenunterschiede zur Promenade werden geschickt genutzt, um in Verbindung mit Stützmauern Bänke anzuordnen. Eine schrittweise Umsetzung der Entwurfsidee ist möglich.

    Weitere teilnehmende Planungsbüros an der Mehrfachbeauftragung:
    Jorn Copijn und Hyco Verhaagen, Utrecht (NL) / Osnabrück (D)
    Lohaus und Carl, Hannover (D)
    WES & Partner Landschaftsarchitekten, Hamburg (D)
    Wirtz International NV, Schoten (B)


INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 27.08.2010, 15:37
Beitrags-ID 4-12185
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