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  • DE-69469 Weinheim, DE-69469 Weinheim
  • 05/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-213869)

Neubau Schulzentrum mit 2-Feld-Halle


  • 1. Preis


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    Landschaftsarchitekten
    Knüvener Architekturlandschaft, Köln (DE)

    Verfasser
    Thomas Knüvener

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: v-architekten GmbH, Köln (DE)

    Preisgeld
    35.000 EUR

    Erläuterungstext
    Schulzentrum Weinheim
    Eine Pavillonstruktur mit differenzierten Außenräumen ergänzt die bestehenden Kultureinrichtungen um ein zentrales Forum - dem neuen Herz des Schulzentrums.

    Der Entwurf nimmt mit seiner Gliederung die Maßstäblichkeit und Körnung der Bestandsstruktur auf und ergänzt diese sorgsam um die Bausteine der Schule zu einem Gesamtensemble. An der Breslauer Straße wird im direkten Anschluss an das Bestandsfoyer das Ensemble des Kulturzentrums um den Baukörper der Sporthalle ergänzt. Gemeinsam mit dem Saal bildet sie so den baulichen Abschluss nach Norden und wertet die Eingangssituation zum Kulturzentrum von der Breslauer Straße auf.
    Das zwischen der Sporthalle und dem Saal des Kulturzentrums gelegene Foyer wird um die Forumsnutzungen nach Süden erweitert und bildet das neue Herz der Schule. Im Süden schließen sich in Richtung der Rheinebene die Schulcluster an. Das Schulareal wird nach Westen und nach Osten durch das Bestandsgrün räumlich eingefasst und öffnet sich großzugig in Richtung der südlich vorgelagerten Sportanlagen. Alle neuen Bausteine des Schulzentrums ordnen sich in der Höhenentwicklung dem Saal des Rolf-Engelbrecht-Hauses unter. Der Neubau der Albert-Schweitzer- und Johann-Sebastian-Bach-Schule wird als zweigeschossige Pavillonstruktur im sudlichen Bereich im Anschluss an das eingeschossige Forum organisiert. Die Sporthalle bleibt mit ihrer Dachlinie unterhalb des Saals. Das eingeschossige Forum übernimmt die bauliche Höhe des Bestandsfoyers.

    Die Anordnung der Schulbaukörper erzeugen im Zusammenspiel mit dem Rolf-Engelbrecht-Haus vielfältige differenzierte Freiräume. Die schöne Allee zum Sepp-Herberger-Stadion und die Bäume zum Wohngebiet werden als „Rahmen“ fur das Grundstuck erhalten und ergänzt. Sie bilden einen Filter zum angrenzenden Kontext. Auch die Bäume südlich der Kultureinrichtung bleiben bestehen und erzeugen einen Filter zwischen Saal und Schule.

    Die beiden Schulhöfe können direkt von den Schülern der Klassen 1 – 4 bzw. 5 – 9 erreicht werden. Beide Höfe sind großzugige, offene und multifunktionale Flächen, die jeweils durch angrenzendes Grün ergänzt werden. Hier befinden sich Sitz- und Rückzugsmöglichkeiten für die Schüler. Die Grünen Klassenzimmer arrondieren die Bebauung in direkter Zuordnung zu den Clustern. Sie sind gekoppelt mit Flächen, die der Versickerung des Niederschlagswassers der Dächer in einem kombinierten Mulden-Rigolen-System dienen. Hier können Aspekte der Ökologie auch im landschaftlichen Zusammenhang mit der Neckar- und Rheinebene thematisiert werden. Der Bereich südlich der Schule mit einem Obst-Hain, Gemüsebeeten und Kräutergarten bietet Raum für die Schüler selbst zu pflanzen und zu gärtnern. Der Blick geht von hier in die landwirtschaftlich genutzte Flußebene.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Sporthalle bildet mit dem REH das neue Gesicht des Schulzentrums zur Breslauer Straße. Durch die Ergänzung des REH mit der Sporthalle entsteht an der Breslauer Straße eine Konzentration von öffentlichen Nutzungen, die auch am Abend den Straßenraum beleben. Durch die Verbindung stehen den Vereinen, die die Sporthalle nutzen, zusätzliche Flächen z.B. für Verpflegung zur Verfügung.

    Die Eingänge sind zum Kulturzentrum und zur Schule klar ablesbar. Von Norden wird über den bestehenden Vorplatz das Kulturzentrum mit Sporthalle erschlossen. Der Eingang der Schule liegt im Osten.
    Die jeweiligen Foyers bilden im Schnittpunkt mit dem Musiksaal, dem Mehrzweckraum und der Mensa das Herz der Schule, eine mit Tageslicht durchflutete großzügige Zone, die sich auch in den Außenraum mit Eingangshof und Mensahof fortsetzt. Das Herz bildet die Identität der Schule und fördert die Gemeinschaft.
    Die Verwaltung ist zentral angeordnet und dadurch für Mitarbeiter, Schüler und Eltern leicht erreichbar. Die Lage des Ganztagsbereiches in der räumlichen Nähe zur Mensa wird sehr positiv bewertet.
    Die Klassenhäuser sind so konzipiert, dass sie kleine identitätsstiftende Einheiten für alle Schülergruppen bilden. Die Raumaufteilung der Cluster nutzt den vorhandenen Raum geschickt aus. Durch großzügige Lichthöfe ist die jeweilige gemeinsame Mitte gut bespielbar. Gegebenenfalls könnten Pflege- und Teamraum mit der Bibliothek getauscht werden, um die gemeinsame Mitte für Gruppen- und Einzelarbeit besser zu nutzen.
    Durch die Lage der Treppen in den Klassenhäusern ist die Zuordnung der Außenräume zu den jeweiligen Altersstufen sehr gut gelöst. Auch wenn eine konkrete Gestaltung der Außenräume noch nicht ablesbar ist, sind diese gut gegliedert und bieten ein großes Potential der differenzierten Gestaltung.

    Sehr positiv ist das energetische Konzept unter Verwendung regenerativer Energien (Fotovoltaik, thermische Solaranlage, Brauchwasserverwendung, Optimierung der Gebäudehülle) zu bewerten. Das Konzept verzichtet auf aufwendige Lüftungstechnik, sorgt für konsequenten Sonnenschutz und sieht die Verwendung von Wärme aus Abwasser vor.
    Die für die Sporthalle nachzuweisenden Pkw-Stellplätze sind auf deren Westseite angeordnet. Weitere ca. 20 Stellplätze liegen außerhalb des Grundstücks, als Querparker im Bereich der Baumallee auf der Ostseite. Insgesamt ist das Angebot nicht ausreichend. Eine Kompensation durch Fahrradabstellmöglichkeiten im nach LBO zulässigen Maß ist nicht gegeben. Die Organisation von Kiss & Ride (als Längsparker zwischen Bäumen) ist problematisch.
    Die Schule bildet mit dem REH ein neues Schul- und Kulturzentrum in der Weststadt, das sich zur Stadt öffnet und gleichzeitig hohen identitätsstiftenden Charakter hat. Sie integriert sich durch ihre angemessene Geschossigkeit und die gut dimensionierte Baukörpereinteilung in den Kontext.

    Mit diesem Entwurf wird ein lebendiges und zukunftsweisendes Schulgebäude verwirklicht, das dem formulierten innovativen Ansatz voll gerecht wird.


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