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  • DE-59494 Soest, DE-59494 Soest
  • 05/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-233260)

Neugestaltung Theodor-Heuss-Park


  • 2. Preis

    Übersichtsplan; M 1:1.000, © Planergruppe GmbH Oberhausen

    Landschafts- / Umweltplaner
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Die Grüne Insel in der Stadt

    Die Altstadt Soest
    Die Innenstadt von Soest gilt als die Stadt in Nordrhein-Westfalen mit dem besterhaltenen mittelalterlichen Stadtgrundriss. Geprägt ist sie von einem engmaschigen Netz von Straßen und Gassen, deren Räume sich immer wieder zu kleinen und großen Platzfiguren aufweiten. In dieser an historischen Orten reichen Altstadt bildet die Wasserfläche des Großen Teichs mit dem angrenzenden Theodor-Heuss-Park einen bedeutenden Ort.
    Ursprünglich war das Gebiet des Großen Teichs ein Quellsumpf, gespeist aus unterirdischen Quellen und dem Kolk- und Kützelbach. Dieses Feuchtgebiet war ein Teil der Befestigungsanlage der historischen Siedlungskerne der Stadt Soest. Im 12. Jahrhundert wurde diese Funktion überflüssig, weil das Wachstum der Stadt eine neue Verteidigungsanlage notwendig machte. Als Folge dessen staute man die Bäche im Stadtgebiet zu Teichen und befestigte deren Uferbereiche, um diese bebauen zu können. Der heutige Große Teich ist der letzte heute noch existierende dieser Teiche.
    Neben dieser historischen Bedeutung bildet der Große Teich auch einen großen sozialen Bezugspunkt in der Stadtgeschichte. Bis ins 19. Jahrhundert wurden Straftäter leichter Delikte zur Strafe mit Hilfe eines Holzgestells in den Teich gewippt. Diese Tradition wird heute in neuer Form als Teil des Schützenfestes fortgeführt.

    Der Garten in der Stadt
    Der heutige Theodor-Heuss-Park war ursprünglich das Privatgrundstück der Familie Von Michels, später Von Köppen. Das Gelände war von einer mannshohen Mauer umgeben, dadurch vor Einblicken geschützt und zum Wasser hin geöffnet. Das Wohnhaus der Familie befand sich direkt an der Wasserkante und der einzige Zugang zum Grundstück war im Westen verortet. Seit dem Mittelalter in Privatbesitz und damit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich wurde das Gelände nach dem 2. Weltkrieg zu einem öffentlichen Park. Im Zuge dieser Neugestaltung wurde ein Kunstpavillon errichtet, der die nördliche Parkgrenze besetzt. Außerdem entstand ein zweiter Zugang zum Park über eine schmale Treppe im Nordosten.
    Im Kontrast zur umgebenden Altstadt mit ihren steinernen Plätzen, Straßen und Gassen bildet der Park mit Wiesenflächen, stattlichem Baumbestand und der Wasserfläche des Teichs einen wohltuenden Ruheort. Abgeschottet von der Hektik der Stadt hat sich hier ein Rückzugsort entwickelt, der unterschiedliche Nutzungspotentiale aufweist. Der Park ist eine der wenigen öffentlichen Grünflächen in der dichten Altstadt Soests und damit ein wichtiger Anlaufpunkt und Begegnungsort in der Stadt. In seiner heutigen Erscheinungsform wird er dieser Funktion allerdings nur bedingt gerecht. Die Zugänglichkeit ist eingeschränkt, nur einer der beiden Zugänge ist barrierefrei, visuelle Bezüge in den Park sind aufgrund der dichten Ufer- und Randbepflanzung nur bedingt vorhanden, der Zugang zum Wasser ist lediglich partiell möglich und das Wegenetz ist unübersichtlich.

    Das Entwurfskonzept
    Mit dem Entwurf für den Theodor-Heuss-Park möchten wir eine lebendige Parkanlage in der Soester Innenstadt gestalten. Dabei steht für uns die Attraktivierung des Uferbereichs und damit verbunden die verbesserte Zugänglichkeit des Wassers im Mittelpunkt. Hierdurch können Sichtbezüge betont oder neu geschaffen und eine stärkere Einbindung des Parks in das städtische Raumgefüge erreicht werden. Durch eine erhöhte Aufenthaltsqualität am Wasser kann zudem eine neue Nutzung für den Park erschlossen werden. Parallel dazu wird die Zugänglichkeit vereinfacht, um auf diese Weise den Park stärker mit dem umgebenden Wegenetz zu verknüpfen. Als weiteren wichtigen Baustein sehen wir eine klare Zonierung, welche die Wegeführung im Park vereinfacht und Nutzungsbereiche definiert.
    In Zukunft soll es drei gleichwertige und barrierefreie Zugänge zum Park geben. Der Haupteingang mit dem Alten Tor vom Schweinemarkt aus bleibt erhalten. Von der Straße Am Großen Teich führt das Wasserdeck, eine über dem Wasser schwebende Rampen- und Treppenanlage, vor der Mauer nach oben zum Park. Der neue barrierefreie Zugang verbindet in einem Element die Erschließung des Parks mit den Aspekten Aufenthalt und Aussicht. Mit einem kleinen Durchbruch im Südwesten wird ein zusätzlicher dritter Parkeingang geschaffen, der die Verknüpfung des Parks mit seiner Umgebung sinnvoll ergänzt. Die Verbindung mit der Georgsgasse ist an dieser Stelle niveaugleich möglich.
    Konzeptionell wird der Theodor-Heuss-Park in drei unterschiedliche Nutzungszonen gegliedert: die Zone für Wassererleben im Osten und Süden, Kunst im Park im Zentrum und die Gastronomie- und Spielzone im Norden. Alle drei Zonen sind durch eigene Atmosphären und Nutzungsmöglichkeiten geprägt. Diese verschiedenen Charakteristika werden mit der neuen Gestaltung hervorgehoben und verstärkt.

    Die Zonen im Park
    Wassererleben – Das Element Wasser soll auf unterschiedliche Weise zugänglich gemacht werden. Den Auftakt im Osten bildet das Wasserdeck, ein der alten Uferkante vorgelagertes Rampen- und Stufenelement, das einen barrierefreien Zugang zum Park schafft. Durch drei unterschiedlich hohe Holzplateaus ergeben sich Sitzkanten, die so ausgerichtet sind, dass sie einen Ausblick über den Teich und den daran anschließenden Platz bis zur Stadtbücherei ermöglichen. Es entsteht eine Tribüne mit Blick aufs Wasser und damit ein Ort, der einen attraktiven Rahmen für Veranstaltungen wie beispielsweise das Wippen beim Bürgerschützenfest bieten kann. Die unterschiedlichen Niveaus sind durch kleine Treppenstufen und zwei barrierefreie Rampen verbunden. Damit ist der Zugang zu den Wasserplateaus auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl möglich. Auf dem niedrigsten Plateau, das nur 30cm über der Wasseroberfläche schwebt, findet man ein Spielelement, eine Spritzpumpe, mit der man Wasserstrahlen weit über die Teichoberfläche hinweg schicken kann.
    An der südlichen Uferkante des Parks bleibt man auf der erhöhten Ebene des Parks. Es entsteht ein mit Bäumen und Pflanzflächen bespielter Balkon über dem Wasser. Am Fuß des eindrucksvollen, mehrstämmigen Bestandbaumes befindet sich ein um 50cm erhöhtes Holzplateau, das um den Stamm des Baumes herumgreift und Platz zum Spielen, Liegen und Sitzen in dessen Schatten bietet. Daran schließt sich eine Stauden- und Gräserpflanzung als Farbakzent an. Kleine Nischen bieten Sitzgelegenheiten zwischen den Blumen und ermöglichen das Herantreten an das Wasser.

    Gastronomie – Die Nordseite des Parks wird zu einer zusammenhängenden großzügige Caféterrasse. In herrlicher Ausrichtung zur Sonne sitzt man gleichermaßen am Park und am Wasser. Durch die Neu- und Umbaumaßnahmen rund um die Gastronomie entstehen drei unterschiedliche Eingangshöhen, die vom Park aus erschlossen werden müssen. Entlang des Weges wird eine gemeinsame, klar ablesbare Kante zum Park geschaffen, die verschieden ausgeführt wird. Auf diese Weise können die unterschiedlichen Niveaus erschlossen und gleichzeitig unterschiedliche Nutzungsoptionen von Seiten des Parks angeboten werden. Zum Pavillonneubau führen zwei Stufen vom Parkweg nach oben, die an ihrem östlichen Ende mit einer flachen Rampe überwunden werden können. Im mittleren Bereich der Terrasse ist der Übergang ebenerdig, um die Eingänge des Zwischenbaus zu erreichen. Die Terrasse vor dem Gesellschaftsraum wird durch eine weitere Rampe erschlossen, die seitlich von einer Sitzmauer gefasst ist. Die bestehende Treppe an der Touristeninformation erschließt in Zukunft in erster Linie das Café, um Konflikte zwischen Außengastronomie und den Wegen im Park zu vermeiden. Große Sonnenschirme überspannen die südlichen Terrassenflächen.
    Der Spielplatz wird in diese Zone integriert und bildet im Eingangsbereich des Parks einen Anziehungspunkt aus Richtung Innenstadt. Der Spielplatz wird von einem Baumhaus bestimmt, welches um den bestehenden Baum herum entwickelt wird. Weitere Kletter- und Rutschelemente ergänzen dieses Angebot. Alle Spielelemente stehen in einer Sandfläche. Sitzmauern zum Park und zur Anlieferung der Gastronomie dienen als Ruhemöglichkeiten und schützen den Spielbereich.

    Kunst im Park – Die Parkzone bildet das Zentrum des Gartens und wird durch eine große zusammenhängende Rasenfläche bestimmt, die von stattlichen, alten Bäumen überspannt ist. Sie werden zum großen Teil erhalten, da sie dem Park eine charakteristische Atmosphäre geben und für eine angenehme Beschattung in der steinernen Soester Altstadt sorgen. Lediglich die sich an der Süd- und Westkante des Parks reihenden Sträucher, Nadelgehölze und Kleinbäume werden zurückgenommen, um zusätzliche visuelle Bezüge zu schaffen.
    Die Parkwege rahmen die Rasenfläche und bilden einen Rundweg durch den Park. Sie weiten sich am Eingangsbereich zum Schweinemarkt und am Wasser zu kleinen Platzsituationen mit Aufenthaltsmöglichkeiten auf. Die vorhandenen Skulpturen im Park stehen in der Rasenfläche und sind vom Weg aus erlebbar. Sie werden an ihren heutigen Standorten belassen, bzw. geringfügig versetzt, um Raum für die neuen Wege zu schaffen.

    Die Materialien
    Die Sitzdecks am Wasser werden in Holz ausgeführt. Damit wird ein Material gewählt, welches wie ein Steg am Wasser anmutet und gleichzeitig einen hohen Sitzkomfort bietet. Der Einsatz von Holz als Element am Wasser wird auch in Form des Holzplateaus unter dem Bestandsbaum und als Belag in den Staudennischen im Süden fortgesetzt.
    Die Wege im Park werden in Asphalt mit einer hellen Beschichtung ausgeführt. Auf diese Weise wird ein bequemes Begehen und Befahren für alle Nutzergruppen ermöglicht. Gleichzeitig wird die Multifunktionalität des Parks in Form der Stadtfeste weiterhin gewährleistet. Zum Beispiel kann der Winzermarkt kreisförmig am Rundweg aufgereiht werden, während unter den Bäumen auf der zentralen Rasenfläche Platz für Biertischgarnituren mit Blick auf die Bühne am See ist.
    Für das Umfeld des Pavillons wird Natursteinpflaster gewählt. Ziel dieser Materialwahl ist ein einheitliches Erscheinungsbild der Gastronomiezone sowie eine gestalterische Abgrenzung zum Park. Die langen Sitzbänke im Park werden aus Betonfertigteilen hergestellt. Sie betonen die Wegekanten im Park und erfüllen damit optisch eine wichtige Funktion.
    Die Wege werden durch Lichtbänder beleuchtet, um die Wegeführung in Kombination mit der Flächenausrichtung im Park zu unterstützen. Dieser Effekt wird durch integrierte Leuchten in den Sitzmauern und Stufen der Caféterrassen, des Wasserdecks sowie entlang der westlichen Bestandsmauer erreicht. Einzelne Bäume werden durch Licht inszeniert. Dabei werden insektenfreundliche Lichtfarben verwendet. Die Sitzbänke an der Staudenpflanzung werden unterleuchtet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 31.05.2016, 12:22
Zuletzt aktualisiert 08.06.2016, 15:58
Beitrags-ID 4-121987
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