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  • DE-40667 Meerbusch
  • 04/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-229081)

Erneuerung des Wohnquartiers "Vogelsiedlung"


  • 1. Preis

    © Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / Visualisierung: Björn Rolle

    Architekten
    Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Oliver Konrath , Harald Wennemar

    Mitarbeit
    Lisa Schröder, Stefanie Hermanns, Stefan Luchmann

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept / Leitidee

    Ziel der Planung ist die Schaffung einer Baukörperanordnung, die am Standort eine maximale Wohnqualität erzeugt und gleichzeitig ein städtebauliches Signal als Zugang zur Vogelsiedlung setzt.
    Die Wohnqualität wird hier maßgeblich durch den Umgang mit dem Verkehrslärm der Römerstraße bestimmt.
    Im Bestand liegen die Eingänge der Häuser am Amselweg, was dazu führt dass die Wohnräume und insbesondere die Freibereiche der Wohnungen zur lärmbelasteten Römerstraße hin ausgerichtet sind.
    Der Entwurf sieht die Schaffung einer Hofsituation vor, die zum Amselweg hin, also zur ruhigen Wohnstraße ausgerichtet ist. Die umgebenden Gebäude bilden einen lärmschützenden Rücken. Alle Terrassen, Balkone und Gärten können zur lärmgeschützten Seite hin angeordnet werden.
    Städtebaulich wird so die von Norden heranrückende straßenbegleitende Bebauung an der Römerstraße in die auf dem Grundstück bisher übliche von der Römerstraße zurückweichende Bebauung übersetzt, die südlich des Grundstücks auch weiterhin dominiert.
    Der Hof ist das Herzstück der Wohnbebauung, korrespondiert mit dem gegenüberliegenden Brunnen am Amselweg und stellt die halböffentlich für alle Bewohner (insbesondere auch die der Obergeschosse) nutzbare Freifläche im Übergang zu den Privatgärten der Erdgeschosswohnungen dar.
    Der Entwurf sieht drei Baukörper vor, die in ihrer Größe die Körnigkeit der Umgebung aufnehmen.
    Im Anschluss an die Nachbarbebauung Amselweg 10 wird ein 2-geschossiges Einfamilienhaus mit Satteldach vorgeschlagen, dass hier den selbstverständlichen Abschluss der vorhandenen Nachbarbebauung darstellt und eine hochattraktive Wohnung für junge Familien bietet.
    An der Längsseite des Hofes, den Lärm von der Römerstraße abschirmend wird ein 2-geschossiger Baukörper mit Staffelgeschoss angeordnet.
    Die Stirnseite des Hofes am Laacher Weg bildet ein 3-geschossiger Baukörper mit Staffelgeschoss, dessen Wohnungen ideal, lärmgeschützt nach Süden ausgerichtet sind und der an der Kreuzung Laacher Weg, Römerstraße die gewünschte Landmarke als Zugang zur Vogelsiedlung bildet.
    Die Baukörper staffeln sich somit von einer 4-geschossigen Erscheinung gegenüber des Hochhauses Römerstrasse herunter bis zur vorwiegend 2-geschossigen Nachbarbebauung am Amselweg, so dass sich das Vorhaben harmonisch in den Bestand einfügt.

    Erschließung

    Die Wohngebäude haben Ihre Haupteingänge zu den umliegenden Straßen, also jeweils zu den lauten Gebäudeseiten hin. Hier erzeugen Sie im Straßenraum die Adressen der Gebäude. Alle Ebenen sind über die Treppenhäuser barrierefrei erreichbar. Sie reichen bis in die Tiefgarage.
    Die beiden Mehrfamilienhäuser verfügen erdgeschossig über einen Zugang zum Hof, so dass dieser wichtige Gemeinschaftsbereich für alle Bewohner barrierefrei erreichbar ist.
    Der Hof öffnet sich über eine Freitreppe mit barrierefreier Rampe zum Amselweg.
    Der ruhende Verkehr wird vollumfänglich in einer Tiefgarage untergebracht, die vom Amselweg aus erschlossen wird. Das Einfamilienhaus verfügt über einen eigenen Carport.
    Eine Müllsammelstelle am Amselweg ist für den Entsorgungsbetrieb und alle Bewohner z.B. beim Verlassen der Tiefgarage leicht erreichbar.
    Die Bushaltestelle an der Römerstraße wird durch die Anordnung der Hauseingänge in diese Richtung deutlich leichter erreichbar als bislang.

    Funktionalität

    Alle Baukörper sind auf einem gemeinsamen Sockel angeordnet. Dies spart zunächst Baukosten, da die Tiefgarage aus der Erde herausgehoben werden kann, womit Aushub gespart wird und die Fundamente aus dem Grundwasserbereich gehoben werden können.
    Der Sockel erzeugt insbesondere für die zu den umliegenden Straßen hin angeordneten Aufenthaltsbereiche eine angenehme Privatheit. Einblicke von den Bürgersteigen in die Wohnungen werden ausgeschlossen.
    Die Anordnung der Freibereiche zum schallgeschützten Innenhof hin löst das Schallschutzproblem weitestgehend. Aufenthaltsräume zur Römerstraße und eventuell zum Laacher Weg hin erhalten passive Schallschutzmassnahmen je nach Bedarf (Schallschutzgutachten erforderlich).
    Die Balkone zum Hof hin sind als Loggien ausgebildet. So werden Außenbereiche von hoher Aufenthaltsqualität und Privatheit erzeugt.
    Bei der Planung der Wohnungsgrundrisse werden die jeweiligen rechtlichen Grundlagen der LBauO NRW, des barrierefreien Bauen, sowie der Förderrichtlinien zugrunde gelegt.
    Dabei werden Die Wohnflächen durch Nutzungsüberlagerungen und Reduktion von Verkehrsflächen in den Wohnungen optimiert.
    Sanitärräume werden an Sanitärschächten konzentriert, mit dem Ziel die Zahl der Schächte / Wohnung zu reduzieren.

    Materialien und Konstruktion

    Das Bauvorhaben wird in Massivbauweise errichtet. Fassaden in WDVS mit rötlichen Klinkerriemchen. Akzentflächen mit Fassadentafeln weiß abgesetzt. Fenster Gewende in Putz weiß abgesetzt. Fenster als Kunststofffenster weiß. Flachdächer mit extensiver Dachbegrünung. Loggien mit ca. 50cm hohen massiven Brüstungen und aufgesetzten Stahlgeländern. (Schutz vor Einblicken)
    Kompakte Baukörper führen zur Reduktion der Oberfläche und damit wirtschaftlichen Baukosten, sowie zu einer energetischen Gebäudegeometrie.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich bilden 3 Bauköper einen leicht erhöhten und über eine mit einer Rampe durchzogenen Freitreppe zu erreichenden halböffentlichen Platz zum Amselweg, der mit dem gegenüberliegenden Platz korrespondiert. Der Siedlungseingang wird durch ein Zusätzliches Geschoss am Laacher Weg betont. Der Versuch, mit dem Entwurf einen städtebaulichen Impuls zu setzen wird von der Jury positiv bewertet. Die Anbindung an den Siedlungsbestand erfolgt durch eine Doppelhaushälfte äußerst sensibel und überzeugend.

    Die öffentliche Erschließung der Geschosswohnungsbauten erfolgt über die Römerstraße und den Laacher Weg, so dass vom Amselweg aus über den Platz hin zu Privatgärten ein behutsamer Übergang von öffentlicher zu privater Nutzung erfolgt. Die Winkelstellung wirkt mit der Anordnung um einen Hof zum Amselweg ausgesprochen leicht, ohne die gewählte Zielsetzung zu verlieren.

    Die Wohnungsgrundrisse sind solide durchplant und überzeugen. Lediglich die Eckwohnung zur Kreuzung Römerstraße / Laacher Weg und die 1-Zimmer Apartment im Erdgeschoss bedürfen aus Sicht der Jury einer Überarbeitung. Die Durchgängigkeit der Gebäudeerschließung von der Straßen- zur Gebäuderückseite überzeugt, allerdings bleibt zu prüfen, ob eine öffentliche Wegeverbindung zwischen Platz und Römerstraße geschaffen werden soll.

    Die Architektursprache und Fassadenausbildung mit liegenden, weiß gerahmten Fenstern und Ziegelverblendung wird von der Jury als ein tragendes, beispielgebendes Gestaltungselement auch für noch ausstehende Umbau- und Ergänzungsvorhaben beurteilt.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen städtebaulich, architektonisch und freiraumplanerisch gelungenen Beitrag dar, der neben der Aufwertung der besonderen städtebaulichen Rolle des Standortes tragfähige architektonische Detaillösungen anbietet.


INFO-BOX

Angelegt am 02.06.2016, 10:12
Zuletzt aktualisiert 13.06.2016, 12:09
Beitrags-ID 4-122133
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