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  • DE-10707 Berlin, DE-10178 Berlin
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-219916)

Schumacher-Quartier


  • 2. Preis

    Blick vom Schuldach auf den Campus

    Stadtplaner
    Stadt Land Fluss, Büro für Städtebau und Stadtplanung BDA, SRL, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    J. Miller Stevens , Dr. Carlo Becker , Dirk Christiansen , Stephan Schwarz , Ingrid Sabatier-Schwarz

    Mitarbeit
    Norman Kaltschmidt, Maria Feil, Martin Stokman, Georg Börsch-Supan

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)
    Architekten: ISSSresearch&architecture, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee

    Mit dem städtebaulich‐freiräumlichen Konzept für das neue Kurt‐Schumacher‐Quartier werden die Prämissen der Entwicklung gesetzt, daher müssen diese mit den Rahmenbedingungen der bestehenden, bebauten Rändern und der übergeordneten verkehrlichen Erschließung umgehen.
    ‐ Die beiden randlichen Hauptverkehrsstraßen werden entsprechend der übergeordneten
    Verkehrsplanung in das Konzept aufgenommen.
    ‐ Die Chance für eine urbane Anknüpfung des neuen Stadtquartiers an die bestehende Stadt ist am größten, wenn dies über den Kurt‐Schumacher‐Platz erfolgt. Die Siedlungs- gebiete außerhalb des Wettbewerbsgebietes nördlich der neuen Stadtstraße und südlich des Kurt‐ Schumacher‐Damms sind in ihrer Transformation derzeit nicht planbar.
    ‐ Die Lage am zukünftigen Landschaftsraum der Tegeler Heide ist ein Alleinstellungs- merkmal, daher muss alles daran gesetzt werden, dass nicht nur die erste Bebauungs- reihe am Park liegt, sondern das gesamte Stadtquartier soll aus der Tiefe des Raumes an den Landschaftsraum geführt werden.
    Damit ergibt sich die einfache und robuste Grundidee für den Städtebau und die Freiraumentwicklung. Zwei Linking Lines verklammern die Stadt und die Landschaft, eine Verschneidung und Verzahnung dieser beiden Linien erfolgt im neuen Kurt‐Schumacher‐Quartier welche besondere Orte schaffen.

    Linking Lines / Zwei Freiraum‐Klammern
    Die westliche Klammer stellt die Verknüpfung zum Landschaftsraum der Tegeler Heide her, welche die Spur der nördlichen Start‐ und Landebahn nachzeichnet. Hier entsteht ein mehrfachnutzbarer Stadtteilpark, der das Stadtquartier bis an den Landschaftsraum heranführt. Die Verklammerung der Stadtquartiere mit dem Landschaftsraum wird unterstützt durch den neuen Stadtgrundriss. Die Ost‐West‐Straßen reichen mit ihren Baumbepflanzungen, grünen Banketten und Vorgartenzonen aus der Tiefe des Raumes bis an die Tegeler Heide.
    Damit wird mit dem Stadtgrundriss eine eindeutige Orientierung auf die Tegeler Heide gegeben. Die östliche Klammer wird als urbaner Raum ausgebildet, der den Bezug zum Kurt‐ Schumacher‐Platz herstellt. Entlang dieses Bandes wird eine maximale Nutzungsmischung erzeugt. Öffentliche, kommerzielle und kreative Nutzungen werden hier konzentriert. Wer an dieses Band darf, der muss durch Aktivität und Urbanität überzeugen: Sonderbauten, Essen, Einkauf, Markthalle, Pop‐Up Stores, Co‐Working Space, Fitnessangebote und urban gardening sollen hier verdichtet werden. Mobilitätshub, Kindertagestätte, Sport‐ und Freiflächen sowie eine Sporthalle der südlich angelagerten Schulen werden hier angelagert. Es entsteht ein urbanes Freiraumband mit höchster Frequenz, so dass sogar die Dächer mit genutzt werden.
    Mit der Leitidee der Linking Lines entsteht ein robustes Grundgerüst, dass Landschaft und
    Stadt auf eine spannungsvolle Art und Weise in Bezug setzt und das neue Quartier
    gleichzeitig eine eigene Identität gibt. An den Nahtstellen der Klammern untereinander und
    im Bereich Kurt‐Schumacher‐Platz entstehen so spannungsvolle Orte, die besonders
    aufgeladen werden und somit Zentrumsfunktionen übernehmen.

    Robuster Stadtgrundriss – Quartiersbildung und Nachbarschaften

    Die bauliche Entwicklung des Kurt‐Schumacher‐Quartiers wird sich über einen längeren
    Zeitraum erstrecken. Daher schlagen wir einen Stadtgrundriss vor, der flexibel und
    schrittweise umsetzbar ist. Das Gebiet kann von den beiden Haupterschließungsstraßen im Norden und Süden erschlossen werden. Zwischen den beiden Randstraßen wird ein robustes Straßennetz mit einer geringen Hierarchie aufgespannt, das schrittweise entsprechend dem Entwicklungsprozess umgesetzt werden kann.
    Innerhalb dieses Stadtgrundrisses erfolgt eine weitere Differenzierung der Quartiers- bildung. Das Kurt‐Schumacher‐Quartier ist so groß, dass es einer weiteren Ausbildung von Quartieren auf Ebene der Nachbarschaften bedarf. Dies wird erreicht, indem mehrere kleine Quartierparks angelegt werden, zu denen jeweils die Baufelder zugeordnet werden. Die Kitas werden auch an die Quartiersplätze angelagert.
    Über die Linking lines erfolgt die Verknüpfung des gesamten Quartiers mit Stadt und
    Landschaft, mit den Quartiersparks wird die Nachbarschaftsbildung gefördert. Ein weiterer
    Ansatz zur Verknüpfung, zur Schaffung von Gemeinschaft und Identität wird durch die
    Baufeldzuschnitte erreicht. Blöcke werden als Paare ausgebildet, die über private
    Verkehrsflächen (befahrbare Wohnwege, Gemeinschaftsflächen) verbunden werden.

    Städtebauliches Konzept

    In Verbindung mit den prägenden Freiraumklammern und den Stadtteilparks stellen die
    Baufelder bzw. ‐blöcke das morphologische Grundelement des neuen Quartiers dar, das eine variierende Bebauungs‐ und Nutzungsstruktur ermöglicht. Im Nordwesten greifen die neuen Baufelder die Dimensionen der weiter nördlich bestehenden Wohnquartiere auf und passen sie an die verfügbaren Flächen im Wettbewerbsgebiet an. Im südlichen Teil des Schumacher‐Quartiers entstehen Baufelder, die eine kleinteilige Bebauungs‐ und Nutzungsstruktur zulassen. Auf diesen Baufeldern können verschiedene Eigentümer und Bauherren unterschiedliche Gebäudetypologien flexibel kombinieren. So entsteht eine räumlich abwechslungsreiche Bebauung mit einer sozial durchmischten Bewohnerschaft.
    Zur neuen Stadtstraße und zum Kurt‐Schumacher‐Damm werden robuste Ränder
    vorgesehen, die den erforderlichen Immissionsschutz gewährleisten. Im Westen des neuen Quartiers, zum Landschaftsraum der Tegeler Heide entsteht ein leicht perforierter Rand mit einzelnen Höhepunkten (IX, XI und XIII) zur Ausnutzung der Lagegunst und zur Akzentuierung des Übergangs zwischen Stadt und Landschaft.

    Gebäudetypologien, Wohnungsangebot und Wohnqualitäten
    Das Bebauungskonzept basiert auf den folgenden, in sich variablen Gebäudetypologien, die in verschiedenen Kombinationen auf einem Baufeld entwickelt werden können. Die
    vorgeschlagenen Typologien weisen eine hohe Flexibilität auf, die eine variable Nutzung
    insbesondere in den Erdgeschossen ermöglicht (Wohnungen, Gemeinschaftsräume, Co‐
    Working Space, Einzelhandel oder Gastronomie). Jede Wohnung verfügt über eine direkt
    zugeordnete Wohnfreifläche in Form von Terrassen, Mietergärten, Vorgärten, Balkonen,
    Loggien oder Dachterrassen. Es werden folgende Typologien vorgeschlagen:
    ‐ S : städtisches Reihenhaus III + DG bzw. IV
    ‐ M : Punkthaus, Vier‐ bis Fünfsp.nner; i.d.R. VI + SG
    ‐ L : Winkel‐ bzw. Zeilenbau, Zwei‐ bis Vierspänner, vereinzelt Sechsspänner (Laubengangtyp); zwischen IV+SG und VI+SG
    ‐ XL : großmaßstäbliches Hofhaus, Zwei‐ bis Vierspänner bzw. mit Mittelgangtyp für Studentenwohnen; V bis VI

    Nutzungsmischung
    Das neue Kurt‐Schumacher‐Quartier wird als Wohnquartier konzipiert. Wir halten es aber für notwendig, eine größtmögliche Nutzungsmischung anzustreben. Soziale Einrichtungen,
    Nahversorgung, kulturelle Angebote, Dienstleistungen und Büronutzungen sollen in das
    Stadtquartier integriert werden. Der urbane Charakter wird durch eine hohe Flexibilität in
    der Erdgeschossnutzung erreicht, die Förderung der Kombination von Wohnen + Arbeiten
    soll durch Hybridformen ermöglicht werden. Die Schwerelinien dieser urbanen Hybride
    werden durch das städtebauliche Grundgerüst und die Typologie der Erschließung vorgeprägt. Von dem verhältnismäßig großen Angebot an gewerblich genutzten Flächen (Einzelhandel, Dienstleistungen, Büros und Werkräume) wird jedoch mehr als 35% am Kurt‐Schumacher‐Platz angeordnet.

    Freiraumkonzept

    Das Freiraumkonzept trägt zur Identitätsbildung des neuen Stadtquartiers bei. Mit den
    Freiräumen werden unterschiedliche Adressen geschaffen und die Quartiers‐ und
    Nachbarschaftsbildung gestärkt. Städtebau und Freiraum beziehen sich aufeinander.
    Die zwei Linking Lines verklammern das neue Stadtquartier mit der Stadt am Kurt‐
    Schumacher‐Platz und mit dem Landschaftsraum der Tegeler Heide. Der östliche Link nimmt als urban aufgeladener Raum Bezug zur Stadt, hier werden Akteure der Stadtgesellschaft eingebunden, um urbanes Leben zu erzeugen. Beispielhaft sind Funktionen des Schulcampus, Freizeit sowie moderne Kommunikations‐ und Arbeitsräume, die einen starken Außenbezug haben.
    Das westliche Freiraumband führt die Landschaft der Tegeler Heide in die Stadt und
    gleichzeitig das neue Quartier in die Landschaft. Das Freiraumband bietet als Stadtteilpark
    Raum für Erholung, Freizeit, Bewegung und Spiel und übernimmt gleichzeitig Aufgaben der klimaangepassten Stadt. Die Nachnutzung des Flughafens wird durch den Bezug zur
    Landebahn deutlich.
    Im Bereich der Nahtstelle des urbanen Freiraumbandes und des Stadtteilparks entsteht ein besonderer Ort, an dem sich weitere Nutzungen verdichten können. Der nördliche Rand des Stadtteilparks bietet durch eine Promenade urbane Freiräume mit hoher
    Aufenthaltsqualität. Eine urbane Verdichtung erfolgt ebenfalls am hoch frequentierten Kurt‐
    Schumacher‐Platz mit Nutzungen für Handel und Dienstleistungen für den umgebenden
    Stadtraum. Sechs Quartiersparks bilden mit zugeordneten Kitas und Spielplätzen und den angrenzenden Baublöcken kleine Nachbarschaften aus. Quartiersbezogene Einrichtungen der Nahversorgung (z.B. Café, Kiosk) können sich hier anlagern.
    Die Straßen im Stadtquartier sind mehr als Verkehrsraum für Kfz. Mit straßenbegleitenden
    Grünstreifen, Baumpflanzungen und Vorgärten, mit knappen Fahrbahnen und mit Tempo 30 werden Straßen zu Orten der Vernetzung des Langsamverkehrs der Fußgänger und
    Radfahrer. Bei einer hohen baulichen Dichte ist ein Nebeneinander von separierten Nutzungen nicht tragfähig. Strategien der Mehrfachnutzung werden erforderlich, d.h. überlagern, stapeln, temporär nutzen, mehrdimensionalere Räume schaffen. Hierzu gehört das Straßennetz, das als Freiraumnetz verstanden wird, wie auch die Dachlandschaft mit grünen Dächern und Gemeinschaftsgrünflächen. Sport‐ und Schulhofflächen werden zum Teil so anlegt, dass sie temporär mehrfachnutzbarer werden.
    Die Grün‐ und Freiflächen dienen auch der wassersensiblen und hitzeangepassten Stadtentwicklung, in dem Regenwasser zurückgehalten und zwischengespeichert wird, um es zur Kühlung der Stadt zu verdunsten.

    Mit diesen drei Elementen –
    - Linking Lines – Bezugnahme des neuen Stadtquartiers auf die bestehende Stadt und die
    neue Landschaft
    - Quartiersparks – Bildung von lokalen Nachbarschaften
    - Wegenetz – Verknüpfung innerhalb des neuen Quartiers sowie mit der Umgebung
    und der Strategie der Mehrfachnutzung entsteht eine Stadt‐ und Freiraumstruktur, die
    extrem robust, flexibel entwickelbar ist und zur Resilienz des Stadtquartiers beiträgt.

    Klimaangepasstes, resilientes Stadtquartier

    Eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung wird heute entkoppelt von negativen
    Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima und schafft trotz hoher baulicher Dichte
    Lebensqualität. Das neue Stadtquartier wird mit einem hohen Anspruch an
    Umweltverträglichkeit entwickelt. Die Stoffwechselprozesse des neuen Stadtquartiers
    werden verstärkt geschlossen, die Resilienz erhöht.

    Wassersensible Stadtentwicklung und hitzeangepasste Stadt
    Regenwasser wird nicht in die Regenwasserkanäle geschickt, sondern im Gebiet
    zurückgehalten, zwischengespeichert und zur Kühlung in Hitzeperioden eingesetzt. Es
    entsteht ein abflussloses Siedlungsgebiet, das von den teuren zentralen Regenwasser- netzen abgekoppelt wird.
    Das Regenwasser wird aufgrund der Bodenbelastungen nur punktuell versickert, der
    Großteil des Wassers wird als Ressource zur Kühlung der Stadt durch Verdunstung genutzt (Schwammstadt‐Prinzip). Daher werden in den privaten und öffentlichen Grünflächen vegetative, wechselfeuchte Bereiche angelegt, die Wasser speichern und verdunsten können.
    Blaugrüne Dächer, wasserverdunstende Fassaden, ein heller Albedo und Schatten sind
    Maßnahmen der hitzeangepassten Stadt. Grundstücksnah werden grüne Retentions- becken eingerichtet, um Schäden bei Starkregenereignissen auszuschließen. Regenwasser von Bauflächen und Straßen werden über straßenbegleitende Mulden in Verdunstungs‐ und Versickerungsmulden in den Grünfl.chen geleitet. Über vegetative Bodenfilter wird belastetes Wasser gereinigt. Die Straßen werden mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt. Mit den straßenbegleitenden Entwässerungs‐ und Transportmulden und mit der Ausprägung der Straßen als Notwasserwege kann auf ein kostenintensives Kanalnetz verzichtet werden.
    So entsteht ein wassersensibel geplantes und hitzeangepasstes Kurt‐Schumacher‐Quartier.

    Klimatische Durchlüftung
    Der Anspruch der hitzeangepassten Stadt bildet sich auch im Stadtgrundriss ab. Kühlere Luft der Tegeler Heide kann in den Nachstunden über den Stadtteilpark und durch das feine Netz der durchgängigen Ost‐West gerichteten Straßen, die alle zur Heide offen sind, in die Stadtquartiere einströmen. Die klimatische Gunstlage am Kaltluftentstehungsgebiet wird so optimal genutzt. Mit den sechs Quartiersparks werden dezentral zusätzliche Kühlräume und Wohlfühlorte in den einzelnen Nachbarschaften geschaffen.
    Die Entwicklung des Kurt‐Schumacher‐Quartiers wird von negativen Wirkungen auf Umwelt und Klima entkoppelt, und es entsteht ein Quartier mit hoher Lebensqualität.

    Erschließungskonzept – Mobilität

    Das klare und minimierte Erschließungskonzept wird zwischen der neuen Stadtstraße im
    Norden und dem Kurt‐Schumacher‐Damm im Süden eingehängt. Eine busfähige Hauptstraße mit 6,50 m Fahrbahn verknüpft die beiden übergeordneten Hauptverkehrsstraßen jeweils mit einem Vollknoten. Weitere Netzbindungen werden ‚rechts rein, rechts raus‘ angeboten. Im Sinne eines autoarmen Quartiers wird eine Andienung durch Busse und eine Anbindung an die zwei U‐Bahnhöfe gesichert. Eine Trasse für die künftige Anbindung der UTR mit einem innovativen ÖPNV‐System wird parallel zum Kurt‐Schumacher‐Damm freigehalten. Hierfür wird zum überwiegenden Teil bestehende Verkehrsfläche des Flughafens verwendet.

    Die innere Erschließung des Quartiers erfolgt durch Wohnstraßen, die als Ringerschließung ausgebildet werden und auf Tempo 30 ausgelegt sind. Hier liegen auch die Zufahrten zu Tiefgaragen. Die Wohnstraßen erhalten zu einem hohen Anteil einseitig straßenbegleitende Stellplatzstreifen, die mit schattenspendenden Bäumen überstellt werden. Die zwischen den Blöcken gelegenen Mischverkehrsflächen ermöglichen eine interne Durchwegung und dienen als Begegnungsraum für die Nachbarschaften.
    Aufgrund der hohen Frequenz wird entlang des östlichen Freiraumbandes eine
    Fahrradstraße angeboten, welche die direkte Radwegeanbindung vom Kurt‐Schumacher‐
    Platz bis ins neue Stadtquartier ermöglicht. Damit wird auch gleichzeitig die Erreichbarkeit
    der Schulen und sozialen Einrichtungen per Fahrrad gesichert. Über den neuen Stadtteilpark wird der Radweg dann bis in die Tegeler Heide geführt.
    Für den ruhenden Verkehr werden mit einem Stellplatzschlüssel von 0,3/WE differenzierte
    Angebote gemacht. Stellplätze werden ebenerdig in den öffentlichen und privaten
    Verkehrsflächen sowie soweit möglich und finanzierbar in Tiefgaragen angeboten.
    Vier Mobilitätsstationen, davon zwei mit Quartiersgaragen und integrierten Car‐Sharing‐
    Stationen, liegen an den wichtigsten Zugängen zum neuen Quartier. Im Sinne der
    Intermodalität werden hier auch Fahrradsstationen und ‐verleihe sowie Ladestationen für
    alle E‐Mobilitätsformen angeboten. Die Quartiersgaragen werden nur bei absehbarer
    Nutzungsnachfrage errichtet, ansonsten werden die Flächen für Wohnen oder Gewerbe
    genutzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeigt, dass es gelingen kann, aufbauend auf einem relativ kleinen Blockraster einen abwechslungsreichen Stadtteil neu aufzubauen. Das Raster erlaubt auch - wenn sinnvoll und gewünscht - durch Zusammenlegungen größere Freiflächen und Baublöcke. Allerdings provoziert das Raster an den Übergangsstellen und schafft hier Verschnittflächen, deren Bebaubarkeit in Frage steht. Ein großzügiger Landschaftsraum (Heidefelder) sowie eine abgestufte Bebauung definieren den Rand zum UTR. Der Kurt-Schumacher-Damm wird durch eine grüne Fuge begleitet. Der aus dem Landschaftsraum in die Bebauung hineinragende Stadtteilpark begegnet in der Mitte dem „urbanen Freiraumband“ aus Schulcampus, Sporthallen und zugehörigen Freiflächen. Damit wird die zentrale Nord-Süd-Straßenverbindung gerahmt. Dieses Freiraumband kann seine Qualität jedoch nur entfalten, wenn eine öffentliche Zugänglichkeit gewährleistet ist.
    Der Entwurf sucht räumliche Anschlüsse an die benachbarten Stadtteile, in dem er zahlreiche dort bestehende Straßen-/Wegeachsen aufnimmt. Richtigerweise wendet sich jeweils ein Platz der neuen Stadtstraße und dem Kurt-Schumacher-Damm zu. Die Blockgröße ermöglicht differenzierte Wohntypologien und Geschossigkeiten. Zu den Rändern der stark befahrenen Straßen hin erscheint die Kleinteiligkeit der Bebauung unangemessen.
    Das Mobilitätskonzept sieht Tiefgaragen wie Quartiergaragen vor und berücksichtigt den Ansatz einer reduzierten Automobilität. Das wenig hierarchisierte Erschließungssystem unterstützt die Durchquerung für den Langsamverkehr. Carsharing-Angebote sowie Fahrradverleih sind ebenfalls in den Quartiergaragen vorgesehen. Im Erdgeschoss sind - neben Wohnungen - an städtebaulich wichtigen Stellen Räume für die Nachbarschaft, Coworking sowie Gewerbe und Läden vorgesehen. Das Verhältnis Gewerbe/Läden zu Wohnungen erscheint allerdings zu optimistisch. Das Strukturkonzept für die Baufelder macht zahlreiche Vorschläge für die lokale Energiegewinnung auf dem Dach und den Umgang mit Oberflächenwasser (Dachbegrünung, Sammler).

    Insgesamt stellt der Entwurf einen Beitrag dar, der eine prägnante Grundstruktur anbietet und mit den verschränkten Nutzungen sowie den „Linking Lines“ eine urbane Vielfalt ermöglichen kann.