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  • DE-64285 Darmstadt, DE-64289 Darmstadt
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-219065)

Wohnbebauung Baufeld 3.2 und 4.2 Lincoln-Siedlung


  • 3. Preis Baufeld 3.2


    Architekten
    Modersohn & Freiesleben, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Willi Neuer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Landschafts.Architektur Birgit Hammer, Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: Ingenieurbüro für Tragwerksplanung Dr.-Ing. Christian Müller, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Ingenieurgesellschaft Grabe mbH, Hannover (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Das Grundstück B3.2 am südlichen Ende der Lincoln – Siedlung sticht durch seine privilegierte Lage hervor: auf einer kleinen Anhöhe gelegen ist den Bewohnern der neuen Bebauung südlich der Blick auf das Waldstück „Unter dem Pelz“ ungehindert freigegeben. Es ist einerseits hervorragend an die Franklinstraße angebunden, aber nicht von Durchgangsverkehr belästigt, im Osten durch eine Bestandsbebauung vor Emissionen geschützt und westlich durch eine durchgrünte Kleingartenkolonie unverbaut, durchgrünt.
    Diesen Charakter wollen wir durch eine neue offene Bebauung aus 5 frei stehenden Baukörpern stärken, offen, großzügig, durchgrünt, Gemeinschaft stiftend, Individualität zulassend. Nicht abschirmend, sondern öffnend.

    Konzept

    Fünf Häuser, bestehend aus 3 Typen in Variation, bilden eine Häusergruppe im Baum-bestandenen, Park-artigen Garten. Sie reihen sich an einen verzweigten Weg wie Blätter an einen Ast. Der Erschließungsaufwand wird absolut minimiert, die große grüne Freifläche bietet sich zum Spielen und Verweilen an.
    Jedes Gebäude ist 4-geschossig und als 4- bzw. 5 Spänner organisiert. Über ein natürlich belichtetes Treppenhaus mit Aufzug ist jede der Wohnungen Schwellen- los erreichbar. Die Gebäude sind so geplant, dass sie den Bewohnern größt- mögliche Orientierung zum Freiraum bieten, Terrassen bzw. Balkone sind nach Süd-Ost, Süd oder Süd-West ausgerichtet, der Abstand zwischen den Gebäuden genau austariert.
    Die Gebäude erhalten Staffelgeschosse, die Dächer sind, soweit sie nicht den Wohnungen zugeordnet sind, extensiv begrünt,
    Die Eingänge der Gebäude liegen gut einsehbar, von Vordächern geschützt direkt am Weg. Ihnen zugeordnet und von hier zu erreichen große Fahrradräume und Abstellboxen.
    Grundsätzlich entsteht hier ein Quartier, das mit seiner Bebauung die bestehende Situation durch eine neue Typologie bereichert und somit dem Anspruch an ein lebendiges, durchmischtes und Generations-übergreifendes miteinander Lebens gerecht werden kann.
    Zeitlose Materialien betonen das nachhaltige Konzept des Entwurfes. Mineralischer Dickputz unterstützt die Flächigkeit der Fassaden, Holz soll das Material für die Fensterrahmen sein. Der Sockel ist mit einem feinen glatten Keramischen Material haptisch und optisch betont, hier können verschiedene Muster die einzelnen Bauten subtil differenzieren.
    Landschaftsplanung
    Der Ansatz für das landschaftsarchitektonische Konzept ist klar und spezifisch: fünf Haussolitäre auf einer Blumenwiese gerahmt durch ein lichtes Baumdach aus Kiefern und vereinzelten Zierobstbäumen.
    Die größte gestalterische Intervention stellt der Erschließungsweg dar, der sich einer Baumkrone gleich, vom Wurzelhals hinein in die Häuser immer weiter verzweigt und dabei gleichsam verjüngt. Der Weg mit seinen Verzeigungen und Aufweitungen stellt die kommunikative Zone, die durch verschiedene Sitzobjekte und Spielangebote begleitet wird.
    Die erforderlichen Feuerwehrtrassen und Aufstellflächen werden da, wo sie nicht mit dem Weg identisch verlaufen, als Rasenpflasterfläche ausgebildet, sodass optisch der Eindruck einer durchgehenden Wiesenfläche erzeugt wird.
    Auf die Ausbildung einer nicht gemeinschaftlichen Gartenzone wird bewusst verzichtet, stattdessen bietet das Konzept Raum für die Anlage eines Gemeinschaftsgartens der in Kombination mit einer Spielfläche für Kleinkinder zu einem echten Treffpunkt werden kann. Für die mittlere Altersgruppe sehen wir einen kleinen „Abenteuerspielplatz“ im Bereich des Kiefernwäldchens vor.
    Für die Müllentsorgung schlagen wir an zwei Standorten (neben der Hauptzuwegung und neben der TG-Zufahrt) den Einbau von Unterflurcontainern im Abstand von 5 Metern zur Straßenbegrenzungslinie vor.
    Die gewünschten Abstellboxen werden an den Abzweigungen positioniert. Mittels einer besonderen graphischen Behandlung werden die Ansichtsflächen gleichzeitig als Informationsträger und Leuchtkörper genutzt.
    Die Tiefgarage schmiegt sich mit einer Neigung von 2% in das Gelände. Die Überdeckung der Tiefgarage beträgt 40cm. In Bereichen, in denen eine Baumpflanzung vorgesehen ist, wird die Substratschicht auf mind. 90 cm erhöht. Die im Zusammenhang mit der vorgesehenen manuellen Lüftung der TG notwendigen Lüftungsöffnungen lässt an der südlichen Grundstücksgrenze eine Aufkantung entstehen, die als Balustrade mit einem kleinen Sitzplatz genutzt wird.
    Zur Reduzierung der Abflussmengen werden sämtliche Dachflächen mit einer extensiven Dachbegrünung ausgestattet. Um den Anteil nutzbarer Freiflächen nicht weiter einzuschränken wird überschüssiges Niederschlagswasser mittels unterirdischer Rigolen zur Versickerung gebracht

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser wählen die völlige städtebauliche Abkehr von der strengen Ordnung der vorhandenen Fischgrät-Struktur der Kasernenarchitektur und lösen die Baumassen in 5 Solitärbaukörper auf. Damit geht ein Versprechen eines offen in die Umgebung übergehenden Freiraumes einher. Nur 4 der 5 Solitäre sind an die TG angebunden. Die landschaftsplanerischen Gestaltung ist im Detail noch nicht ausreichend ausformuliert. Die Proportionen der Baukörper (Breite zu Höhe) sind eher problematisch. Wenn das Planungsrecht dies zulassen würde, wäre eine größere Höhe bei insgesamt weniger Baukörpern dem Konzept förderlich.

    An der südlichen Planstraße treffen Stadtwald und dicht bebautes Quartier hart aufeinander. Die gewählte „frei gewürfelte“ städtebauliche Form kann bei entsprechender Durcharbeitung und Straffung eine urbane wie baumdurchwirkte, wirtschaftliche, wie offene Antwort als Auftakt ins Lincolnquartier sein. Positiv ist die sinnvolle Trennung der Einfahrt in die TG und der fußläufigen Erschließung mit wenigen oberirdischen Stellplätzen und Aufenthaltsbereichen zu bewerten. Die Eingangszonen der Kuben mit Gemeinschaftsanlagen, wie Fahrradabstellplätzen und Nebenanlagen sind komfortabel und gut annehmbar. Die TG ist funktionsfähig und kompakt. Für eine zusätzliche mögliche Bedarfsabdeckung ist sie jedoch zu klein.

    Eine freiraumplanerische Qualität ist im Quartier kaum erkennbar, was als eine vertane Chance gewertet wird. Der Freiraum ist komplett autofrei. Die Beschreibung der Verfasser von „Bautypen auf einer Blumenwiese“ wird konterkariert durch zu große Nebenflächen und Feuerwehraufstellflächen. Die Idee als solche jedoch wird ausdrücklich begrüßt.

    Die 3 Gebäudetypen wirken auf den 1. Blick schlüssig. Mit den großzügigen, gemeinschaftlichen Eingangsbereichen, die sich in Richtung der TH dann jedoch unnötigerweise zu problematischen Grundrissfiguren auflösen, sind gute räumliche Zuordnungen geschaffen worden. Allerdings sind die damit verbundenen Zäsuren in den Kuben sowohl baulich-brandschutztechnisch, wie auch architektonisch problematisch. Eine gemeinschaftliche Innenraumfläche ergibt sich durch die eigens ausgerichteten Eingänge Richtung Lincoln (Erschließungsachse) nicht.

    Die Grundrissvielfalt und der zeitgemäße Wohnungsmix sind positiv zu bewerten. Die Grundrissformen der Wohnungen und Loggien/ Balkone passen z.T. nicht zueinander. Die Grundrisstypen könnten eine Klärung gut vertragen, ohne an Vielfalt zu verlieren. Flexibilität, Anzahl und Verteilung der WE sind positiv. Bauweise und Lochfassaden entsprechen dem traditionellen Wohnungsbau mit Sockel, Putzfassade und Holzfenstern und orientieren sich am Bestand in zeitgemäßer Interpretation. Ob die Idee der freitragenden Pilzkopfstützen bei einer freien und modernen Wohnungsgestaltung erlebbar ist, bleibt fragwürdig. Die TG ist problemlos natürlich belüftbar, weil sie dem N-S Gefälle folgt. Die damit einhergehende Gebäudekante ist leider unbearbeitet geblieben.

    Das Entwurfskonzept bietet eine echte Alternative zum Weiterbauen am Übergang der vorhandenen Siedlungsstruktur zur Stadtlandschaft und setzt die Idee als natürliches Entree zur Quartiersentwicklung Lincoln ein. Es kann ohne Optimierung diese Potentiale jedoch nicht entfalten. Gute Ansätze der Planung als freie städtebauliche Form im Sinne urbaner Räume und eines offenen Auftaktes sind im Grundsatz stecken geblieben.

    Die BGF liegt im Vergleich der Arbeiten im durchschnittlichen Bereich, die Anzahl der Wohneinheiten liegt eher im oberen Bereich.

    Technik:
    Es ist keine Lüftung mit WRG vorgesehen, dies ist heilbar durch Schächte vorwiegend im Bereich der Garderoben/neben Aufzug, was jedoch zu einem Grundflächenverlust führt. Es werden 5 zentrale Anlagen auf den Dächer vorgeschlagen. Im UG sind zu wenig HA-Raumfläche vorgesehen, die durch Entfall von Stellplätzen/Mieterkeller hergestellt werden müssen. Bei einer lichten Raumhöhe im EG 2,85 m und in den OGs von 2,60 m, ist ein horizontaler Leitungsverzug gut möglich. In WE-Detail-Grundrissen sind keine Installationswände in Sanitärräumen dargestellt, deren Nachrüstung zu einem Wohnflächenverlust führt. Je WE sind 2 – max. 3 Abwasserfallstränge erforderlich. Ein Konzept zur Regenwasserversickerung ist beschrieben.
    Es ist fraglich ob auf Grundlage der Konzeptdarstellung ein passivhausähnliches Niveau ohne weitreichende Konzeptänderungen erreicht werden kann.

    Tragwerk:
    Es sind mittige Stützen mit Stützenkopfverstärkung in jeder Wohnung vorgesehen. Dadurch wird die Deckenspannweite reduziert. Die Decken sind als Flachdecken mit einer Dicke von 20cm vorgesehen. Der durchgängige wirtschaftliche vertikale Lastabtrag erscheint schwierig. Die Dachkonstruktion ist in Holzbauweise benannt. Aussagen zu Gebäudefugen fehlen. Die Geometrie ist teilweise schwierig, vor allem in der TG. Die TG-Decke soll ins Gefälle gelegt werden, um Gefälleestrich zu vermeiden. Dies erfordert eine exakte Planung, die sich oft nicht durchhalten läßt und eine aufwendige Schalung erfordert. Die Fassade ist aus WDVS. Es ist eine 50cm dicke Gründungsplatte WU vorgesehen. WU ist nicht erforderlich. Optimierungen sind möglich. Eine Voraberstellung der Tiefgarage ist schwierig umzusetzen.

    Baurecht:
    Die Rettungswege in der Tiefgarage sind zu überprüfen.


INFO-BOX

Angelegt am 15.06.2016, 12:12
Zuletzt aktualisiert 27.06.2016, 13:59
Beitrags-ID 4-122801
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