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  • DE-58706 Menden, DE-58706 Menden
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-218694)

Bürgerhaus und die Plätze am neuen Rathaus


  • 2. Preis

    © scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    Mitarbeit
    Vivien Ildikó Harmati, Lars Kallfelz

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Scholz Architekten, Senden (DE)
    Tragwerksplaner: gantert + wiemeler ingenieurplanung, Münster (DE), Cottbus (DE)
    TGA-Fachplaner: EVERSMANN - beratende Ingenieure, Meppen (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Im Umfeld des Mendener Rathauses erstreckt sich eine Sequenz von Freiräumen, die ihrem Potenzial als städtische Aufenthalts- und Versammlungsorte derzeit nur eingeschränkt gerecht wird. Das Konzept sieht eine Wiederbelebung des öffentlichen Raumes als Begegnungs- und Lebensraum vor und setzt diesen neu mit dem vorhandenen Rathaus und geplanten Bürgerhaus in Beziehung.

    Das neue Rathausumfeld wird durch einen einheitlicher Pflasterteppich neu markiert. Großzügige hellgraue bis mittelgraue Bänderungen aus Betonsteinpflaster fassen die Platzsequenz neu zusammen und verbinden das Rathaus mit dem neuen Bürgerhaus und der Umgebung. Die im Norden des Bürgerhauses angeordnete Veranstaltungsfläche wird von einem filigranen Zeltdach überstellt.

    Der Veranstaltungsplatz wird durch Bänder in Kleinsteinpflaster in einem warmen Sandton markiert, die die Farbigkeit der Fassaden des neuen Bürgerhauses aufnehmen. So entsteht eine funktionale Gliederung der Fläche in das Veranstaltungsareal, auf der die Tribünenbestuhlung wettergeschützt aufgebaut werden kann. Das bestehende Mendener Stadtwappen bleibt erhalten und wird ebenfalls unter das Zeltdach verlegt.

    Die Bänke unter dem Veranstaltungsdach sind demontierbar, sodass sie für Veranstaltungen vom Platz entfernt werden können. Die Fläche vor dem neuen Bürgerhaus gegenüber dem Rathauseingang wird durch ein gastronomisches Angebot belebt; bei schlechtem Wetter kann die Außenbestuhlung unter dem Veranstaltungsdach wettergeschützt aufgestellt werden.

    Westlich des neuen Bürgerhauses bietet eine großzügige Platzsituation spannende Aufenthaltsorte und Außengastronomieangebote am Wasser. Das vorhandene Wasserband wird in die Gestaltung mit einbezogen und erweitert. Durch die seichte Uferausbildung kann es von Kindern bespielt werden. Die verwendeten Ausstattungselemente und Sitzelemente orientieren sich an den geplanten Pflasterbändern. Lange Bänke laden zum Verweilen ein und bieten sich als Pausenorte oder Treffpunkte an. Der diagonal über den Platz verlaufende Mühlenweg wird in Form von Orientierungsleuchten im Pflasterbelag kenntlich gemacht.

    Auf dem Platz vor dem Rathaus entsteht ein halb städtischer, halb grüner Platz, der zum Aufenthalt und Spielen einlädt und das Angebot des bestehenden Spielplatzes erweitert. Rasenbänder mit Spielgeräten wechseln sich mit Bewegungsspielangeboten auf den Pflasterbändern ab. In Richtung Norden ist eine Kletterwand vorgesehen, die den Spielbereich von den Stellplätzen abgrenzt.

    Vor dem Rathaus sind fünf Kurzzeitstellplätze vorgesehen, gegenüber werden weitere sieben Stellplätze als Bedarfsstellplätze bei Veranstaltungen angeordnet. Südlich des Ratsaales sind zwei Behindertenstellplätze verfügbar. Zwei Elektro-Ladesäulen sind unmittelbar neben dem unteren Tiefgarageneingang plaziert, vier zusätzliche Stellplätze befinden sich auf der Platzfläche direkt am Bachlauf und sind ebenfalls temporär als Veranstaltungsparkfläche vorgesehen. Die ca. 200 Tiefgaragenstellplätze können über zwei Treppenanlagen oder optional über einen Fahrstuhl barrierefrei erreicht werden.

    Im direkten Anschluss an den Rathausplatz liegt der neu gestaltete Spielplatz, der durch neue attraktive Spielgeräte unter dem altem Baumbestand einen neuen Aufenthaltsort für alle Generationen schafft. Der Spielplatz bekommt durch attraktive Spielgeräte, die zur Bewegung animieren, ein neues Gesicht und bietet Sitzmöglichkeiten unter Bäumen, die zum Verweilen einladen.


    Gehölzkonzept

    Zahlreiche Gehölzneupflanzungen tragen dazu bei, die Aufenthaltsqualitäten des Rathausumfeldes zu verbessern. Die unmittelbar vor dem Rathaus befindliche Baumreihe erscheint nicht erhaltenswert und wird durch eine Neupflanzung ersetzt. Die vorhandene Allee in der Bahnhofstraße wird durch einen weiteren Baum ergänzt und vervollständigt. Nördlich des Veranstaltungsbereiches fasst und strukturiert ein neuer Solitärbaum den Raum. Auf den Rasenbändern des Rathausplatzes stehen drei schattenspendende Bäume, die an den diagonalen Bändern ausgerichtet sind und den grünen Charakter des Platzes betonen. An Standorten mit nicht genügender Überdeckung auf der Tiefgarage erfolgen die Baumpflanzungen in Hochbeeten mit Sitzauflagen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit zwei einfachen quadratischen Bausteinen aus Bürgerhaus und Überdachung wird der vorhandene städtebauliche Raum neu geordnet und klar strukturiert. Der Haupteingang zum Bürgerhaus wird zur belebten Bahnhofstraße gelegt und dem Rathauszugang ein größeres Vorfeld zugeordnet. Der überdachte Veranstaltungsbereich mit seiner festen Überdachung erhält von Süden zwei seitliche Zugänge und behält seine durch die zurückliegenden Bauten begrenzte Intimität.
    Das Bürgerhaus zeichnet sich durch eine markante Struktur aus, die sich gut proportioniert in das Umfeld einfügt. Es bietet eine gute Ausgeglichenheit offener und geschlossener Zonen, wobei der Einblick und Durchblick von der Bahnhofstraße und die Offenheit zum Rathausplatz ein beide Teile belebendes Moment bedeuten. Die Foyerzone und die Geschossverbindung könnten großzügiger entwickelt sein, wobei der quadratische Grundriss der Obergeschosse eine sehr gute funktionale und wirtschaftliche Grundlage bietet. Die gewählten Baumaterialien fügen sich bezüglich Struktur und Farbgebung sinnvoll in den stadtbestimmenden Kanon ein. Auch die vorgeschlagene Überdachung aus einer Kombination einer Stahl- und Textilmaterialisierung bietet eine gut realisierbare Grundstruktur in richtiger Gesamtdimensionierung für flexible Nutzungen.
    Alle Platz- und Straßenbereiche werden durch die differenziert gestaltete Pflasterung ihrer zugewiesenen Nutzung entsprechend akzentuiert, wobei die Brückenstege und Dimensionen über dem verlängerten Bachlauf noch eine exaktere Fixierung vermissen lassen. Die gebänderte Pflasterung, die alle Freiräume zusammenfassen soll, ist jedoch zu formal und etwas beliebig ausgebildet. Ein mit Rasenflächen strukturiertes Feld bildet einen ruhigen, angenehmen Abschluss nach Süden und ist als Aufenthaltsort gut vorstellbar. Weiter trennt das die Bahnhofstrasse begleitende Wasserspielband den Platzraum zu stark ab. Die meisten Stellplätze werden als Bedarfsstellplätze für Veranstaltungen definiert. Ob die Stellplätze nicht eher im Alltag benötigt werden und dann den Platzraum stören, bleibt fraglich.

    Eine Arbeit auf die vielen unterschiedlichen Vorgaben und Zwangspunkte unprätentiös reagiert, dabei vielleicht etwas zu wenig großzügig mit den in ihrer Konzeption vorhandenen Anlagen umgeht – das betrifft die Grundrisslösung im Detail, die wenig spannungsvolle Fassadengestaltung und die Freidachkonstruktion mit mehr Potential zur Entmaterialisierung.