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  • DE-48499 Salzbergen, DE-48499 Salzbergen
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-223237)

Ortskern Salzbergen


  • 2. Preis

    © scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    Mitarbeit
    Ben Zemke, Lars Kallfelz, Vivien Ildikó Harmati, Margareta Nolte, Michael Neutzer

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Anlass und Ziel
    Das Zentrum der Gemeinde Salzbergen ist das Resultat einer großflächigen Ortskernsanierung der 1970er Jahre und weist heute nur noch wenige historische Spuren und Atmosphären auf. Die ursprüngliche dörfliche Kleinteiligkeit wurde im damaligen Prozess der Priorisierung des motorisierten Verkehrs und der Neustrukturierung des zentralen Geschäftsbereichs zum großen Teil aufgegeben.

    Verkehrsführung
    Das Entwurfskonzept sieht die Betonung der Ortsmitte vom Kirchplatz bis zum Bahnhof vor und stärkt diese Verbindung mit einer einheitlichen Oberflächengestaltung. Die sich aus der Realisierung der Ortsumgehung ergebende Chance der Verkehrsberuhigung und Beschränkung auf den Ziel- und Quellverkehr wird genutzt. Der zentrale Bereich zwischen Kirchplatz und Bahnhof wird als Beitrag zur Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer nur im Schritttempo befahren. Ein ebenengleicher Straßenquerschnitt, die schlanke Trassenführung (Breite 6 m) und die Überpflasterung der Fahrbahn mit dem gleichen Material, wie das der Gehwegbereiche, lässt die Fahrspur optisch in den Hintergrund treten und trägt zur Verkehrsberuhigung bei. Als Pflaster wird ein grau/braun changierendes Betonsteinpflaster vorgesehen. Rundborde (3cm Höhe) und beidseitige Pflasterrinnen zeichnen die traditionelle Dreiteilung des Straßenraumes nach und sorgen für eine technisch einwandfreie Entwässerung. Fahrradständer und Bänke finden sich immer wieder entlang der Gehwegflächen. An den Ortseingängen bilden Baumtore aus Blütenbäumen und der auch für die Ortsmitte vorgesehene Pflasterteppich aus grau/braun changierendem Betonsteinpflaster die städtebaulichen Entreés und den Auftakt für den verkehrsberuhigten Bereich. Die Fahrbahn wird in dieser Tempo 30 Zone in Asphalt erstellt. Der zentrale Knotenpunkt „Ems- / Bahnhofstraße“ wird durch die Reduzierung der Fahrbahnbreite, sowie durch eine versetzte Straßenkreuzung entzerrt. Dies trägt zur Entschleunigung des Verkehrs bei und erleichtert die Querung für die Fußgänger. Die für den ruhenden Verkehr geforderte Anzahl von ca. 80 Stellplätzen im Realisierungsbereich wurde mit 74 Stellplätzen in der Straßen- und Platzgestaltung berücksichtigt.

    Kirchplatz
    Das Konzept zur Gestaltung des öffentlichen Raumes knüpft auf neue Weise an die historische Maßstäblichkeit an. Die St. Cyriakus Kirche wird als Keimzelle und Identifikationspunkt Salzbergens neu in den Mittelpunkt der Wegbeziehungen und Platzsequenzen gerückt und mit einer klaren Platzfigur vor dem Westportal betont. Eine Platzintarsie aus Natursteinplatten (alternativ: großformatigen Betonsteinplatten) vermittelt zwischen Emsstraße und Kirche und schafft eine neue, lebendige und multifunktional nutzbare Platzfläche. In der Platzmitte wird die vorhandene Brunnen­stele neu innerhalb eines Wasserbeckens platziert. Der Kirchhof selbst wird in Anlehnung an den historischen Zustand mit einer mit Blütenbäumen überstellten Rasenfläche neu gefasst (langfristige Perspektive). Neue Spiel- und Aufenthaltsangebote beleben den grünen Kirchhof. Eine Realisierung des Kirchvorplatzes ist jedoch auch unabhängig von der Umgestaltung des Kirchhofs vorstellbar. Für Besucher der Kirche und der Touristeninformation werden sieben Stellplätze in direkter Nähe angeboten. Im östlichen Bereich des Kirchhofes können weitere Parkmöglichkeiten angeboten werden.

    Platz West
    Auf der westlichen Platzseite, gegenüberliegend zum Kirchvorplatz, wird der Freiraum bis zu einem möglichen Baufeld für ein neues Wohn- und Geschäftsgebäude und einen Parkplatz mit 24 Stellplätzen erweitert. Der Großteil der westlichen Platzfläche bleibt frei von Einbauten und kann damit flexibel für die Aufstellung des Festzeltes und die Durchführung von Märkten, Kirmes und anderen Veranstaltungen genutzt werden. Großzügige Rundbänke betonen die Solitärbäume und schaffen angenehme Aufenthaltsbereiche. Die Bänke werden in Teilen durch Holzfaserauflagen und Rückenlehnen zu komfortablen Aufenthalts- und Ruheinseln aufgewertet und bieten sich als Treffpunkte an. Unter den schattenspendenden Kronendächern der Bäume laden gruppierte städtische Spielangebote zur Bewegung ein.

    Platz Süd
    Der südliche Platzteil mit dem vorhandenem Bestandsbrunnen bietet Raum für gastronomische Außenbestuhlung im öffentlichen Raum. Für das Hotel Bolte ist südlich des verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs eine Haltebucht für Reisebusse zugeordnet.

    Bahnhofsumfeld
    Die beiden Bahnhofsbereiche (Emsstraße und Lindenstraße) werden durch eine einheitliche Gestaltungssprache miteinander verknüpft. Beide Bereiche sind durch gegenüberliegende Platzflächen zum Aufenthalt und als Treffpunkt funktional vom Straßenraum abgegrenzt. Inspiriert von der Formensprache der Gleise wird die Thematik der Schienen aufgegriffen und im Freiraum weiter fortgesetzt. Die großformatigen Betonsteinplatten sind an den Kirchvorplatz angelehnt.
    Die beiden Kopfgebäude der Fußgängerunterführungen werden abgerissen, sodass die optische Barriere entfernt wird und die Treppenabgänge zur Unterführung Teil der Platzflächen werden. Die Fußgängerunterführung ist von beiden Ortsteilen nun auch barrierefrei und behindertengerecht durch Rampen innerhalb der Platzbereiche zugänglich. Auf den beiden Seiten der Bahnlinie sind insgesamt 63 Stellplätze (24 Stellplätze Bahnhofsstraße und 39 Stellplätze Lindenstraße) und jeweils 200 überdachte Fahrradanlehner vorgesehen. Außerdem wird jeweils eine Buswartehalle für den Linienbusverkehr mit Halt des Busses auf der Fahrbahn integriert.

    Bahnhofsplatz Bahnhofsstraße
    Die historische Dampflok (ursprünglicher Standort) bildet die Hintergrundkulisse des neu entstehenden westlichen Bahnhofsplatzes, der durch eine barrierefreie Rampe gefasst wird, die sich zum Ortskern öffnet. Auf Schienen verschiebbare Sitz-Holzpodeste laden unter dem Kronendach der Bestandsgehölze zum Verweilen ein. Der Bestandsbrunnen ist Teil der Platzfläche und rückt weiter in den Vordergrund.

    Bahnhofsplatz Lindenstraße
    Der Bahnhofvorplatz an der Lindenstraße integriert das alte Bahnhofsgebäude für zukünftige Veranstaltungen mit 15 Stellplätzen. Auch hier laden Sitz- und Pflanzpodeste auf Schienen zum Entspannen ein. Die Platzfläche nimmt außerdem den Treppeneingang zur Fußgängerunterführung sowie eine barrierefreier Rampe auf, die um die Fahrradstellplatzanlage zur Bahnunterführung führt.

    Lichtkonzept
    Einige besondere Solitärbäume, Kunstwerke (z.B. Mühlstein) und Bänke werden bei Dunkelheit durch Licht inszeniert. Zum einen sind die Baumrundbänke mit einer hinterleuchteten Schattenleiste konstruiert, sodass sie bei Dunkelheit wie schwebend auf der Platzfläche scheinen, zum anderen finden sich an diesen Standorten auch Up- und Downlights in den Baumkronen. Diese strahlen einerseits die Kronen aus, andererseits ermöglichen sie eine blendfreie Beleuchtung des Stadtraums unter dem Baum. Zur weiteren Ausleuchtung der Platz- und Straßenbereiche sind Mastleuchten ergänzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Plätze und Aufenthaltsflächen sind gut definiert. Sehr gute und detaillierte Analyse der städtebaulichen Zusammenhänge.
    Durch zusätzliche Gebäude werden neue Raumkanten, insbesondere im Bereich Marktplatz, Bahnhofstraße geschaffen.
    Im Ideenteil wird sich über die vorgegebene Fläche hinweggesetzt. Der Planer setzt eine neue Raumkante und schafft einen neuen klar gegliederten Platz. Auch bei Entfall des Ideenbereiches würde das städtebauliche Konzept funktionieren.
    Der Kreuzungspunkt wird entzerrt wodurch eine Verbesserung zur Bestandssituation erreicht wird, bedarf aber einer weiteren Analyse. Die Kreuzung Poststraße Bahnhofstraße ist geändert (bislang abknickende Vorfahrt), was positiv aufgenommen wird, einer Geschwindigkeitsreduzierung entgegenkommt und die Wegebeziehung zum Bahnhof unterstützt. Die Einmündung zum Kirchplatz fehlt.
    Die Stellplatzbilanz funktioniert.
    Bahnhof
    Die beiden Plätze erscheinen angenehm, offen und gut gestaltet. Die Ausbildung einer Rampe hinter der Lok wird kritisch bewertet, wirkt wenig einladend und könnte sich zum „Angstraum“ entwickeln.

    Freiraumplanung
    Der neue Kirchenvorplatz erscheint gut ausformuliert.
    Die Stellplatzlösung ist grundsätzlich gut gewählt. Der Bereich vor dem Bäcker wird vom ruhenden Verkehr freigehalten wodurch allerdings Stellplätze zur Bedienung des Bäckers fehlen. Die Zuwegung zur hinteren Bebauung erscheint problematisch.
    Die Position des Brunnens erscheint an zentraler Stelle des Platzes ungünstig. Die Höhenentwicklung im südlichen Bereich des Kirchenvorplatzes wurde nicht berücksichtigt.

    Materialität
    Die Durchformulierung bis zum Tunnel wird positiv bewertet. Die Materialität ist dem Ort angemessen gewählt. Die Farbigkeit wirkt angenehm.
    Für die Fahrbahnen der zuführenden Straßen wird Asphalt gewählt. Dies trägt dem Material Naturstein auf dem Kirchplatz Rechnung.

    Details
    Die Fahrbahnquerungen und deren taktiles System finden sich an klar definierten Punkten wieder.
    Halbrunde Bänke um die Bäume schaffen positive Aufenthaltsbereiche.
    Spielgeräte finden sich teilweise außerhalb des Planungsbereiches. Die an Schienen angelehnte Sitzbanklösung im Bahnhofsbereich wird positiv anerkannt.