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  • DE-64285 Darmstadt, DE-64295 Darmstadt
  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-221477)

Quartiersmitte Lincoln-Siedlung


  • 1. Preis Zuschlag Hochbau mit Freianlagen

    Modellfoto

    Architekten
    Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Todor Nachev, Patrick Schürmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: foundation 5+ architekten landschaftsarchitekten, Kassel (DE)
    Tragwerksplaner: merz kley partner, Dornbirn (AT), Altenrhein (CH)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Der Maßstab der aufgelockerten Wohnbebauung der Lincoln Siedlung mit den langen Zeilenbauten wird aufgenommen und eine zweigeschossige teppichartige Großform entlang der Heidelbergerstraße mit klaren Raumkanten rundherum entwickelt. Durch Einschnitte, verschieden große Innenhöfe und brückenartige Verbindungen wird der Baukörper kleinmaßstäblich differenziert sowie die Dachlandschaft durch die shedartige Belichtung der Turnhalle besonders strukturiert. Es entsteht trotz klarer Ordnung - eine rundum attraktive vielfältige Lebendigkeit ohne Vor- und Rückseite.
    Schule und Kindertagesstätte sind zu einem Baukörper zusammengefügt, jedoch auch eigenständig ablesbar. Die Erschließung der Kindertagesstätte erfolgt von Süden um den Bring- und Holverkehr zu gewährleisten. Die Schule ist mit dem Haupteingang dem Quartiersplatz zugeordnet. Um das Entrée möglichst einladend und attraktiv zu gestalten, befinden sind hier auch die Gymnastikhalle und die Mensa, so dass der Platz hier die notwendige Belebung erhält. Der Zugang zur außerschulischen Nutzung der Turnhalle und Gymnastikhalle erfolgt ebenfalls gut auffindbar vom Quartiersplatz. Zur Heidelberger Straße sind Räume angeordnet die schallunempfindlich sind oder selbst Schallemmision verursachende Räume im Obergeschoss (Musikraum und Werkräume).

    Schule
    Zum Quartiersplatz öffnet sich das neue Schulhaus und empfängt die ankommenden Kindern, Schülern und Lehrer mit einer Nord-Süd gerichtete Schulstraße, die eine einfache Orientierung ermöglicht. Im ersten Cluster auf der westlichen Seite liegen Foyer und Mensa, daran anschließend Verwaltung und Lehrerbereich, auf der östlichen Seite der Sportbereich mit den Umkleiden entlang der Heidelberger Straße. Durch die Lage der Mensa, Gymnastikraum und Sporthalle sind vielfältige Kombinationen und Nutzungen unterschiedlicher Größe für die Begegnung von Schüler, Lehrer und Familien in der Mitte möglich.
    Zwei großzügige, einläufige Freitreppen leiten in die Klassenebene des Obergeschosses. Licht kommt von der Seite und von oben. Ein Aufzug ermöglicht die rollstuhlgerechte Nutzung. Die 4 Lerncluster, werden über die Schulstraße erschlossen - drei nach Westen, einer nach Osten. Durch die ebenengleiche Anordnung aller Klassen wird der Austausch der Schüler zwischen den verschiedenen Jahrgangsstufen und damit das Lernen von- und miteinander gefördert. Die Klassenräume sind um einen Lichthof gruppiert, so dass eine offene Lernlandschaft entsteht. Die Klassenräume sind jeweils paarweise organisiert mit einem mittigen Differenzierungsraum der stirnseitig, vom Lehrer gut einsehbar, angebunden ist. Gegenüber der Tafel bzw. Smartboard sind Schrankzonen vorgesehen, kleinteilig detailliert mit Setzkasten zum Ausstellen von Unterrichtsergebnissen, Fächern für Schüler und Unterrichtsmaterial, Sitzbank etc.. Die Differenzierungsräume sind zusätzlich direkt aus den Erschließungsflächen zu betreten und damit flexibel nutzbar.
    Die Klassenräume öffnen sich zu den pädagogisch vielfältig nutzbare, räumlich differenzierten Lernzonen. Innerhalb der Großform entsteht nach Innen eine große Vielfalt kleinmaßstäblich unterschiedlicher Zonen und Bereiche die vielfältigen und differenzierten, selbstorganisierten, offenen wie auch abgeschlossenen Wissenserwerb, Lernen und Arbeiten alleine oder in der Gruppe ermöglicht.
    Diese Mehrdimensionalität dieser Mitte soll das Lernen der Kinder über den Tag unterstützen, die Augen für die Vielfältigkeit der Welt öffnen und das ständige Suchen, Reflektieren, das Neugierige, in alle Richtungen Schauende fördern.
    Alle Klassen haben durch die verglasten Innenwände beidseitige Belichtung und Besonnung über den gesamten Tag. Die Ganztagesbereiche werden ergänzt durch eine vielfältig nutzbare, rundum windgeschützte Terrassen für Unterricht und Betreuung im Freien ergänzt. Alle Cluster sind mit einer Treppe unmittelbar an den Schulhof im Erdgeschoss angebunden.
    Eine besondere Attraktion ist der Einblick rund um in den Sport- und Gymnastikhalle dadurch erhält die ‚Leibeserziehung auch pädagogisch einen herausgehobenen Stellenwert und wird integraler Bestandteil des Unterrichts. Musik- und Werkräume legen sich wie ein Mantel um den Luftraum der Turnhalle, die in von hier ausgehenden Lärmemissionen stören somit nicht den allgemeinen Schulbetrieb. Der Musikraum lässt sich mit der vorgelagerten Halle am Lichthof schön kombinieren.

    Kindertagesstätte
    Die Gruppenräume sind L -förmig um zwei Lichthöfe angeordnet und zu den zugehörigen vorgelagerten Freiräumen orientiert. Um die zwei Innenhöfe sind zum Spielen gut nutzbare Flächen die über die transparenten Wände aus den Gruppenräume auch einsehbar sind. Der Mehrzweckraum kann wie selbstverständlich hierin erweitert werden. Die Personalräume liegen direkt am Eingang, die Garderoben im Sichtbereich. Wettergeschütze Verbindungen zur Schule ermöglichen die gemeinsame Nutzung der Mensa und der Sporträume.

    Außerschulische Nutzung der Sporteinrichtung
    Für die außerschulische Nutzung ist ein gesonderter Eingang am Quartiersplatz vorgesehen. Von hier wird die Gymnastikhalle und über den Verbindungsflur beide Teile der Turnhalle, der Geräteraum und alle Umkleiden erreicht, ohne dass die Schule betreten werden muss. Trotzdem lässt sich die Sporthalle mit dem Foyer kombinieren, so dass zusammen mit der Mensa ein großzügiger Veranstaltungsbereich entsteht, der auch von den Bewohnern des Stadtteils mitbenutzt werden kann. Auf diese Weise wird Integration und Inklusion gefördert.

    Gestaltung / Konstruktion
    Die charakteristische Bauweise im Ziegelsichtmauerwerk führt die Darmstädter Schulbautradition fort. Das farblich in vielen Rottönen changierende Sichtmauerwerk führt zu der charakteristischen sehr behaglichen Atmosphäre im Inneren sowie der äußeren Anmutung. Vollverglaste Bauteile wechseln mit geschlossenen Wandelementen, mit Sichtbetonabfangungen und unterschiedliche Verbänden horizontal gegliedert. Trotz der Größe des Gebäudes ergibt sich aus den Vor- und Rücksprüngen, Terrassen und Innenhöfen ein lebendiges Geflecht, das der Maßstäblichkeit der Kinder gerecht wird und zu einem hohen Wiedererkennungswert führt. Als Voraussetzung für entspanntes Fördern und Lernen wird auch im Inneren des neuen Lebensorts eine heitere, freundliche und lichtdurchflutet helle aber zugleich bergende Atmosphäre erzielt, die dem Bild einer offenen Kita und Schule entspricht.
    Das klare, über beide Geschosse durchgehende Skeletttragwerk mit wirtschaftlichen Spannweiten und aussteifenden Kernen ist günstig, ermöglicht einen schnellen Bauablauf aufgrund hoher Vorfabrikation und entspricht den Anforderungen einer nachhaltigen Bauweise. Holzwolle Leichtbauplatten werden als raumakustisch wirksame Elemente in die Stahlbetonflachdecken bündig integriert. Die Trennwände zu den Lernlandschaften sind als transparente Systemtrennwände in Holz Pfosten-/Riegelkonstruktion konzipiert. Die vorgefertigten Träger der Sporthalle dienen als Tragkonstruktion der Sheddächer.
    Das klare, über beide Geschosse durchgehende Tragsystem mit sinnvollen Spannweiten und aussteifenden Kernen ist wirtschaftlich, ermöglicht einen schnellen Bauablauf aufgrund hoher Vorfabrikation und entspricht den Anforderungen einer nachhaltigen Bauweise.
    Die dreifach verglasten transparenten Flächen ermöglichen optimale passive Sonnenenergienutzung, die außenliegenden Vertikalmarkisen aus Screengewebe stellen den sommerlichen Wärmeschutz sicher. Innenliegende, farbige Vorhänge an den Holzglasfenstern dienen als Blendschutz und ermöglichen je nach Nutzung immer wieder abwechselnde Raumstimmungen unterschiedlicher Transparenz zum Außenraum und zu den Gemeinschaftsflächen. Die kompakte Baukörperdisposition gewährleistet zugleich energetisch minimale Transmissionswärmeverluste. Die hohe Tageslichtautonomie aller Nutzungsbereiche sowie effiziente Beleuchtungskomponenten reduzieren den Primärenergiebedarf weiter. Die Böden sind als homogen helle, matt geschliffene Terrazoflächen konzipiert, um als Speichermasse in das Energiekonzept eingebunden zu werden. Die vorgesehene Geothermie ermöglicht die regenerativ bzw. primärenergetisch günstige Nutzung der Erdwärme für den verbleibenden Heiz- bzw. Kühlbedarf flächig über die Böden, so dass insgesamt der gewünschte Energiestandard erzielt wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser platzieren eine kompakte, geschlossene Bauform in der in „Landschaftsschollen“ aufgelösten Parklandschaft, die sich bewusst von der Orthogonalität der Umgebung löst.
    Der Quartiersplatz erhält durch diese Kompaktheit mehr Raum und wird in großzügiger Weite zum besonderen Entree. Wie selbstverständlich nimmt der Quartiersplatz die Topografie mit ins Innere der Parklandschaft und leitet überdies in eine attraktive, halböffentliche Vorzone zur Schule über. So bildet sich eine identifizierbare Adresse. Die Schule korrespondiert mit dem Platz.
    Der zweigeschossige Baukörper in Form eines in sich ruhendem Gebäudekomplexes mit sehr intelligenter Funktionsaufteilung präsentiert sich im Inneren als ein lebendiges Zusammenspiel unterschiedlicher Funktionsbausteine, multifunktional-nutzbarer Verkehrs-und Abstandsflächen und kleinen raumbezogenen Lichthöfen.
    Mensa, Gymnastikhalle und Eingangslichthof beleben den Platz, während die Sporthalle im Inneren gegen die Heidelbergerstrasse abschirmt. Dieser Bereich ist auch für Dritte, Vereine und Bürgerschaft problemlos zu nutzen. Positiv ist, dass die Sporthalle über den Lichthof mit der Gymnastikhalle verbunden werden kann und mit der Mensa gemeinsam bespielbar ist. Die Mensa erschließt sich nach Norden und Süden in eigene Außenflächen (Innenhöfe) und ermöglicht somit ein unterschiedliches Erleben.
    Die Schuleinheiten als Cluster sind über den ebenfalls schulgenutzten Pädagogik-, Bibliotheks- und Musikräumen zum Park aufgestapelt. Die funktionale innere Ordnung ist ausgesprochen schlüssig und widerkehrend klar strukturiert. Alle Unterrichtsräume sind straßenabgewandt platziert und mit eigenen Nebenfunktionen versehen.
    Getrennt durch den durchgesteckten multifunktionalen Schulhof schiebt sich der im Westen gelegene ebenerdige KITA-Bau unter die Klassenraumlandschaft und rundet den Kubus mit jeweils für jede Gruppe zugeordneten Gartenbereichen im Süden ab.
    Damit sich ergibt sich eine komplexe Lernlandschaft in bester Lage mit jeweils eigenen Terrassen. Beide Nutzungseinheiten haben einen eigenen, zweiten und schlüssigen Auftritt mit Adressbildung.
    Der zweite, intimere Schulhof zwischen Mensa und Bibliothek führt im Park zu den Sportflächen. Er ist gleichzeitig zuschaltbare Zwischenzone und intimeres Entreè. Die Sportflächen und die quer zum Park vor die Schule gelegte Laufbahn leiten in den Park über und werden vom öffentlichen Raum optisch und faktisch dezent durch Sitzmauern getrennt.
    Die Erschließungszone mit den Parkplätzen vor dem Baukomplex im Süden rückt sehr nah an die schützenswerte Allee heran an der Heidelberger Straße und ist allenfalls mit Mindestmaßen zwischen Gebäude und Allee angeordnet. Die Fahrradstellplätze im Norden sind nur umwegig zu erreichen, könnten aber auch am breiten Eingang zum Platz angeordnet werden. Eine Andienung der Mensa über diese Erschließungszone ist fraglich.
    Die Kita im Süden hat einen eigenen Zugangsbereich. Die Außenbereiche im Südwesten sind durch umlaufende Sitz-/Stützmauern und zwei kleine Innenhöfe charkterisiert. Der Schulhof teilt sich auf in zwei Innenhöfe in Ost-West-Richtung, ein größerer durchlaufender südlich und ein kleinerer nördlich bis zur Sporthalle. In Nord-Süd-Richtung verbindet beide zum Park hin bis zum Quartiersplatz eine Laufbahn, die allerdings gequert werden muss, um die dort angeordneten Wippen und Schaukeln zu erreichen. Sitz- und Stützmauern markieren in der Fortsetzung der Kitafreiflächen im Süden auch hier den Übergang zum Park.
    Die Einheitlichkeit des Gebäudekomplexes spiegelt sich auch in seiner äußeren Erscheinung wider. Die Fassaden sind gebäudeumfassend entwickelt und die Funktionen repräsentierend gestaltet. Die Wechselwirkung opaker und transparenter Anteile entwickelt aufgrund der einheitlichen Materialwahl (Klinker und Sichtbetonbänder) besondere Reize. Das regelhafte Nebeneinander von Klassenräumen und integrierten Terrassen löst die Massivität in Leichtigkeit auf. Die großformatigen Fenster und Terrassen ermögliche Aus- und Einblicke sowie Lichteinfall bis in die Tiefe des Gebäudekomplexes. Innenhöfe und Räume sind trennbar und zuschaltbar. Gemeinsam mit den Lichthöfen entstehen grüne Klassenzimmer. Insgesamt ermöglicht das Konzept hohe räumlicher Flexibilität und Zukunftsfähigkeit.
    Im Schulbereich sind Abschnitte zu bilden, die sich zur Zeit noch nicht selbstverständlich in die vorhandene Struktur einbinden lassen. Über Platz zu Westseite sind Feuerwehrzufahrten anzulegen. Im Kontext der Rettungswegethematik sollte das Thema Rampe, das auch unter dem Gesichtspunkt der Inklusion von Bedeutung ist, betrachtet werden. Eine Rampe könnte kompensieren, dass im Gebäude nur ein Aufzug vorhanden ist.

    Überarbeitungsempfehlungen
    - Die Schulbushaltestelle und die Zufahrt zu den Stellplätzen sind zu überarbeiten (Höhenprofil)
    - Müllstandorte und Technikflächen sind unterirdisch zu vermuten, allein die Anbindung fehlt
    - Optimieren Raumprogramm, Anpassung einzelner Raumgrößen an Wettbewerbsvorgaben
    - Feuerwehrzufahrt westlich bis zur KITA nachweisen
    - Andienung Mensa
    - Zufahrt PKW Stellplätze und Anordnung
    - Abgrenzung Schulhof/Spielflächen zum Quartiersplatz
    - Anpassung/Optimierung Fahrradstellplätze (auch überdacht)-> gilt für KITA und Schule
    gleichermaßen
    - Kinderwagenstellplatz bei KITA
    - Müllstandort KITA/Schule definieren
    - Schulbushaltestelle an Zugang Schule anpassen!!

    Der Entwurf ist minimalistisch, funktionell, wirtschaftlich und energetisch hochwertig, also eine nachhaltige Antwort auf ein differenziertes Raumprogramm und sich überlagernder Interessen in hoher städtebaulicher Qualität und werthaltiger, zeitloser Architektursprache. Die kompakte bauliche Interpretation des vielschichtigen Anforderungsprofils antwortet mit der gewählten Kubatur des zweigeschossigen Rechtecks mit Atrien adäquat auf die gewollte Dichte im Gesamtquartier und stellt einen wertvollen, gleichzeitig robusten Stadtbaustein für das Lincoln Quartier dar.


INFO-BOX

Angelegt am 11.07.2016, 14:33
Zuletzt aktualisiert 14.02.2017, 10:39
Beitrags-ID 4-124171
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