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  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-237431)

Objektplanung Gebäude

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  • 1. Preis

    Perspektive Ronsdorfer Strasse, © rendertaxi

    Architekten
    Architektur Contor Müller Schlüter, ACMS Architekten GmbH, Wuppertal (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE)
    Visualisierer: rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Die besondere Lage des Wohnparks als Ausläufer des Waldgebietes Friedenshöhe mit herausragendem Blick über Wuppertal ist entwurfsprägend: Wohnen im Park.
    Die im bestehenden, nördlich abfallenden Gelände existierenden Plateaus werden aufgenommen, die steileren Hänge nur leicht nachmodelliert. Mit gezielt in die Landschaft eingestellten Gebäudesockeln, in denen sich die Tiefgaragen und Nebenräume befinden, wird die Basis für drei Gebäude gesetzt. Über die Höhenstaffelung und Verfaltung sowie Verdrehung der Kuben entstehen zwischen den Gebäuden fließende Räume, die die durchgehende Gestaltung des Wohnparks überall erlebbar werden lassen. Die Gebäude fügen sich auf diese Weise gut in die Parklandschaft und die Topographie ein. Die gefalteten Baukörper sind dabei derart versetzt in den Hang gelegt, dass Sichtachsen durch die Landschaft über Wuppertal entstehen. In unterschiedlicher Weise wird so die Besonderheit des Ortes erlebbar gemacht.
    In das „grüne Quartier“ werden die angrenzenden Wald- und Parkflächen weitergeführt. Einige markante Bestandsbäume können integriert werden. Der offene Parkraum wird mit ergänzten attraktiven Parkbäumen (Färbung, Blüte) auf Rasenflächen gegliedert. Ergänzende Sockel-, Sitzelemente und eine intensivere Bepflanzung unterstützen die Adressbildung der Gebäudeeingänge und die Aufenthaltsqualitäten der Sitzbereiche im Park.
    Der Übergang zum talseitigen Stadtraum wird an der Barmenia-Allee und der Ronsdorfer Straße mit einer gefalteten, wie Schollen schräg in den Hang gestellten Natursteinwänden gesäumt- eine für das Bergische Land typische Art des Fassens von Versprüngen in der Stadtlandschaft. Die Wände versetzen und öffnen sich an den Stellen, an denen Zufahrten und Zugänge in das Quartier führen. Auf diese Weise entsteht am Fuße des Wohnparks an der Barmenia-Allee ein kleiner Vorplatz. Hier öffnet sich der Wohnpark über die zur Allee hinunterfließenden begrünten Rampen- und Treppenanlagen, die die unterschiedlichen Ebenen verschmelzen lassen.

    Erschließung / Ruhender Verkehr
    Mit Ausnahme der Ver- / Entsorgungs- sowie Rettungswege wird der Wohnpark konsequent frei vom Kraftfahrzeugverkehr gehalten. Die KFZ-Zufahrten werden auf kurzen Wegen von den bestehenden öffentlichen Straßen in die Tiefgaragen geführt.
    In überschaubaren Einheiten wird jeweils der eigene Wohnbereich erreicht. Die Treppenhäuser leiten die Bewohner und Besucher direkt in die auf den Versorgungssockeln angeordneten Gebäude. Die bestehende Topographie ermöglicht es, dass die Stellplätze talseitig natürlich belichtet und belüftet werden können.
    Die Sicherstellung der Ver- / Entsorgungs- sowie der Rettungswege im Quartier erfolgt mit einer in den grünen Freiraum integrierten Sackgasse von der Mareestraße. Ergänzend zu den Feuerwehraufstellflächen auf den öffentlichen Straßen werden hier die für die inneren Wohn-einheiten notwendigen Aufstellflächen der Rettungsfahrzeuge nachgewiesen.
    Die vorrangig fußläufige Erschließung im Wohnpark erfolgt von der Barmenia-Allee. Über begrünten Rampen- und Treppenanlagen gelangt man in gefasste Freiräume. Von hier erfolgt die mit Aufenthalts- und Spielflächen gesäumte Vernetzung in den angrenzenden Park der Friedenshöhe und die Mareestraße.

    Schallschutz
    Der Wohnpark wird in dem durch die Ronsdorfer Straße stark belasteten nordöstlichen Bereich mit baulichen Maßnahmen schallschutztechnisch geschützt. Das Anheben des Wohnparks bezüglich des Straßenniveaus und die straßenflankierende Bebauung führen zu einer maßgebenden Beruhigung des Wohnparks.
    Maßnahmen in den Wohnungen mittels Schallschutzverglasungen, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und möglichen Prallscheiben vor den Loggien stellen den geforderten hochwertigen Wohnkomfort sicher.

    Gebäudetypologien
    Die Häuser sind grundsätzlich jeweils mit Zweispännern organisiert. Dies ermöglicht, dass jede Wohneinheit zu verschiedenen Himmelsrichtungen orientiert ist: Zur Sonne und mit Blick über die Stadt. Die Grundrissorganisation der Wohnungen ist derart gestaltet, dass die Wohnbereiche nutzerspezifisch frei belegt werden können. Zusätzlich erhält jede Wohnung eine Loggia, bzw. Terrasse. Giebelseitig ermöglicht diese für ca. 50 % aller Wohnungen einen Panoramablick über 180°- also höchsten Wohnkomfort, der normalerweise nur den privilegierten Penthäusern vorbehalten bleibt. Wohnraum und Terrasse sind über große, verglaste Schiebetüranlagen verbunden. Die Wohnlandschaft kann so zum Freiraum fließend erweitert werden.
    In den obersten Geschossen ist an den Versätzen der Häuser jeweils eine Sonderwohnung ausgebildet. Talseitig wird diesen Wohnbereichen eine großzügige, sonnige Panoramaterrasse vorgelagert. Diese gibt den Blick über Wuppertal frei.
    Einzelne Wohnungstypen werden über eine horizontale Verschaltung der Ebenen mittels überhöhter Bereiche organisiert. In der aufgezeigten Weise wird über die Teilüberhöhung der Sonneneinfall in die Wohnungsmitte optimiert. In diesem Bereich wird darüber hinaus eine optionale Wohnflächenerweiterung vorgehalten. Sonderbereiche wie Arbeitsebenen, Bibliotheken und Leseecken können hier nutzerspezifisch organisiert werden.
    In Haus 6 werden im Erd- und 1. Obergeschoss separat zugängige Maisonette-Wohnungen angeordnet. Diese erhalten jeweils einen ebenerdigen Austritt in den privaten Garten direkt am Wald. So werden die für diesen Bereich des Grundstücks vorliegenden Qualitäten genutzt, nämlich der besondere, geschützte Außenbereich. Diese zusätzliche Qualität des Wohnens mit Garten kompensiert die in diesem Grundstücksteil nicht mögliche Aussicht über das Tal.

    Material / Gestaltung
    In den Wohnpark werden die Gebäude, Stützwände und Wege als einheitlich gestaltete Elemente wie Schollen und Findlinge in die Landschaft eingestellt. Mit der Verwendung des für das Bergische Land typischen Grauwacke-Materials in der Wand- und Bodenverkleidung wird die Charakteristik der historischen, bürgerlichen Bebauung zeitgemäß interpretiert. In den gefalteten Gebäuden werden einheitliche Fensterformate versetzt mit warm eloxierten Paneelen und Loggien so angeordnet, dass gestaltete Solitäre entstehen. Die Freisitze der Wohnung gestalten sich hinter dieser Fassade mit großzügigen verglasten Fensteranlagen als geschützte Wohnraumerweiterung. Hölzerne Spiel- und Sitzelemente in den Außenanlagen ergänzen den reduzierten Materialkanon.

    Energiekonzept
    Ausrichtung und Kompaktheit der Gebäude entsprechen den Grundsätzen eines energieeffizienten Gebäudes. Als thermische Puffer aktivierbare schwere Bauteile unterstützen die passiven baulichen Maßnahmen zur Behaglichkeit und zum Wohnkomfort. Die geplante Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ist sowohl energieeffizient als auch raumlufthygienisch wirksam und wirkt sich ergänzend positiv zu der getroffenen schalltechnischen Abschottung aus.
    Bezüglich der Energieerzeugung und Verteilung wird die zentrale Gestaltung eines Energie-managements mit bivalentem Energieverbund zwischen den einzelnen Gebäuden empfohlen. Das seitens des Auslobers angedachte Blockheizkraftwerk entspricht einem solchen Konzept.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einer architektonisch starken Haltung werden drei in ihrem Maßstab an die angrenzende Bestandsbebauung angepaste abgewinkelte Baukörper auf den vorhandenen Plateaus in den Hang eingepasst. Die großzügige Öffnung des Freiraums stellt eine angenehme Unterbrechung des Sockels an der Barmenia-Allee her und formuliert ein selbstverständliches Entree in das Wohngebiet für Fußgänger. Die im Weiteren durch das Gebiet führende Durchwegung bildet ein Rückgrat an Freiräumen als identitässtiftendes Element für das neue Quartier. Die Anordnung der Baukörper lässt ein abwechslungsreiches Spiel zwischen Enge und Weite mit angenehm dimensionierten, zusammenhängenden Freiräumen entstehen. Die Dimensionierung der Gebäuderiegel lässt eine flexible Anordnung der Grundrisse zu. Nur mäßige Geländemodulationen und Einschnitte für Tiefgaragen bestätigen die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs. Insgesamt eine durchdachte und wohl dimensionierte Arbeit, die ein repräsentatives und qualitätvolles Wohnquartier mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität an der Barmenia-Allee schafft und sich respektvoll in die stadt- und naturräumlichen Gegebenheiten einfügt.