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  • 2. Preis

    Visualisierung, © AWB Architekten

    Architekten
    AWB ARCHITEKTEN, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Werner Bauer

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept

    Das Entwurfskonzept wurde entsprechend der städtebaulichen Zielsetzung aus dem Masterplan entwickelt, den großvolumigen Bauten wie Mensa, Hörsaalzentrum und Bibliothek mit kleinteiligeren Institutsbauten in der langfristigen baulichen Entwicklung des Campusareals zu begegnen. Diese behutsame Entwicklung einer städtebaulich vertretbaren Körnung ist an der Peripherie bzw. in der Nachbarschaft zur kleinmaßstäblichen Wohnbebauung an der Eichgärtenallee von besonderer Bedeutung.
    Gleichzeitig sollte es gelingen, die funktionellen Anforderungen sowie die Ziele nachhaltigen Bauens in einer kompakten Gebäudestruktur zu realisieren.

    Das Erdgeschoss des Gebäudes wurde auf Höhe des Straßenniveaus der Eichgärtenallee eingeordnet. Für die Interimsphase können die noch abzubrechenden tieferliegenden peripheren Gebäude C10 und C 14 durch kleine Böschungen oder Winkelstützwände ihre Zugänge erhalten. Der Haupteingang erfolgt von der Campusseite bereits auf dem neuen Campusniveau und wird an die langfristig zu entwickelnde Campusachse entlang der Großbauten und Plätze angebunden.

    Funktionelle Ordnung und Architektur

    Die Baumassengliederung in einen viergeschossigen Gebäudeteil an der Ringallee und einen dreigeschossigen südlichen Gebäudeteil wird durch die Zuordnung zusammengehöriger Funktionsbereiche erreicht.
    Die großvolumigen Räume der Laborhalle an der Ringallee sowie die Klima- und Wärmetechnik im südlichen Gebäudeteil erhalten ergänzende Funktionen wie Lager und Werkstätten im zentralen Verbinder. Mit diesen bis zu 7 m hohen Räumen werden in den äußeren Gebäudeteilen massive Sockel mit erforderlichen Einbringe- und Fensteröffnungen ausgebildet, die durch die Glasfassade des Verbinders mit zentralen Funktionen wie Haupteingang und studentischer Arbeitsflächen verbunden werden.
    In den darüberliegenden transparenten Geschossen werden Labor- und Praktikumsräume und jeweils zugeordnete Büroräume entsprechend ihrer funktional räumlichen Beziehung entwickelt.
    Die funktionelle Ordnung findet in der Fassadengestaltung ihre Entsprechung. Der Baukörper erhält einen technischen Charakter durch Elemente, die Gegenstand der Forschung im Gebäude selbst sind.

    Konstruktion

    Das Gebäude wird in seinen tragenden Elementen als Stahlbeton-Skelett-Konstruktion errichtet.
    Konstruktive Elemente sind durch die erforderlichen Spannweiten und Lastklassen bestimmt. Die Laborhalle wird mit einer über 14 m spannenden Rippendecke überspannt. Die großvolumigen südlichen Räume erhalten Stahlbeton-Hohlkörperdecken für Spannweiten bis zu 10 m. Alle weiteren Deckenkonstruktionen mit geringeren Spannweiten sind als Flachdecken ausgebildet. Treppen- und Aufzugskerne in den Hochkörpern sowie Wandscheiben in Gebäudemitte steifen das System aus.
    Durch zentral liegende Kellerflächen können Baugrubenaufwendungen reduziert werden, anfallende Aushubmassen werden zur Auffüllung unter höher liegenden Bereichen wiederverwendet. Insbesondere von außen mit Gabelstaplern anzudienende Hallen werden ohne Unterkellerung ausgeführt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Konzept überzeugt durch eine maßvolle Setzung der Gebäudevolumina. Ein drei- und ein viergeschossiger Baukörper werden durch eine zu Eichgärtenallee deutlich zurückgesetzte Gebäudefuge baulich verbunden. Die Höhenstaffelung der Baukörper entspricht der gewünschten städtebaulichen Körnigkeit und bietet einen angemessenen Gestus als Eingangssituation von der Eichgärtenallee. Eine gemeinsame Eingangssituation schafft eine angemessene Adressbildung zum Campus der THM. Das Konzept der Außenanlagen erscheint noch wenig ausgearbeitet. Die Anordnung der Stellplätze für die Interimsphase stört sowohl die fußläufige Zuwegung zum Gebäude als auch die Anlieferungsbereiche. Die LKW-Umfahrung erscheint knapp möglich, wenn Stellplätze hierbei gesperrt werden. Außenlagerflächen sind nicht erkennbar und in das Konzept einschließlich einer Anbindung an die Kranbahn nur schwer integrierbar. Erst mit der Umsetzung des Masterplans entsteht eine schlüssige fußläufige Zuwegung zum Campus mit Bezug zur zentralen Achse. Zur Eichgärtenallee zeigen sich die Fassade eine Transparenz und Zugänglichkeit im Bereich des Verbindungsbaus, der im Grundriss nicht umgesetzt wird.

    Die Grundrissorganisation gewährleistet eine gute Orientierung innerhalb der Gebäude. Insgesamt ist die Grundrissorganisation allerdings nicht voll befriedigend, da wichtige Raumbezüge nicht erfüllt werden. Die Studentenarbeitsplätze als Gemeinschaftszone sind richtig angeordnet, weitere Kommunikationszonen in den Institutsgebäuden werden jedoch nicht angeboten. Aus den inneren Raumvolumina hergeleitet werden die Funktionen in den Fassaden abgebildet. Kontrovers wird die daraus entstehende Fassadenproportion diskutiert. Die Sockelzone der Gebäude mit einer Sichtbetonfassade und die Pfosten-Riegel-Konstruktion der oberen Geschosse entsprechen der inneren Nutzung.

    Die hessischen Vorgaben zur Energieeffizienz können im Rahmen des Entwurfs eingehalten werden. Das Energiekonzept ist in sich schlüssig und nachvollziehbar dargestellt. Das Gebäude soll über die anliegende Nahwärme und zusätzlich durch KWK versorgt werden. Die Stromversorgung soll durch Erneuerbare Energien aus Fotovoltaik und KWK ergänzt werden. Trotz des geringen Glasflächenanteils in der Fassade von ca. 39% wird das Gebäude wegen der großen zusammenhängenden Glasflächen zumindest in Teilbereichen aktiv gekühlt werden müssen. Die Relation von Investitionskosten zu Energieeinsparpotential wird als noch angemessen bewertet. Aufgrund der Kennwerte und der Konstruktion ist eine wirtschaftliche Erstellung des Konzeptes zu erwarten. Die Wettbewerbsarbeit scheint den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten zu können.

    Das Konzept überzeugt hinsichtlich seiner konsequenten Ausarbeitung, gleichwohl kann die Adressbildung und der Gebäudeausdruck sowohl zur Eichgärtenallee als auch zur Ringallee nicht in vollem Umfang befriedigen.