loading
  • 3. Preis

    Visualisierung, © Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

    Architekten
    Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Köln (DE), Dresden (DE), Wrocław (PL), Erlangen (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Pelzeter

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Wetzel & von Seht, Hamburg (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitgedanke
    Der Neubau der Institutsgebäude C15 und C16 für die Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik und Bauwesen präsentiert sich offen zur Stadt, erweckt Neugierde und lädt zur Besichtigung des Campusgeländes der THM ein. Die beiden Institute erhalten eine klare Adressbildung und fügen sich als maßstabsgerechte und selbstbewusste Bausteine in das bestehende Wohn- und das geplante Wissenschaftsquartier ein.

    Städtebau / Freiraum
    Angestrebt wird eine Verflechtung der Hochschule mit der städtischen Umgebung in „bester Nachbarschaft“. Der Neubau orientiert sich somit an der städtebaulichen Körnigkeit der Umgebung und positioniert sich durch die Bezüge der umliegenden Bestandsgebäude sowie an den Vorgaben des Masterplans, es entstehen zwei eigenständige Bausteine eines Ganzen. Die Institute öffnen sich mit einer großzügigen Geste zur Stadt, zeigen Ihr Gesicht und laden zum Besuch ein. Öffentlich zugängliche Freiräume, die Verzahnung mit dem zentralen Campusplatz, und eine Abfolge von kleinen Gassen und Plätzen im Innern folgen diesem offenen, nachvollziehbaren System.
    Die Motive der Staffelgeschosse und der Einschnitte in der Erdgeschosszone gemäß Masterplan werden aufgenommen, die Staffelung durch die Anordnung der großen Versuchshalle an der Ringallee sichert den Erhalt der denkmalgeschützten Bäume.

    Architektonisches Konzept
    Ein das Planungsgebiet überspannendes Raster- und Baukastensystem wird durch Teilung und Subtraktion zu einer klaren, in der Horizontalen und Vertikalen gestaffelten Gebäudekubatur geformt, die den Formprinzipien der Masterplanung folgt.
    Beide Baukörper bilden eine sich ergänzende Einheit, die auf den Prinzipien der Modularität aufbaut. Die klare Zonierung im Innern ist auch außen erkennbar: in der Vertikalen als zwei Sockelebenen mit den baulich ablesbaren Versuchshallen, zentralen Funktionen und den studentischen Arbeitsbereichen. Ein umlaufendes kräftiges Fassadenband markiert den Abschluss des Sockelbereichs und nimmt zugleich das Tragwerk der großen Versuchshalle auf. Die darüber liegenden Labor- und Büroebenen werden durch die Seminarräume im Kopfbereich zu einer sinnvollen, klar gegliederten Einheit ergänzt.

    Funktionales Konzept/ Kommunikationsbereiche
    Die Nutzungsbereiche werden modular angeordnet, um die geforderte multifunktionale Umnutzbarkeit von einzelnen Instituten und Räumlichkeiten sicherzustellen.
    In den Kopfbereichen zum Campusboulevard konzentrieren sich studentische Arbeitsräume, Seminarbereiche und Präsentationsflächen, die eine optimale Kommunikationsplattform für die beiden Institute darstellen. Es folgt ein kompakter Erschließungskern, an dem sich die Labor- und Bürocluster mit einem störungsfreien Betrieb angliedern.
    Eingestellte Bühnen auf der Zwischenebene bieten in den Versuchshallen den Studenten optimale Möglichkeiten, die mehrgeschossigen Versuchsaufbauten aus der Nähe gefahrenfrei zu studieren.
    Die Obergeschosse sind eindeutig in Labor- und Büroschienen geteilt, die technische Erschließung folgt dieser einheitlichen Zonierung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen ein markantes Ensemble aus zwei Baukörpern für den Übergang des städtischen Grünzuges in den neuen THM-Campus vor. Hierbei ist die im Masterplan geforderte Maßstäblichkeit in Bezug auf die bauliche Campus-Umgebung sowie die Höhenstaffelung der Baukörper sehr gut gelungen.

    Die öffentliche Erschließung über die Ringallee ist in Bezug auf die notwendige Anfahrbarkeit der Labore und Hallen für Transportfahrzeuge weitgehend gelöst, eine Umfahrung zur Ringallee ist gegeben. Gleichsam ist die fußläufige Erschließung der Baukörper konzeptionell eindeutig zum entstehenden Campus orientiert.

    Die Lage der geforderten Laborhallen im Erdgeschoss entsprechen in ihrer Größe den Anforderungen der Nutzer. Die Anordnung im Einzelnen ist nicht optimal. Ihre prominente Lage weckt Neugier auf die Arbeit der Fachgebiete.

    Zum Campus orientiert werden in jedem Bauteil transparente Zugangszonen im Erdgeschoss angeordnet, die auch studentische Arbeitsplätze bieten und hohe kommunikative Eigenschaften besitzen. Von dort werden die Obergeschosse über eine notwendige Treppe mit Aufzug erschlossen. Die Geschosse sind als Zweibund aufgebaut, wobei Seminarräume kopfseitig zum Campus orientiert sind, Büros und Labore sind in unterschiedlicher Raumtiefe entlang der Fassaden aufgereiht. Das Zwischengeschoss mit zentralen Einrichtungen bietet über Galerien gute Einblicke in die Lufträume von Eingangshalle und Laboren. In jedem Baukörper fehlt jedoch der 2. bauliche Rettungsweg sowie der Lastenaufzug im Bereich Klimatechnik sowie das Technikgeschoss unter den Laboren. Die Technikflächen sind insgesamt deutlich zu gering. Auch die barrierefreie Ausstattung ist nicht vollständig nachgewiesen.

    Das Bauwerk ist eine Stahlbetonkonstruktion mit V-Stützen und raumhoher Verglasung in der EGFassade, was hinsichtlich Verschmutzung und Reinigungsaufwand kritisch diskutiert wurde. Ob sich Baulabore so offen nach außen präsentieren wollen und können wurde lebhaft diskutiert. Die Bürobereiche haben eine Pfosten-Riegel-Fassade und vorgesetzte senkrechte Alu-Lamellen, insgesamt ein transparenter Auftritt.

    Die hessischen Vorgaben zur Energieeffizienz können im Rahmen des Entwurfes gut eingehalten werden. Das Energiekonzept ist in sich schlüssig und nachvollziehbar dargestellt. Das Gebäude soll durch Mikrogasturbinen und die anliegende Nahwärme mit Wärme versorgt werden. Die Stromversorgung soll durch erneuerbare Energien aus KWK, Photovoltaik und GGF einer Kleinwindanlage ergänzt werden. Der gemittelte Glasflächenanteil in der Fassade von ca. 50% erlaubt den Schluss, dass das Gebäude trotz des guten sommerlichen Wärmeschutzes vor allem wegen der großen zusammenhängenden Glasflächen in den Hallenbereichen aktiv gekühlt werden muss. Die Relation von Investitionskosten zu Energieeinsparpotential wird als noch vertretbar gewertet. Die baulichen Kenndaten des Bauwerkes liegen (ohne die fehlenden Technikflächen) im wirtschaftlichen unteren Bereich. Die Wettbewerbsarbeit scheint den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten zu können.

    Zusammenfassend besticht die Arbeit durch ihre klare Kubatur und offene Ausstrahlung zur Stadt und zum Campus und bildet einen sehr guten Beitrag für die Entstehung der neuen THM im Rahmen des Masterplanes.