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  • DE-10785 Berlin
  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-199146)

VfA Studenten-Wettbewerb 2015 ELYSIUM - Die Rückeroberung der Stadt


  • Anerkennung

    Anerkennung Alexander Sebastian Schulte

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    Studenten der Architektur
    Alex Schulte

    Preisgeld
    500 EUR

    Erläuterungstext
    Das Fürstentum Monaco ist eine der dichtesten Städte auf dem europäischen Kontinent und ebenso bekannt in der Bevölkerung. Durch die extreme geographische Situation der Stadt zwischen Mittelmeer und französischen Seealpen sind Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt an der Aussengrenzen stark eingeschränkt. Auf Grund der gleichzeitigen Politik als Steueroase und der damit einhergehende Druck auf den Wohnungsmarkt ist die Stadt zu einem Konglomerat von Hochhäusern und Apartmentblocks geworden, in welchem kaum Platz für kulturelle Einrichtungen und öffentliche Räume ausgewiesen wird. Auf der anderen Seite steht eine Demographie von Menschen, welche den Wert der Kultur dem Wert des Geldes unterordnen und damit die Stadt Monaco zu dem gemacht haben was sie ist. Das Einfügen eines öffentlichen Museums in diese Stadt bedarf Opfer auf Seiten der Investoren und Immobilienbesitzer. Gleichzeitig gilt es zu vermeiden, den öffentlichen Raum zu schwächen und damit weiter Qualitäten zu reduzieren. Aus diesem Grund bietet sich die Stadt als Versuchslabor an, um zu zeigen, dass die extremen Konditionen die Nutzbarkeit von Parkflächen besonders begünstigen.

    Das vorhandene Parkhaus mit ca. 1063 Stellplätzen fügt sich in die Struktur der Stadt ein. In Monaco gibt es 740 PKW auf 1000 Einwohner, eine Zahl die selbst in der Autostadt Stuttgart nur halb so groß ist. Gleichzeitig versteckt sich das Parkhaus hinter einem Appartmentblock und unter einem öffentlichen Park. Durch diese besondere städtebauliche und topographische Situation bleibt das enorme Potential und Bauvolumen des Bestandes zunächst verborgen. Bei näherem Blick zeigt sich jedoch, dass die Unterbringung eines Museums mit ca. 3000m2 innerhalb des Parkhauses ohne Aufhebung dessen Betriebs möglich ist. Durch meinen Entwurf wird die “tote” Fläche des Parkhauses mit einer öffentlichen Funktion belegt und somit ein wichtiger Beitrag zur kulturellen Szene der Stadt geleistet. Neben der Besetzung des Parkraumes werden auch vier Wohnungen im sog. “Trocadero” für das Museum genutzt um Belichtung und Aussenwirkung zu erzeugen. Die damit verbundene Enteignung steht konzeptionell im Einklang mit den besetzten Privatparkplätzen.
    Die aussergewöhnliche Form des Parkhauses führt im Gegenzug zu interessanten räumlichen Konstellationen die als architektonisches Potential zu werten sind. Der Parasit des Museums profitiert somit von den seltsamen Formen, die durch Schleppkurven entstehen.

    Die programmatische Nutzung war durch das Institut (IRGE, Prof. Markus Allmann, Universität Stuttgart) vorgegeben. In Verbindung mit meinem Entwurf wird diese Nutzung jedoch politisch neu programmiert. Das Museum dient als Extrembeispiel für die öffentliche Belegung des Parkhauses. Als besonderer Kontrast zur Autostadt und der damit verbundenen Tendenz zu Privatbesitz. Weiterhin ermöglicht das Programm eine aussergewöhnliche formale Ausgestaltung der Räume in Einklang mit dem Museum. Eine Nutzung mit anderen Anforderungen an Belichtung und Erschliessung, sowie Größe der Räume würde größere Schwierigkeiten mit sich bringen.

    An Hand des Museums in Monaco lässt sich darstellen, welches Potential die Umnutzung von Parkhäusern für unsere Städte bedeutet. In den meisten deutschen Innenstädten finden sich große, überirdische Parkhäuser, die bei gleichzeitiger Verkehrspolitik neues räumliches Potential darstellen. Durch die sukzessive Reduzierung von Parkplätzen in den deutschen Städten wird der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gefördert und der Platz für andere Nutzungen freigegeben. Neben dem Potential für ein öffentliches Gebäude wie ein Museum, ließen sich auch Mischnutzungen aus Verwaltung, Einzelhandel, Wohnen und Kultureinrichtungen einrichten. Anstatt diese Gebäude abzureißen würde der Umgang mit der Vergangenheit als autogerechte Städte, diese nicht leugnen sondern sie mit sorgfältiger Gestaltung für zukünftige Generationen nutzbar machen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch ihren Ansatz, die besonders stark verdichtete Stadt Monaco als
    Reallabor für die Rückeroberung der Stadt zu wählen. Das vorhandene Parkhaus ist exemplarisch für viele Standorte in Deutschland und in Europa zu sehen. Durch den intelligenten Umgang mit dem vorhandenen Baukörper und seinen spezifischen Besonderheiten (z.B. Schleppkurven des Parkhauses) profitiert die angedachte Nutzung als öffentliches Museum.


INFO-BOX

Angelegt am 22.07.2016, 14:06
Zuletzt aktualisiert 28.07.2016, 13:14
Beitrags-ID 4-124962
Seitenaufrufe 161

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