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  • Ankauf

    Brückenplatz mit Brückenaufgang

    Architekten
    P+ Architekten & Ingenieure, Bayreuth (DE), Darmstadt (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Pötzl Ingenieure GmbH, Coburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Matthies und Holzapfel
    Landschaftsarchitekten: Thomas Langer Büro für Landschaftsarchitektur, Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Landschaftsarchitektur+ Felix Holzapfel-Herziger, Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: studio matthies landschaftsarchitektur, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterungsbericht

    1. Das städtebauliche Konzept
    Ein Spaziergänger oder Radfahrer vom Rhein durch den Herosépark kommend, betritt den Ebertplatz und wendet sich gen Norden. In der Sankt Gebhard Straße, einer ruhigen Wohnstraße, begleitet ihn eine Baumreihe aus frühblühendem Rotdorn bis auf den zukünftigen Brückenplatz. Auf dem Brückenplatz erhebt sich wie auf einem Teppich eine gewendelte Brückenskulptur.

    Auf dem \"Balkon\" der Brücke stehen Menschen und blicken die Flucht der Sankt-Gebhard-Straße hinunter. Nach Norden verläuft die Fuß- und Radwegbrücke in einem großzügigem Bogen über die Gleise und senkt sich nördlich der Gustav-Schwab-Straße ab. Unser Spaziergänger oder Radfahrer, der vielleicht auf der Brücke den Bismarckturm gesehen hat, setzt von dieser Straßenseite ungehindert seine Wanderung fort.

    Die Platzkonzeption geht von einem umlaufenden, freizuhaltendem Platzrand aus, ein ca. 3,5 Meter breiter Streifen den geplanten Gebäuden vorgelagert. Vom Platzrand fällt der Belag behutsam ab zur Senke in Nord-Süd-Richtung und gibt die Entwässerungskonzeption vor. Durch die Freihaltung des Platzrandes wird die in Längsrichtung verlaufende Platzmitte bespielt mit der Wendelrampe der Brücke und dem Wasserthema der Bismarckquelle.

    Durch unterschiedliche Gefällestrecken vom Platzrand zur Platzmitte entsteht ein schwingender Wasserlauf, der gespeist wird durch einen punktuellen Austritt im Auge der Wendelrampe. Von hier sprudelt das Wasser als dünner Wasserfilm über den Platz nach Süden und fließt in eine schlichte Entwässerungsrinne am Kreuzungspunkt der Stankt Gebhard / Von-Emmich-Straße ein. Die Beläge der Brücke und des Brückenplatzes sind aufeinander abgestimmt durch die Splittabstreuung der Asphaldeckschicht auf der Brücke gemäß dem warmen Farbton des Kleinsteinpflasters mit gesägter Oberfäche auf dem Brückenplatz.

    Die vorhandene Bäumreihe südlich der geplanten Sportfläche an der Gustav-Schwab-Straße kann weitestgehend erhalten werden. Ein Aufasten der ca. 25-30 Meter hohen Bäume im Bereich des erforderlichen Lichtraumprofils erscheint gut möglich (vergl. Bestandsfotos der Auslobung). Auf der Brücke selbst kann eine unterschiedliche Kontensität der Splittabstreuung die Brücke in einen \"schnellen Belag\" (Radfahrer) und \"langsamen Belag\" (Fußgänger) unterteilen.

    Der Haltepunkt Bahnhof Petershausen mit seiner zentralen Funktion für die Erschließung des Stadteils und der angrenzenden Infrastruktureinrichtungen wird aufgewertet. Das zukünftige Quartier Pertershausen erhält eine stadtbildprägende, funktional und gestalterisch hochwertige Fuß- und Radwegebrücke.

    2. Die Entwurfsidee
    Die überdurchschnittlich große Lichtraumhöhe über dem Gleiskörper und das übergeordnete Ziel, eine vor allem für Radfahrer schnelle und bequeme Verbindung zwischen Brückenplatz und Gustav-Schwab-Str. zu schaffen, führt zu einer dynamisch anmutenden Brücke mit zwei langen Rampen.

    Auf dem Brückenplatz in Form einer Helix einfach „aufgewickelt“, entlang der Gustav-Schwab-Str. sanft auslaufend, verleiht dieser „Schwung“ einen unverwechselbaren Charakter. Verlauf und Formgebung gehen dabei Hand in Hand. Die schlanken, den Boden nur punktuell „berührenden“ Stahlstützen lassen die Brücke aus hellem Beton scheinbar schweben.

    Eine leichte Bahnsteigrampe und zwei Aufzüge ermöglichen die Überquerung und den behindertengerechten Zugang zum Mittelbahnsteig. Beide unterscheiden sich von der geschwungenen Brücke durch ihre orthogonale Formgebung und Oberflächenstruktur aus bedrucktem Glas. Somit entstehen neben der schnellen Brücke eine langsame Rampe und zwei „starre“ Aufzüge.

    3. Das Tragwerk
    Das äußerst schlanke Brückentragwerk mit seinen einseitig angeordneten Stützen wird erst durch seine Grundrisskrümmung möglich. Genauso wie bei einer innen gelagerten Kreisringplatte entsteht eine günstige zweiachsige Lastabtragung, bei der Torsionsmomente in Biegemomente umgewandelt werden. Der Querschnitt weitet sich am deutlich höher beanspruchten Innenrand auf.

    Das Tragwerk ist fugenlos. Durch die Grundrisskrümmung und die filigranen, am Fußpunkt gelenkigen Stützen entstehen keine signifikanten Zwangbeanspruchungen aus Temperatur und Schwinden. Die Brücke kann problemlos seitlich ausweichen. Die Gründungen für die Stützen können durch die vergleichsweise kleinen Feldweiten mit nur wenigen Gewi-Pfählen ausgebildet werden. Die Bahnsteigrampe mit ihren kleinen Feldweiten und die Aufzüge sind aus Profilstahl und Glas vorgesehen.

    4. Die Konstruktion
    Die Brückenplatte aus Konstruktionsbeton wird am Stützenkopf über eine „Blattfeder“ flächig eingefasst. Damit können die Biegemomente werkstoffgerecht in die Stahlstützen eingeleitet werden. Am Stützenfuß ermöglicht ein Kugelgelenk aus Stahl Verdrehungen in alle Richtungen. Von dort werden die Lasten über teilweise geneigte Gewi-Pfähle setzungsarm in den Baugrund abgeleitet. Die Bahnsteigrampe und Aufzüge erhalten eine „Haut“ aus VSG. Die Gehwegplatte wird aus robustem Ortbeton mit einem Trapezblech als verlorene Schalung ausgeführt.

    Die Stahlplatte der Stützenfüße werden im Gefälle des Brückenplatzes angeordnet. Aufgrund der Kugelgelenke an den Stützenfüßen ist die erwünschte Ausrichtung der Stahlplatte parallel der Reihung des Kleinsteinpflasters sehr gut möglich. Darüber hinaus ist ein Berührschutz gem. der Bahnrichtlinie 997.0101 und die Erdung aller Bauteile vorgesehen.

    Die Entwässerung auf der Oberseite der Fuß- und Radwegbrücke erfolgt über das im Entwurf definierte Längs- und Quergefälle. Das gesammelte Wasser wird im Brückenbereich (außerhalb Wendel und Rampe) über Wasserspeier abgeleitet. Im Wendel und Rampenbereich erfolgt die sichere Ableitung des Oberflächenwassers über städtische Entsorgungsleitungen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.