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  • DE-71106 Magstadt, DE-71106 Magstadt
  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-225217)

Ortsmitte – Marktplatz


  • Anerkennung

    Neue Ideen für Magstadt_Plakat 1, © SBA Architektur und Städtebau

    Architekten, Stadtplaner
    SBA Architektur und Städtebau, Stuttgart (DE), München (DE), Shanghai (CN), Laupheim (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.600 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterung unseres Leitsatzes „Ortsmitte Magstadt – Aktiv und Attraktiv“

    „Aktiv und Attraktiv“ steht stellvertretend für die gesamte Gemeinde von Magstadt, die in der neuen umgestalteten Ortsmitte einen Ort erhält, der verbindet und vereint und Vorhandenes stärken soll. Dieser Bereich ist die Visitenkarte der Stadt, ein Nahversorgungsschwerpunkt, eine Bühne für gemeinsame Veranstaltungen, ein Treffpunkt, oder einfach nur Plauderecke für die verschiedenen Zielgruppen (Familien, Senioren/-innen, Gemeindeverwaltung, Kirchengemeinde, Vereine, Unternehmer, usw.). Die neue Ortsmitte soll zeigen, was die Magstadter schon immer auszeichnet: Jedermann ist willkommen; Magstadt ist eine Stadt für alle. Wohnen und Arbeiten müssen auch in Zukunft harmonisch nebeneinander existieren und sollen ein ausgewogenes Kräfteverhältnis wahren.

    Umsetzung des Leitsatzes, Städtebauliche Konzeption und Nutzungsmöglichkeiten

    Für die historische, topografisch sehr unterschiedliche Ortsmitte Magstadt schlagen wir eine Zonierung in drei Bereiche vor. Der Obere Markt mit seinem historischen Brunnen wird zum attraktiven und repräsentativen „Rathausplatz“ umgestaltet. Der neu geordnete Platz sowie die bestehenden historischen Gebäude Altes Rathaus, „Ritter“ und Kirche (und später auch der Rathausneubau) stehen für Willkommenskultur, Öffentlichkeit, Bürgernähe, Heimat, Geschichtsbewusstsein und Repräsentation. Diesen Anspruch zu erreichen und um den Platz besser nutzbar zu machen wird die Fläche vergrössert, indem der Höhenversprung weiter Richtung Schulstrasse verlegt wird. Neue gastronomische Angebote z.B. vom Heimatmuseum werden auf den Platz „gehoben“ und können ihn so beleben.
    Unser Entwurf für den Unteren Markt setzt sich zum Ziel, dass Markt wieder auf dem Marktplatz stattfinden kann. So werden nahezu alle bestehenden Elemente entfernt zugunsten einer einheitlichen, aufgeräumten Fläche, einer steinernen Mitte. Um den Standort als Nahversorgungszentrum zu stärken und seine Weiterentwicklung zu fördern, wird die Strasse im Verlauf so geändert, dass das Gasthaus „Hirsch“ sowie die benachbarten Läden eine flexibel nutzbare Vorzone bekommen. Stellplätze sind hier ebenso möglich wie Produktauslagen oder kommerzielle Aktionen. Vor dem alten Schulhaus ist ein Biergarten geplant, mit Blickbezug zur Kirche, auf den Marktplatz und zum Oberen „Rathausplatz“. Die Platzgrenzen sind so gewählt, dass die Pfarrstrasse und somit auch der bestehende Brunnen an der Kirchmauer an den Marktplatz angebunden werden.
    Beide Plätze werden durch die Marktstrasse verbunden, welche mithilfe des Verkehrskonzeptes zur Fussgängerzone umgestaltet werden kann. Wir sehen die Marktstrasse als eine „Erweiterung“ des grünen Kirchhügels, als neue grüne Mitte und generationenübergreifenden Erlebnisraum. Kinder spielen hier, während ihre Eltern am unteren Markt einkaufen. Ältere Menschen ruhen auf Bänken mit der Mauer im Rücken. Grössere befestigte Flächen ermöglichen nicht nur die Zufahrt zu den angrenzenden Grundstücken sondern auch die Ausdehnung von Festen und Veranstaltungen wie das Fleckenfest über die grüne Mitte hin von Platz zu Platz.

    Beide Ideenteile werden als Stadteingang jeweils im Westen und Osten gesehen. Sie sollen identitätsstiftender Auftakt werden und klassisch modern den Blick in die Zukunft richten. Die Nachverdichtungen der neu geplanten Baukörper nehmen die Typologien und Ausrichtungen der umliegenden Gebäude auf.
    Der Rathausneubau mit dem Bürgerbüro im Erdgeschoss öffnet sich zum neu gestalteten Rathausplatz. Der Sitzungssaal bietet Platz für alle Gemeinderatsmitglieder und Gäste und überblickt prominent den Platz. Für das Erdgeschoss des Alten Rathauses wird eine Information für Touristen/ Besucher sowie ein Café mit Aussenbestuhlung zur grünen Mitte hin und nach Süden orientiert vorgeschlagen.
    Für das neue Quartier im östlichen Ideenteil wird aufgrund der guten Anbindung und Lage im Speckgürtel Stuttgarts Geschosswohnungsbau vorgeschlagen. Die Wohnnutzung wird durch eine Einzelhandelsfläche im Kreuzungsbereich ergänzt. Damit ergibt sich eine funktionale Differenzierung in lebendige Strassenseite zum Einkaufen und Treffen und ruhige Gartenseite zum Wohnen und Erholen. Ein gemeinsam nutzbarer Anger über der Tiefgarage mit Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten macht das Quartier besonders attraktiv.

    Mitarbeiter des Wettewerbs:

    Cathrin Krumrey (SBA)
    Bettina Loerincz (SBA)
    Reinhard Braun (SBA)
    Christoph Liske (SBA)
    Hans Hellmann (planwerk 4d)
    Alf Wiederseiner (M+P)
    Xu Pengfei (SBA)
    Jörg Schönharting (TRC)

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vorgeschlagenen städtebaulichen Ergänzungen sind nachvollziehbar und schaffen die grundsätzlich richtigen Akzentuierungen für die zukünftigen baulichen Entwicklungen des Magstädter Ortskerns
    .
    Der Rathausplatz ist wohlproportioniert und bildet den richtigen Raumabschluss des oberen Marktplatzes.

    Kritisch wird die relativ weit nach Süden zurückgesetzte Bauflucht an der Weilemer Straße angesehen. Die Orientierung des Eingangs zum Marktplatz ist richtig gewählt und trägt zur Belebung des Platzes bei. Die baukörperliche Gliederung des neuen Germania-Areals ist ebenfalls gut gegliedert und lässt für eine zukünftige bauliche Entwicklung ein tragfähiges Konzept erwarten. Kritisch diskutiert wird allerdings die Wegnahme des historischen Gebäudes Germania, ohne einen nachweislich erkennbaren Gewinn an baulicher Qualität zu erreichen. Der Verlust des ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Gebäudes Germania wird durch den neuen Vorschlag nicht aufgewogen.

    Positiv gewürdigt wird der Vorschlag die Flächen im Realisierungsbereich mit einem homogenen steinernen Teppich zu belegen. Die von den Verfassern als zentralen Leitgedanken vorgetragenen Idee, den oberen und unteren Marktplatz mit dem Element des Magstädter Bandes zu verbinden, überzeugt nicht. Insbesondere wird die Ausgestaltung als „Grüne Mitte“ als ein nicht angemessenes Element betrachtet.
    Die Marktstraße wird in zwei Hälften gegliedert. Dadurch wird die Straße in ihrer gestalterischen Wirkung geschwächt und funktional für eine gewünschte verkehrliche Erschließung eingeschränkt. Die solitäre Stellung der Wehrkirche mit ihren stadtbildprägenden Mauern wird nicht angemessen herausgearbeitet. Das „Grüne Zimmer“ an der Ostseite des historischen Rathauses ist nicht überzeugend und wirkt nur additiv. Aus Sicht des Denkmalschutzes dürfte die Realisierung ebenfalls fragwürdig sein.
    Die grundsätzlich offene Gestaltung des unteren Marktplatzes wird positiv gewürdigt. Allerdings ist die Baumreihe an der Nordseite nicht nachvollziehbar, da sie die historischen Gebäude „Altes Schulhaus“ und „Gasthaus Hirsch“ verstellt und so die Raumwirkung des Platzes geschwächt wird.

    Der weiterhin klar gegliederte Straßenraum der Alten Stuttgarter Straße ist zu deutlich von der Platzfläche abgesetzt und leistet damit nicht die gewünschte Funktion im Sinne eines verkehrsberuhigten Bereichs mit einer Präferenz für Fußgänger. Kritisch gesehen wird ebenfalls die Erschließung der Senkrechtparker vor der Volksbank, da keine Abgrenzung der Fahrgasse zum übrigen Platz angeboten wird und somit die Gefahr des „Wilden Parkens“ besteht.
    Der Vorschlag den Belagsteppich mit Betonsteinpflaster auszubilden, schöpft das Potential einer nachhaltigen Entwicklung im historischen Ortskern nicht aus.

    Insgesamt stellt die Arbeit insbesondere im Ideenteil ein tragfähiges Konzept das, das für Magstadt eine positive städtebauliche Entwicklung erwarten lässt. Die Haltung der offenen Marktplätze, als multifunktional bespielbare Orte, ist gelungen und stellt eine angemessene Lösung für eine alltägliche Nutzung dar sowie für die zahlreichen Feste in der Gemeinde.