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  • AT-6900 Bregenz, AT-6900 Bregenz
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-240361)

Quartiersentwicklung Leutbühel


  • 3. Preis

    Schaubild Leutbühel © METTLER Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mateusz Rej

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Peter Muxel Architektur, Lustenau (AT)
    Architekten: schroetter-lenzi Architekten, Fussach (AT)

    Preisgeld
    4.500 EUR

    Erläuterungstext
    Leutbühel - ein historisches Zentrum von Bregenz und seine umliegenden Straßen werden geprägt durch die spürbare Geschichte des Ortes. Das Aufeinandertreffen der urbanen, modernen Projekte am See und der ländlichen Strukturen Richtung Fluh im Zusammenhang mit der vielfältigen historischen Bausubstanz geben Bregenz den unverwechselbaren Charme.

    Die Neugestaltung verknüpft alle Teilbereiche des Areals ohne deren eigenständigen Charaktere zu schwächen. Die vorhandenen historischen Brunnenelemente und die Verbindung zum Bodensee werden in die Gestaltung einbezogen und thematisiert. Neben dem zentralen Platz Leutbühel rücken auch die Ausweitung der Kirchstraße und das Plätzchen am Stadtsteig in das Augenmerk der Neugestaltung. Die Brunnen_werden zum Mittelpunkt der Plätze und machen sie zu individuellen Orten. Der denkmalgeschützte Brunnen beim italienischen Konsulat wird Richtung Stadtsteig verschoben. Von den ‚Brunnenplätzen’ ausgehend werden mithilfe linearer Elemente Blickachsen gestärkt. Vom Leutbühel Richtung See, von der Maurachgasse zu der grünen Insel auf dem Leutbühel und von der Kirchstraße zur Kaiserstraße.
    Die Plätze werden in ihrem bestehenden Charakter gestärkt und ihre räumliche Unterschiede herausgearbeitet. Die erweiterten Platzkanten orientieren sich an der historischen Bebauung und beziehen die Ostwest-Verbindungen ein, so dass ein großzügiger Platzraum entsteht.

    Die Neuordnung und Neugestaltung des öffentlichen Raumes nimmt die Gegebenheiten und Strukturen auf, stärkt sie und stellt eine zukunftsfähige Konzeption zur nachhaltigen Aufwertung des öffentlichen Raumes dar. Die schlichte Gestaltung nimmt den Rhythmus des Raumes auf und verbindet ihn durch die Bodenoberflächen und Baumsetzungen. Kleinarchitektur wie Brunnen, Sitzelemente und Beleuchtung sind auf den Bodenbelag, die Umgebung und aufeinander abgestimmt. Die Neugestaltung des Straßenraumes schafft eine neue Großzügigkeit, die Aktivitäten aller Alters- und Personengruppen unterstützt und die Kommunikation fördert.

    Der Hauptteil der Belagsflächen wird mit Natursteinpflaster im Passeverband befestigt. Der vorhandene Pflasterbelag (geschnitten und geflammt) wird neu verlegt und ergänzt. Durch das Beimischen neuer Pflastersteine (Guber, Schwarzachtobler Sandstein) wird eine angenehme Farbnuance erzeugt. Sie trägt zu einer freundlichen Atmosphäre bei. Die unterschiedlichen Steinformate (Groß- und Kleinsteinmischung) nehmen den Rhythmus des Platzes auf und passen sich über die ebene Oberfläche barrierefrei in die Platztopographie ein. Die gesamten Belagsoberflächen sind befahrbar und bieten Raum für eine vielfältige Nutzung (Feste, Markt, Konzerte). In den Platzflächen sind Unterflur-Medienanschlüsse für Wasser, Abwasser und Elektrik vorgesehen.
    Die historisch und stadträumlich wichtigen drei Brunnenplätze werden mithilfe eines bunten Naturstein-Mosaik-Terrazzo-Belags hervorgehoben. Je ein Natursteinband aus großen Gneisplatten führt von den Plätzen Richtung Bodensee und setzt einen räumlichen Akzent. Die Positionierung und Länge der Bänder reagieren auf die räumliche Situation. Sie heben sich von dem Kleinsteinpflaster ab und leiten in die angrenzenden Quartiere. Durch die Ausdehnung der Bänder bis an den Fahrbahnbereich wird der Raum ausgelotet und entschleunigt. Die eigentliche Fahrbahn wird aufgehoben. Der öffentliche Raum wechselt zwischen Gasse und Platz, Baumplatz und urbanem Platz. Die Beläge werden mit Ausnahme der Fahrgassen in ungebundener Bauweise ausgeführt. Um eine möglichst einheitliche Fläche zu schaffen wird auf die Unterscheidung von Fahrbahnen und Fußgängerbereichen verzichtet. Ein gleichberechtigtes miteinander (Begegnungszone) von Fußgängern und motorisiertem Verkehr führt zu einem belebten und flexibel nutzbaren Stadtraum. Die Römer-, die Kirch- sowie die Anton-Schneider-Straße werden in dieses Konzept mit einbezogen. Durch eine bauliche Intervention im Eckbereich Leutbühel / Kirchstraße wird der Platzabschluss gestärkt und präzisiert. Der Anbau ist als Kombination mit dem Gebäude Kirchstraße 1 konzipiert. Das Erdgeschoss soll gastronomisch genutzt werden

    Als Gegenstück zur urbanen, offenen Platzfläche steht auf dem Leutbühel anschließend ein baumbestandener Bereich. In einer chaussierten Fläche bilden Neupflanzungen mit Hochstamm- Schnurbäumen (Sophora japonica ’Regent’), Einblatt-Robinien (Robinia pseudoacacia ’Unifolia’) und Tulpenbäumen (Liriodendron tulipifera) ein lichtes Baumdach. Die Bäume unterbrechen die Dynamik des Platzraumes und tragen dadurch maßgeblich zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Entschleunigung des Raumes bei. Der Ort wird zum Treffpunkt und dient als Orientierungspunkt im Stadtgefüge. Sitzmöbel in unterschiedlichen Größen (Hocker, lange und kurze Bank), aus solider Holz-Metallverbindung laden dort zum ausruhen ein. Arm- und Rückenlehnen ermöglichen auch älteren Besuchern ein bequemes Sitzen. Ein neuer Trinkbrunnen sorgt an heißen Tagen zusätzlich für Erfrischung.

    Die Positionierung des Mobiliars orientiert sich an den Bewegungsströmen und lehnt sich an das Belagskonzept an. Gruppen von Sitzhockern und -bänken laden zum Verweilen auf den Brunnenplätzen unter freiem Himmel ein. Als Kultur- und Informationsträger werden wenige Litfaßsäulen positioniert. Alle übrigen freistehenden Informations- und Werbetafeln werden entfernt oder in die Fassaden integriert. Die Mülleimer werden einheitlich als Unterflur-Mülleimer mit einem Einwurfrohr aus dunklem Gusseisen konzipiert. Die Fahrradabstellplätze (Metallbügel) werden in Gruppen dezentral an strategisch wichtigen Stellen verteilt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt schlägt vor, das gesamte Wettbewerbsgebiet mit Natursteinpflaster zu belegen. Die angenehm ruhige Gestaltung wird positiv gesehen. Der Leutbühel wird schlüssig als Folge von zwei Teilplätzen erkannt und ausformuliert. Die drei vorhandenen Brunnen im Wettbewerbsgebiet bilden ein gemeinsames Thema. Auch dieser Ansatz wird als positiver Beitrag bewertet. In Frage gestellt wird, das vorgeschlagene Material (Natursteinpflaster) über den gesamten Perimeter zu ziehen. Die lineare Gliederung der Straßenräume (unterschiedliche Pflasterung, Randsteine) verstärkt die Straße und schreibt diese Funktion fest (wäre in einer Begegnungszone nicht unbedingt notwendig). Das Projekt leistet einen qualitäts- und wertvollen Beitrag zur gestellten Wettbewerbsaufgabe.