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  • DE-80798 München
  • 05/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7327)

Realisierungswettbewerb "Studentenwohnheim Freimann"


  • 4. Preis


    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: dressler mayerhofer rössler architekten und stadtplaner, München (DE)

    Erläuterungstext
    - \"Eine harte Hülle umgibt einen weichen Kern\". Trotzdem öffnet sich das Gebäude nach Süden, um für alle Bewohner optimale Licht- und Ausblicksituationen zu schaffen - der u-förmige Baukörper schafft unter den einzelnen Nutzungseinheiten. Es gibt keine zweite Adresse in einem geschlossenen Innenhof - die dreiseitige Bebauung und die Abstandsflächenoptimierung im Osten ermöglichen eine größtmögliche für den Innenhof - der Innenhof wird zum gemeinsamen lärmberuhigten Außenraum mit Ausblicken und Durchblicken zur grünen Wand des Biotops - im Inneren erstreckt sich auf der Nordseite ein an den vertikalen Erschließungsachsen mit akustisch abtrennbaren Lernboxen oder offenen Kommunikationsinseln. die Gemeinschaftsküchen mit Esszimmererkern sind so angeordnet, dass jede durch ihre einen eigenen Charakter widerspiegelt. Kommunikationsband und Gemeinschaftsküchen dienen als Orientierung und Anlaufpunkte des öffentlichen Lebens im Wohnheim - das Balkonregal im Süden schließt den Innenhof und dient als Schallpuffer, als Terrassen der Gemeinschaftsküchen oder einfach zum sonnen und erholen am Biotop - im mit dem energetischen Konzept entsteht ein Gebäude, welches der besonderen Anforderung aus Ort und Bauaufgabe Rechnung trägt (verbesserter Schallschutz, Verbesserung Luftqualität, Energieeinsparung und niedrige Nebenkosten für Studenten in einer teuren Stadt).

    Außenraum
    - Der Charakter der Freianlagen wird vom bestehenden Biotop bestimmt. dieses wird auf den von Bebauung freigehaltenen Grundstücksflächen, dem in der vorgefundenen Ausprägung erweitert. Magerwiesenflächen mit Großbäumen umschließen dreiseitig das Gebäude und unterstreichen die Auffindbarkeit und Wertigkeit der Gebäudezugangsseite in Verlängerung der Hofreiterstrasse. - Der Innenhof richtet sich klar zum Biotop aus. In der Materialität setzt er die Natürlichkeit der das Gebäude umgebenden Flächen fort. ein ruhiger homogener Holzbelag manifestiert den zum zentralen, frei nutzbaren erweiterten Bereich des Gebäudes. hochstämmige, aufgeastete und schlanke Birken (z. B. Betula pendula \'Laciniata\') mit lichtem Laub bringen das Thema des \'Außenraums\' nach innen. Umgekehrt finden sich die Holzpodeste im \'Außenraum\' wieder. auf diese Weise wird eine behutsame visuelle wie nutzungsbestimmte Verflechtung zwischen \'Innen\' und \'Außen\' angestrebt, die in ihrer Anordnung bewusst auf die vielschichtigen Nutzungsmöglichkeiten des studentischen Miteinanders reagiert. - Die klare Bestimmung von Aufenthaltszonen im Biotopbereich sowie deren Kompensation durch die Anlage von Biotoperweiterungsflächen werden als langfristige Stabilisierungsmaßnahmen zum erhalt und zur Weiterentwicklung der vorgefundenen Vegetationsstrukturen und deren gleichzeitiger, behutsamer Nutzung gesehen. flankierend hierzu ist für die Dachflächen eine Begrünung mit standorttypischen Gräsern und Kräutern vorgesehen.

    Material
    - Eine aus eingefärbten Betonsandwichelementen verankert das Gebäude in dem sehr heterogenen Kontext und umschließt einen im Innenhof aus geschoßhohen Fensterelementen mit innen liegenden farbigen Vorhängen - Die Außenfassade umhüllt sich mit einem Fenstertyp und gibt je nach Dichte oder dreidimensionaler Anordnung die dahinter liegenden Aktivitäten preis - während im äußeren die Materialien farbiger Beton und farbige Vorhänge das Erscheinungsbild prägen, dominieren im Innenraum weiße und hölzerne Oberflächen - Grundsätzlich wird mit allen Bauteilen ein sehr hoher Vorfertigungsgrad angestrebt - Das Materialkonzept versucht einen ruhigen und robusten Hintergrund für vielfältige Aktivitäten zu schaffen. Die Reduzierung auf wenige klare Materialitäten schafft ein, bereit um vom studentischen Leben angeeignet zu werden

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der viergeschossige, im Carrée angeordnete Baukörper, wirkt durch geschickte Höhenstaffelung maßstäblich gut proportioniert. Die U-förmige Anordnung der Gebäudeflügel mit Innenhof und Sichtbezug zum Biotop überzeugt in der Konzeption. Die Haupterschließung des Gebäudes an der Nordostecke ist sinnfällig angeordnet. Der Eingangsbereich mit Mehrzweckraum ist funktional richtig situiert, jedoch sind Treppenhaus und Vorbereich wenig einladend und beengt. Die Anordnung der Wohnplätze ist logisch aus den schalltechnischen Anforderungen entwickelt. Somit kann Lärmkonflikten mit den Bewohnern bei Nutzung des Innenhofes entgegengewirkt werden, andere Lärmstörungen können jedoch im Bereich der Wohnplätze in den Obergeschossen über dem Veranstaltungsraum entstehen. Die Wohnplätze sind flexibel nutzbar und differenziert gestaltet. Bemängelt wird der nicht belichtete und zu enge Flur in der Westspanne. Die so genannte „Kommunikationszone“ ist richtig angeordnet, fällt allerdings zu schmal aus und ist nur eingeschränkt nutzbar. Bemängelt wird, dass eine klare Zuordnung der Gemeinschaftsküchen zu den Wohnplätzen fehlt. Das so genannte „Balkonregal“ im Süden schafft gute optische Verbindungen in das Biotop und gute Nutzbarkeit. Die unaufgeregte Fassadengestaltung mit Lochfenstern und großen Wandflächen kann überzeugen. Die gewählte Materialität mit eingefärbten Betonsandwichelementen lässt keine hohe Akzeptanz beim Nutzer erwarten. Die gestalterische Qualität und Haptik der gewählten Sichtbetonplatten kann nicht überzeugen. Der straff organisierte Grundriss lässt keine statischen Probleme erkennen. Das vorgeschlagene Energiekonzept mit kontrollierter Belüftung, Wärmerückgewinnung und reduzierter Heizung des Gebäudes ist vernünftig und leitet sich aus der hoch belasteten Lage des Ortes ab. Der Vorschlag, den Innenhof mit festem Holzbelag zu versehen ist angesichts der Orientierung der Wohnplätze im EG ohne Abgrenzung äußerst fragwürdig; auch deshalb, weil der entstehende Lärm im Innenhof verstärkt wird. Die Wohnanlage lässt in Herstellung und Unterhalt eine gute Wirtschaftlichkeit erwarten.