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  • ein 3. Preis

    Vorplatz und Zugang, © KTP

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der neue Campus BOS

    Mitarbeiter und Besucher kommen über die Hellmut-Hirth-Straße zur Firma BOS.
    Eine kräftige Baumreihe markiert die Grundstücke auf der Südseite. Sie verbindet das Bestandsgebäude im Zentrum, das neue Verwaltungsgebäude im Osten (im 1. und 3. BA) sowie das Casino im Westen.

    Drei eigenständige Gebäude, die jeweils ein städtebauliches Quartier besetzen und über ihre Gliederung und Körnung sowie die verbindende, identitätsstiftende Baumreihe zu einem Ensemble werden - dem Campus BOS.
    Auf dem östlichen Grundstück entsteht das neue Verwaltungsgebäude mit Showroom und Konferenzeinrichtungen im EG, zunächst im 1. BA – ergänzt und vervollständigt mit dem 3. BA.

    Das neue Verwaltungsgebäude bildet gemeinsam mit dem Bestand einen großzügigen Vorplatz aus. Dieser wird die Zugangssituation und die Adresse der Fa. BOS aufwerten.
    Zwischen dem neuen Verwaltungsgebäude und dem Bestand entsteht eine erdgeschossige gedeckte Verbindung, welche gleichzeitig einen erlebbaren Raumabschluss zur nördlichen weiterhin bestehenden Zufahrt bildet.

    Der neue gegliederte Baukörper mit einem hohen Ausstellungsgeschoss und zwei Verwaltungsgeschossen lehnt sich mit seinen Traufhöhen und seiner Körnigkeit an das Bestandsgebäude und den Kontext an.
    Ergänzend schlagen wir vor, die weitgehend geschlossenen Stirnflächen von Neubauten und Bestand mit einer begrünten Fassade zu versehen und so ein freundliches gegenüber für die nördlich angrenzende Wohnbebauung anzuordnen.

    Das neue Restaurant- und Konferenzgebäude im Westen findet einen sicheren Platz mit guter Orientierung in die unverbaubare offene Landschaft. Ein reduziertes Obergeschoss mit Konferenz- und Fitnessnutzung ergänzt das Angebot im ‚Casino‘.
    Die technische Versuchseinrichtung (Shaker) wird unmerklich in der Nordostecke in Nachbarschaft zum Bestandsgebäude integriert.

    Alle neuen Gebäude – alle Bauabschnitte - werden mit unabhängig unabhängig erschlossenen, optimierten Tiefgaragen unterlegt (232 Stellplätze).
    Gemeinsam mit den bestehenden und neu errichteten ebenerdigen Parkplätzen entlang der Helmuth-Hirth-Straße (96 Stellplätze) werden alle notwendigen Stellplätze bedarfsgerecht in den Bauabschnitten und in der Summe zur Verfügung gestellt.


    Erschließung

    Die Erschließung und Andienung erfolgt ausschließlich über die Helmuth-Hirth-Straße von Süden:
    Die Campusfläche zwischen Bestands- und neuem Verwaltungsgebäude (1. BA) ist befahrbar und anfahrbar. Sie wird künftig nicht nur zum großzügigen Vorbereich des Eingangs sondern auch zur leistungsfähigen Ausstellungsfläche.
    Besucher- und Notfallparkplätze sind hier ebenerdig angeordnet.
    Die Zufahrten zu den Tiefgaragen erfolgen von Süden ebenso wie die Anlieferung von Casino und der technischen Versuchseinrichtung.
    Fahrradstellplätze befinden sich in Eingangsnähe.


    Das neue Verwaltungsgebäude (1. BA)

    Das neue Verwaltungsgebäude wird an zentralem Punkt erschlossen. Eine großzügige Ausstellungsfläche mit Konferenzeinrichtungen prägt das 4,80 m hohe Erdgeschoss.
    Von hier aus werden an zentralem Punkt die Obergeschosse erreicht. Die sternförmig angeordneten Büroarme bilden Einheiten zwischen 200 und 400 m² und sind über die kommunikative Mitte flexibel zusammenschaltbar. Die funktionalen Zuordnungen lt. Raumprogramm werden erreicht; die Struktur bietet aber auch die Möglichkeit künftige Veränderungen abzubilden.
    Die angebotenen Raumtiefen zwischen 11,0 bzw. 14,0 Meter ermöglicht Gruppenbüros aber auch 2- bzw. 3-bündige Büroplatzanordnungen in den gewünschten Größen für die Einheiten. Der gegliederte Baukörper schafft hervorragende Tageslichtbedingungen für alle Arbeitsplätze!
    Die kurzen Wege mit dem gemeinsamen Zentrum fördert Kooperation und Kommunikation. Alle Abteilungen werden auf direkter Weise erreicht, eine Durchwegung einzelner Büroeinheiten in der horizontalen Erschließung wird vermieden.

    Der dritte Bauabschnitt ergänzt den Baukörper.
    Eine separate Erschließung von Norden und von Süden ist in gleicher Weise möglich. Damit ist der 3. BA sowohl als Erweiterung des 1. BA aber auch als separat nutzbare und erschließbare Einheit im Sinne der Drittverwendbarkeit vorbereitet.

    Die in der Ebene -1, sowohl im 1. BA als auch im 3. BA angeordneten Tiefgaragen ermöglichen einen direkten Zugang zu den Büroeinheiten, aber auch einen externen Zu- und Ausgang zum Vorplatz.


    Material Konstruktion Fassade

    Die tragenden erdberührenden Bauteile bestehen aus Stahlbeton, die zweibündigen Bürobereiche werden mit vorgespannten Hohlkörperdecken stützenfrei überspannt, der dreibündige Bürobereich erhält eine Mittelstützenreihe.
    Die Stützen in der Fassade sind in der Fassadenebene integriert und optimieren so das Nutzflächenangebot.
    Die opaken Flächen der Fassaden erhalten eine 20 cm starke Wärmedämmung mit einer hinterlüfteten großformatigen weiß lackierten Blechverkleidung. Die transparenten Fassadenelemente bestehen aus einer Alu-Pfostenriegel-Konstruktion, Dreifachverglasung mit integrierten Öffnungs- und Lüftungselementen. Ein automatisch geregelter, windgeschützter Sonnenschutz optimiert den Lichteinfall und regelt die Wärmeeinstrahlung. Die Büroflächen sind natürlich be- und entlüftet. Eine Bauteilaktivierung sorgt für die Grundheizung, Spitzen werden über schnell regelbare Heizkörper abgefahren.

    Die Tiefgaragenstellplätze befinden sich direkt und bauabschnittsweise hergestellt, direkt unter den Büroflächen mit direkter Zugänglichkeit.

    Ein Geschoss wird jeweils als ein Brandabschnitt ausgelegt. Das zentrale Treppenhaus wird als Fluchtweg berücksichtigt, behält aber seine repräsentative und atmosphärische Qualität.
    Fluchtwege an den Enden der Büroarme ergänzen – wo notwendig – das Brandschutzkonzept.

    Das Restaurant- und Konferenzgebäude – Casino auf der Westseite, übernimmt die Mittagessenversorgung für ca. 400 Mitarbeiter im Erdgeschoss und bietet in der Nordhälfte auf einer obergeschossigen Ebene einen bewirteten Konferenzbereich sowie ein Sportstudio an.
    Der Versuchsraum, sowie ein Technikbereich ergänzen das Gebäude auf der Nordseite, für den Besucher nicht spürbar.

    Der Besucher erreicht das Foyer an der Südostecke über die großzügige baumbestandene Ost-West-Achse. Das Foyer trennt die Wege auf:
    Das Mitarbeiterrestaurant für 350-400 Mitarbeiter mit 2,5fachen Platzwechsel (150 Sitzplätze) im Erdgeschoss ausgelegt.
    Im Foyer selbst ist eine Automatenstation sowie die Infrastruktur vorgesehen. Alle Bereiche sind mit getrennten Öffnungszeiten betreibbar.

    Die Anlieferung der Küche erfolgt in der Fuge zwischen Casino und Bestandsgebäude. Von hier aus wird auch die Versuchseinrichtung (Shaker) angedient.
    Die Mitarbeiter erreichen den Küchenbereich getrennt von Anlieferung und Besucherzugang mit einer vorgeschalteten Umkleideeinheit. Küche und Lager sind für ein Konzept der frischen Zubereitung der Nahrungsmittel ausgelegt. Der Ausgabebereich ergänzt das Konzept mit Front-Cooking-Einheiten. Die 150 Sitzplätze, mit vorgelagerten Terrassen orientieren sich nach Westen und nach Süden, haben eine gute Aufenthaltsqualität in atmosphärischen Unterschied zu den Arbeitsbereichen.
    Der Restaurantbereich einschließlich Foyer (großzügig öffenbar), erreicht eine zusammenhängende stützenfreie Fläche von ca. 300 m². Damit sind größere Veranstaltungen (Betriebsversammlungen) im Erdgeschoss des Casinos durchführbar.


    Materialkonstruktion Fassade

    Die tragenden Bauteile vom Untergeschoss sowie das Zwischengeschoss sind aus Stahlbeton hergestellt.
    Das Dachtragwerk besteht aus hölzernen, weiß lasierten Modulen (ca. 6 x 6 m) mit einer Bauhöhe von 1,7 Metern. Diese überspannen den Casinoraum nahezu stützenfrei, sie werden als Fachwerkträger gekoppelt. Gleichzeitig ermöglichen diese Elemente eine Tagesbelichtung über das Dach.
    Diese Oberlichter öffnen sich nach Norden und sind auf den Südflächen mit Photovoltaik belegt. Fassade in ihren opaken Anteilen ist wärmegedämmt und weiß beschichteten hinterlüfteten Alulblechfassade verkleidet. Die transparenten Fassaden sind raumhoch 3fach verglast, in maximalen Größe und liegend formatiert. Ein fließender Übergang zwischen Innen und Aussen wird durch großzügige Öffnungsflügel ergänzt.

    Der Gastraum ist natürlich be- und entlüftet.
    Die Küchen- und Ausgabebereiche erhalten eine mechanische Be- und Entlüftung über eine Lüftungsdecke.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Drei eigenständige Baukörper transportieren die unterschiedlichen geplanten Nutzungen nach außen. Ein 'grünes Rückgrat' entlang der Haupterschließung an der Helmut-Hirth-Straße verbindet die einzelnen Gebäude.
    Die Qualität der Architektur sowie der Grad der Durcharbeitung hinsichtlich Statik, Energiekonzept und Fassadentechnik lassen eine hohe Professionalität erkennen. der überzeugende Vortrag unterstreicht dies nochmals.
    Die räumliche Qualität der Kantine wie auch die gut gefasste Platzsituation vor dem Haupteingang werden von der Jury gewürdigt.
    Durch die sternförmige Gebäudekonzeption entstehen optimal belichtete Arbeitsplätze, allerdings wird dies durch einen sehr hohen Fassadenanteil erkauft. Ein weiterer Nachteil sind fest definierte Bereichsgrößen, die auch durch die vorgestellten 'Überläufe' nicht die gewünschte Flexibilität gewährleisten können. Zudem sind unnötig viele Treppenhäuser erforderlich um die zulässigen Fluchtweglängen einzuhalten.
    Die vorgesehene Gliederung des Baukörpers für den 1. bzw. 3. Bauabschnitt erscheint als konstruktiv nicht sinnvoll angeordnet. Zudem ist die Gesamtfigur des Gebäudes bis zur Errichtung des 3. Bauabschnittes unvollständig und nicht verständlich. Die möglichen Raumzuschnitte für den 3. Bauabschnitt sind durch die vordefinierte Gesamtfigur des Gebäudes nicht mehr flexibel auf die zukünftigen Anforderungen anzupassen.
    Die Fassaden der Gebäude sind ansprechend und mit großer Eigenständigkeit gestaltet, insgesamt scheint der expressive und vermutlich auch kostenintensive Entwurf aber nicht die richtige Antwort für die von BOS gewünschte Repräsentation der Firmenwerte.


INFO-BOX

Angelegt am 08.09.2016, 10:36
Zuletzt aktualisiert 19.09.2016, 10:10
Beitrags-ID 4-127405
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