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  • DE-90480 Nürnberg, DE-90411 Nürnberg
  • 08/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-226509)

Planung eines neuen Stadtviertels "Regensburger Straße SW Nürnberg"


  • 1. Preis


    Stadtplaner
    TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: BEHLES & JOCHIMSEN, Berlin (DE)
    Immissionsschutzplaner: CS Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin (DE), Köln (DE), Dettmannsdorf (DE), Bremen (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Freiflächen

    Leitidee: Das geplante Wohngebiet wird geprägt durch eine weitgehend geschlossene Randbebauung, die in einem waldartigen Gürtel liegt. Nach innen wird die Baustruktur kleinteiliger und bildet hofartige Strukturen. Die Erschließung erfolgt über je eine Mischverkehrsfläche in Ost-West wie auch Nord-Südrichtung, die an einem zentralen Platz als Treffpunkt der Wohnsiedlung zusammengeführt wird.
    Erschließung: Der Hauptverkehrsfluss wird ringförmig außen um die Siedlung herum geführt und erschließt das Parkhaus an der Südseite, das zugleich den Lärmpuffer zur Bahn bildet. Am südöstlichen Rand des Parkhauses wird ein Wendehammer angeordnet. Entlang der Ringstraße werden weitere Stellplätze für PKW und Fahrräder angeboten. Weitere Fahrradstellplätze werden direkt den Eingängen zugeordnet. Der innere Bereich des Wohngebietes ist verkehrsberuhigt und das Befahren nur für Anlieferung, Umzüge und Notfalleinsätze vorgesehen.
    Folgende Fuß- und Radwegebeziehungen sind geplant:
     Richtung Hans-Kalb-Straße/ Bahnanbindung als eine Treppen-/ Rampenanlage sowie mittels zwei barrierefreien Fuß- und Radwegen
     Richtung Regensburger Straße mittels drei barrierefreien Fuß- und Radweganbindungen
     Zur westlich angrenzenden Bebauung mittels zwei Mischverkehrsflächen.
    Alle Mischverkehrsflächen, Wege und Hauszugänge sind barrierefrei ausgebildet.
    Öffentliche Spielflächen – Naherholungsflächen: Wichtiger Treffpunkt der Siedlung ist der zentral gelegene Platz mit einer Baumgruppe und Sitzmöglichkeiten. Die verkehrsberuhigten Mischverkehrsflächen dienen ebenfalls als Bewegungs- und Spielflächen. Die privaten Spielbereiche für die kleineren Kinder sind den Häusern vorgelagert und befinden sich in den hofartigen Grünflächen. Die Grünflächen der Höfe dienen der wohnungsnahen Erholung. In diesen Bereichen wird der vorhandene Baumbestand soweit wie möglich erhalten und bildet einen hainartigen Schirm, der die Höfe gliedert und prägt. Auf der Westseite werden weitere öffentliche Spiel- und Aufenthaltsbereiche für ältere Kinder sowie für Erwachsene vorgesehen. Hier wird auch ein Bolzplatz angeordnet.
    Die Kindertagesstätte liegt im Zentrum des Wohngebietes direkt angrenzend an der Platzfläche. Die zugehörigen Spielflächen liegen im Übergang zur vorhandenen Reihenhausbebauung.
    Als Ergänzung zu den ebenerdigen Freiflächen werden auf den Dächern der Wohngebäude zusätzliche begrünte Aufenthaltsbereiche angeboten, die den Anteil an nutzbarer wohnungsnaher Erholungsfläche erhöhen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser ordnet das Bearbeitungsgebiet in vier Teilquartiere.
    Die außenliegende Erschließung mit einer an deren Ende situierten Parkgarage wäre in anderen Fällen ein grober Planungsfehler, in dieser speziellen Situation aber nicht nur eine denkbare, sondern vielmehr eine richtige Lösung, ordnet sie doch Lärm zu Lärm und schafft ruhige, weitgehend verkehrsfreie Innenbereiche und bietet gleichzeitig hinreichend Rückstaupotential für die verkehrsreiche Regensburgerstrasse.
    Durch eine geschickte Modellierung der Baumassen entstehen halboffene und intime Innenhöfe mit jeweils eigenen Qualitäten und Identität. Es entstehen angenehm dimensionierte öffentliche und halböffentliche Räume und es gelingt eine unspektakuläre, aber sehr sensible Weiterentwicklung der denkmalgeschützten Siedlung. Lediglich der kleine, zentrale Platz im Zentrum sollte hinsichtlich seiner Dimensionierung nochmals überprüft werden.
    Das städtebauliche Konzept interpretiert und transformiert somit die Idee der europäischen Stadt mit gemischten Nutzungen und Einzelhäusern auf einer ablesbaren Parzellenstruktur. Die Höhenentwicklung ist maßstäblich und angenehm differenziert, das kleine Hochhaus im nordöstlichen Grundstücksbereich wird durchaus kontrovers diskutiert, bildet aber einen eindeutigen und selbstbewussten Auftakt zum neuen Quartier.
    Der Lärmschutz ist in allen Bereichen, insbesondere im kritischen Bereich im Süden zur Bahn durch Parkhaus und Gewerbeflächen gut gelöst. Dies trägt auch zur Lösung möglicher Erschütterungs- probleme bei.
    Die zahlreichen oberirdischen Stellplätze entlang der außen liegenden Erschließungsstraße und das Parkhaus unterstützen die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Eine abschnittsweise Realisierung erscheint gut möglich. Der Entwurf ist im Wesentlichen bebauungsplankonform, wobei der Baumstreifen im Norden entlang der Erschließungsstraße verbreitert werden müsste.
    Insgesamt stellt der Entwurf einen sehr guten Beitrag zur Lösung der schwierigen Aufgabenstellung dar.