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  • DE-90480 Nürnberg, DE-90411 Nürnberg
  • 08/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-226509)

Planung eines neuen Stadtviertels "Regensburger Straße SW Nürnberg"


  • 2. Preis

    Lageplan

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Carsten Maerz , Benjamin Wille

    Mitarbeit
    Ilja Haub, Steffen Wörsdörfer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: winkelmüller.architekten gmbh, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die heterogene Baustruktur der Umgebung mit ihrem lebendigen Höhenprofil und markanten Großstrukturen sowie der prägende Waldbestand werden als ortstypische Strukturelemente durch die baulich-räumliche Grundfigur aufgegriffen und zum Identität stiftenden Leitmotiv des Entwurfs weiterentwickelt.
    Dabei wird ein besonderer Wert auf die Qualitäten des Idylls „Wohnen und Arbeiten im Wald“ gelegt, die Schaffung eines vor Lärm geschützten waldartigen Binnenraums mit attraktiven privaten und öffentlichen Freiräumen und Nutzungen und die Mischung der Typologien (Geschosswohnungsbau, gestapelte Reihenhäuser, Hochhäuser etc.) lassen eine atmosphärisch einzigartige und vielfältige Nachbarschaft (sozial, demografisch, kulturell etc.) entstehen. Die Großfigur generiert sich aus differenzierten kleinteiligen Gebäudeeinheiten und vielfältigen Hausformen mit individuellem Erscheinungsbild und ermöglichen so eine Mixtur unterschiedlichster Wohn- und Arbeitswelten. Damit wird der großmaßstäbliche Stadtbaustein zu einem kompakten, aber lagebezogen ausdifferenzierten Gesamtgebilde.

    STÄDTEBAU
    Die Hofstruktur nimmt in ihrer Grundausrichtung und Höhenstaffelung Bezug auf die vorhandene räumliche Ordnung und die bestehenden Strukturen, wodurch das selbstbewusste Bauvolumen trotz seiner räumlichen Präsenz eng mit dem direkten Kontext verankert wird. Eine Fortführung oder gewollte Integration der bestehenden Zeilenbauten wird dabei bewusst vermieden - die Ensemble stellen jeweils eine eigenständige Figur im Wald dar. Der Gebäudekomplex liegt zwar mitten im Wald, schafft jedoch durch seine enge Wegevernetzung, ausgewählte Blickbezüge durch den Waldsaum und seine Hochpunkte angemessene und vielfältige Bezüge zur Umgebung. Die drei Hochpunkte markieren durch ihre Lage wichtige Orte (z.B. Entrée im Osten) und treten durch ihre spannungsvolle Komposition in eine räumliche Beziehung.

    ERSCHLIESSUNG
    Das Entwurfsgebiet wird durch eine Stichstraße an die Regensburger Straße angebunden. Von dort aus kommend wird der überwiegende Autoverkehr am Entrée über eine Quartiersgarage abgefangen. Von hier erfolgt auch die Zufahrt zu der umlaufenden Tiefgarage. Die Umfahrung ist vorwiegend als Promenade für Fußgänger und Radfahrer gedacht und nur im Einzelfall (Post/Anlieferung, Feuerwehr, Umzug, „Holen + Bringen“ etc.) zu befahren, parken ist hier nicht möglich. Über das öffentliche Wegenetz ist das Quartier hervorragend mit der Umgebung, insbesondere dem S-Bahnhof Frankenstadion, vernetzt.

    FREIRAUM
    Die städtebauliche Figur ermöglicht eine einfache Erschließung und klare Adressbildung nach außen und isoliert einen romantischen Waldgarten im Innern. Von dem äußeren Erschließungsring ist dieser über vier Korridore erreichbar. Der Binnenraum ist frei von jeglichem Verkehr, wodurch ein geschützter, gemeinschaftlich nutzbarer Waldgarten entsteht. Dessen zentrales Motiv ist ein Teppich aus Waldkräutern und Farnen, der vom atmosphärischen Blätterdach der Bestandsbäume beschattet wird. Die wohnungsbezogenen Spielorte sind über das Quartier verstreut und sollen so die Spielsituation an der Kita entlasten. Der Kitaspielplatz kann wiederum den Quartierskindern außerhalb der Kita-Zeiten zur Verfügung stehen. Vor den Fassaden entwickeln sich Säume aus Heckenpflanzungen, die Erdgeschosswohnungen erhalten so gefasste „Zimmer im Freien“.
    Sondersituationen ergeben sich im Süden des Hofs auf den höher gelegenen Hofplateaus, hier werden gemeinschaftlich nutzbare Grünflächen in Hochbeeten angelegt.

    ARCHITEKTUR
    Auch die innere Gebäudestruktur thematisiert das Ausbilden einer lärmgeschützten Wohnsituation. So liegen alle Erschließungskerne an der äußeren, lauten Fassade, Laubengänge bilden zusätzliche Pufferzonen. Die innere Fassade wird durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge vergrößert. Diese Bewegung ermöglicht das Ausbilden einer Vielfalt unterschiedlicher Wohntypologien (Townhouses, Geschosswohnungsbau), die durch die Wohnungen in den Hochpunkten noch erweitert wird. Dabei werden in allen Wohnungen lärmgeschützte Räume mit angenehmer Belichtung und einem Balkon oder
    einer Terrasse zum Innenraum generiert; das Durchmischen wirkt sich identitätsstiftend auf das Ensemble aus, schafft eine lebendige Bewohnerstruktur und fördert über den kollektiven Erlebnisraum hinaus gemeinschaftliche Interaktion. Diese Durchmischung aufgreifend wird das Gewerbe spontan und punktuell in kleinen Einheiten eingestreut.
    Die Form des Ringes zeichnet sich im Boden als steinerne Fläche ab, sodass seine Einheit trotz bewegter Fassade und Durchbrüchen bestehen bleibt. Das Fassadenbild greift thematisch die Lage innerhalb des Waldes auf und bietet über ein lebendiges Spiel von transparenten Flächen und Holzelementen ein angenehmes Erscheinungsbild, sowie gesunde Wohnverhältnisse. Die Hochpunkte heben sich über ein Zwischengeschoss und eine Gestaltung mit hellem Sichtbeton dezent vom unteren Ring im Wald ab und thematisieren stärker das Sehen und Gesehen werden über den Wald hinweg.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein großzügiges Wohnkarree besetzt den westlichen Teil des zur Verfügung stehenden Bauraums, der im Wesentlichen eingehalten ist. Dabei kann ein größerer zusammenhängender Bereich des Baumbestandes erhalten bleiben, was den besonderen Charakter des neuen Baugebietes ausmacht und entscheidend zur Qualität des Wohnumfeldes beiträgt.

    Während der Blockrand sich von 4 Geschossen am Übergang zur denkmalgeschützten Bebauung auf 7 Geschosse an der Ecke Regensburger Str. zur Hans-Kalb-Str. aufbaut, setzt der Verfasser 3 Hochpunkte, die ein Dreieck quer über das Wohnkarree spannen:
    Ein Hochpunkt markiert den Stadteingang, ein weiterer leitet über zur Stadt, während ein dritter den Blockrand akzentuiert.

    Grundsätzlich gut gelöst ist die Problematik der Schallimmissionen, die auf das Gebiet einwirken. Sowohl die Ausrichtung der Wohnungen als auch die Ausformung der Durchgänge sind mit einem angemessenen Aufwand an die Anforderungen anzupassen.
    Ein erhöhter zusätzlicher baulicher Aufwand wird an den 3 Hochhäusern erforderlich werden, da diese relativ ungeschützt den Immissionen ausgesetzt sind.

    Der Bereich südlich der denkmalgeschützten Gebäude bleibt frei von jeglicher Bebauung, dafür wird der südliche Blockrand der Neubebauung stark verdichtet.
    Die hier vorgeschlagenen Höfe öffnen sich zwar zum gemeinsamen Innenhof, dennoch sind sie sehr beengt, insbesondere in der Süd-Ost-Ecke wäre das so nicht akzeptabel.

    Sehr überzeugend ist der Vorschlag, den Fahrverkehr bereits am östlichen Auftakt abzufangen.
    Hier werden die Besucherparkplätze vorgeschlagen und daran angebunden die Tiefgarage, die alle Wohngebäude direkt anbindet.

    Kritisiert wird die Lage der Kindertagesstätte, die zentral zum Innenhof gelegen, zu Konflikten mit der Wohnnutzung führen würde.
    Die Anzahl der Wohnungen liegt eher am unteren Rand, die Mischung Wohnen und Gewerbe entspricht den Anforderungen.

    Insgesamt ein sehr überzeugender Lösungsvorschlag, der auch eine wirtschaftliche Erstellung verspricht. In diesem Zusammenhang werden die Hochhäuser jedoch kritisch gesehen.