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  • DE-35043 Marburg, DE-35083 Wetter
  • 10/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-232131)

Erweiterung der Grundschule – Burgwaldschule


  • 3. Preis

    © walter huber architekten

    Architekten
    walter huber architekten gmbh, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: merz kley partner, Dornbirn (AT), Altenrhein (CH)

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Unser Entwurf entstand in der Auseinandersetzung mit den Schwerpunkten das vorhandene Gebäudeensemble zurückzubauen, neu zu strukturieren und eine Charakteristik für die Burgwaldschule zu definieren. Welche Bilder und Gefühle werden die Kinder an ihre Schulzeit und das Schulhaus in Erinnerung behalten? Ziel ist es, ein Schulhaus zu gestalten, das Räume für die Kinder bereit hält, die sie zum Lernen anregen und auf das Leben neugierig machen.

    Städtebauliche Einbindung
    Von Westen und Osten begrenzt Wohnbebauung das Grundstück, im Norden schließen sich Gärten an, im Süden bilden die Amönauer Straße und die Sporthalle den städtebaulichen Rahmen. Das Erscheinungsbild des derzeitigen Gebäudeensembles gleicht dem eines zusammengewürfelten Hüttendorfes. Unser Entwurf nimmt die Fluchten des Altbaus auf, der 1- geschossige Bestandsbau wird um eine „Achse“ verbreitert und mit einem Geschoss aufgestockt. Neubau und Altbau verbinden sich zu „dem einem Haus“, zu „der Schule“. Der vorhandene Haupteingang wird demontiert und durch eine neue, lichtdurchflutete Halle ersetzt. Sie bildet künftig das Herzstück des Schulhauses. Hier werden die Kinder gerne die eine oder andere verregnete Pause verbringen, Vorführungen und Ausstellungen veranstalten oder über kurze Wege ihr Klassenzimmer erreichen. Über den Nebenausgang gelangen sie ins Freie. Nach Norden und Süden bieten die Freianlagen viel Platz für sonnige Orte zum Spielen und Toben oder für einen Schulgarten. Unter dem Blätterdach des alten Baumbestands finden sich schattige Rückzugs- und Erlebnisorte. Das Gebäude wird über den Haupteingang im Altbau von der Amönauer Straße aus erschlossen. Das Gartengeschoss wird einladende Eingangsebene und führt Schüler, Lehrer und Eltern direkt zur zentralen Halle. Die Sitzstufen vor dem Speiseraum sind durch den Niveauwechsel geschützt und laden zum Verweilen ein oder bieten Platz für ein Grünes Klassenzimmer. Gleichzeitig nehmen sie den Höhenunterschied zwischen Straßen- und Eingangsebene auf. Die Anlieferung erfolgt über den Haupteingang.

    Entwurfskonzept
    Im Gartengeschoss des Altbaus betritt man die Schule. Auf dieser Ebene befinden sich die Küche, der Speiseraum mit der vorgelagerten Terrasse und ein Sanitärbereich. Über eine halbe Treppe - oder barrierefrei mit dem Fahrstuhl – gelangt man zur Halle. Hier trennen sich die Wege zwischen Alt- und Neubau, die in ihren Niveaus um ein halbes Geschoss zueinander versetzt sind. Die Beletage im Zentrum des Altbaus wird zum Geschoss für Verwaltung, Lehrer und Schulleitung. Im darüber liegenden Obergeschoss befinden sich drei Klassenräume. Als Scharnier zwischen Alt- und Neubau ist die großzügige, zweigeschossige Halle der Ort des Ankommens und bietet mit ihren Sitzstufen Raum für gemeinschaftliches, schulisches Leben. Der Luftraum ermöglicht den Blickbezug zwischen den Geschossen und zwischen Alt- und Neubau. Durch die achsensymmetrische Gebäudeerweiterung des Neubaus entstehen klare räumliche Bezüge. Der ehemalige Stichflur wird zum lichten Um-/Durchgang. Der Innenhof sorgt für natürliche Belichtung im Gebäudeinneren und gibt auch hier Durchblicke frei, die den Kindern helfen, sich zu orientieren. Der Hausbaum unterstreicht die Wahrnehmbarkeit des Jahreszeitenwandels. Im Erdgeschoss sind zum Garten die Gruppenräume der Nachmittagsbetreuung untergebracht. Im ruhigen, dem Garten abgewandten Bereich sowie im Obergeschoss befinden sich die Klassen- und Differenzierungsräume. Rings um den Innenhof sind offene Lernbereiche platziert, die die Flure zu Aufenthaltsräumen modifizieren. Themenräume sind zentral in der Gebäudemitte angeordnet und werden über den Innenhof belichtet und belüftet.

    Konstruktion | Material
    Hohe Transparenz und natürliche Materialien erzeugen eine Symbiose von Neu-/Erweiterungsbau und umliegendem Garten. Durch- und Ausblicke oder der Wechsel von geschlossenen und offenen Bereichen regen die Sinne der Kinder an. Unser Entwurf stellt sich in natürlichen, haptisch erfahrbaren Oberflächen dar, die auch unter dem Aspekt des Schallschutzes von Bedeutung sind. Bodennahe Fenster berücksichtigen den kindlichen Maßstab. Materialwechsel machen die 3-Dimensionalität der Räume erfahrbar. Ganz-farbige Räume gliedern das Haus und helfen den Kindern, sich zu orientieren. Starke Farben, die positiv emotional behaftet sind, werden entsprechend der altersbedingten Sehgewohnheiten gewählt. Unsere Erweiterung ist als Holzbau in Raumzellen (Fassade, Wand, und Boden) bzw. in Elementbauweise geplant. Das Maß der Module ergibt sich aus den Maßen des Bestandsbaus. Die einzelnen Funktionszonen werden in problemlos auf der Straße transportierbare Module aufgeteilt.
    Diese können witterungsunabhängig inklusive aller erforderlichen Einbauten und Installationen in der Produktionshalle vorgefertigt werden. So kann die Ausführungsqualität gegenüber dem Zusammenbau auf der Baustelle erheblich gesteigert werden. Die Module werden „just in time“ zur Baustelle transportiert, vom LKW in ihre endgültige Position gehoben und auf die vorbereiteten Auflager versetzt. Die Flurbereiche sind in konventioneller Holzbauweise erstellt, d.h. Dach- bzw. Deckenelemente, die zwischen die Module eingehängt werden. Die Bauzeit und damit die Kosten für Interimslösungen werden auf diese Weise auf ein Minimum reduziert. Die Innenseiten der Module sind als rohbaufertige Holzoberflächen ausgeführt. Die Außenflächen variieren. Geschlossene Wandflächen werden mit einer hinterlüfteten, lasierten Holzschalung versehen. Alle weiteren Fassaden sind Holz-Alu-Elementfassaden mit eloxiertem Alublech als Deckschicht. Holz-Alu-Fenster mit 3-fach Verglasung, außenliegender, textiler Sonnenschutz und Lüftungsklappen (Nachtluftspülung) gewährleisten ein angenehmes Raumklima in der neuen Schule.

    Ökologie | Ökonomie
    Das Gebäude ist als Passivhaus konzipiert. Holz als kostengünstiger und natürlicher Baustoff liegt hinsichtlich des Budgets und der Nutzung auf der Hand. Seine Klimaverträglichkeit, die Reduzierung von Transportwegen und die Ressourceneffizienz tragen zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung bei. Er bietet erhöhten Komfort bei einem Heizwärmebedarf ≤15kWh/m2a und einem Primärenergiebedarf inkl. Warmwasser und Strom ≤120 kWh/m2a. Durch optimale Wärmedämmung (Mineralwolle und Holzfaserdämmstoff) >0,15 W/m2K und hocheffiziente 3-fach Verglasung können die Wärmeverluste stark eingeschränkt werden. Eine Regulierung der Frischluftversorgung verhindert unkontrollierte Verluste (mechanische Lüftung im Heizfall, natürliche Belüftung in der Übergangszeit und im Sommer). Zur Deckung des Wärmebedarfs werden die Rückgewinnung aus der Abluft (Wärmebereitstellungsgrad 85%) sowie die passiven solaren und inneren Einträge durch Fensterflächen, Personen, Beleuchtung etc. genutzt. Zur Reduzierung des Primärenergiebedarfs und der Unterhaltskosten wird bei der Ausstattung des Gebäudes auf energiesparende Haustechnik geachtet. Für die Warmwasserbereitung des Brauchwassers kommen Solarthermie-Kollektoren zum Einsatz. Der Restwärmebedarf wird über eine Gastherme mit kleinen Heizflächen gedeckt. Unterstützt durch die passive Kühlung/ Nachtluftspülung (witterungs- und einbruchgeschützte Oberlicht- Lüftungsklappen) kann auf aktive Maßnahmen zur Kühlung vollständig verzichtet werden. Die extensive Begrünung des Daches verbessert das Raumklima der darunterliegenden Räume. Die Verdunstung des Wassers kühlt diese im Sommer. Im Winter dämmt die Begrünungsschicht das Dach. Die Rückhaltung des Regens im Gründach reduziert außerdem die anfallenden Niederschläge und entlastet die Siedlungsentwässerung.

    Energie
    Ziel dieses Energiekonzeptes ist die Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch optimierten Schulgebäudes, das hohe Komfort- und Behaglichkeitsansprüche erfüllt, niedrige CO2-Emissionen verursacht, günstig im laufenden Betrieb funktioniert und damit nachhaltig ist. Folgende Ziele werden im Einzelnen verfolgt:

    - Optimierung des individuellen Komforts
    - Minimierung der Transmissionswärmeverluste
    - Verbesserung der Frischluftversorgung und Minimierung der Lüftungswärmeverluste
    - Vermeidung hoher Sommertemperaturen
    - Minimierung der Anlage- und Betriebskosten
    - schonender Umgang mit Ressourcen
    - Minimierung des Einsatzes fossiler Energieträger und CO2-Ausstoßes
    - Umweltfreundliche Baustoffe

    Bauablauf
    Die enge Abstimmung und Zusammenarbeit sowie der kontinuierliche Austausch zwischen Planern, ausführenden Unternehmen, der Schulleitung und dem Hausmeister sind entscheidend, dass der Umbau im laufenden Betrieb reibungslos klappen kann. Durch den hohen Vorfertigungsgrad unserer Module können die Beeinträchtigungen für Lehrer und Schüler während der Bauzeit deutlich verringert werden. Geräuschintensive Arbeiten sollen nach Möglichkeit in den Ferien oder am Wochenende ausgeführt werden. Zur Optimierung des Ablaufs werden Interimslösungen für zentrale Nutzungen wie z.B. die Schulleitung eruiert. Die Ausführungs- und Terminplanung wird um die detaillierte Planung des gesamten Prozesses, der „Rochade der Bauabschnitte“ und der Baustellenlogistik ergänzt. Bauliche Maßnahmen „nach außen“ werden nach Gebäudetrakten strukturiert ausgeführt. Sanierte Räume im Altbau werden unmittelbar nach Fertigstellung entsprechend ihrer neuen Nutzung bezogen.

    Fazit
    Unser Entwurf drückt in seiner Gestaltung und Materialwahl formale Klarheit und Einfachheit aus. Er schafft die räumlichen Zusammenhänge, verbindet Alt und Neu, Innen und Außen zu einer Einheit. Mit seiner ruhigen Ausstrahlung unterstreicht er die Bedeutung des Ortes. So wird das neue Schulhaus der Burgwaldschule der Grundstein für lebensbejahende Schulzeiten in Wetter.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.