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  • DE-41464 Neuss, DE-41460 Neuss
  • 09/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-246426)

Leuchtenberg, Neubau eines Wohnquartiers


  • 1. Rang

    Vogelperspektive, © Konrath und Wennemar Architekten I Visualisierung: rendertaxi

    Architekten
    Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Oliver Konrath , Harald Wennemar

    Mitarbeit
    Stefanie Hermanns, Stefan Luchmann, Junga Lee

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)
    Visualisierer: rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES)

    Erläuterungstext
    Aus Laut wird Leise - Wohnqualität trotz Lärm
    Das Grundstück wird geprägt vom Lärm der umgebenden Hauptverkehrsstraßen. Dieser Prägung gilt es mit einem Entwurfskonzept zu begegnen, das auf dem Grundstück einen hochwertigen Wohnstandort entstehen lässt.
    Es ist daher naheliegend an der Süd- und Ost-Grenze des Grundstücks eine schallabschirmende Baustruktur anzuordnen, die im Blockinnenbereich eine schallgeschützte Wohnbebauung möglich macht.
    Die Bebauung am Hammfelddamm erlaubt durch ihre ost-west Ausrichtung durchgesteckte Wohnungen mit Freibereichen, die ideal am ruhigen Blockinnenbereich liegen. Vereinzelt können hier Aufenthaltsräume mit passiven Schallschutzmassnahmen zur lauten Seite angeordnet werden.
    Am Alexianerplatz verbietet sich bei einer einfachen Riegelbebauung die Anordnung von Freibereichen sowohl auf der lärmgeschützten Nordseite (Himmelsrichtung) als auch auf der lärmbelasteten Südseite.
    Es sind daher Maßnahmen der architektonischen Selbsthilfe erforderlich. Der südliche Baukörper wird in „Zähne“ gegliedert, die tief in den schallgeschützten Hof hineinragen und über Schallschutzloggien miteinander verbunden sind. Die Loggien sind vom ruhigen Hof aus belüftet und zur lauten Seite hin verglast. Sie erlauben den Blick zum Alexianerplatz und öffnen sich gleichzeitig zum Sonnenlicht hin. Einblicken wird mit aussenliegenden metallischen Vertikallamellen begegnet, die die Fassade auch optisch gliedern.
    Aufenthaltsräume können so entlang der Zähne angeordnet werden, dass Fenster zur Belüftung ausschließlich zum Innenhof zeigen. Aufenthaltsräume an der lauten Südfassade sind ausgeschlossen.

    Innen und Außen - städtebauliches Konzept
    Die hofartige Baustruktur um eine ruhige grüne Mitte prägt das Konzept.
    Die Fuge zwischen Kloster Immaculata und der geplanten Bebauung, an der Stelle der heutigen Grundstückszufahrt erschließt das Quartier und schafft einen selbstverständlichen Übergang zwischen den Bautypologien des Klosters und des Wohnquartiers.
    Die Bebauung am Alexianerplatz wird durch die verglasten Schallschutzloggien auf attraktive Weise gegliedert. Hauseingänge beleben den Platz. Schallgeschützte Durchgänge zum Blockinnern sind im Bereich der Glasfugen angeordnet.
    Das Erdgeschoss ist gegenüber dem Alexianerplatz um ca. 1m angehoben. Dies trägt neben der Anordnung von Nebenräumen im EG am Alexianerplatz dazu bei, dass die wenigen Räume, die hier angeordnet sind von der Platzebene nicht einsehbar sind.
    Der Entwurf bildet zum Klostergarten hin eine gegliederte Raumkante aus. So findet der Klostergarten einerseits einen räumlichen Abschluss, andererseits erstreckt sich seine Freiraumqualität bis in den Blockinnenbereich der geplanten Wohnanlage.
    Nach Norden schirmt ein Wohnriegel den Innenhof zur nördlich gelegenen Gewerbebebaung hin ab. Ein Durchlass erlaubt die fußläufige Anbindung der Hellersbergstraße.

    Wohnen ohne Verkehr - Erschließung
    Das Quartier wird vom motorisierten Verkehr freigehalten.
    Auf dem Alexianerplatz werden Besucherstellplätze auf attraktive Weise in die Freianlagen integriert. Ein direkter Zugang zum Blockinnenbereich ist von hier möglich.
    Der ruhende Verkehr wird in einer Tiefgarage angeordnet, die unter Ausnutzung der Topografie rampenfrei von der Hellersbergstraße angefahren wird.
    Für Rettungs- und Entsorgungsfahrzeuge ist der Blockinnenbereich vom Alexianerplatz aus befahrbar.

    Material und Oberflächen
    Zu den umliegenden Verkehrsflächen (Alexianerplatz, Hammfelddamm) hin, schlagen wir als Fassadenmaterial Klinker (Riemchen auf WDVS) vor. Dieses robuste Fassadenmaterial lässt im Vergleich mit Putz trotz der hohen Umweltbelastungen (Abgase) langfristig sehr geringe bis keine Wartungskosten erwarten. Dies rechtfertigt in jedem Fall die etwas höheren Investitionskosten. Im Ergebnis entsteht durch die hellen Klinkerflächen gerade auch nach Außen hin ein Bauvorhaben mit einem hochwertigen Erscheinungsbild.
    Im Blockinneren können die beiden freistehenden Gebäude ohne weiteres als Putzbauten errichtet werden. Farblich werden sie in die Farbfamilie des Klinkers integriert. Für die Rückseiten der straßenbegleitenden Bauten schlagen wir aus gestalterischen Gründen ebenfalls Klinker vor. Hier können zu einem späteren Zeitpunkt bei Kostendruck alternativ auch Putzflächen realisiert werden.
    Die Fenster werden zur Belebung der Fassaden teilweise mit Gewänden versehen. Dieses gestalterische Mittel ist in der niederrheinischen Baukunst weit verbreitet und wird hier kreativ weiterentwickelt. Traditionell werden diese Gewände aus Naturstein hergestellt. Mit modernen Bauprodukten ist eine wirtschaftliche Bauweise in WDVS mit farblicher Gestaltung möglich.
    Loggien und Balkone werden mit Metallgeländern (vertikale Stabanordnung) in farblicher Gestaltung versehen.
    Die Schallschutz-loggien zum Alexianerplatz sind mit vertikalen Sichtschutzlamellen aus Metall versehen, die außen vor der Schall - schützenden Verglasung angeordnet sind. Farblich sind sie an die Geländer angepasst. Sie weisen ein geschossweise versetztes „Bar-Code“ Muster auf, was zu einem leichten, transparenten Erscheinungsbild führt. Einerseits ist der Ausblick auf den Alexianerplatz möglich, anderseits werden Einblicke mit zunehmendem Winkel beim Vorbeigehen minimiert.
    Zumindest die obersten Dachflächen wären in extensiver Dachbegrünung wünschenswert.
    Materialien im Innern des Gebäudes sind abhängig von den Anforderungen des Bauherren und können nur in enger Zusammenarbeit mit ihm und seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten abgestimmt werden.


    Abweichungen von der Auslobung
    Die vorgegebene GFZ von 1,2 wird mit 1,3 leicht überschritten. Das fünfte Geschoss des Baukörpers am Hammfelddamm ist kein Staffelgeschoss nach Landesbauordnung, da es nicht allseitig zurückspringt. Es muss also als Vollgeschoss gewertet werden und führt zur Überschreitung der GFZ. Städtebauliche ist die 5-Geschossigkeit zur Ecke Alexianerplatz – Hammfelddamm allerdings gewünscht, so dass die Überschreitung verträglich ist.


    Die grüne Lunge des Quartiers - Freiraumkonzept
    Das Freiraumkonzept greift den stark durchgrünten Charakter der umgebenden Flächen und des Klostergartens auf und transformiert die Außenanlagen des neuen Quartiers in eine polygonale, moderne Parklandschaft.
    Die fußläufige Haupterschließung erfolgt über die Augustinusstraße und führt Anwohner und Besucher auf die innenliegenden Grünflächen und dient als fortlaufender Weg zur internen Quartierserschließung. Zusätzlich wird über diese Achse das Quartier Hammfeld I erschlossen. Diese Erschließungswege werden in ansprechenden, hellen Betonsteinpflasterflächen ausgebildet.

    An den Gebäuden im innenliegenden Bereich des Quartiers entstehen private Gärten, die von Hecken eingefasst sind. Im Zentrum wird eine großzügige, grüne Mitte ausgebildet. Diese bleibt frei von Bebauung und dient fortan als Soziale Mitte des Quartiers. Sie lädt alle Generationen zum Treffen, Verweilen und Spielen ein. Betonsitzelemente bieten kommunikative Aufenthaltsmöglichkeiten, sowie private Rückzugsbereiche an den Rändern des Quartiers. Einzelgehölze mit raumbildender Wirkung, ergänzt von einigen blühenden, kleinkronigen Gehölzen, verstärken den Eindruck einer Parklandschaft. Ein Sandspielbereich und einige weitere Spielelemente ergänzen das Angebot des Quartiers. Die Feuerwehraufstellflächen werden als Rasenschotterflächen ausgebildet, um den Eindruck einer grünen Parklandschaft aufrecht zu erhalten.
    Das Quartier wird von motorisiertem Verkehr freigehalten. Die Besucherstellplätze sind aus diesem Grund zum einen in die Gestaltung des Alexianerplatzes integriert sowie zum anderen im erweiterten, nördlichen Plangebiet angeordnet. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt über die Hellersbergstraße im Norden des Quartiers neben der Zufahrt zu den nördlichen Stellplätzen.

    Die Gestaltung des Alexianerplatzes greift die linearen Formen der gegenüberliegenden Platzfläche auf und führt diese fort. Als Pflasterbelag wird ebenfalls ein heller Betonstein gewählt, um das Quartier und den öffentlichen Platz gestalterisch zu verbinden und eine Durchgängigkeit zu suggerieren. Zu dem steigern lineare Landschaftsrasenstreifen mit Betonsitzelementen und locker angeordnete Einzelgehölzen die Aufenthaltsqualität. Holzdecks, die in ihrer Aufsicht der linearen Gestaltung des Alexianerplatzes folgen und in ihrer Ansicht an die polygonale Gestaltung des Wohnquartiers erinnern, vervollständigen das Bild und schaffen weitere Aufenthaltsmöglichkeiten.

    Der Nordkanal wird auf seiner gesamten Fläche wieder sichtbar gemacht und dient als belebendes Element. So entsteht eine schlüssige Platzgestaltung mit einer hohen Aufenthaltsqualität, in der die angedachte Strassenbahn-Haltestelle integriert werden kann. Eine Abwandlung des Holzdecks wird als Haltestellenbereich genutzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Konzept schlägt mit drei trapezähnlichen Baukörpern im Süden, die über Schallschutzloggien verbunden sind, eine hochinteressanten und zugleich städtebaulich und architektonisch lebendigen Ansatz vor, dem es gelingt im Kontext mit der Gestaltung des Freiraums eine wohltuende Neupositionierung des Standortes vorzunehmen. Es entsteht so eine klar identifizierbare Adresse am Alexianerplatz und am Hammfelddamm. Zugleich wird so elegant das Problem der Schallemmissionen elegant gelöst. Die Gebäudegliederung durch die unterschiedlichen Materialitäten und Veränderungen des Volumens erscheinen gelungen und identifizieren das Quartier unaufgeregt als „Wohnort“. Der Innenhof ist gut in private und halböffentliche Bereiche organisiert. Die Fuß- und Radwegeverbindung sucht jedoch den längsten Weg am Alexianerplatz für die Verbindung mit der Hellersbergstraße. Die Schleife für Anlieferung und Entsorgung bringt potenziell zusätzlichen Lärm in den Innenbereich. Die sogenannte „Grüne Fuge“ im Westen des Plangebietes erscheint im Hinblick auf die Gliederung der Abgrenzung zum Hospiz und zum Klostergarten noch zu knapp bemessen. Die MIV-Erschließung am Alexianerplatz mit seinen Besucherstellplätzen bietet einen guten Ansatz, der jedoch auch funktional plausibilisiert werden muss. Der Anschluss an den Alexianerplatz wird im Ansatz in zwei Bereiche differenziert; ein Bereich, der direkt dem Gebäude zugeordnet wird und ein Bereich, in dem die öffentliche Platzsituation mit dem gelungenen Zitat des Nordkanals verortet wird. Sowohl das geplante Wohngebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hospiz als auch der Wohnriegel im Westen werden kritisch gesehen und müssen im Hinblick auf ihre Dimensionierung, Höhenentwicklung und Ausrichtung der Wohnungen überprüft werden. Hier ist ein geeigneter Abstand zur Grenze im Westen zu wählen. Der Entwurf bietet gute Grundrisse im richtigen Wohnungsgrößenverhältnis an. Insgesamt ist dies ein sehr hochwertiger Entwurf, der in seiner Qualität einen bedeutenden Beitrag zur Qualifizierung des Raums an dieser Stelle der Stadt liefern kann.


INFO-BOX

Angelegt am 25.10.2016, 12:19
Zuletzt aktualisiert 27.10.2016, 14:19
Beitrags-ID 4-129727
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