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  • DE-89073 Ulm, DE-89075 Ulm
  • 10/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-217826)

Hindenburgkaserne Ulm


  • Anerkennung


    Architekten
    DIEZINGER ARCHITEKTEN, Eichstätt (DE), Regensburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Norbert Diezinger

    Mitarbeit
    Kurt Weber, Sara Decina

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ADLER & OLESCH Landschaftsarchitekten GmbH und Stadtplaner, Nürnberg (DE), München (DE)

    Preisgeld
    3.600 EUR

    Erläuterungstext
    E r l ä u t e r u n g e n


    Einbindung des Quartiers in die Umgebung

    Die neue Wohnbebauung auf dem Gelände der Hindenburgkaserne wird als städtebaulich autarkes, in sich abgeschlossenes, Quartier gestaltet. In der Grundidee des Entwurfes wird das neue Siedlungsfeld als urbane Großform dem Fort gegenüber gestellt. Im dialogischen Nebeneinander respektieren sich Historisches und Neues und gehen indirekt auf einander ein.
    Die verbleibenden Kasernenbauten können angemessen in die Gesamtanlage integriert werden.
    Das Wohnquartier wird durch eine gestaffelt angeordnete `Mittelachse´ in einen westlichen und einen östlichen Bereich zoniert, wodurch eine diagonal verlaufende, parkartige, Durchwegung/-grünung entsteht, die im Nordosten des Grundstücks eine adäquate Eingangssituation, im Südwesten einen selbstverständlichen Übergang in den Freiraum schafft. Durch die bewusste Ausrichtung des `Stadtbalkons´ im Süden auf die Nordwestecke des Forts wird dieses räumlich in das Gesamtkonzept mit einbezogen. An der Nordostecke des Quartiers, wird die ca. 3 Meter hohe Distanz zwischen Kreuzung und Quartiersplateau mittels grosszügiger Freitreppe und barrierefreiem Aussenaufzug überwunden. Die auf diesem Niveau liegende Platzaufweitung führt selbstverständlich in die Magistrale ein.

    Städtebauliches-freiräumliches Konzept

    Der Städtebau entwickelt eine offen gestaffelte Mittelzone, welche einen räumlichen Bezug des zentralen Freiraums zum Höhenzug des Eselsbergs und dem Saillant des Forts herstellt. Auf diese Weise ist in hohem Maße Orientierbarkeit und Identifikation hergestellt. Der Saillant mit seiner Doppelcapponiere ist der unverwechselbare Merkpunkt im Freiraum. Das Fort wir in das urbane Gefüge optisch mit einbezogen ohne es zum zentralen ` Schloss ´ zu erheben.
    Die großzügigen öffentlichen Grünflächen der Umgebung werden als Erholung- und Aufenthaltsbereiche schlüssig mit dem Siedlungsgefüge verzahnt. Der Anbindung an den nord-südlich verlaufenden Rad- und Fußweg kommt dabei mit der Erschließung der Ladenzeile am Stifter Weg und des Eselsberges besondere Bedeutung zu.
    Der vorgeschlagene Städtebau schafft somit eindeutige, klar ablesbare, soziale Freiraumhierarchien: Der öffentliche Straßenraum mit dem Vorplatz an der Haltestelle und der innere Platzraum als öffentlichen Parkanlage und die angrenzenden übergeordneten Grünflächen, die gemeinschaftlichen/halböffentlichen Blockinnenbereiche als Treff- und Aufenthaltsbereiche für eine definierte Bewohnergruppe, der direkt der Wohnung angelagerte private Freiraum in Form von Balkon, Loggia, Terrassen- oder Dach/Vorgarten. Dabei wird der Übergang zwischen den einzelnen Freiraumcharakteren ablesbar ausgestaltet, um dem Nutzer Handlungssicherheit zu verleihen und somit Aufenthaltsqualität zu schaffen.


    Wohn-und Nutzmischung

    Das in seiner städtebaulichen Grundstruktur mit Wohnblöcken gegliederte Quartier führt zu einem dichten, urbanen, Stadteilquartier das bewusst im Gegensatz zu den umliegenden offenen Siedlungstrukturen der 50er Jahre konzipiert wird. Unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Einbeziehung des markanten Forts aus dem 19. Jhdt. ergibt sich durch die räumlich gestaffelte Mitte des Quartiers eine logische Hierarchie der Nutzungsverteilung: Entlang der Zentralen Innenzone wird in den Erdgeschossen gewerblich Nutzung angelagert. Teilweise wird diese auch bis in Obergeschosse entwickelt um neben kleinteiligen Einheiten (Shops, Gastronomie, Kinderbetreuung, etc.) in den Erdgeschossebenen auch größere zusammenhängende Gewerbebereiche (Büros, Bildungseinrichtungen, Uni, etc.) in den Obergeschossen zu bekommen.
    In den östlich und westlich anschließenden Bereichen wird die Belegung auf sämtlichen Geschossen ausschließlich für Wohnnutzung frei gehalten. Durch diese Einteilung wird die Mittelzone des Quartier aktiv belebt, während die peripher liegenden Wohnungen weitgehend in beruhigten Bereichen liegen. Insbesondere die Orientierung der Wohnungen an den westlichen und südlichen Rändern profitieren von den verkehrsfrei gehaltenen Übergängen in die parkartige Umgebung.


    Erschließung

    Das Erschliessungskonzept geht von einer weitgehend verkehrsfreien Mittelzone aus, die primär für Fuß- und Fahrradverkehr ausgebildet wird. Die PKW-Erschließung erfolgt peripher an den Rändern des Quartiers: Über mehrere Stichstrassen wird der Verkehr von der nördlichen bzw. östliche gelegenen Weinberg- und Mähringerstrasse in die blockweise organisierten Tiefgaragen geführt. Durch die kurzen Zufahrtswege wird die Lärmbelästigung aus dem Fahrverkehr für die Bewohner minimiert.
    Die Parkierung der Bewohnerstellplätze wird in den zugeordneten Wohnblock-Tiefgaragen organisiert mit direkten Zugängen in die Wohnungen. Die Anlieferung der Gewerbebereiche erfolgt oberirdisch über die Stichstrassen, bei Bedarf über die Tiefgaragen. Das gesamte Quartier wird barrierefrei erschlossen. Oberirdische Besucherparkplätze werden in ausreichender Zahl entlang des Weinberg-/Mähringerweges angeboten.
    Die zahlreichen fussläufigen Wege aus der angrenzenden Umgebung werden mit den internen Wegen vernetzt, wobei der diagonal geführten Wegeverbindung durch das neue Wohnquartier eine zentrale Bedeutung für die übergeordneten Wege (Eselsberg, Botanischer Garten etc.)zu kommt.


    Nachhaltigkeit

    Die gewählte Blockstruktur ist in Ausdehnung und Höhenentwicklung flexibel und kann nach Bedarf differenziert werden. Alle Einzelwohnblöcke funktionieren autark und lassen sowohl eine abschnittsweise Realisierung, als auch einzelne Baugrundstücksvergabe zu. Der inneren Zone zugeordnet sind grössere Höhenentwicklungen mit bis zu 8 Geschossen, als adäquate Antwort auf die grosszügig dimensionierte Mittelzone. Die Reduktion der öffentlichen Erschliessungsflächen und der geringe Grad an versiegelten Flächen wirkt sich nachhaltig auf Kosten und Unterhalt aus.
    Grosszügig bemessene Grünflächen sorgen für ein angenehmes Kleinklima. Die Integration der bestehenden Kasernenbauten schafft ein logisches und selbstverständliches, urbanes Gesamtkonzept.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser der Arbeit schlagen eine Struktur von neuen gegeneinander versetzt angeordneter Blöcken vor, die durch ein zentral gelegenes zeilenartiges Sondergebäude ergänzt wird. Die drei Mannschaftsgebäude sind in die Blöcke integriert, wodurch insgesamt ein relativ robustes Grundgerüst entsteht. Das Areal wird durch die Anordnung einer von Norden nach Süden führenden Platzfolge gegliedert. Der Auftakt ist eine als Marktplatz bezeichnete Fläche an der Ecke Weinweg Mähringer Weg. Dieser längs gerichtete Raum ist verbunden mit dem zentral liegenden Stadtplatz und dem Stadtbalkon im Süden. Die Platzfolge erscheint überdimensioniert und ihrem Charakter nicht klar. Die als Akzente angeordneten hohen Gebäudeteile erscheinen schematisch und unterstützen nicht die räumliche Vielfalt der Platzfolge. Die dargestellten Begrünungen wiedersprechen den Vorstellungen einer urbanen Nutzung und die Flächen zur notwendigen Erschließung sind nicht nachgewiesen. Das dargestellte Erschließungskonzept ist sehr kompliziert und nicht ausreichend für die angestrebte Baustruktur. Die Arbeit bietet eine im Ansatz gut funktionierende Struktur und die Idee einer zentralen Abfolge von unterschiedlichen öffentlichen Räumen die den Anschluss an die südlich gelegenen Grünflächen herstellen. Das Konzept bleibt aber den Nachweis schuldig, wie aus diesen Komponenten eine schlüssige und stabile Gebäude- und Erschließungs- und Grünstruktur entstehen kann.


INFO-BOX

Angelegt am 27.10.2016, 10:49
Zuletzt aktualisiert 10.10.2018, 16:28
Beitrags-ID 4-129780
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