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  • DE-89073 Ulm, DE-89075 Ulm
  • 10/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-217826)

Hindenburgkaserne Ulm


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    3.600 EUR

    Erläuterungstext
    Das städtebauliche Entwicklungskonzept für das „Eselsbergquartier“ ermöglicht es der Stadt Ulm einen weiteren Baustein entlang der neu entstehenden Straßenbahnlinie 2 zu entwickeln. Die Lage der ehemaligen Hindenburgkaserne liegt zentral auf dem Eselsberg und verbindet die Wissenschaftsstadt mit dem Stadtzentrum. Die besondere Lage des Gebiets ermöglicht eine Vernetzung und Anbindung im gesamtstädtischen Kontext und eine Stärkung des Stadtteils „Eselsberg“.

    Ziel des Entwurfs ist es, die bestehenden Strukturen zu nutzen und das neue „Eselsbergquartier“ als Schnittstelle von Gesamtstadt und dem Stadtteil Eselsberg zu entwickeln. Die Neuordnung des Gebiets ermöglicht es dem Stadtteil einen Impuls zu geben und den bestehenden räumlichen Kontext neu zu verknüpfen. Aus dem Ort heraus werden Identität, Standortvorteile und die angrenzenden Landschaftsräume neu erlebbar. Durch die Einbindung bestehender Architekturbausteine wird die Identität des Ortes weitergeschrieben und in Verbindung mit neuangelegten Plätzen, an den Schnittstellen zur bestehenden Stadtstruktur, eine Adressbildung und Identitätsstiftung für den Eselsberg ermöglicht.

    Die Idee ist es verschiedene Qualitäten auf dem Eselsberg zu stärken und aufzudecken um den Eselsberg zu einem großen Ganzen zu verbinden. Dazu trägt der neue „Eselsbergplatz“, als Willkommensplatz an der Haltestelle der Linie 2 und Treffpunkt für den Alltag, mit seiner urbanen Atmosphäre bei.

    Die „Eselsbergwiese“ verbindet die innerstädtische Lage des Stadtteils mit den landschaftsräumlichen Qualitäten rund um das historisches „Fort Unterer Eselsberg“. Es entsteht die Möglichkeit für Stadtteilfeste und kleine Festivitäten in einer zentralen Lage auf dem Eselsberg, ohne dabei in Konflikt mit Anwohnern zu treten. Sie stärkt die gemeinsame Identität der „Eselsberger“ und gibt ihr einen räumlichen Rahmen. Gestärkt wird diese Besonderheit durch Landschaftstreppen, welche einen Panoramablick über Ulm ermöglichen und das Grüne auf dem Eselsberg wieder erlebbar werden lassen. Zudem bieten die Sitzstufen eine hohe Aufenthaltsqualität für die Anwohner in dezentraler Form. Die Lage an der Grünraumverbindung in die nahegelegenen Wälder und Naherholungsgebiete mit der guten Anbindung an das Fahrrad- und Wegenetz ist auch als Treffpunkt für Freizeit und Erholung zu sehen.

    Der zentrale „Quartiersplatz“ mit der bestehenden Panzerhalle fungiert als Treffpunkt für das neuentstehende Quartier und ist ein wichtiger Bestandteil für die Entwicklung der Sozialstrukturen innerhalb des „Eselsbergquartiers“. Temporäre Nutzungen, wie ein Wochenmarkt oder Fahrradübungsflächen unter dem Dach der Panzerhalle, stärken die Vernetzung und Integration des neuen Quartiers mit dem bestehenden Stadtteil und bewahren dennoch die ruhige, nachbarschaftliche Atmosphäre auf dem Quartiersplatz. Er ist zudem ein wichtiger Bestandteil für eine Stadt der kurzen Wege und kann mit Kleingewerbe das neue Quartier versorgen und beleben.

    Durch diese drei Bausteine werden den vorhandenen Qualitäten auf dem Eselsberg weitere hinzugefügt und diese komplementiert.

    Die neuen Quartiersstrukturen bilden klare Raumkanten zu dem zentralen Quartiersplatz. Die schützenswerte Panzerhalle wird in die bestehende Stadtstruktur eingebunden und bildet den Mittelpunkt des neuen Platzes. Bestand und Neuplanung arrondieren sich zu einem Ganzen.
    Blick und Wegebezüge von der Hangkante des Eselsbergs werden durch die neuen Quartiere hindurchgeführt und geöffnet. Der topographische Raum wird wieder erlebbar. Die „neue“ Durchlässigkeit lässt den Stadt- und Landschaftsraum räumlich erleben. Der neue Stadtteil schafft Vernetzungen, die bisher nicht vorhanden waren.
    Die Stadtquartiere gruppieren sich um grüne Innenhofsituationen und entwickeln sich im Übergang zu den bestehenden Bebauungen zu 4- bis 5-geschossigen Gebäuden am zentralen Quartiersplatz in Anlehnung an die historische Bebauung.
    Eine hohe Vielfalt an Gebäude- und Nutzungstypologien ermöglicht einen lebendigen Stadtteil zum Wohnen, Wohnen und Arbeiten und Dienstleistungen.
    Über den öffentlichen Raum, die geplanten Plätze, verkehrsberuhigte Wohnstraßen, Grünflächen und Landschaftsraum vernetzen sich die einzelnen Bebauungsbereiche zu einem Gesamtgefüge.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser füllen das Baugebiet mit einem Teppich aus weitgehend viergeschossigen Blockhöfen, „Doppelhäusern“, Zeilen und punktförmigen Mehrfamilienhäusern. Dabei ist die gewerbliche Nutzung der Erdgeschosszonen entlang der dargestellten Haupterschließungszonen im Gebiet plausibel angeordnet und unterstreicht den öffentlichen Raum, wenngleich das Angebot insbesondere an den Rändern zu den Grünraumen hin überzogen ist.
    Die bauliche Struktur erscheint aus folgenden Gründen unentschlossen: Höfe bilden keine durchgängige Struktur, sind mal mehr, mal weniger offen. Die Typologie der Mehrfamilienhäuser an den Rändern ist uneindeutig. Sie greifen zudem im Westen sehr nah an den Landschaftsraum heran und sind im Verlauf des Weinbergwegs städtebaulich fragwürdig.
    Ein langgestreckter – zu großer Platz - mit dem mittig liegenden ehemaligen Mannschaftsgebäude pointiert das Entree des neuen Stadtteils an der Kreuzung Mähringer Weg / Weinbergweg. Von hier aus ist die weitere Wegführung hin zum zentralen Quartiersplatz jedoch ungewiss. Positiv wird die Proportion des Quartiersplatzes selbst gewertet und auch der teilweise Erhalt der alten Panzerhalle.
    Hier ist gut vorstellbar, dass ein lebendiger identitätsstiftender Ort entstehen kann.
    Völlig unklar bleibt, wie die Verfasser die Parkierung vorsehen.
    Die Landschaftstreppen im Süden und Westen bieten einen schönen Aufenthaltsraum an den jeweiligen topografischen Kanten. Dabei ist die gewünschte Festwiese jedoch zu knapp gestaltet.
    Insgesamt bietet der Entwurf trotz positiver Elemente aufgrund seiner teilweise willkürlichen städtebaulichen Grundstruktur kein genügend robustes Grundkonzept, dass für die Entwicklung des Baugebietes zukunftsfähig erscheint.


INFO-BOX

Angelegt am 27.10.2016, 10:52
Zuletzt aktualisiert 07.11.2016, 10:09
Beitrags-ID 4-129784
Seitenaufrufe 145