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  • DE-80687 München
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-231909)

SWM | Zschokkestraße | Westendstraße


  • ein 1. Preis Gewinner Nach Überarbeitung


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    Architekten
    LAUX ARCHITEKTEN GMBH, München (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH, Zürich (CH), München (DE)

    Erläuterungstext
    Das heute brachliegende Areal zwischen Zschokkestrasse und Westendstrasse soll ein echter Münchner Stadtteil zu werden. Ein zusammenhängender Stadtraum mit 1000 Wohnungen, um einen Quartierspark orientiert, mit eigener Identität, mit räumlich gestalterischen Qualitäten und prägnantem Charakter.
    Das Quartier ist nicht nur Wohnstandort, sondern auch Beispiel für nachhaltigen Städtebau:
    Auf zusätzliche öffentliche Erschließung kann verzichtet werden, vorhandene Strukturen werden optimiert, das ökologische Konzept umfasst Aspekte wie den flächensparenden Umgang mit Grund und Boden, Förderung der Nahmobilität, Kompaktheit, Dichte und eine starke Durchgrünung des gesamten Stadtteils.

    Die nach außen geschlossene Figur des Quartiers gewährleistet dabei den notwendigen Schallschutz gegenüber den Lärmemissionen von Tram, Zschokke- und Westendstraße und verzahnt sich situativ mit den angrenzenden Grün- und Freibereichen. Die vorgeschlagene Freiraumfigur ist nicht in sich geschlossen, sie beginnt einen Dialog, nimmt Elemente und Bezüge der umliegenden Struktur auf und fügt sie zu einem neuen Ganzen zusammen.

    Zentrum der Freiraumfigur ist ein neuer Quartierspark im Herzen der Anlage. Eingeschlossen von einem dichten Baumraster öffnet sich eine große offene Spielwiese die flexibel von den Anwohnern genutzt wird. Der Park wird so zur markanten Adresse des gesamten Quartiers.

    Der geschlossene Baumrahmen bildet einen städtischen Promenadenraum, der nach allen Seiten ausgreift und die angrenzenden Straßen- und Quartiersräume integriert. Dieser Baumkörper strukturiert den Raum, bildet Zonen vor den Eingängen der verschiedenen Nutzungen, und bildet einen eigenen Raum im Schatten der Bäume.
    Vor dem Schulgebäude im Norden spannt sich zwischen Promenade und Park eine Ebene auf. Mit Spiel- und Aufenthaltsflächen gefüllt und nach Süden ausgerichtet entsteht eine Art Stadtbalkon der an Frühlings- und Sommerabenden zum Verweilen einlädt.
    Der zentral offene Wiesenraum ist vom umliegenden Stadtraum leicht abgesenkt und geschützt. Gen Norden zum Stadtbalkon ist diese Fläche mit einem Einfassungselement gefasst, in den Sommermonaten bildet diese ein langes sonniges Sitzelement.

    Als Verbindungselement zwischen den Quartieren schließt der Park schließt mit Platzsituationen an die benachbarten Stadtquartiere an. Ein Platzraum zur Kreuzung Westendstrasse/Zschokkestrasse bildet gemeinsam mit der U-Bahnstation den Eingang zum Park und in das Quartier. Große Baumkörper schützen den Raum im Kontext der lärmintensiven Straßen, gemeinsam mit den platzumfassenden öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss entsteht ein lebendiger Stadtplatz.
    Im Südwesten knüpft die Parkfigur an den bestehenden Grünraum an der alten Heimat an. Gesäumt von der Kindertagesstätte und dem Jugendzentrum ist ein grüner Platz mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen gefasst – er bildet einen grünen Quartiersplatz.
    An die Spiel- und Sportflächen längs der Eichstätter Straße anknüpfend weitet sich der Strassenraum auf. Eine neue Fussgängerüberquerung über die Westendstrasse erlaubt eine direkte fußläufige Verbindung – im Anschluss an den Park entsteht ein Nachbarschaftstreffpunkt.
    Der im Westen anschließende Kiem-Pauli Weg wird im Quartier fortgeführt. Gemeinsam mit dem bestehenden Winkelbau zur Zschokkestrasse fasst der einen grünen Hofraum. Zusätzlich zur Erschließung der Parks dient er die Schule und die integrierte Kindertagesstätte an. Die Spielflächen der Kindertagesstätte sind von der Zschokkestrasse räumlich getrennt, ein Wendeplatz erlaubt die konfliktfreie Erschließung der Kindertagesstätte in den Morgenstunden.

    Im Kontrast zum weitläufigen zentralen Parkraum bilden die Innenhöfe dichte Gartenräume für die angrenzende Bewohnerschaft. Ein abwechselndes System aus Erschließungs- und begrünten Privatgärten Freiräume schafft unterschiedlichster Aufenthaltsqualität. Ein durchlässiges Fußwegenetz formuliert Verbindungen zwischen dem Straßen- und dem grünen Binnenraum, der zwischen dem zentralen Platz im Nordosten und dem kleinen Quartiersplatz im Südwesten spannt.
    Hier mündet zugleich der Grünzug der Siedlung ‚Alte Heimat’, vernetzt übergeordnet die Freiraumstruktur und befördert die Nahmobilität der angrenzenden Quartiere durch ein attraktives Angebot an Fuß-Radwegen und öffentlichen Aufenthaltsbereichen.
    Das spektakuläre Blühereignis der Kirschblüte (Prunus Serrulata), die den Baumrahmen des neuen Parks formulieren wird im Frühjahr zum außergewöhnlichen Erlebnis und prägt den Charakter des Stadtteils.

    Eine Mischung aus einheimischen Kirschgehölzen sowie Zierkirschen umfasst den Parkraum (z. Bsp. Prunus padus, Prunus yedonensis, Prunus serrulata) und bildet Vielfalt in Blüte und Herbstfärbung. Das spektakuläre hellrose/weisse Blühereignis der Kirschblüte wird im Frühjahr zum außergewöhnlichen Erlebnis und prägt den Charakter des Stadtteils.

    Zentrale Funktionen sind an der Kreuzung Zschokke- Westendstraße situiert, signifikant durch die profilübergreifenden Hochhäuser markiert, durch Tram und U-Bahn ideal erreichbar, zugleich multimodaler Hub.

    Kompakte Baufelder bilden jeweils einen maximalen Mix ab, alle Wohnungen orientieren sich entweder zur lärmabgewandten Hofseite oder zum parkartigen öffentlichen Grünraum. In den Baufeldern wird durch die kleinteilige Struktur, die gewählte Typologie und die Orientierung auf Genossenschaften, Baugemeinschaften, experimentellen Wohnformen und Mietwohnungsbau eine vielfältige typologische wie soziale Mischung ermöglicht.
    Übersichtliche Nachbarschaften mit Parzellengrössen von 50 bis 200 Wohneinheiten und vielfältige private und gemeinschaftliche Freiraumbezüge formulieren für jedes Gebäude innerhalb eines Baufelds Identität und Individualität.

    In den Erdgeschossen sind neben öffentlichen Nutzungen wie Kita, ASZ und Jugendzentrum, etc., Freizeit- und ‚Sonntagsnutzungen‘ wie Joga, Fitness und hausbezogene Funktionen vorgesehen, Gemeinschaftsräume, Kitchenlounge, Freizeitnutzungen, Atelierwohnungen mit Wohnen und Arbeiten, bis hin zu Wohnen im Hochparterre.
    Die gemeinschaftlichen Innenhöfe sind über einen leichten Höhenversprung räumlich vom öffentlichen Parkraum getrennt.

    Ein Vorbereich, der in Abstimmung mit der Erdgeschossnutzung als Vorgarten oder Vorzone für eine Gewerbe-/Quartiernutzung bespielt werden kann, umschließt die Bauten und schafft Distanz oder Nähe zur Öffentlichkeit. Topographisch sind die Vorgartenelemente über eine Einfassung von ca. 45cm vom öffentlichen Raum abgesetzt, sie bilden so einen Sockel zur Bebauung.
    Die Vorbereiche umschließen als Gartenräume nach Innen die Baukörper und fassen einen zentralen gemeinschaftlichen Freiraum. Hier finden sich Aufenthaltsbereiche für die Anwohner und Spielflächen für die Kleinsten der Familie.

    Die Durchlässigkeit des Freiraums und die Lage am Park sind von jeder Wohnung aus erlebbar und zugänglich. Die Punkthäuser artikulieren Horizonte mit unterschiedlichen Außenraumqualitäten: Sockel, Mittelzone und Dachgeschoss.
    Die Sockelgeschosse stellen die Schnittstelle zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum dar.
    Die begrünten Höfe sind Orte für die Gemeinschaft mit Hauszugängen, Spiel- und Aufenthaltsbereichen. Über private Terrassen, Loggien und Vorzonen öffnen sich alle Wohnungen in den Freiraum. Topographie und Bepflanzung gewährleisten die Privatsphäre und erhalten zugleich die Großzügigkeit der Grünflächen.
    Die Regelgeschosse orientieren sich in die Grünräume, in den Bereich der Baumebene. Balkone und Loggien richten alle Wohnbereiche auf die Parklandschaft aus.
    Die Dachgeschosse feiern den Blick in die Weite des Parks, über das Westend hinweg und den Bergblick nach Süden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Beurteilung 2. Stufe

    Die Arbeit zeigt eine überzeugende, städtebauliche Lösung mit einer ganz eigenständigen Identität. Der Z-förmige Freiraum verbindet sich in selbstverständlicher Art und Weise mit den umliegenden Stadtquartieren und verspricht dabei eine hohe Aufenthaltsqualität. Im Freiraumkonzept kann insbesondere die Raumfolge mit den jeweils detailliert ausformulierten Teilbereichen und Nutzungsbausteinen überzeugen. Die umlaufende Promenade mit den Hauszugängen leistet die Adressbildung für das Quartier. Besonders positiv wird von der Jury gewertet, dass der Freiraum frei von Erschließungsstraßen entwickelt wurde.

    Die Baufelder werden von teilweise aufgelösten Stadtblöcken belegt und sind mit ihren Innenhöfen gut proportioniert. Die Übergänge zwischen den Höfen und dem zentralen, öffentlichen Freiraum wurde mit der hier notwendigen Finesse - sowohl in Bezug die Dimensionierung wie auch in Bezug auf die Höhenstaffelung - ausgearbeitet. Hier entstehen feine Übergänge und Durchblicke auch für die Wohnungen in den zurückliegenden Bereichen. Zudem erhalten die Gebäude private Hausvorzonen zur individuellen Bespielung.

    Die städtebauliche Referenz der Autoren an die Bebauung des Kaiser-Ludwig-Platzes wird vom Preisgericht gewürdigt. Alle Gebäude weisen eine durchgehende Volumenbildung auf, die auf eine stringente Außenkontur und eine gebrochene Innenlinie aufbaut. Die „Footprints“ der Punkthäuser erscheinen groß, einzelne Wohnungen sind dadurch einzig nach Norden ausgerichtet. Jedoch besitzen fast alle Wohnungen eine hohe Lagequalität. Die auf Grund der Grundrissgestaltung notwendigen Feuerwehrumfahrten in den Innenhöfen sind gut in das Freiraumkonzept integriert.

    Der südliche Hochpunkt an der Kreuzung Westendstraße / Zschockkestraße gliedert sich wie selbstverständlich in die Kontinuität des östlichen Stadtblocks und ist als Hotel ausgewiesen. Der Erdgeschossgrundriss ist zwar stark betreiberorientiert, kann aber in der Kombination mit der Anlieferung für die unterirdische Supermarktnutzung nicht vollends überzeugen. Die vorgeschlagene Nutzung des Untergeschosses für den Supermarkt ist denkbar, wird aber in Bezug auf die Anbindung an das Sperrengeschoss kritisch gesehen. Der nördliche Hochpunkt mit seiner gewerblichen Nutzung erscheint im Zusammenspiel mit dem südlichen Hochpunkt gelungen.

    Der Entwurf sieht generell eine Erschließung über die Westendstraße sowie über eine nach Osten verlängerte Kiem-Pauli-Weg vor und endet in einem Wendehammer an der Schule bzw. am zentralen Freiraum. Die vorgeschlagenen Tiefgaragenzufahrten von der Westendstraße bzw. vom Wendehammer am Ende des Kiem-Pauli-Weges sind richtig positioniert.

    Die Lage der Schule im Norden des Plangebietet erscheint im vorliegenden Entwurfskonzept richtig positioniert. Die Organisation der Schule insgesamt und der Sportplatz auf dem Dach der Sporthalle im Speziellen werden von der Jury ausdrücklich begrüßt. Durch seine Lage schützt die Schule einerseits die zurückliegende Bebauung wie auch den Park, wird andererseits aber auch zum belebenden Moment des Quartiers und kein Anhängsel. Die Dimensionierung der Schulhoffläche ist nicht vollends nachzuvollziehen. Ebenso ist die Durchwegung von der U-Bahn kommend über den Schulhof nur (zeitlich) eingeschränkt zu nutzen. Die notwendigen Kitaflächen wurden leider nicht erreicht.

    Insgesamt zeigt die Arbeit einen fein komponierten städtebaulichen Entwurf, der insbesondere im Zusammenspiel zwischen Bebauung und Freiraum zu überzeugen weiß und eine eigenständige Identität für das Quartier schafft. Als Grundlage für die weiteren Planungsschritte bietet die Arbeit damit einen tragfähigen und qualitativ hochwertigen Ausgangspunkt.


INFO-BOX

Angelegt am 15.11.2016, 16:29
Zuletzt aktualisiert 31.07.2017, 11:22
Beitrags-ID 4-130832
Seitenaufrufe 323

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