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  • DE-80687 München
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-231909)

SWM | Zschokkestraße | Westendstraße


  • ein 1. Preis Zur Überarbeitung aufgefordert

    © TIC TH

    Landschaftsarchitekten
    Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerko Schröder

    Mitarbeit
    Stefanie Graze, Xing Xu

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschafts- / Umweltplaner: TELEINTERNETCAFE Architektur und Urbanismus, Berlin (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Beurteilung 1. Stufe:
    Die Arbeit bildet zwei sehr markante und räumlich spannende Stadträume:
    Einerseits den sehr kompakten, netzartig gegliederten Stadtcluster der entlang der Zschokke- und Westendstraße den Raum urban besetzt. Andererseits den im Kontrast hierzu stehenden, großzügigen Quartierspark, der als Raumkontinuum den westlich angrenzenden Grünzug fortsetzt und bis an die Zschokkestraße heranführt.

    Durch die polygonal, netzartigen Freiräume weist das Bauquartier trotz seiner Kompaktheit eine hohe Durchlässigkeit auf. Die infolge der Netzstruktur entstehenden, trapezförmigen Baukörper weisen teilweise erhebliche Bautiefen und schalltechnisch problematische Orientierungen auf. In der weiteren Bearbeitung sind hierzu an den neuralgischen Bereichen Grundrisslösungen zu erarbeiten die zu den Themen Schallschutz, Rettungswege und Belichtung konkrete Aussagen treffen. Dabei ist auch aufzuzeigen, wie für die einzelnen Baufelder und den dazu gehörenden privaten Freiräumen eigenständig funktionierende Entwurfslösungen entwickelt werden können.
    Die Quartiersadresse am Kreuzungspunkt Zschokke/ Westendstraße wird mit 3 Hochpunkten auf einem Gewerbesockel gebildet. Hier werden eine gewisse räumliche Großzügigkeit und Aussagen zur Anlieferung der Einzelhandelsflächen vermisst.
    Die geplante Wohnnutzung in dem Hochpunkt am Verkehrsknotenpunkt ist möglicherweise an der Nord, Nordost- und Südostseite teilweise Pegeln von mehr als 65 dB(A) am Tage ausgesetzt. Darauf wäre mit einer entsprechenden Zuordnung der Nutzungen bzw. der Grundrissorientierung zu reagieren. Auch die Fassaden entlang der Hauptstraßen, speziell an der Westendstraße, weisen voraussichtlich Pegel von mehr als 65 dB(A) am Tage auf. Daher muss nachgewiesen werden, wie für die dort situierten Wohnungen eine Belüftung über Fenster an einer lärmabgewandten Seite ermöglicht wird.

    Die verkehrliche Erschließung von der Westendstraße her und über eine gebietsquerende Verlängerung des Kiem-Pauli-Wegs wird funktional und konzeptionell stimmig bewältigt.
    Für die Verbindungsstraße (nach Osten verlängerter Kiem-Pauli-Weg) zwischen Hans-Thonauer-Straße und Westendstraße wird eine Begegnungszone vorgeschlagen. Diese muss definiert werden (Verkehrsberuhigter Bereich, verkehrsberuhigter Geschäftsbereich). Die Tiefgaragenanbindung der an dieser Straße liegenden Nutzungen sollte auf die Verbindungsstraße ausgerichtet werden.
    Die Tiefgaragenanbindung für das östliche Baufeld (an der Westendstraße) sollte weiter nach Süd/West abgerückt werden.
    Die Hotelvorfahrt und Hotelandienung, inklusive Busse müssen aufgezeigt werden. Für die Ver- und Entsorgung des Einzelhandels ist die Andienung aufzuzeigen.

    Der Schulkomplex wird, dem Konzept folgend, ebenfalls als sehr kompakter Stadtbaustein angeboten. Dessen Funktionalität, insbesondere im Hinblick auf die innere Erschließung und die Belichtungssituation der überbauten Sporthalle, muss jedoch detaillierter nachgewiesen werden. Der urbanen, dichten Struktur steht ein großzügiger und gut proportionierter Freiraum entgegen, der sich mit den anschließenden öffentlichen Grünflächen entlang des Kiem-Pauli-Wegs sinnig verbindet. Die vorgeschlagenen Freibereiche der westlich angeordneten KiTa’s und der Schule gliedern sich hier selbstverständlich an. Durch die günstige Situierung der Grünfläche und der emissionslastigen Freispielbereiche werden Konfliktpotenziale zur westlichen Nachbarbebauung von vorherein vermieden.

    Die geforderte Jugendspielfläche, die nicht gesondert ausgewiesen wurde, soll einen Mindestabstand zum Wohnen von 39 m aufweisen.
    Die privaten Freiflächen innerhalb des Quartiers werden kontrovers diskutiert. Diese wirken teilweise wie Restgrün. Inwieweit in den, konzeptbedingt, steinernen Zwischenbereichen ein qualitätsvoller, privater Freiraum funktionieren kann, muss weiter untersucht werden. Auch die Unterbringung von notwendigen Kinderspielflächen erscheint schwierig. Inwieweit hierzu die begrünten Dachflächen genutzt werden sollen, ist aus den Darstellungen nicht erkenntlich. Im Quartier selbst bildet ein gut verorteter Quartiersplatz einen klaren Schwerpunkt innerhalb des Netzclusters.

    Die Arbeit wird als ein erfrischender Beitrag mit spannenden räumlichen Bezügen und einem sehr hohen Identifikationspotenzial gewürdigt. Von Seiten der Verfasser gilt es vertiefte Antworten zu den angesprochenen Problempunkten zu erarbeiten, ohne dass das Gesamtkonzept hierbei verunklärt wird.


    Beurteilung 2. Stufe:
    Die Arbeit bildet zwei sehr markante und räumlich spannende Stadträume:
    Einerseits den sehr kompakten, netzartig gegliederten Stadtcluster der entlang der Zschokke- und Westendstraße den Raum urban besetzt. Andererseits den im Kontrast hierzu stehenden, großzügigen Quartierspark, der als Raumkontinuum den westlich angrenzenden Grünzug fortsetzt und bis an die Zschokkestraße heranführt. Baulicher Auftakt und Quartiersadresse ist ein polygonal zugeschnittener Hochpunkt der nunmehr etwas zurücksteht und eine gut proportionierte Vorzone bildet.

    Durch die polygonal, netzartigen Freiräume weist das Bauquartier trotz seiner Kompaktheit eine hohe Durchlässigkeit auf. Die infolge der Netzstruktur entstehenden, trapezförmigen Baukörper weisen teilweise erhebliche Bautiefen und schalltechnisch problematische Orientierungen auf. Die angebotenen Sondernutzungen Hotel und Einzelhandel sind schlüssig angeordnet und werden über eine gemeinsame Anlieferung in der Gebäudefuge versorgt.

    Die individuellen, polygonal geschnittenen Gebäudekubaturen erfordern auf Grund der dargestellten Abmessungen und Tiefen spezifische Lösungen für die angebotenen Wohnformen und deren Grundrissausbildung. Gemeinsames Merkmal aller Gebäude sind großzügige, in vielen Teilen auch überdimensionierte Erschließungs- und Gemeinschaftsflächen, die gestaffelt über die Geschosse hinweg angeordnet, jedoch auch interessante räumliche und funktionale Potentiale bieten. Allerdings wird klar, dass diese Raumangebote vorzugsweise in Verbindung mit spezifischen Wohnformen, Wohnmodellen und einem entsprechenden übergeordneten Management des Betriebs des Quartiers und der Gebäude vorstellbar und realisierbar erscheinen.
    Die großen Tiefen der Gebäude ermöglichen größtenteils nur einseitig orientierte Wohnungsgrundrisse in unterschiedlicher Größe. Lediglich an den Gebäudeecken sind zweiseitige Orientierungen möglich. Dieser Nachteil wird stellenweise durch tief eingeschnittene Loggien oder großzügig auskragende Balkonbereiche kompensiert.

    In den Gebäuden entlang der Zschokke- und Westendstraße werden auf Grund der Lärmbelastung die Erschließungs- und Gemeinschaftsbereiche zur Straßenseite orientiert, um hier zumindest eine gewisse Abschirmung der Wohnungen zu erreichen, wobei zu fragen ist, inwieweit diese Strategie konsequent in allen betroffenen Gebäuden umgesetzt werden soll und kann. Nachteilig wird gesehen, dass als Konsequenz die Eingänge und Adressen dieser Gebäude nicht mehr zum Quartiersinneren orientiert werden können, wodurch der Charakter der Binnenbereiche geschwächt wird.

    Positiv für die Belebung der Erdgeschosszonen werden die Angebote an dezentral situierten Gemeinschaftsräumen gesehen. Angesichts der dargestellten geringen Abstandsflächen und der intendierten urbanen Dichte und Atmosphäre wird die Wohnnutzung im Erdgeschoss sehr kritisch hinterfragt. Anzustreben wäre vielmehr, das Erdgeschoss zu größten Teilen mit gemeinschaftlichen und gewerblichen Nutzungen zu belegen, um eine Bespielung und Belebung der Gassenräume im Quartiersinneren zu erreichen.

    Die Kindertagesstätten liegen unmittelbar am Westrand der Bebauung, was einerseits nachvollziehbar ist, andererseits wertvolle Lagen für Wohnnutzung im EG belegt.

    Die verkehrliche Erschließung von der Westendstraße her und über eine gebietsquerende Verlängerung des Kiem- Pauli- Wegs wird funktional und konzeptionell stimmig bewältigt. Auch die Tiefgaragenzufahrten sind sinnvoll angeordnet.

    Der Schulkomplex wird, dem Konzept folgend, ebenfalls als kompakter Stadtbaustein angeboten. Die Lage im Süden des Quartiers ist sinnvoll insbesondere im Hinblick auf die direkt zugeordneten Freispielflächen und die davon ausgehenden Emissionen.

    Der urbanen, dichten Struktur steht ein großzügiger und gut proportionierter Freiraum entgegen, der sich mit den anschließenden öffentlichen Grünflächen entlang des Kiem-Pauli-Wegs sinnig verbindet.
    Durch die Auflassung der Hans-Thonauer-Straße wird die Vernetzung des neuen Quartiers mit der Kiem-Pauli-Siedlung gestärkt.
    Die vorgeschlagenen Freibereiche der Schule gliedern sich hier selbstverständlich an. Durch die günstige Situierung der emissionslastigen Freispielbereiche werden Konfliktpotenziale zur westlichen Nachbarbebauung von vorherein vermieden.
    Die privaten Freiflächen innerhalb des Quartiers werden kontrovers diskutiert. Diese wirken teilweise wie „Restgrün“. Leider wurden in der Überarbeitung in diesem Bereich keine eigenständigen und tragfähigen Ideen aufgezeigt. Die Unterbringung der dargestellten Kleinkinderspielplätze wird im Zusammenhang mit erforderlichen Rettungswegeflächen aber auch hohen Imissionsbelastungen entlang der Verkehrsachsen kritisch gesehen. Die hohe Belegung der Dachflächen mit Freizeitnutzungen ist dem Konzept geschuldet und bietet voraussichtlich hohe Aufenthaltsqualitäten. Im Gebietszentrum bildet ein gut verorteter Quartiersplatz einen klaren Schwerpunkt innerhalb des Netzclusters.

    Die angebotene Geschoßfläche ist im Vergleich hoch, was sich teilweise durch den großflächigen Erschließungs- und Gemeinschaftsflächenanteil begründet aber auch den teilweise kritischen Belegungsmöglichkeiten der Erdgeschosse geschuldet ist.

    Die Arbeit wird als ein erfrischender Beitrag mit spannenden räumlichen Bezügen und einem sehr hohen Identifikationspotenzial gewürdigt. Den Verfassern gelingt es leider nur teilweise, zu Fragen der Grundrisskonzeption, Erdgeschossbelegung und der Gestaltung der linearen Freiräume überzeugende Lösungsvorschläge anzubieten.
    Ein Quartiersmanagement scheint dringend erforderlich!


INFO-BOX

Angelegt am 15.11.2016, 16:30
Zuletzt aktualisiert 18.07.2017, 09:25
Beitrags-ID 4-130837
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