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  • DE-89231 Neu-Ulm
  • 11/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-248856)

Ulmer Riedteile


  • 1. Preis

    © tobeSTADT Frankfurt am Main

    Stadtplaner
    tobe.STADT städte.bau.planung.dialog, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Torsten Becker

    Mitarbeit
    Mareike Borkeloh, Kerstin Formhals, Danial Ahmad

    Preisgeld
    16.000 EUR

    Erläuterungstext
    Riedhöfe

    Zielsetzung der vorliegenden städtebaulichen Planung ist die Entwicklung eines Modellprojekts im Bereich des Wohnens zur Inklusion und Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitiger Berücksichtigung des demografischen Wandels. Dabei sollen die Rahmenbedingungen für ein lebendiges, urbanes Quartier in ressourcenschonender Bauweise geschlafen werden.

    Das Plangebiet Ulmer Riedteile wird stadtstrukturell durch die Anlage der bestehenden Erschließungsstraßen und die daraus resultierenden vielfältigen Geometrien in der Nachbarschaft geprägt. Diese charakteristischen Dominanten werden im Entwurf aufgenommen und in eine städtebauliche Figur mit hohem Identifikationspotenzial übersetzt. Das ordnende Element stellt dabei der zentrale Freiraum dar, entlang dessen sich die Baufelder entwickeln. Zugleich verbindet er die drei bedeutenden Orte im Quartier: das Biotop, den Quartiersplatz und die Festung. Die Baufelder organisieren sich wiederum als Höfe um einen internen, halböffentlichen Freiraum. Alle Höfe unterscheiden sich in ihrer Form und Zusammensetzung der Wohnnutzungen voneinander wodurch eine größtmögliche Vielfalt bei einem gleichzeitig hohen Potenzial zur Adressbildung und Ausformung überschaubarer Nachbarschaften entsteht. So werden das aktive Zusammenleben und der alltägliche Austausch unterschiedlichster Personenkreise gefördert.

    Die Quartiersmitte bildet eine weitgehend geschlossene Hofbebauung am Quartiersplatz, welche als Gelenk dient und in der Erdgeschosszone soziale Nutzungen sowie an der Quartierswiese ein Angebot für betreutes Wohnen aufnimmt.

    Die verbindende Quartierswiese zeichnet sich durch eine einfache, zurückhaltende Gestaltung als Grünland mit vereinzeltem Baumbestand in Form von Obstbäumen aus. Geprägt wird sie durch ein Netz aus Wegen, welche aus wassergebundener Wegedecke in unterschiedlicher Breite ausgeführt sind. Die breiten Ost-West verlaufenden Wege nehmen dabei die Richtung der Festung auf und dienen als Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten und einem Beleuchtungskonzept aus Stelen, welche ihre lineare Form betonen. Die untergeordneten Wege dienen allein der Verbindung und sind deutlich schmäler. Der Übergang in den Freiraum stellt sich auf Grund der reduzierten Gestaltung fließend dar und ermöglicht damit eine schrittweise Realisierung.
    Der südliche Ortsrand an der Filchnerstraße nimmt das Motiv der Baumreihen, welches von Osten aus Wiley kommt, auf und lässt es in die Landschaft auslaufen.

    Der zentrale Freiraum wird durch die angrenzenden polygonalen Baufelder ausgebildet. Dabei wird eine Abfolge sich verengender und weitender Räume erzeugt, welche wie selbstverständlich das bestehende Biotop und die unter Denkmalschutz stehende Festungsanlage aufnimmt und in eine weite Wiesenlandschaft einbindet. Ergänzend entsteht an der Schnittstelle zur bestehenden Wohnbebauung Robert-Koch-Straße und dem Schulzentrum der Quartiersplatz, welcher funktional durch die angrenzenden Einrichtungen in der Bebauung zum sozialen Treffpunkt im Quartier wird. Zwei untergeordnete Platzräume reihen sich an der Filchnerstraße. Hier wird der Übergang nach Osten zur gewerblichen Nutzung und nach Wiley sowie ein Mobilitätsschwerpunkt ausgebildet.
    Das verbindende Hauptelement „Wiese“ im zentralen Freiraum, sowie der südliche Ortsrand dienen zugleich der Bewirtschaftung des in den umliegenden Baufeldern anfallenden Niederschlagswassers. Dabei wird das Gelände leicht modelliert und mit Sitzmauern abgefangen.

    Im zentralen Wohnhof sowie den besonderen Wohnprojekten werden Orte der Begegnung geschaffen, die zugleich zur Belebung der Erdgeschosszonen und der angrenzenden Freiräume beitragen. Die drei Verfügungsräume sind nutzungsneutral eingerichtet und stehen den Bewohnern des Quartiers seit der ersten Realisierungsphase als Treffpunkte, gemeinsame „Wohnzimmer“ oder als Veranstaltungsraum zu Verfügung. Je nach Bedarf besteht die Möglichkeit zur Vermietung als kleine unabhängige Gewerbeeinheiten an nichtstörendes Handwerk oder Dienstleister.
    Der zentrale Freiraum bietet in seiner reduzierten, naturnahen Gestaltung vielfältige Möglichkeiten zur Aneignung durch die Bewohner in Form von Sport- und Bewegungsformen, gemeinsamer Gartenarbeit oder Ruhe und Erholung. Der zentrale Spielplatz liegt geschützt in der Quartiersmitte und ist für die Kinder im Quartier gefahrlos zu erreichen.

    Zur Erschließung des Quartiers werden die bestehenden Filchnerstraße und Humboldtstraße genutzt, welche durch eine weitere Quartiersstraße von Süd nach Nord verbunden werden. Von den genannten Quartiersstraßen aus, werden die Wohnhöfe über verkehrsberuhigte Wohnwege im Mischungsprinzip erschlossen. Die geforderten Stellplätze werden im Geschosswohnungsbau in eingeschossigen Tiefgaragen nachgewiesen. Die verdichteten Einfamilienhäuser verfügen über jeweils einen Stellplatz auf dem Grundstück und einen weiteren auf dezentral gelegenen Quartiersparkplätzen, die fußläufig in kurzer Zeit zu erreichen sind. Vor dem Hintergrund eines sich in Zukunft ändernden Mobilitätsverhaltens und damit sinkender Bedarfe nach Kfz-Stellplätzen, kann die Stellplatz-Anlage im Ortsrand langfristig zu einem weiteren Baufeld im Büropark oder auch zum Wohnen umgewandelt werden.
    Von den beruhigen Wohnstraßen ausgehend, entwickelt sich im Freiraum ein Netz aus Fuß- und Radwegen, welche an die bestehende Nachbarschaft angebunden sind und zudem als Aufenthaltsbereiche dienen. Die bestehende Nord-Süd Radwegeverbindung zwischen den Schulen und Ludwigsfeld bleibt erhalten.

    Im Zusammenspiel mit dem stadträumlich ganzheitlichen Ansatz des Entwurfs ist durch die Eigenständigkeit der Höfe eine phasenweise Realisierung leicht möglich. Im ersten Schritt entstehen die beiden nördlichen Wohnhöfe zur zeitnahen Deckung des Bedarfs nach geförderten Wohnungsbau sowie zur Schaffung der sozialen Einrichtungen. Die in der Hauptphase entstehenden Höfe reichen bis zum erweiterten Betrachtungsraum und finden ihren Abschluss in einem aufgelockerten Ortsrand, welcher wiederum im erweiterten Betrachtungsraum um zwei weitere Wohnhöfe ergänzt wird.

    Die Geschossigkeit der geplanten Bebauung liegt in der Regel bei drei Geschossen. Die Ecken der Höfe werden an räumlich wirksamen Punkten entlang der Straßen und des Freiraums durch eine weiteres Geschoss hervorgehoben, dabei sind die Gebäude der besonderen Wohnprojekte durchweg viergeschossig. Der zentrale Wohnhof im Mittelpunkt wird durch einen fünfgeschossigen Gebäudeteil betont.
    Die städtebauliche Komposition erzeugt eine große Vielfalt unterschiedlichster Situationen. Anstelle serieller Additionen von immergleichen Gebäuden entstehen identitätsstiftende, unverwechselbare Orte. Die dargestellten Gebäudekonfigurationen sind exemplarische Bausteine und können im weiteren Planungsverlauf den sich ändernden Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden.

    Die Vielfalt der angebotenen Wohnformen zeigt sich auch in der Ausdifferenzierung der Grundrisse. So werden die Zeilen aus Stadthäuser jeweils um ein Kopfgebäude mit größerer Wohnfläche und großzügigerem Raumgefühl ergänzt. Die kräftigen Baukörper der Wohnprojekte ermöglichen neuartige Grundrisslösungen mit erweiterten gemeinschaftlichen Erschließungszonen oder Clusterwohnungen bei denen sich kleine privaten Einheiten WG-artig um großen, fließende gemeinschaftlichen Wohnbereichen gruppieren. Im Geschosswohnungsbau bietet ein leicht angehobenes Erdgeschoss die notwendige Privatsphäre entlang der Straßen. Dabei wurden sie Erschließungskerne so organisiert, dass trotzdem eine barrierefreie Erschließung über Aufzüge in jedem Geschoss möglich ist.
    Der Quartiersplatz wird durch die angrenzenden Nutzungen Sozialraum, Jugendraum und betreutes Wohnen zu unterschiedlichen Tageszeiten bespielt und bietet in seiner nutzungsneutralen Gestaltung erweiterte, kurzzeitige Nutzungsmöglichkeiten der Platzfläche zur Aufstellung eines Markstandes oder einer fahrenden Bibliothek. Alternative Mobiltätsangebote finden sich auf der Mobilitätsplattform an der Filchnerstraße in Form von CarSharing, eMobilität und einer Radstation.

    Um der Modellhaftigkeit des Vorhabens zur Inklusion und Integration aller Bevölkerungsgruppen im Quartier gerecht werden zu können, sowie die Idee eines kommunikativen, die Gemeinschaft fördernden Wohnumfelds zu unterstützen, verteilen sich die Wohntypen gleichmäßig über das Quartier und garantieren so eine optimale Durchmischung seiner Bewohnerschaft bei gleichzeitiger bestmöglicher Einbindung Aller in den Alltag. Dabei setzten sich die einzelnen Höfe aus jeweils mindestens zwei verschiedenen Wohn-Typen zusammen, welche sich um den gemeinschaftlichen, geschützten und ruhigen grünen Innenbereich gruppieren. Es wird zwischen 5 Gebäudetypen zum Wohnen unterschieden: Geschosswohnen (tlw. gefördert), besondere Wohnprojekte, zwei Typen von Stadthäusern sowie eine Einheit zum betreuten Wohnen. Ergänzende soziale Einrichtungen bzw. Räume zur freien Verfügung und Gewerbeeinheiten sind in die Erdgeschosse des geförderten Geschosswohnens und der Wohnprojekte integriert.

    Der Entwurf reagiert trotz der Ausbildung räumlich zusammengefasster Wohnhöfe auf den Orientierung des Plangebietes, sodass die Simulation des Sonnenstands am 21.12. um 12:00h ein nahezu optimales Verschattungsszenario zeigt. Hierzu tragen die sensibel ausgearbeitete Höhenentwicklung der Gebäude ebenso wie die längliche Orientierung der Baufelder, die Abstände zwischen den Gebäuden sowie die Größe der Freiräume bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.