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  • DE-23569 Lübeck
  • 09/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-241308)

Neugestaltung des Kircheninnenraums in der St. Johannes-Kirche


  • Teilnahme

    Blick auf den Altar bei Tag, © Kersig von Hanneken Architekten Partnerschaft

    Architekten
    Kersig von Hanneken Architekten Partnerschaft, Kiel (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ingmar von Hanneken

    Erläuterungstext
    Der Kircheninnenraum der St.-Johannes-Kirche, Kücknitz weist zunächst einmal sehr stimmige Grundproportionen auf. Gleichzeitig ist der Innenraum jedoch in seinem derzeitigen Zustand geprägt von einer Vielzahl baulicher, konzeptioneller und ästhetischer Elemente und diverser Strukturen, die ablenkend und unharmonisch wirken und den Kirchenbesucher nicht zur angestrebten inneren Ruhe finden lassen.

    Architektur:
    Der Kircheninnenraum besteht nicht nur aus dem Sakralraum selbst. Ihm gehören diverse Nebenräume, wie z.B. der Windfang, das Lager und die Sakristei an. Entsprechend wichtig ist es, auch diese Bereiche in das Konzept zur Neugestaltung und Neuordnung einzubeziehen. Anstelle des Windfangs mit geschlossenen Türblättern und ornament-besetzten Oberlichtern sieht der Entwurf einen transparenten Windfang als Stahl-Glas-Konstruktion vor. Um die Funktionen der beidseitig an den Windfang angrenzenden Bereiche nicht einzuschränken, werden die Seitenfelder bis zur Höhe des horizontalen Riegels geschlossen ausgeführt. Der von innen aus links gelegene und derzeit nur durch einen Vorhang abgeteilte Lagerraum erhält eine baugleiche Konstruktion aus Stahl und Glas. Die Rahmung des Windfangs mit den zwei historischen Kirchenbänken, rechts einschl. der Bankerhöhung wird positiv bewertet und soll beibehalten werden.
    In Kombination mit dem Neuentwurf der Altarraumerhöhung sieht der Entwurf vor, den Zugang zur Sakristei wieder in die Seitenwand zu verlegen, ähnlich der Planung von 1955. Der Höhenversatz zwischen Altarraum und Sakristei muss zwangsläufig durch zwei Steigungen in der Sakristei ausgeglichen werden. Die Verlegung der Tür führt dazu, dass die Nische zwischen dem Nebeneingang und der Wand zur Sakristei nun nicht mehr mit Verkehrsfläche belastet und damit frei bespielbar ist. Der Entwurf sieht vor, diesen Bereich, der trotz seiner Nischensituation gut vom Kirchsaal aus einsehbar ist, als Taufort zu nutzen.
    Der Altarbereich wird grundlegend umgestaltet. Die Stufenanlage der Altarraumerhöhung wird auf zwei Stufen beschränkt und, auf vorhandene Raumkanten bezogen, neu definiert. Die gewinkelte Rotsteinwand wird entfernt und durch eine 4-teilige, deutlich schmalere und etwas höhere Wand ersetzt. Anstelle der Wiederverwendung oder Neugestaltung von Kruzifix und Corpus bilden die 4 Wandflächen ein schlankes, vertikalisiertes Kreuz aus Fugen. In der Tagwirkung stellt sich dieses Kreuz als Schattenfuge dar und in der Abend-/Nachtwirkung mithilfe einer Hinterleuchtung als Lichtfuge. Durch die gespachtelte Oberflächenbehandlung dieser Wandflächen setzen sie sich nicht nur optisch, sondern auch haptisch deutlich von der dahinterliegenden gestrichenen Mauerwerkswand ab.

    Farbkonzept:
    Die harten Farbkontraste des Bestands werden stark reduziert, ohne die Ablesbarkeit der unterschiedlichen Bauteile aufzugeben. Zudem wird die Polychromie des Raums durch ein Farbkonzept aus erdigen, hellen und aufeinander abgestimmten Farbklängen ersetzt. Diese Farb-Raumhülle fungiert als Basis für einen atmosphärischen Raum, in dem die Menschen Ruhe finden und sich ohne Ablenkungen des Auges auf sich und den Gottesdienst konzentrieren können. In den auf diese Weise beruhigten Raum können nun Farb- und Lichtakzente wie z.B. die Antipendien, Paramente, Akzentbeleuchtungen, aber auch abgestimmte Chorgarderobe eingebracht werden und eine ganz neue Wirkung entfalten.

    Bodenbeläge:
    Die Bodenflächen werden vom vorhandenen grünen Nadelvlies befreit und durch Hartbeläge ersetzt. Hierbei wird zwischen den Bank-/Stuhlbereichen und den sonstigen Flächen differenziert. Während in den Bank-/Stuhlbereichen ein gekalktes Eichenparkett zum Einsatz kommt, wird in den sonstigen Flächen ein farblich abgestimmter Ziegelboden verwendet. Die Treppe zur Empore erhält einschl. der Tritt- und Setzstufen einen deckenden Anstrich gem. Farbkonzept und wird in der Laufzone mit einem Starkschnitt-Belag aus gekalkter Eiche belegt. Das Eichenparkett kommt sodann auch im gesamten Emporenbereich zum Einsatz. Die Kokos-Sauberlaufmatte im Windfang wird durch einen Bürstensauberlaufrost ersetzt. Der Heizungsgraben zwischen der vordersten Bankreihe und der Altarraumerhöhung wird konstruktiv geschlossen. Inwiefern zusätzliche Heizflächen zur Kompensation dessen erforderlich sind, muss mit einem Fachplaner abgestimmt werden.

    Wandflächen/Einbauten:
    Die Wandflächen erhalten einen Renovierungsanstrich in einem sandfarben, beigen Farbton gem. Farbkonzept. Die Steinsichtigkeit unter dem Anstrich soll erhalten bleiben. Die Fensterleibungen sowie die Fensterrahmen erhalten einen weißen Anstrich und setzen sich damit von den Wandflächen ab. Die Heizkörpernischen können in ihrer Tiefe verkleinert und die Rippenheizkörper durch planebene, wandflächenbündige und farblich angepasste Heizkörper ersetzt werden.
    Die hölzerne Emporenkonstruktion bestehend aus Stützen, Haupt- und Nebenträgern und Brüstungen werden in das Farbkonzept einbezogen und Farb- und Helligkeitskontraste reduziert. Für die tragenden, sichtbaren Holzkonstruktionen wird ein einheitlicher Farbton gewählt, ohne zwischen horizontal und vertikal zu unterscheiden.

    Deckenflächen:
    Die Deckenbalken erhalten analog zu den tragenden Hölzern der Empore einen einheitlichen, neuen, helleren Anstrich. Zwischen den sichtbaren Deckenbalken werden Trockenbauplatten eingesetzt und weiß gestrichen. Diese Unterdecken kaschieren einerseits die Querfugen-Struktur der Schalbretter, andererseits ermöglichen sie den Einsatz von Einbauleuchten. Zudem wird empfohlen, zur Einstellung der Raumakustik einen Fachplaner hinzuzuziehen, um zu entscheiden, ob die Platten ggf. absorbierende Eigenschaften aufweisen sollten. Diese Art der Deckenbearbeitung erfolgt sowohl im Kirchenschiff, als auch im Foyer sowie unter- und oberhalb der Empore.
    Möblierung:
    Zur Vervollständigung des farblich stimmigen Raumeindrucks werden die Kirchenbänke deckend lackiert. Um ihnen eine optische Schwere zu geben wird hierfür ein dunklerer Farbton gewählt, der etwa die gleiche Farbhelligkeit wie das hölzerne Tragwerk von Empore und Decke aufweist, sich aber an dem erdig-beige-braunen Farbklang der Wände und des Bodens orientiert. Die vorderen beiden Bankreihen werden durch verkettbare Bankstühle ersetzt, um dem Wunsch auf eine vielfältigere Nutzung des vorderen Kirchraums gerecht zu werden.
    Der Neuentwurf der Prinzipalstücke lehnt sich an die Gestaltung der Altarrückwand an. Auch hier wird mit dem Thema der Fuge gespielt. Die Flächen sind vornehmlich weiß. Einzelne Elemente, wie etwa die Altarplatte und die Ablageflächen von Lesepult und Kanzel sind dagegen aus gekalkter Eiche. Die Taufschale wird weiterverwendet, erhält aber einen neuen Unterbau aus Eichenholz. Die Prinzipalstücke sind auf dem beiliegenden DIN A3-Blatt (anstelle der Kruzifix-Darstellung) detaillierter dargestellt. Die Kanzel ist wie die beiden Vorgänger wieder an der Fensterseite angeordnet. Die exakte Position des Altars bzw. dessen Abstand zur Altarrückwand ist mit den Pastoren und dem Kirchenmusiker abzustimmen, um die Nutzungsmöglichkeiten flexibel zu halten. Stehpult und Truhenorgel sind im linken Altarbereich angeordnet. Eine farbliche Umgestaltung des Unterbaus der Truhenorgel ist aus Sicht der Entwerfer wünschenswert.

    Beleuchtung:
    Die Neuordnung des Altarraums und des Taufortes erfordern mindestens in diesen Bereichen eine Ergänzung der Beleuchtungsanlage. Der Entwurf sieht jedoch darüber hinaus eine komplette Erneuerung der Anlage vor. Mittels mehrflammiger, dimmbarer Pendelleuchten lässt sich der Kirchenraum in vielfältiger Weise atmosphärisch bespielen. Separat ansteuerbare Akzentstrahler ermöglichen die Fokussierung auf einzelne Bereiche wie etwa die Kanzel während der Predigt, den Chor bei musikalischen Darbietungen oder auch die Orgel. Die Lichtfarbe sowie das geeignete Leuchtmittel werden mit einem Fachplaner und nach Bemusterung vor Ort abgestimmt. Lichtsteuerungssysteme (DALI, KNX, o.Ä.) eröffnen eine vielfältige und flexible Programmierung von Lichtszenen und einen dosierten Einsatz von Licht im Kirchenraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 28.11.2016, 14:11
Zuletzt aktualisiert 08.12.2016, 14:54
Beitrags-ID 4-131630
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