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  • DE-53783 Eitorf
  • 10/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-250316)

Umgestaltung des Marktplatzes, des Posthofs und des nahen Umfelds


  • 1. Rang Gewinner

    Perspektive Marktplatz

    Landschaftsarchitekten
    [ f ] landschaftsarchitektur gmbh, Bonn (DE), Solingen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: v-architekten GmbH, Köln (DE)
    Verkehrsplaner: yverkehrsplanung, Weimar (DE), Bonn (DE), Wien (AT)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Marktplatz
    Die prägenden Gestaltungselemente für den Marktplatz sind die nach Westen geöffnete Baumreihe mit dem darunterliegenden Aktivitätsband und der in die Höhe ragende „Wasserschleier“ am ehemaligen Standort des Kirchturms. Marktplatz, Posthof und die Brückenstraße sind durch einen durchgehenden Pflasterteppich miteinander verbunden und prägen damit einen einheitlichen Charakter des Ortskerns. Es wird positiv bewertet, dass sich insgesamt auf drei Materialien beschränkt wurde. Dies bringt Kostenvorteile und eine logische konzeptionelle Reinheit.

    Das Aktivitätsband am Rande des Platzes schafft eine Bindung zur Umgebung des Platzes und offeriert je nach Entwicklung unterschiedliche Nutzungen von ruhigem Aufenthalt im Schatten über kreative Bewegungsmöglichkeiten bis hin zu gastronomischer Nutzung. Die Platzgestaltung ist in sich harmonisch und stimmig und nimmt Rücksicht auf den Bestand. Zudem wird durch die Öffnung in Richtung Rathaus eine Sichtbeziehung und Verbindung zwischen beiden Räumen geschaffen. Mit den Lichtstelen entlang der Westflanke des Platzes wird dennoch eine Platzkante gesetzt.

    Der Wasserschleier ist ein Highlight des Platzes und vereint unterschiedliche Aspekte: Durch die Höhe des Wasserspiels wird der ehemalige Kirchturm nicht nur zwei‐ sondern dreidimensional imitiert und damit ein haptisches Erinnerungssymbol geschaffen. Es wirkt als Gestaltungselement, dient aber zugleich als Spielgelegenheit für Kinder. Zudem ist die Wirkung bei Tageslicht und bei Nacht durch die integrierte Beleuchtung gleichermaßen gegeben.

    In Bezug auf den Umgang mit dem Thema Parken auf dem Marktplatz überzeugt der Entwurf die Jury besonders. Die prominente Anlage der Parkplätze als zweites, der Baumreihe vorgesetztes Band ist ein konsequentes Statement der Planung, die eine Platzgestaltung ohne Parkflächen deutlich präferiert. Die Anlage der Parkplätze an dieser Stelle ermöglicht eine Weiterentwicklung der Fläche hin zu einem öffentlichen Raum ganz ohne Parkplätze, ohne dass hierdurch die Platzgestaltung gestört wird. Eine stufenweise Umsetzung von Variante 1 zu Variante 2 ist demnach mit zunehmender Akzeptanz in der Öffentlichkeit weiterhin und mit geringem Aufwand möglich, sodass die heutige Entscheidung für die Variante mit Parken mittelfristig einfach zu revidieren ist. Damit kann die Aufenthaltsqualität auf dem Markt schrittweise gesteigert werden.

    Der Vorschlag, die Passage zwischen Marktplatz und Posthof als eigenständige Figur mit konträrer Materialität zu gestalten, wird ebenfalls positiv aufgenommen.

    Besonders überzeugend ist zudem der Kreisverkehr am Kreuzungsbereich der Brückenstraße mit der Schoellerstraße. Er löst die zerschneidende Wirkung zwischen Marktplatz, Kirchplatz und dem Rathausareal auf und generiert einen kontinuierlichen Verkehrsfluss. Zudem ist eine barrierefreie Überquerung der Straße gegeben. Das Büro konnte überzeugend darlegen, dass ein Kreisverkehr in dieser Lage den hiesigen Anforderungen gerecht wird. Zu prüfen ist, ob das kleinteilige Pflaster den anfallenden Lasten gerecht wird. Dies wäre im Sinne eines einheitlichen Bodenbelags im Ortskern wünschenswert.

    Posthof
    Auch die Ideen zur Attraktivierung des Posthofs beschränken sich auf wenige, aber konsequent eingesetzte Elemente. Das Holzpodest verleiht dem Platz einen warmen Charakter und bindet den Eipbach durch die Sitzstufen in den Platzbereich ein. Die Pflanztröge mit Sitzrand bieten eine zusätzliche Verweilmöglichkeit jenseits kommerzieller Angebote. Die Auswahl der Materialien und Pflanzen wirkt detailverliebt ansprechend und die Raumwirkung ist insgesamt ruhig und harmonisch. Die Bepflanzung der rückwärtigen Fassaden zum Bach mit Rankgerüsten gefällt. Kritisch wird jedoch gesehen, dass die Darstellung des Eipbachs als stark wasserführendes Gewässer wenig realistisch ist. Hier wären weitere Gestaltungselemente wünschenswert, die auch bei geringerem Wasserstand ansprechend wirken. Zudem ist die Haltbarkeit des Holzes als Material eine unbekannte Größe. Ebenso bestehen Bedenken, dass bei Nässe eine erhöhte Rutschgefahr besteht. Dies wird zwar kritisch gesehen, schränkt aber die insgesamt wohlwollende Beurteilung der Planung nicht ein.

    Kirchvorplatz
    Die Gestaltungsvorschläge für den Kirchvorplatz werden als solide ansprechend und passend zur Kirche angesehen. Die Sichtachse zwischen Marktplatz und Kirche ist durch die geöffnete Baumreihe gegeben. Zwar besteht keine direkte diagonale Wegebeziehung, was aber in Bezug auf die Abgrenzung des Platzes vom verkehrlich stark belasteten Verkehrsraum als Vorteil zu sehen ist.

    Rathausareal
    An den Visionen für das Rathausareal überzeugen die Jury insbesondere zwei Aspekte: erstens die zusätzliche Parkmöglichkeit außerhalb des Parkhauses, die eine gute Alternative zum Parken auf dem Marktplatz bietet und zur Akzeptanz der dort wegfallenden Parkplätze führen dürfte. Zweitens werden die Mehrgenerationenhäuser als eine zeitgemäße und für Eitorf zukunftsfähige Entwicklungsmöglichkeit betrachtet.
    Kritisch wird die Vision die Dimensionierung des Wohn‐ und Geschäftshauses in Variante 2 gesehen. Hier wäre eine stadtstrukturelle Einbindung in den zum Markt gewandten Blockrand wünschenswert.

    Gesamturteil
    Insgesamt fällt die Bewertung der Jury sehr positiv aus. Die Flexibilität, Einfachheit, Schlichtheit und Klarheit des Entwurfs sind überzeugend. Dies gilt insbesondere für den Marktplatz, zu dem die zentrale Fragestellung hinsichtlich einer Abwägung zwischen öffentlichem Raum und Parkplatzfläche realitätsnah und überzeugend beantwortet wurde. Neben funktionalen Aspekten wirkt das Gesamtkonzept zugleich kontrolliert wie auch kreativ, bewahrend und gleichzeitig umwälzend. Die Gestaltung des Posthofs und des Kirchvorplatzes leiten sich schlüssig aus den Grundideen für den Marktplatz ab. Die funktionale und raumwirksame Verbindung zwischen den Plätzen und zum Rathausareal wird optimiert.