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  • DE-86675 Buchdorf
  • 12/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-238398)

Neue Mitte Buchdorf mit Bürgerzentrum


  • 1. Preis

    Perspektive, © dv architekten bda

    Architekten
    dv architekten deffner voitländer, Dachau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dorothea Voitländer , Prof. Konrad Deffner

    Mitarbeit
    Rafael Zehntner, Ulrich Hartmann, Sven Abe Tjalma

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner: Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE)

    Preisgeld
    28.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Prinzip
    Buchdorf ist ein typisches Straßendorf mit langgezogenen
    Gebäuden und Gehöft Strukturen, die sich giebelseitig entlang
    der Hauptstraße reihen. Südlich der Hauptstraße ist dieses
    Prinzip bereits von frei angeordneten Gebäudestrukturen
    überlagert. Im Norden ist sie jedoch noch weitgehend intakt, eine
    durchlaufende Flurlinie wird als Grenze zur freien Landschaft
    respektiert. Die geplanten Gebäude halten diese Linie ebenfalls
    ein, sogar die Sporthalle überschreitet diesen Rahmen
    kaum. Das stadträumliche Prinzip der für Buchdorf typischen
    Durchblicke als schmale Zwischenräume in die freie Landschaft
    soll wie selbstverständlich weitergeschrieben werden. Damit
    setzt sich der gewachsene Stadtgrundriss fort und vermittelt
    darüber hinaus Durchlässigkeit.

    Setzung der Funktionen
    Die gewünschten Funktionen des Realisierungsteils gliedern sich
    in vier Häuser, die den neuen Ortsplatz fassen: Das Rathaus
    springt aus den Fluchten heraus, erhält so eine hervorgehobene
    Situation und schließt den Ortsplatz im Norden ab, lässt jedoch
    noch einen Ausblick in die freie Landschaft offen. Die Bank
    sitzt prominent an der Straße, darüber sind in zwei Ebenen die
    Arztpraxen angeordnet. Das Bürgerzentrum rundet den Platz im
    Westen ab und leitet in die Landschaft über. Das langgestreckte
    Geschäftshaus bildet den Anschluss zum östlichen Nachbarn
    und räumt dem Gasthof den Platz vorne an der Straße ein.
    Darüber sind über einen Laubengang erschlossene Maisonette
    Wohnungen angeordnet. Alle Eingänge liegen dem Platz
    zugewandt und machen ihn so zu einem lebendigen Ort.

    Topographie
    Das Niveau der Hauptstraße wird über den Platz gezogen, somit
    entstehen überall gleiche Eingangshöhen. Erst im nördlichen
    Bereich, zwischen Rathaus und Bürgerzentrum fällt das Gelände
    sanft auf die natürliche Höhe ab, während zwischen Rathaus und
    Geschäftshaus eine Treppe, sowie ein öffentlicher Aufzug zum
    Vorplatz der Sporthalle überleiten. Die Sporthalle wird zur Hälfte
    eingegraben und hat von Süden im Obergeschoß ihren Zugang.
    Der Blick vom Ortsplatz geht über die Sporthalle hinweg, da
    der Sporthallenplatz um zwei Meter abgesenkt ist. Auch nach
    Norden, zur Landschaft, tritt sie mit einer Höhenentwicklung von
    nur 4,50 m in Erscheinung.
    Parkplätze und Straßenführung
    Die Stellplätze für die Geschäfte, sowie für die Wohnungen
    liegen an der Rückseite von Geschäftshaus und Rathaus.
    Ihre Zufahrt von der Hauptstraße zwischen östlicher
    Grundstücksgrenze und Geschäftshaus kann gleichzeitig
    die Läden von hinten andienen. Die Erschließung wird im
    Ideenteil östlich an der Sporthalle vorbei geführt zu der großen
    Parkplatzanlage und von dort zum ausgebauten Feldweg. Diese
    Straßenführung lädt nicht zu einer Abkürzung ein.

    Rathaus und Bürgerzentrum
    Die Foyers von Rathaus und Bürgerzentrum liegen einander
    gegenüber. Der Rathaussaal orientiert sich im ersten
    Obergeschoss zum Platz, der Trausaal in die Landschaft
    hinaus. Die großen Räume in beiden Gebäuden nutzen das
    Dachvolumen.

    Wohn-/Geschäftshaus/Gasthaus und Bus Halt
    Der Wartebereich für den Bus Halt ist als Nische in die Stirnseite
    des Geschäftshauses integriert. Eine Verglasung der Nische
    stellt eine optische Verknüpfung zwischen Gasthausbesuchern
    und auf den Bus Wartenden her. Nach Westen hin öffnet
    sich der Gastraum großzügig und erweitert sich in der
    warmen Jahreszeit auf die Platzfläche. Zwischen Gasthaus
    und Läden schafft eine Fußgängerpassage die Verbindung
    zum rückwärtigen Parkplatz. Ein Laubengang erschließt die
    hauptsächlich als Maisonetten organisierten Wohnungen: Ein-,
    Drei- und Vierzimmerwohnungen.

    Energie
    Ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk im Keller des
    Wohn- und Geschäftshauses versorgt das neue Ortszentrum mit
    Wärme. Es kann vom Vorplatz aus angedient werden.
    Bauphasen und weitere Entwicklung
    Die Funktionen des Geschäftshauses werden in zwei
    Baukörper gegliedert: Das kleine Geschäftshaus mit der Bank
    im Erdgeschoss und den Arztpraxen im Obergeschoss wird zu
    Beginn errichtet. Anschließend kann das bestehende Ärztehaus
    abgebrochen werden. Rathaus und Bürgerzentrum werden
    ebenfalls in Phase eins realisiert. So lange kann der bestehende
    Parkplatz an der Hauptstraße weiter genutzt werden. Das
    große Geschäftshaus mit Gasthaus, Bäcker, Metzger, etc. und
    darüber angeordnetem Wohnen wird in Phase zwei umgesetzt.
    In diesem Zusammenhang wird der neue Parkplatz angelegt.
    Bis dahin wird der gegenüberliegende Laden die Nahversorgung
    weitergehend bieten. Hier kann die Entwicklung abgeschlossen
    sein oder zu einem späteren Zeitpunkt die Sporthalle mit
    großräumigem Parkplatz ergänzt werden.

    Freiraumkonzept und Vegetation
    Die Gebäudestruktur rahmt den neuen Ortsplatz und lässt den
    Blick frei zur umgebenden Landschaft.
    Als zentrales Element bietet der Bürgerhain Platz zum konsumfreien
    Verweilen oder auch Boccia-Spielen unter dem lichten
    Laubdach. Die Kirschen sorgen im Jahresverlauf für einen besonderen
    Aspekt durch Blüte und Herbstfärbung. Der Dorfbrunnen,
    die lange Rats-Bank und der Maibaum sind weitere prägende
    Elemente. Das abfallende Gelände Richtung Norden wird zur Streuobstwiese
    entwickelt und über Rasenstufen zwischen Bürgerzentrum
    und Rathaus erlebbar. Die tiefergelegene Sporthalle mit extensiver
    Dachbegrünung, sowie der große Parkplatz mit Schotterrasen
    fügen sich in den landschaftlichen Kontext harmonisch ein.
    Ein Plateau im Norden erlaubt die temporäre Nutzung als Festplatz.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Vier gut proportionierte, giebelständig zur Hauptstraße angeordnete Baukörper umrahmen einen gut dimensionierten Dorfplatz. Das Rat-haus, das diesen Dorfplatz nach Norden hin abschließt, liegt im hinteren nördlichen Bereich und damit etwas zu weit von der Hauptstraße entfernt. Dadurch entsteht der zu tiefe Dorfplatz, der allerdings durch den vorgeschlagenen Bürgerhain angenehm gegliedert wird.

    Dieser Platz öffnet sich über die Lücken zwischen Rathaus und Bürgerzentrum und Geschäftshaus angenehm zur freien Landschaft. Durch diese angebotene Durchlässigkeit fügt sich die neue bauliche Struktur sehr gut in den gewachsenen Ortsgrundriss ein. Besonders die westliche Begrenzung des Dorfplatzes mit Bürgerzentrum und Ärztehaus mit Raiffeisenbank ist durch den Versatz der Baukörper gut gegliedert. Die Abstandsflächen werden hier allerdings stellenweise nicht eingehalten.

    Der relativ lange gut proportionierte Wohnungsbau begrenzt den Ortsplatz auf angenehme Weise im Osten. Die Freistellung des Rathauses im rückwärtigen Bereich des Platzes ist der Bedeutung des Gebäudes als Gemeindezentrum nicht angemessen. Die Zugänge zu den einzelnen Baukörpern sind konsequent zum Ortsplatz orientiert.
    Der gesamte Ortsplatz liegt auf selber Höhe wie die Hauptstraße. Im nördlichen Bereich zwischen Rathaus und Bürgerzentrum wird das Gelände wie selbstverständlich über die angebotenen Rasenstufen abgetreppt.

    Die Parkplätze für die Geschäfte und die Wohnungen liegen richtig auf der Rückseite dieser Gebäude und sind entlang der Ostseite des Grundstückes erschlossen. Die Erschließung zu diesem Parkplatz kann gleichzeitig für die Zulieferung der Geschäfte genutzt werden. Ebenso konsequent liegt die Anlieferung für das Bürgerzentrum auf der Rückseite dieses Gebäudes.

    Die Grundrisse der einzelnen Bauten sind gut organisiert. Sowohl für den Sitzungssaal im Rathaus als auch für den großen Saal im Bürgerzentrum wird das Dachvolumen genutzt und gibt den Räumen angenehme Proportionen. Die Fassaden sind angenehm gegliedert und entsprechen dem städtebaulichen Gesamtkonzept. Insgesamt ist die Architektur dem Ort und der Bauaufgabe angemessen.

    Die Untergliederung in Bauabschnitte funktioniert. Bereits der erste Bauabschnitt ergibt eine für den Ort angemessene Situation, die in der Bauphase II nach Erstellung des Geschäftshauses noch verbessert wird. Der vorgeschlagene Bürgerhain bereichert sehr wohltuend den Ortsplatz, verdeckt aber die Sicht zum Rathaus wodurch das Rathaus noch mehr in den Hintergrund gerückt wird. Die Sporthalle ist zwar in Bezug auf die Topografie nachvollziehbar platziert, und über die Lücke zwischen Rathaus und Geschäftshaus richtig erschlossen, versperrt aber auch durch die Querlage die Beziehung zur Landschaft. Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr überzeugenden Beitrag zur gestellten Aufgabe einer neuen Ortsmitte dar.