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  • DE-76131 Karlsruhe, DE-76131 Karlsruhe
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-232520)

„Oberer Säuterich“


  • Teilnahme 2. Phase

    Perspektive Stadtkante und Landschaftswall, © Machleidt/SINAI/SHP/p.a. | Visualisierung: Matthias Grobe, Berlin

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Benjamin Wille , Carsten Maerz

    Mitarbeit
    Steffen Wörsdörfer, Ilja Haub, Carolin Gaßmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Architekten, Verkehrsplaner: SHP Ingenieure GbR, Hannover (DE)
    Architekten, Stadtplaner: performative architektur, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    SÄUTERICHER RÜCKEN

    LEITIDEE
    Das neue Stadtquartier „Oberer Säuterich“ liegt als selbstbewusste Figur vor dem bestehenden Siedlungskörper. Ganz im Sinn des neuen Räumlichen Leitbildes werden die Ressourcen für den Wohnungsbau effektiv genutzt und mit der Ausbildung einer klaren Stadtkante verbunden. Eine Grünfuge bildet dabei die Schnittstelle zwischen dem ergänzten aufgelockerten Bestand und dem kompakteren Neubauquartier. Der Freiraum im Siedlungsinnern verknüpft die beiden Quartiere sowie den inneren Grünzug an der Stadtbahn mit dem übergeordneten äußeren Gartenband.
    Der Stadt vorgelagert entsteht eine sorgfältig formulierte urbane Landschaft. Die noch vorhandenen Strukturen der bäuerlichen Nutzung, mit den typischen Flurstücksteilungen und Feldgehölzen werden verbunden mit einem rahmenden Relief: Der Lärmschutzwall wird zu einer markanten Landschaftsskulptur umformuliert die als Parkelement, natürlicher Lebensraum und Landmarke wirkt.
    Das Mobilitätskonzept setzt auf eine konsequente Beruhigung des Kfz-Verkehrs zugunsten des Fuß- und Radverkehrs und des ÖPNV. Das Quartier wird für den Motorisierten Individualverkehr (MIV) nur von Osten über die Steiermärker Straße erschlossen, was die Adressbildung im neuen Stadtquartier erleichtert.

    STÄDTEBAU
    Das neue Stadtquartier „Oberer Säuterich“ verleiht dem vielfach ausufernden Siedlungskörper einen ruhigen und zugleich eng mit der Landschaft verzahnten Abschluss. Der Entwurf orientiert sich zunächst an den bestehenden Obsthainen, Feldfluren und Wegen, die strukturgebend für das Gebiet sind und wichtige Verknüpfungen in die Nachbarschaft herstellen.
    Der „Säutericher Rücken“ wird durch eine Bebauung „An der Stadtbahn“ ergänzt. Gemeinsam bilden sie das neue Quartier „Oberer Säuterich“. Südlich der Karpatenstraße bilden kleinteilige Baustrukturen (EFH/DH) den „Abschluss des Bestandsquartieres“.

    SÄUTERICHER RÜCKEN
    Die „Säutericher Rücken“ bildet das zentrale Wohnquartier und Herzstück des „Oberen Säuterichs“. Die Scholle wird wegen des hohen Grundwasserstandes um 1 – 2 Meter angehoben.
    Sie gliedert sich an den bestehenden Feldwegen in vier Nachbarschaften, welche jeweils aus zwei Baufeldern mit einem gemeinsamen Wohnhof bestehen. Die Feldwege verknüpfen das neue Quartier mit den Bestandsstrukturen im Norden sowie dem neuen Lärmschutzwallpark und dem Festplatz im Süden.
    Trotz der höheren Dichte orientiert sich der „Obere Säuterich“ an dem angrenzenden Bestand und nimmt in Wegebeziehungen, Typologie und Geschossigkeit immer wieder Bezüge auf.
    Typologisch wird in jeder Nachbarschaft ein breites Spektrum an Haus- und Wohnformen mit differenzierten privaten, halböffentlichen und öffentlichen Freiräumen angeboten. Diese Mischung stärkt das soziale Miteinander innerhalb vielfältiger und lebenswerter Nachbarschaften.
    Strukturell bilden die Geschosswohnungsbauten im Norden das bauliche Rückgrat des „Säutericher Rückens“. Die verdichteten Einfamilienhäuser (RH/DH) werden nach Süden zum Freiraum hin kleinteiliger. Punktförmige Stadtvillen (hochwertiger Geschosswohnungsbau durch dreiseitige Belichtung) ergänzen das breite Angebot und bilden baulich-räumliche Akzente.

    AN DER STADTBAHN
    Nördlich der Scholle bilden fünf markante Punkthäuser den Auftakt des Quartiers von der Stiermärker Straße sowie die Stadtansicht nach Norden entlang der Stadtbahn.

    ABSCHLUSS BESTANDSQUARTIER
    Hier wird die Körnung der angrenzenden Wohnbebauung aufgenommen und mit neuen Adressen zur Grünfuge hin abgeschlossen.

    FREIRAUM
    Der neue Säutericher Rücken lagert an der in Ost-West-Richtung verlaufenden grünen Fuge. Diese verknüpft den inneren Grünzug an der Stadtbahn mit dem äußeren Grünzug, dem Gartenband an der Fiduciastraße und bildet gleichzeitig einen Akzeptanz befördernden Puffer zur Bestandsbebauung.

    GRÜNE FUGE
    Südlich der Karpatenstraße entsteht mit dem „Apfelanger“ eine Promenadenstruktur die das Thema der Gärten an der Fiduciastraße als blühendes Baumband aufgreift und attraktives Stadtgrün mit Erschließungsstrukturen verbindet.

    QUARTIERSPARK UND QUARTIERSPLATZ
    Am Bogen der Stadtbahn entsteht ein Quartierspark der den Grünraum am Friedhof Aue und das Spielband westlich der Bahn aufnimmt und räumlich vollendet. Neue Wegeverbindungen verknüpfen entlang der Bahn und über sie hinweg mit der Schlesier Straße und der Stadtbahnhaltestelle. Längerfristig könnte die Stadtbahn hier als grüne Parkbahn stärker integriert werden. Der Stadtpark verbindet klassisches Parkrepertoire wie neue Spiel- und Aufenthaltsangebote mit den Biotopstrukturen der Wechselkröte zwischen Friedhof und Bahntrasse. Als Verzahnung zwischen grüner Fuge, dem Quartierspark und dem Quartier dient ein kleiner halboffener Platzraum der als Zentrum des Quartiers von der Haupterschließung tangiert wird.

    URBANE LANDSCHAFT
    In Anlehnung an die bestehende Struktur der Feldwege weist die Reihung der Baufelder und Wohnwege eine hohe Durchlässigkeit zum Landschaftsraum auf, Stadtwege gehen dabei am Siedlungsrand in Landschaftswege über. Die Stadtkante wird mit einer der Bebauung vorgelagerten Promenade gefasst, Entsprechend der Anhebung der Baufelder liegt die Promenade etwas erhöht über der Feldflur. Eine Stadtterrasse mit Rasenstufen bildet einen besonderen Bereich als Gegenüber des Festplatzes aus.
    In der Struktur der urbanen Landschaft sind die typischen schmalen Realteilungsstrukturen nach wie vor über ein Patchwork aus Wiesen und verschiedene begehbare Feldkulturen erkennbar. Die vorhandenen Großgehölze und Feldhecken bilden wichtige Kulissen und bleiben erhalten. Die Kleingärten im Binnenraum können dabei in das verlängerte Gartenband im Westen verlagert werden.
    Der Lärmschutzwall wird entlang der Steiermärker Straße B3 nach Osten hin linear ausgebaut. Im westlichen Bereich wird das Relief des Walls zu einer vielfältigen landschaftlichen Skulptur erweitert, indem der lineare Wall eine erhöhte Sockelebene auf +3,00m erhält und um ein aufgesetztes Prismatoid von 6,00m auf 9.00m überhöht wird. Dieser Hochpunkt bildet damit auch einen markanten Aussichts- und Orientierungpunkt an der B3. Die Topografie der Landschaftsskulptur ist geprägt von Böschungen und Flanken, die mit Schotterflächen und Sandlinsen gestaltet sind. Im Zusammenspiel mit extensiven Wiesensäumen und Plateauwiesen entsteht ein charakteristisches Flächengefüge das gute Lebensbedingungen für Mauer- und Zauneindechsen bietet. Als Erholungslandschaft ist das Relief mit dem Wegegrat des Walls und einem Höhenweg sowie gemähten Wiesenwegen zurückhaltend erschlossen. Das Plateau ist sowohl Erholungsraum für den Menschen wie auch Habitat für die Echsen.

    WOHNHÖFE UND GEMEINSCHAFTSGÄRTEN
    Die Scholle wird auf charakteristische Weise rhythmisiert: Je zwei Baufelder gruppieren sich um einen baumbestandenen Wohnhof, auf diese Weise entstehen vier Nachbarschaften, die jeweils durch die Wohnwege gegliedert sind. Die Baufelder selbst sind durch einen hohen Gartenanteil geprägt, der annähernd überall eine Gartennutzung für die EG-Einheiten ermöglichen. Jeweils im Innern der Felder sind Gemeinschaftszonen angeordnet, die eine rückwärtige Gartenerschließung ermöglichen und als Spielbereiche für Kleinkinder ausgestattet sind.

    ARCHITEKTUR
    TYPOLOGIE
    Der „Obere Säuterich“ schafft neuen Wohn- und Freiraum für unterschiedlichste Nutzeransprüche. Neben Doppel- und Reihenhäusern werden auch Geschosswohnungsbauten in Form von Mehrspännern und Punkthäusern mit unterschiedlich großen Wohneinheiten vorgeschlagen. Die Geschossigkeiten reichen von einem Vollgeschoss mit Schrägdach über zwei- bis dreigeschossige Gebäude mit einem aufgesetzten Staffelgeschoss bis zu zwei städtebaulichen Überhöhungen am West- und Ostende der Bebauung mit vier bzw. fünf Geschossen und einem Staffelgeschoss. Zusätzlich zu den etablierten Bau- und Wohnformen werden einzelne Stadtvillen, insbesondere die am West- und Ostende des Quartiers als mögliche Standorte für Baugruppen vorgeschlagen. Die nachgefragte Pflegegemeinschaft kann hier ebenfalls gut integriert werden.

    NUTZUNGEN
    Das Gebiet wird in Dichte und Nutzung als allgemeines Wohngebiet geplant. Neben Wohnnutzungen sind somit auch einzelne verträgliche Nutzungsergänzungen durch kleinere Cafés, Läden oder Ateliers zulässig. Diese werden vor allem in den Erdgeschosszonen am Quartiersplatz und im angrenzenden Park vorgeschlagen, um hier eine angemessene Öffentlichkeit zu schaffen.

    MOBILITÄT
    MIV
    Eine Durchfahrbarkeit des Gebietes zwischen den Knotenpunkten an Steiermärker und Karpatenstraße ist nur für Fuß- und Radverkehr sowie Feuerwehr, Müllabfuhr etc. möglich. Der Anschluss für den motorisierten Verkehr erfolgt ausschließlich über die Steiermärker Straße. Von hier aus werden die Zielverkehre entlang der Erschließungsstraße jeweils in Tiefgaragen unter den Köpfen der Baufelder geleitet, wo sich sämtliche Bewohnerstellplätze befinden. Besucherstellplätze gibt es insbesondere entlang der Erschließungsstraße als Längsparker unter Bäumen sowie ergänzend an den Knotenpunkten mit den alten Feldwegen. Optional sind die Vorgärten der Reihenhäuser entlang den alten Feldwegen ausreichend groß dimensioniert, um einen Stellplatz oder eine Zufahrt zu einer im Haus integrierten Garage aufnehmen zu können. Der MIV nimmt entsprechend von Ost nach West stetig ab. Ab dem Quartiersplatz verringern sich die Fahrbahnbreite sowie das Gesamtprofil der Erschließungsstraße. Die ehemaligen Feldwege und Wohnhöfe sind als Mischverkehrsflächen ausgebildet und weitgehend autofrei. Die befahrbare Promenade entlang der südlichen Baukante dient u.a. auch der Feuerwehr und Müllabfuhr.
    Die wenigen Gebäude als Ergänzung der Bestandsstruktur nördlich der Grünfuge werden über ein Einbahnstraßennetz erschlossen; Alternativ könnten diese auch über einen Anschluss an die Schlesier und Göllnitzer Straße angebunden werden (die Anbindung an die Erschließungsstraße Richtung Steiermärker Straße würde dann entfallen, um Schleichverkehre zu unterbinden).

    UMWELTVERBUND
    Fuß- und Radwege durchziehen das gesamte Gebiet, schaffen engmaschige Verknüpfungen zwischen der Aue und dem Landschaftsraum und integrieren das neue Quartier ganz selbstverständlich in den umgebenden Stadt- und Freiraum. Fahrradstellplätze werden überdacht in den Erdgeschossen der Wohngebäude und bei Bedarf zusätzlich in den Tiefgaragen vorgehalten. Öffentliche Fahrradbügel sind dezentral in den Straßenräumen im gesamten Quartier vorgesehen.
    Sharing-Angebote (Auto/(Elektro-)Rad etc.) befinden sich entlang der Erschließungsstraße an den Knotenpunkten mit den alten Feldwegen (optimale Vernetzung) und an der Zufahrt von der Karpatenstraße sowie als Mobilitätsstation im Bereich der Stadtbahnhaltestelle „Durlach Steiermärker Straße“.

    NACHHALTIGKEIT
    REGENWASSERMANAGEMENT
    Die Dachflächen der neuen Bebauung werden als kombinierte Grün- und Energiefächer ausgebildet. Hierbei werden die Attikabereiche zur solaren Strombereitstellung mit integrierter Photovoltaik versehen. Die restlichen Flächen werden zur Retention und Reinigung von Regenwasser intensiv begrünt. Es wird ein Regenwasserrückhalt von ca. 70% der jährlichen Niederschläge angestrebt. Überschüssiges Regenwasser aus dem Überlauf von Dachflächen wird in offene Mulden in den Innenbereichen der Wohnhöfe geleitet. Dort wird es über die belebte Bodenzone gereinigt, versickert, oder verdunstet. Extreme Starkregenereignisse entwässern in die südlich gelegenen Senken im Freiraum.
    Optional wird ein Grauwasserrecycling vorgeschlagen. Hierfür werden schwach belastete Grauwässer (Dusche, Waschbecken, ggf. Waschmaschine) gereinigt und als Pflegewasser zur WC Spülung, Waschmaschine oder Gartenbewässerung rückgeführt. Hierdurch wird eine Einsparung von bis zu 50% wertvollen Trinkwassers erwartet.

    ÖKOLOGISCHE BAUWEISEN
    Gebäude werden aus nachwachsenden, bzw. vollständig rezyklierbaren Materialien errichtet. Konstruktionen sind so auszuführen, dass eine vollständige und sortenreine Demontage möglich ist. Dazu sollen insbesondere Holz, bzw. Holz-Verbundwerkstoffe zum Einsatz kommen. Bei der Materialwahl sind ökologische und schadstoffarme Materialien zu verwenden um Risiken für Mensch und lokale Umwelt zu minimieren.

    REGENERATIVE ENERGIEVERSORGUNG
    Für alle Gebäude wird eine hohe energetische Qualität der Gebäudehülle von mindestens EnEV 2016 minus 30% angestrebt. Die Nutzenergetische Optimierung wird durch eine gute Kompaktheit, optimierte Grundrisszonierungen und Fensterflächenverteilung, einem sehr guten Dämmstandard, wärmebrückenfreie Konstruktionen und kontrollierter Wohnungslüftung erreicht.
    Der verbleibende sehr geringe Energiebedarf soll überwiegend durch regenerative Quellen am Gebäude selbst oder im unmittelbaren Umfeld gedeckt werden. Die energetischen Ziele orientieren sich an den Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie, die ab Ende 2020 einen "Niedrigstenergiestandard" für alle Neubauten vorschreibt. Das Energieversorgungskonzept nimmt als Ausgangspunkt die städtebauliche Grundkonzeption der einzelnen Baufelder auf. Eine Bilanzierung auf Quartiersebene nutzt Synergieeffekte, die bei einer konventionellen, gebäudeweisen Einzelbetrachtung unberücksichtigt blieben. Ca. 25% der Dachflächen werden mit Photovoltaik versehen. Diese erzeugen Strom vorrangig zur Eigennutzung. Solarsysteme sind in der Planung gestalterisch zu integrieren. Optional kann durch die Einbindung von Elektromobilität in die Energieinfrastruktur der Stromeigennutzungsgrad nochmals erhöht werden.

    INNOVATIVE WASSERVERSORGUNG
    Wir schlagen ein "Low-Ex-Kaltwassernetz" mit dezentraler (gebäudeweiser) Anhebung durch Sole-Wasser-Wärmepumpen zur Heizwärme- und Trinkwarmwassererzeugung vor. Das Kaltwassernetz ist an einen zentralen Speicher angeschlossen, welcher lokal vorhandene Umweltwärme sammelt und bedarfsweise durch weitere Wärmeerzeuger (z.B. BHKW oder Solarthermie) gespeist werden kann. Das System ermöglicht einen sehr effizienten Wärmepumpenbetrieb mit hohen Jahresarbeitszahlen und tiefen CO2-Emissionen. Im Vergleich zu konventionellen Wärmenetzen werden auf Grund sehr geringer Vorlauftemperaturen Wärmeverluste stark reduziert. Im Sommer ist zusätzlich eine passive Kühlung über das Kaltwassernetz im "free-cooling-Betrieb" möglich ohne energieintensive Kältemaschinen nutzen zu müssen.

    MOBILITÄTSKONZEPT
    Das Mobilitätskonzept greift die Lagegunst zum Ortszentrum von Durlach und die Nähe zur Stadtbahnhaltestelle auf und setzt den Schwerpunkt auf die Nahmobilität zu Fuß und mit dem Rad sowie den Umweltverbund. Durch die Konzentration der Parkmöglichkeiten an den Köpfen der Baufelder entstehen weitgehend autoarme, den Aufenthalt begünstigende Straßenräume. Die engmaschige Vernetzung im Fuß- und Radverkehr innerhalb des Stadtquartiers und mit dem umgebenden Bestand, die bedarfsgerechte Ausweisung von Car- und Bike-Sharing-Angeboten und die insgesamt wenig am Kfz-Verkehr ausgerichtete Erschließung stellt insgesamt ein innovatives, zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept dar.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    In der Überarbeitung des Wettbewerbsbeitrags kam es zu deutlichen Veränderungen des Entwurfs. Die Überarbeitung führt in den städtebaulichen Kennwerten zu einer moderaten Steigerung der Wohnnutzung von ca. 44.000 m² auf 48.000 m², bei gleichzeitig maßvoller Reduktion der Bruttogrundfläche von ca. 56.000 m² auf nun rund 51.000 m². Auch die öffentliche Erschließungsfläche hat sich von rund 37.000 m² auf 16.000 m² reduziert. Bei diesem Wert ist jedoch zu berücksichtigen, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil auf einer fragwürdigen Zuordnung von Erschließungsflächen zum Bereich Grünflächen beruht. Insofern ist auch die Zunahme der öffentlichen Grünflächen von rund 55.000 m² auf 72.000 m² zu relativieren.

    In der Überarbeitung des Wettbewerbsentwurfs sind fast alle vom Preisgericht geforderten Nachbesserungen bearbeitet. So wurden u. a. die geforderte starke Differenzierung der Wohn- / Gebäudetypen dargestellt, die Einhaltung der Abstandsflächen weitgehend nachgewiesen und die Erweiterungsfläche den Vorgaben entsprechend angepasst.

    Allerdings sind mit der Überarbeitung nicht nur Verbesserungen erreicht worden. Einige Veränderungen führen eher zu einem Verlust an Spannung und Klarheit im Vergleich zum ersten Wettbewerbsentwurf. Während die Reduzierung der grünen Fuge zu einer Allee vom Preisgericht positiv bewertet wird, kann die neue Bebauung im westlichen Bereich nördlich der Haupterschließungsachse mit ihrem großen Maßstabssprung zum angrenzenden Bestand nicht überzeugen.

    Auch die Auflösung der großmaßstäblichen nördlichen Abschlussbebauung der Quartiere südlich der Haupterschließung in Einzelbaukörper hat eher zu einem Verlust an städtebaulicher Klarheit geführt, ohne dass höhere Wohnqualität gewonnen wurde. Zudem führen die Staffelgeschosse bei den Einzelbauten zu einer kleinteiligen und eher heterogenen städtebaulichen Gesamtwirkung. Der verkleinerte Platz an der Haupterschließung passt nun maßstäblich besser in den städtebaulichen Kontext. Seine Lage am Rand des Quartiers und der fehlende Bezug zum Freiraum überzeugen jedoch nicht.

    Ein weiteres zentrales Problem des Entwurfs ist die Erschließung des Quartiers. Zum einen ist die Hauptschließung insgesamt und in den Fußgängerbereichen zu schmal. Zum anderen führt die schleifenartige Erschließung der südlichen Wohnquartiere zu einem hohen Maß an Erschließungsflächen (s.o.). Auch die formale Ausprägung der Erschließungsstraßen selbst lässt Platzprobleme bei der verkehrlichen und technischen Erschließung erwarten. Zudem ist der kleinteilige Wechsel von reinen Fuß-Radwegen und Mischverkehrsflächen an der Kante zum Park funktional ungünstig und in der Nutzung schwer ablesbar. Auch wurde das Funktionieren des Konzepts des ruhenden Verkehrs nicht für alle Bautypen nachgewiesen.

    Das Konzept weist weiterhin tragfähige Freiraumstrukturen auf. Der Freiraum an der Straßenbahntrasse hat durch die Veränderung aber seine Bindung weitgehend verloren und wirkt nun isoliert. Auch die grünen Höfe im südlichen Quartier sind nach der Überarbeitung zu schmal geworden. Sie lassen so kaum Freiraumqualität, aber einen unangemessen hohen Pfleganspruch für die öffentliche Hand erwarten.

    Die Darstellung des Konzepts zur Entsorgung des Regenwassers ist nur zum Teil nachvollziehbar. Die Öffnung der Wohnhöfe nach Süden sorgt für eine Verbesserung der Ableitung des Regenwassers. Die Verminderung der Aufschüttungshöhe des Gesamtquartiers auf 1 m lässt dagegen Gefälleprobleme bei der Zuleitung des Wassers nach Süden erwarten.