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  • DE-89231 Neu-Ulm
  • 11/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-248856)

Ulmer Riedteile


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    mahl gebhard konzepte, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Andrea Gebhard

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: EISENLAUER Architektur & Stadtplanung, München (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Gesamtkonzeption zur baulichen und freiräumlichen Neugestaltung des Planungsgebiets basiert auf der Idee einer differenzierten, stadträumlichen Komplettierung des bestehenden, heterogenen Siedlungsfragments am Neu-Ulmer Stadtrand. Sie verfolgt die Absicht, durch gezielte räumliche und strukturelle Verknüpfungen der neuen Wohn- und Mischgebiete mit dem vorhandenen Fragment des Stadtgebildes eine neue städtebauliche Einheit zu generieren und den bestehenden Lebensraum mit neuen baulichen Ideen und freiräumlichen Angeboten zu bereichern. Die neuen Elemente tragen dazu bei, das lokale Stadtgefüge dauerhaft zu stabilisieren und lassen eines urbanes, vernetztes Quartier am Stadtrand von Neu-Ulm entstehen.

    Gliederung des Planungsgebiets und Bebauungsstrukturen

    Die vorgeschlagene städtebauliche Neuordnung sieht eine Unterteilung des Planungsgebiets in Baufelder mit überschaubaren Zuschnitten vor, die überwiegend allseitig erschlossen und mit Randbebauungen versehen sind (Adressbildung). In den Binnenbereichen werden ergänzend zu den Privatgärten auch gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen angelegt. Um die beabsichtigte qualifizierte soziale Durchmischung in allen stadträumlichen Einheiten zu ermöglichen werden auf jedem Baufeld Typologien für unterschiedliche Wohnformen angeordnet. Entlang den Haupterschließungen und an wichtigen Kreuzungen sollen klare, wahrnehmbare Straßenräume entstehen. Um weitgehend geschlossene Straßenfronten mit urbanem Charakter auszubilden wird das Anbauen von Reihen- und Kettenhäusern an Mehrfamilienhäuser als strukturelles und gestalterisches Mittel eingesetzt, das die Forderung nach der Durchmischung von unterschiedlichen Wohnbedürfnissen auf der Ebene der kleinsten Einheiten einlöst. In Baufeldern mit überwiegend EFH-Strukturen werden die Ecken durch Punkt- oder Zeilenbebauungen mit 3 oder 4 Geschossen akzentuiert und räumlich gefasst. Trotz des hohen Anteils an Einfamilienhäusern mit entsprechenden Gartenanteilen wird dadurch die Entstehung eines differenzierten und eigenständigen Erscheinungsbilds des neuen Stadtraums unterstützt.

    Freiraumkonzept

    Ergänzend zur Konzeption der städtebaulichen Struktur werden Grünräume mit unterschiedlicher freiräumlicher Qualität geschaffen. Das gestaltprägende Element des gesamten Quartiers ist eine ´Grünen Mitte´, die an den bestehenden Siedlungsraum anknüpft, das Gesamtgefüge räumlich zentriert und neben dem spezifischen Freiraum der Robert-Koch-Straße auch das vorhandene Biotop in seinen Wirkungsraum integriert und räumlich an den neuen Teil der Ringstraße anschließt. Dieser große öffentliche Park ist zentraler ein Anziehungspunkt mit Gemeinschafts- und Aktionsflächen für die neuen Bewohner und Anwohner aus der Umgebung. Ein großer Kinder- und Jugendspielplatz sowie urbane Platzflächen an den Eingangspunkten zu diversen Baufeldern, insbesondere im Bereich der Anbindung an die Filchnerstraße, ergänzen sich zu einem attraktiven Gesamtkonzept, welches das ganze Quartier mit einbezieht.
    Zusätzlich übernimmt der große unversiegelte Freiraum ökologische und naturschutzfachliche Funktionen, zum Beispiel über den weitgehenden Erhalt des Biotops, der Gestaltung von Regenwasser Retentionsflächen und zusammenhängenden Waldstrukturen. Innerhalb der einzelnen Baufelder ergänzen gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen für Kleinkinderspiel, oder als Begegnungsräume und Nachbarschaftstreffs die intimen privaten Freibereiche.
    Die beiden neuen Stadtränder werden differenziert ausgebildet: Im Süden wird der Grünzug entlang der Gewerbebauten weitergeführt. Nach Westen hin entsteht eine lockere Struktur, die sich zum angrenzenden Grünraum hin öffnet und diesen mit den Wohngebieten verbindet. Zudem schließt daran der Naturpark an, der die Reichsfestung und den Illerkanal erlebbar macht und dem neuen Quartier eine einzigartige Note verleiht.

    Erschließungs- und Wegekonzept

    Als übergeordnete Maßnahme zur Gesamterschließung des Quartiers wird der Ringschluss zwischen der Filchnerstraße im Süden und der Humboldstraße im Norden vorgeschlagen. Diese neue Hauptverbindung, deren Verlauf annähernd der Spur des vorhandenen Radwegs folgt, wird als besonderer Straßenraum mit einem spezifischen Zuschnitt und einer sehr eigenständigen Ausprägung ausgebildet. Sie stellt gemeinsam mit dem zentralen Park das stadträumliche Rückgrat des gesamten Quartiers dar und ist nicht nur als Durchgangsraum, sondern auch als Begegnungs- und Aufenthaltsraum konzipiert, und mit einer hohen Freiraumqualität ausgestaltet. Durch die Anordnung der PKW-Stellplätze in der Mitte des Straßenraums werden die Straßenränder entlastet. Daraus entsteht eine weitgehend störungsfreie Führung des lokalen und überörtlichen Radverkehrs (Verbindung nach Ludwigsfeld) auf einem Angebotsstreifen, der in beiden Fahrtrichtungen parallel zur PKW-Trasse verläuft, und ein wertvolles Wohnumfeld für die Wohnnutzungen in den straßenraumbegrenzenden Einheiten. Als weitere Maßnahmen zur Entschleunigung der Verkehrs werden im Bereich der Filchnerstraße Verengungen der Fahrbahn in den Bereichen der ein- und Ausfahrten vorgeschlagen.
    Die zentrale Ringerschließung wird durch ein Netz an Neben- und Wohnstraßen ergänzt, das die Baufelder verknüpft. Entsprechend Ihrer Bestimmung und Lage erhalten die einzelne Straßenräume einen jeweils spezifischen Charakter und werden als Wohnumfeld mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet.

    Typologien und Nutzungsverteilung

    Den Auftakt der Neubebauung und den Übergang zu den bestehenden Strukturen im Norden bildet ein bauliches Ensemble mit Sondernutzungen und Einrichtungen für den Gemeinbedarf. Neben einem Jugend- und Bürgerzentrum an der Einfahrt zu den Neubaugebieten, nutzt ein Winkelbau mit Gastronomie und Hotelnutzung (Distanz B 10 / B 28 ca. 2 km) der ergänzend oder alternativ auch Sonderwohnformen wie Senioren-WGs / betreutes Wohnen aufnehmen kann, die Gunst der Lage an der nördlichen Schnittstelle zwischen Haupterschließung und Parkanlage und bildet die beidseitigen Raumkanten aus. Den westlichen Abschluss am Park stellt ein Geschosswohnbau her, der die Sozialeinrichtung und betreutes Wohnen (Heranwachsende / Senioren) beherbergen kann.
    Im Süden komplettiert ein markanter Büropark bzw. Gewerbehof die Flucht des baulichen Rands des Neu-Ulmer Stadtgebiets. Im Westen hingegen stellt ein stadträumlich durchlässiges Bebauungsmuster einen mit baulichen Höhenakzenten versehenen und dadurch rhythmisierten Übergang des Siedlungsraums zum angrenzenden Landschaftsraum her, dessen Bebauungsstruktur für die Bedürfnisse von Baugruppen und Baugemeinschaften besonders geeignet ist.
    Auf den Baufeldern im Inneren des Planungsgebiets wird ein breites Spektrum an Gebäudetypologien für Wohnnutzungen angeboten: Geschosswohnungsbauten mit drei oder 4 Geschossen, Reihen- und Kettenhäuser mit 2 oder 3 Geschossen sowie 3-Parteien-Häuser mit 3 Geschossen, die jeweils drei Wohneinheiten mit unterschiedlichen Zuschnitten aufnehmen können. In den Geschosswohnbauten im Übergang zum Park sind im EG kleine Einheiten mit Nichtwohnnutzungen vorgesehen (Mietbüros, Kleingewerbe, spez. Dienstleistungen, Kinderbetreuung, Backshop mit Tagescafe etc.) die das Nutzungsspektrum des Wohnquartiers punktuell ergänzen und bereichern können.

    Ruhender Verkehr

    Ein wesentlicher Teil der notwendigen PKW-Stellplätze wird oberirdisch angeordnet, teilweise in Garagen oder Carports, um Angebote für den geförderten Wohnungsbau bereitzustellen. Alle weiteren Stellplätze für Geschosswohnbauten und Sondernutzungen werden in Tiefgaragen untergebracht. Die EFH-Typologien sind nahezu vollständig mit Garagen im EG der Einheiten ausgestattet. Im Bereich der Gewerbe- und Büronutzungen sind alle Stellplätze oberirdisch ausgewiesen.

    Energie, Nachhaltigkeit und Windkomfort

    Die neuen Bebauungsstrukturen werden mit kompakten Abmessungen konzipiert, mit einem günstigen Verhältnis der Hüllfläche (Fassaden) zur Grundfläche aller einzelnen Baukörper. Für die Neubauten ergeben sich aufgrund der Abstände und der Orientierung nach Osten, Süden und Westen ganzjährig direkte Sonneneinstrahlungen mit einer hohen Belichtungsqualität, die ebenso in den Garten- und Freibereichen gegeben ist. Ergänzend dazu können auf den allen Flachdächern, die nicht durch freiräumliche Nutzungen belegt werden, Photovoltaikanlagen installiert werden. Ökologischen Kriterien folgend werden sämtliche Dachflächen, sofern nicht intensiv genutzt, extensiv begrünt. Das gesamte Dach- und Oberflächenwasser wird, sofern nicht verunreinigt, über Retentionsflächen an den Rändern der Freiflächen versickert. Die offene Bebauungsstruktur im Südwesten des Planungsgebiets gewährleistet eine stetige Luftzufuhr aus der bevorzugten Windrichtung von Südwesten und begünstigt die lokalklimatischen Verhältnisse des Wohnstandorts.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.