loading
  • DE-72417 Jungingen, DE-72336 Balingen
  • 12/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-252813)

Wohnquartier Sting-/Charlottenstraße


  • 3. Preis

    Modellfoto, © KTP

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    9 schöne Wohnhäuser
    finden einen sicheren und selbstverständlichen Platz im Park – dem erweiterten Park im Etzelbachtal.

    Die Gebäude ergänzen die solitären Strukturen des Stadtteils im Osten Balingens.

    Die 3, 4 und 5-geschossigen Gebäude erhalten jeweils ein eingerücktes
    Pentgeschoss. Die Wohngebäude ermöglichen in ihrer schachbrettartigen Anordnung großzügige Freiräume und gute Abstandsflächen. Pro Haus werden zwei Wohneinheiten angeordnet mit einer vernünftigen und behindertengerechten Vertikalerschließung. Damit entstehen 7, 9 oder max. 11 Wohneinheiten pro Haus, eine überschaubare, freundliche und kommunikative Nachbarschaft.

    Die Orientierung der Gebäude nach Osten, Süden und Südwesten nutzen die Qualitäten und Optionen des Standorts und des Konzeptes:

    Gute Aussicht zur schwäbischen Alb und zur Burg Hohenzollern nach Westen;
    Eine gute Orientierung entsprechend der Himmelsrichtungen nach Osten, Süden und Westen,
    sowie eine Anordnung mit der Erschließungsseite zur verkehrsbelasteten Charlottenstraße und einer vom Verkehrlärm abgewandten Orientierung nach Südosten, Süden und Südwesten.


    Die Freibereiche - der Park

    Die neun Wohngebäude stehen in parkartiger Umgebung:
    solitäre Bäume;
    ein organisches Wegenetz mit Anbindung an das externe Wegenetz;
    zusammenhängende Rasenflächen ergänzt um intensiver bepflanzte Flächen bilden das Repertoire für einen kontemplativen und atmosphärischen Ort.
    Die privaten Freibereiche werden durch Abpflanzungen vom öffentlichen Grün getrennt.
    Entlang der Charlottenstraße und auch der Stingstraße markiert eine lockere Baumreihe den Straßenraum und bildet ein Filter zum Wohngebiet.

    Die Gewerbeflächen sind an der Stingstraße angeordnet. Eine befestigte Vorzone ermöglicht gut orientierte Freibereiche für das kleine Cafe zum Bäcker, inkl. zugeordneten Parkplätzen.

    Mittelfristig arrondiert sich das Parkgelände über die bisher angesprochenen Grundstücksflächen hinaus.
    Eine Anbindung an die geplante Kulturachse nördlich des Etzelbachtals mittels einer kleinen, landschaftlichen Brücke ist vorgesehen und empfohlen.

    Die neue Bebauung respektiert und vollzieht die vorhandene Topografie nach. Ein Gefälle von Süd nach Nord um ein Geschoss, (zwei Halbgeschosse) wird durch die Gebäude aber auch die Tiefgarage umgesetzt.


    Erschließung

    Das Wegesystem im Park erreicht alle Gebäude an ihrer Adresse, mit selbstverständlicher Orientierung. Die Zugänge befinden sich jeweils auf den Nordwestseiten. Die interne Erschließung der neuen Gebäude erfolgt dann über ein Zwei/Drei-Spännersystem und einer Orientierung der Wohnungen nach Süden, Osten und Westen.

    Die Wege im Park sind mit differenzierten Belägen ausgebildet und ermöglichen so auch die Versorgung und Notfallerschließung der Gebäude.

    Die Tiefgarage befindet sich als einheitliche Unterkellerung unter allen neun Häusern mit jeweils direktem Zugang zu den Wohnungen. Die Tiefgarage folgt dem Gefälle des Geländes und bildet drei Ebenen jeweils halbgeschossig versetzt von Süden nach Norden fallend aus. Die Tiefgarage wird von der Charlottenstraße aus am nordwestlichen Eck des Grundstücks erschlossen. Mit einer (!) Einfahrt erschlossen.
    125 Tiefgaragenstellplätze erfüllen die Forderung der Auslobung ergänzt durch 10 oberirdische Stellplätze im Zusammenhang mit der Gewerbeeinheit an der Stingstraße.


    Wohnungsmix und Wohnungsinfrastruktur

    Die Gebäude mit 7 bis max. 11 Einheiten schaffen eine überschaubare und freundliche Nachbarschaft. Die Orientierung der Wohneinheiten für eine gute Aussichts- und Himmelsrichtung ist gewährleistet.
    Jede Wohneinheit hat einen großzügigen Balkon, vorgelagert und thermisch entkoppelt und in wechselnder Lage; diese Freifläche ergänzt die Qualität aller Wohnungen.

    Kinderwagen- und Fahrradabstellräume befinden sich im EG. Im Zusammenhang mit dem Eingang ebenso ein Müllraum.
    Abstellräume zu den einzelnen Wohnungen befinden sich jeweils im Zugangsbereich der Tiefgarage.

    Die privaten Terrassen/Gärten in der EG-Zone sind mit begrüntem Sichtschutz vom öffentlichen Grünraum abgetrennt.

    Die Gewerbeeinheit schafft an richtiger Stelle ein Angebot für das Quartier und darüber hinaus.


    Material und Gestalt

    Die opaken Flächen der Gebäude sind zweischalig aufgebaut, wärmegedämmt und hinterlüftet.
    Eine geschlemmte Sichtmauerwerksschale bildet die hellfarbig/weiße Oberfläche mit leichter Farbnuancierung zwischen den einzelnen Gebäuden.

    Die transparenten Elemente der Fassade sind mit großzügigen
    Holz-Alufenstern versehen. Ein wärmegedämmter Alurollladen ist jeweils vorgesehen. Blindflächen innerhalb der großzügigen Öffnungen in der Fassade werden mit einer aluminiumeloxierten Oberfläche (wärmegedämmt) ergänzt.

    Die Flachdächer erhalten eine leistungsfähige Kunststoff/Kautschuck- Abdichtung auf der Wärmedämmung. Das Flachdach hat in allen Bereichen ein notwendiges Gefälle. Innenliegende Entwässerung werden um Flachdachüberläufe an der Außenseite in geordnetem Erscheinungsbild ergänzt.

    Die begrünten Terrassen (Pentgeschoss) schaffen hohe Wohnqualität und eine geordnete Dachaufsicht. Dadurch entstehen reduzierte Traufhöhen nach Osten, Westen und Süden und damit verbunden günstige Verschattungen für die Freiräume.

    Ggf. erhält die oberste Dachebene eine eben verlegte Photovoltaikfläche.
    Die Beheizung der Gebäude erfolgt vorzugsweise über eine zentrale Wärmeversorgung (Blockheizkraftwerk), abgestimmt entsprechend den örtlichen Gegebenheiten in Balance von ökologischen und ökonomischen Aspekten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit dem Thema „9 Wohnhäuser im Park“ überzeugt die Arbeit in ihrer Grundidee, in der Umsetzung in Baukörpern und in ihren Freiräumen. Der Umgang mit der Topografie, besonders der Beitrag einer Aufweitung des Etzelbach-Einschnitts beidseitig des Bachlaufs in eine innerstädtische Parklandschaft, ist bemerkenswert. Folgerichtig ist die Qualität des Wohnumfeldes mit guten Ausblicken in den Landschaftsraum von allen Wohnungen sehr gut gegeben. Dies steigert den durch die dreiseitig belichtbaren Grundrisse, die aussenliegenden Bäder und natürlich belichtete außenliegende Treppenräume schon hohen Wohnwert zusätzlich. Kritisch wird dagegen die städtebauliche Anknüpfung an die umgebenden Strassenräume gesehen. Gestaffelte Baukörper entlang der Stingstraße, vor allem die niederen nur 3-geschossigen Häuser an der Charlottenstraße mit breiter Öffnung ins Quartiersinnere sind so nicht nachvollziehbar.
    Die Erschließung des Gesamtquartiers wie auch der einzelnen Gebäude ist in der Parklandschaft angenehm orientiert.
    Die Tiefgarage, die sich der neuen Topografie folgend in 3 gestaffelten Ebenen vollständig unter den Park legt und aus allen Häusern direkt erschlossen wird, erscheint wirtschaftlich und an richtiger Stelle angefahren. Die Zufahrt ist jedoch den Bauabschnitten anzupassen. Natürlich bedingen 9, teilweise nur 3-geschossige 2-Spänner einen relativen hohen Erschließungsaufwand. Diese scheinbare Unwirtschaftlichkeit wird durch sich wiederholende Gebäudetypen, einfache Grundformen und einfache Fassaden (schlecht lesbar, jedoch der Typologie der Stadthäuser angemessen) wett gemacht. Da die Hauptausrichtung Südosten ist, liegen 50% der Wohnungen nur S/O-orientiert mit Balkonen auf der Ostecke. Die in den Obergeschossen auch an der Ecke vorgesehenen „Minibalkone“, müssten vergrössert werden. Demgegenüber sind die vorgeschlagenen Dachterrassen der Penthouse-Wohnungen deutlich überdimensioniert.
    Kritisch gesehen wird, dass die Gewerbefläche nur zur Hälfte im 1.BA verwirklicht werden kann, dass 3 Gebäude ebenfallss erst im 2.BA realisierbar sind und dass die Tiefgarage im 1.BA direkt an das bestehende Archivgebäude angrenzt. Dies erscheint bautechnisch schwierig und aufwendig.
    Die angedachte Bäckerei mit Café ist zwar an der richtigen Stelle positioniert, aber leider im 1.BA nicht vollständig umsetzbar.
    Insgesamt ein besonderer Beitrag, dessen besondere Qualität in den mit großen Bäumen bereicherten Grünraum zur Stadthalle besteht. Wegen der vollflächigen Tiefgarage sind die gewünschten Baumstandorte im Quartiersinneren nur begrenzt möglich.
    Hervorgehoben wir die qualitätvolle und auch sehr gut vermarktbare Wohnqualität der angebotenen Wohntypologien.