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  • DE Hamburg
  • 07/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7552)

Zentrum Wilhelmsburg


  • 2. Preis

    Blatt 1

    Architekten
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterung:
    Analyse des Ortes
    Das Wilhelmsburger Zentrum wird seiner Aufgabe als Stadtteilzentrum nicht gerecht. Folgende Mißstände tragen hierzu im Wesentlichen bei:

    - Schlechte Vernetzung des WEZ als Insel mit seiner Umgebung
    - Unattraktive Zugänge zum Zentrum
    - Ungefasste orientierungslose Stadträume im scheinbar zufälligem Nebeneinander der Bestandsgebäude
    - Ineinanderfließen von öffentlichen und privaten Freibereichen
    - Nutzungskonflikte durch unklare Trennung von Wohn- und Geschäftsbereichen
    - Einseitiges Angebot an Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie bedingt durch unattraktive und schlecht orientierte Ladenzonen
    - Verwahrloste, unübersichtliche Platzräume

    Das vorliegende Konzept versucht diese Mißstände durch thematisch gezielte Eingriffe umzukehren. Dabei sollen sich Bestand und ergänzender Neubau zu einem selbstverständlichen Gesamtbild verbinden.

    Das WEZ als Insel
    Das Wilhelmsburger Zentrum präsentiert sich als durch Verkehrswege allseits abgeschnittene und losgelöste Insel im Stadtraum. Durch den introvertierten Charakter der Bebauung kehrt sie ihre Rückseiten nach außen. Innerster Kern der Insel ist der Berta-Kröger-Platz. Er wird markiert durch zwei Wohnhochhäuser. Im vorliegenden Konzept werden die beiden Themen, grüne Insel und zentraler Platz, aufgenommen und gestärkt. Gleichzeitig wird diese Struktur mit einem klaren und eindeutigen Wegenetz überlagert und ein Brückenschlag zur Umgebung hergestellt.

    Zentraler Platz und Wegenetz
    Der Berta-Kröger-Platz bildet End- und Kristallisationspunkt aller fußläufigen Wegeverbindungen. Damit wird seine Bedeutung als Herz des WEZ betont. Bestehende Wegeverbindungen werden hierarchisch geordnet und wo nötig gestärkt. Auch die Bahnhofspassage als wichtigster Zugang ordnet sich in dieses System ein und stellt die Westverbindung zur S-Bahnstation dar. Der neue, erweiterte Ostzugang verbindet die öffentlichen Einrichtungen mit dem WEZ. Der bestehende südliche Platzzugang wird aufgeweitet während der nördlich gelegene Weg seine öffentliche Bedeutung verliert. Entsprechend wird in Nord- und Südrichtung verfahren: Ein Hauptweg wird definiert und baulich gestärkt. Die Wege münden direkt in Fußgängerüberwege als Verbindung zu den angrenzenden Quartieren. Die Trennwirkung der bestehenden Erschließungsstraße Krieterstraße wird durch eine Neuordnung des Straßenraums reduziert.

    Die Attraktoren
    Die bestehenden Hochhäuser werden als weithin sichtbare Attraktoren genutzt und durch zwei weitere, etwas niedrigere Hochpunkte sinnvoll ergänzt. Ihr äußeres Erscheinungsbild wird durch eine einheitliche Fassadengestaltung zusammen mit den renovierten Wohnhochhäusern geprägt. Diese Attraktoren haben sowohl eine äußere wie auch innere Orientierungsfunktion: Nach außen markieren sie die Zugänge zum WEZ und geben ihm eine weithin sichtbare Identität. nach Innen wirken sie als Merkzeichen, welche die wichtige Verklammerung von Bahnhof, Passage und Zentralem Platz unterstreichen.

    Bahnhof, Passage, Platz
    Die jetzige Bahnhofspassage stellt eine unattraktive, nicht funktionierende Verbindung zum Berta-Kröger-Platz dar. Für den Quartiersplatz ist diese jedoch wichtigste „Lebensader“ und daher von essentieller Bedeutung. Durch mehrere Eingriffe wird diese Verbindung aufgewertet:
    Die neue Bebauung nördlich und südlich fasst die Passage räumlich und führt sie direkt auf den Berta-Kröger-Platz.
    Diese wird von Ladenzonen im Erdgeschoss gesäumt, die sich zur Passage hin orientieren.
    Durch die leichte Schrägstellung der nördlichen Randbebauung wird eine perspektivische Verkürzung erzielt, welche die Länge der Passage mit Blick vom Bahnhof optisch reduziert.
    Die beiden neuen Hochpunkte markieren wie „Kimme und Korn“ den Weg zum Quartiersplatz
    Die bestehenden Abgänge von der Fußgängerbrücke werden entfernt zugunsten einer klaren und reduzierten Planung.

    Nutzungsentflechtung
    Wesentliches Ziel des Konzeptes ist eine Entflechtung der bestehenden Nutzungen Gewerbe und Wohnen in Konfliktbereichen.
    Durch neue Ergänzungsbauten sowie definierter Freiraumgestaltung werden klare Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Räumen gezogen.

    Gewerbe: Einkaufszentrum, Ladenzonen und Gastronomie

    Die bestehende Ladenpassage des Einkaufszentrums wird abgerissen und durch eine neue Mantelbebauung ersetzt. Wesentliche Änderung ist dabei die klare Orientierung der Geschäfte zur Einkaufspassage bzw. zum Quartiersplatz. Dabei kann das Innere des Einkaufszentrums in seiner Dimension und Orientierung erhalten bleiben. Zentrale Zugänge verbleiben an ihrer jetzigen Position. Eine südliche Ladenzone entsteht als neues Gegenüber des Einkaufszentrums. Für die Obergeschosse ist eine Mischung aus Dienstleistung und Wohnen denkbar.
    Nördlich des Berta-Kröger-Platzes wird zusätzliche Verkaufsfläche für einen Discount-Markt geschaffen als wichtiger Ankermieter am Quartiersplatz. Die Nutzung des Platzes als Markt wird weiter ausgebaut.
    Die Erdgeschosszonen der bestehenden Hochäuser werden durch eine transparente Gestaltung attraktiver Standort für Gastronomie am Quartiersplatz

    Wohnen: Private Wohnhöfe und Grünmantel

    Der private Raum der bestehenden Wohngebäude im Osten und Süden des Planungsgebietes soll definiert und geschützt werden. Zum einen werden durch ergänzende Neubauten Wohnhöfe geschaffen die, sich klar vom öffentlichen Raum abgrenzen, zum anderen wird der bereits vorhandene Grünmantel als optischer Puffer zwischen bestehender Wohnbebauung und äußerem Erschließungsring weiter gestärkt.

    Freiraumgestaltung
    Die Freiräume werden in drei verschiedene Typologien unterteilt:
    - Grüngürtel
    - Grüne Innenhöfe
    - Fußgängerzone

    Der Grüngürtel legt sich um das Wilhelmsburger Zentrum und wirkt wie ein durchlässiger Filter zu angrenzenden Strassen und den Bahnanlagen. Gleichzeitig hat er vernetzenden Charakter mit den Freiräumen der anschließenden Wohnquartiere. Durch die Verkleinerung und Umgestaltung der Algermissenstrasse sowie deren angrenzende Parkplatzflächen, entsteht ein linearer Grünzug innerhalb des Grüngürtels, der das künftige Haus der Jugend mit der Neuenfeldstrasse und der Brückenverbindung zur IGA verbindet.

    Die Grünen Innenhöfe sind künftig halböffentliche bis private Bereiche, die den Bewohnern der umschließenden Gebäude zur Verfügung stehen. Durch eine Neuordnung der Höfe entstehen erdgeschossige Mietergärten sowie zentrale Gemeinschaftsflächen mit Spielplätzen. Die Höfe werden offen und übersichtlich gestaltet. Geschnittene Hecken grenzen die privaten Mietergärten von den Gemeinschaftsflächen ab. Die grünen Innenhöfe werden zu kommunikativen Mittelpunkten für Eltern, Kinder und Senioren.

    Die Fußgängerzone wird zum neuen Rückrad des Wilhelmsburger Zentrums. Sie bildet die städtische Verbindung zwischen dem Haus der Jugend und den dahinter liegenden Quartieren mit dem Bahnhof und der Brückenverbindung zur IGA.
    Die Zone wird mit einem einheitlichen, großformatigen Betonplattenbelag versehen. Innerhalb der Fußgängerzone weitet sich der Raum zu zwei platzartigen Situationen auf. Der Bibliotheksvorplatz und der Berta Kröger Platz bilden die kommunikativer Stationen der Fußgängerzone. Diese werden durch große Holzintarsien markiert, die wie Inseln im Betonplattenbelag schwimmen. Die „Leselounge“ und die „Marktlounge“ laden zum Verweilen, Beobachten, Essen und Ausruhen auf partiell erhöhten Holzflächen unter einem Baumdach ein. Ein Teil der bestehenden Bäume könnten in die Holzlounge integriert werden. Eine Ausstattungslinie aus ebenfalls bodenbündigen Holzflächen mit partiellen Sitzbänken, Leuchten, Fahrradständern, Papierkörben, etc. verbindet die Aufenthaltsbereiche und markiert die Hauptrichtung der Fußgängerzone vom Bahnhof zum Has der Jugend.
    Der Berta Kröger Platz wird durch die Marktlounge in einen offenen und einen besetzten Bereich zoniert. Dadurch entsteht ein zusammenhängend nutzbarer Raum ohne Barrieren für den Markt. Auf der Nordseite des Platzes begrenzen große Mastleuchten den Raum zusätzlich zu den angrenzenden Gebäuden.

    Andienung / Busbahnhof
    Die Andienung des WEZ wird für Bus / Taxi / Parkhaus und Lieferverkehr im System beibehalten jedoch gestrafft und optimiert: Hierfür wird ein neuer zentraler Omnibusbahnhof ausgebildet. 7 Bushaltestellen werden in Parallelstellung angeordnet und für die Umfahrt von Gelenkbussen dimensioniert.

    Ruhender Verkehr
    Als Ergänzung zu den bestehenden Parkhäusern wird ein weiteres Parkhaus auf der bestehenden Parkplatzfläche zwischen Wilhelm-Strauß-Weg und Neunfelderstraße vorgeschlagen. Dieses soll vor allem Park-and-Ride-Nutzern zur Verfügung stehen.

    Bauphasen
    Der Umbau des WEZ kann in vier Bauabschnitte geteilt werden. In der ersten Bauphase wird die Riegelbebauung südlich der Bahnhofspassage errichtet. Der Betrieb der bestehenden nördlichen Ladenpassage kann aufrechterhalten bleiben, da die introvertierte Orientierung grundsätzlich eine Erschließung der Geschäfte ermöglicht. Erst bei Fertigstellung des Südbaus soll diese abgerissen werden. Bestehende Läden können nun zeitnah in die neuen Erdgeschosszonen umziehen. In einer zweiten Phase wird eine neue Mantelbebauung um das bestehende Einkaufszentrum gezogen. Bauabschnitt Drei ersetzt die nördliche Bebauung des Berta-Kröger-Platzes zugunsten einer größeren und kompakten Einzelhandelsfläche. Die Erdgeschosszonen der bestehenden Hochhäuser werden für gewerbliche Nutzung modernisiert. Im letzten Bauabschnitt werden schließlich die bestehenden Wohnriegel sinnvoll erweitert und ergänzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.