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  • DE Leipzig
  • 04/2004
  • Ergebnis
  • (ID 2-577)

Olympisches Dorf Leipzig 2012


  • Preisgruppe 1

    Verknüpfung von Wohn- und Freiräumen

    Architekten
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Prof. Hildebrand Machleidt Dipl.-Ing. Carsten Maerz, Cand.Arch. Anja Göhringer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: TDB Landschaftsarchitektur Thomanek Duquesnoy Boemans, Berlin (DE)
    Architekten: Schettler + Wittenberg Architekten, Weimar (DE)

    Preisgeld
    32.500 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee:
    Es wird ein moderner ablesbarer Siedlungskörper entworfen, der sich vor die städtische Kante der Plautstraße lagert und einen deutlichen Abstand zur Lützener Straße hält. Die Landschaft umgreift den städtebaulichen Hybrid des Olympischen Dorfes und unterstreicht so dessen Besonderheit. Die künstliche Topografie des Ortes wird zum wichtigsten räumlichen Gestaltelement.

    Der Lindenauer Hafen wird in voller Breite bis an die Lützener Straße herangezogen und mit öffentlich zugänglichen tribünenartigen Landschaftsterrassen zum Karl-Heine-Kanal hin versetzt. Die Weite der Wasserfläche soll an die landschaftliche Situation am Olympia-Park anknüpfen und die spezifische Qualität des Olympischen Dorfes und seiner Nachnutzung steigern helfen.

    Der Entwurf des Olympischen Dorfes konzentriert sich auf die Ostseite des Hafens und schafft damit eine kompakte Siedlung der kurzen Wege. Ein differenziertes Gefüge von öffentlichen Räumen bietet Raum für ein urbanes Leben.

    Das Westufer samt Landschaftsraum kann - bis auf die Sporthalle an der Lützner Straße und die temporären Wohncontainer - von Bebauung frei gehalten werden.

    Das dauerhafte Wohnungsbauvolumen des Olympischen Dorfes wird auf etwa 60% des Programmes beschränkt und konzeptionell auf die schwache Leipziger Marktsituation ausgelegt. Etwa 40% des Wohnens werden in temporären Bauten in den Siedlungskörper integriert und nach der Olympiade in wohnungsnahe Grün- und Freiflächen umgewandelt. Gleichzeitig symbolisieren die technischen Containerbauten das temporäre Ereignis der Olympischen Spiele.

    Der Bereich der Paralympics kann sich konzeptgemäß auf die Ostseite des Hafens beschränken. Die kompakte Anordnung des Olympischen Dorfes erscheint optimal für die Nutzung durch die wesentlich geringere Anzahl von Sportlern und Begleitpersonen.

    Die Promenade am Hafen wird für die Zeit der Olympiade – mit ihrer maximalen Belegung – durch eine vorgelagerte schwimmende Pontonanlage ergänzt. Sie soll die Lage des Dorfes am Wasser erlebbar machen und das öffentliche Leben, insbesondere durch die Mensazelte mit nationalen Küchen und die Bootsanleger inszenieren. Am gegenüberliegenden Ufer sind Pontonstege mit olympischen Hausbooten verankert.

    Städtebau und Architektur:
    Der städtebauliche Entwurf nutzt das topographische Potential des Ortes von insgesamt 8 Metern durch eine Terrassierung der Bebauung und eine räumliche Orientierung nach Südwesten zum Hafen.

    Unmittelbar vom Wasser aus entwickelt sich eine teppichartige Struktur von 2- bis 4-geschossigen Gartenhäusern in die zur Olympiade mobile Containerbauten eingestellt werden. An ihrer Stelle fügen sich in der Nachnutzung grüne Plätze ein, die den Freiraum des Hafens in die Bebauung hineinziehen. Oberhalb der Längsalle (+3,0 m) schließt sich eine angehobene gegliederte Zeilenbebauung von 4 bis 5 Geschossen an. Sie orientiert sich mit ihren Erschließungshöfen über die Gassen zum Hafen und mit ihren Gartenhöfen zu dem grünen Anger an der Plautstraße.

    Den Kopf des Olympischen Dorfes und das räumliche Gelenk zur Stadt bildet der Olympische Platz mit den Funktionsbauten der Internationalen Zone und den wichtigen zentralen Einrichtungen der Residential Zone.

    Die beiden großen Speicher werden bauliche eingebunden und für die spezifischen Funktionen genutzt, der kleine Speicher im Norden wird für dauerhaftes Wohnen wiederaufgebaut.

    Im Rücken der Speicherzone - über das historische Gleis gehoben - befinden sich während er Olympiade weitere temporäre Bauten, die in der Nachnutzung einer um Bahnhof und Gleis herum gestalteten Parkanlage Platz machen.

    Ein dritter Standort für temporäre Containerbauten befindet sich jenseits des Hafens im topografisch gestalteten Fußpunkt des neuen Landschaftsparks in Verbindung mit den Sportanlagen.

    Es wird davon ausgegangen, dass die olympischen Containerbauten nach den Spielen eine vielfältige und imagebeladene Weiterverwendung finden werden, sowohl im regionalen als auch im internationalen Bereich.

    Das gleiche gilt für die Pontons, die bereits ein erprobtes und bezahlbares Industrieprodukt sind (u. a. BuGa Rostock) und mit dem praktischen Maß von 4 x 20 Metern einen relativ normalen Straßentransport ermöglichen.

    Die Hausboote sind mobil. Sie können beispielsweise auf die Baggerseen um Leipzig verholen oder hier ein dauerhaftes Liegerecht erhalten.

    Die Erschließung des Olympischen Dorfes erfolgt über die vier ausgewiesenen Tore mit externer Shuttleanlage am Haupttor an der Plautstraße. Der interne Shuttle verkehrt in einem engeren Zirkel sowie in einer weiteren Route, die die nördlichen Speicher und den südwestlichen Sport- und mobilen Wohnbereich jenseits des Hafens mit einbindet.

    Die Straßenerschließung nach Olympia ist äußerst knapp ausgelegt. Sie nutzt die vier ehemaligen Tore sowie einen zusätzlichen Anschluss an die Plautstraße, um eine dezentrale Vernetzung mit der Stadtsicherzustellen. Wohngassen, Promenaden und Wege ergänzen die Haupterschließung und sorgen für eine störungsarme Feinverteilung in der Wohnsiedlung.

    Wendehämmer an den Wohngassen sind nicht erforderlich, da Sonderfahrzeuge wie Müll-, Feuerwehr- und Umzugsautos eine Legitimation zum Ringschluss über die Hafenpromenade erhalten.

    Für den besonderen Standort am Wasser werden Gebäudetypologien angeboten, die das Wohnen und den Freiraum auf besondere Weise miteinander verbinden.

    Ein überwiegender Anteil an Gebäuden („der Teppich“) wird in hoher Dichte eingebettet in eine Garten- und Grünlandschaft mit Blickbeziehungen zum Wasser entwickelt. Die architektonische Gestaltung der Gebäude und ihre Höhenstaffelung erlauben immer ein „Über-das–Gebiet-hinweg zum Wasser schauen“.

    Die vorgeschlagenen Haustypen sowohl im Teppich als auch in den darüber liegenden Höfen mit dazwischenliegenden Gärten bilden keine Konkurrenz zu den vorhandenen verbauten Wohnformen der Stadt Leipzig, sondern stellen eine sinnvolle und nachgefragte Ergänzung dar.

    Landschaft:
    Der Hafen erstreckt sich über die gesamte Länge des Dorfes. So entwickelt sich eine fein differenzierte, den Bedürfnissen des Wohnens angemessene städtische Wasserfront. Das Wasser schafft eine klare Zonierung zwischen Bebauung und offener Landschaft. Aus dem dichten, vielschichtigen und durchgrünten Siedlungskörper öffnet sich der Blick an der Uferpromenade in das unbebaute weite Rund der Landschaft. Eine facettenreiche Blickführung innerhalb des Stadtgefüges und zur Landschaft kennzeichnen die Bebauung. Das Wasser als Übergangsraum ist Teil der Landschaft, wie es gleichzeitig in der Künstlichkeit des Hafens Teil des Städtischen ist.

    Im Süden an der Lützener Straße entsteht eine großzügige abgestufte Esplanade mit Baumreihe aus Säuleneichen, Rasenflächen, einer großen Freitreppe und Lichtwänden in den Farben der Olympischen Ringe. Im Osten schließt ein terrassierter Parkplatz mit geleiteten Platanen an. Nach Norden formuliert der Olympische Platz mit dem Flaggenwald und den zentralen Bauten ein Ensemble, welches im Spiel der verschiedenen Niveaus die Zentralität des Ortes für die Zeit der Spiele herausstellt. Nach den Spielen verweisen die räumliche Größe und die Weite des Blickes über den Hafen auf das Jahrhundertereignis für die Stadt Leipzig.

    Längs der Plautstraße entwickelt sich ein langgestreckter Park, in dem die denkmalgeschützten Gebäude und das alte Gleis Staffagen der Parkgestaltung bilden. Im Norden der Marina an den Speichern überwindet ein steinerner Terrassengarten mit Pergolen und üppiger Bepflanzung den Höhensprung und stellt an diesem Ort einen nahezu mediterranen Abschluss des Olympischen Dorfes dar.

    Am Westufer des Hafens liegen Hausboote als eine besondere Form dauerhaften Wohnens. Einzig die Sporthalle gegenüber dem Olympischen Platz bleibt als Gebäude nach den Spielen bestehen und bildet mit der Wettkampfbahn, den ringförmig in das Gelände eingeschobenen Spielflächen und den parallel geführten Lauf- und Radstrecken den Sportpark Olympisches Dorf.

    Die landschaftliche Senke wird im Westen und Süden umschlossen von einer bewaldeten künstlichen Hangkante. Ihr vorgelagert ist ein niedriges Plateau, welches mit dem Aushub des Hafenbeckens geformt ist und dessen Wiesenfläche locker mit schlitzblättrigen Birken bestanden ist. Im lichten Schatten der Bäume, die den bewaldeten Rahmen der Hangkante nicht verstellen, finden sich ideale Plätze zum Lagern. In dieses Plateau sind die Spiel- und Sportflächen eingeschnitten, ohne den Landschaftsraum zu dominieren. Die Mitte der Fläche ist mit Gehölzgruppen und Schilf in grundwassergefüllten Mulden bestanden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Hauptideen des Entwurfs bestehen in folgenden Grundentscheidungen:

    · Die Bebauung konzentriert sich nördlich der Wasserfläche und nutzt geschickt die dort vorhandene topografische Höhendifferenz, die vielen Wohnungen einen Blick aufs Wasser ermöglicht.
    · Die Südseite der Wasserfläche bleibt nahezu unbebaut und wird auch unter Nutzung des Aushubs der erweiterten Wasserfläche und unter Beseitigung der dort vorhandenen Versiegelungen zu einem großzügigen Freizeitpark umgestaltet, der freilich etwas schemenhaft bleibt.
    · Von der geforderten Geschossfläche werden nur ca. 60% für eine Dauernutzung angelegt, ca. 40% werden nur für die Dauer der Olympischen Spiele konzentriert in bis zu 9-geschossigen Containerstapeln untergebracht, an deren Stelle später Grünflächen entstehen.

    Diese Grundentscheidungen führen zu einem klar gegliederten, kompakten und flächensparenden Siedlungskörper von großer Wohnqualität und der Schaffung eines großen Freizeitparks als Kontrast dazu. Allerdings erscheint die Unterbringung von 40 % der geforderten Geschossfläche in provisorischen Containern aus Sicht der Fachexperten für große Sportveranstaltungen problematisch.

    Der so definierte Siedlungskörper wird im Süden durch die „International Zone“ und den „Willkommensplatz“ städtebaulich geschickt abgeschlossen: von der Lützner Straße aus ergibt sich so ein großartiger Blick auf die Gesamtanlage. Diese städtebauliche Wirkung wird jedoch mit einer exzentrischen Lage der wichtigsten zentralen Einrichtungen und in der Folge mit langen Wegen aus den Wohngebieten zum „Zentrum“ erkauft. Dieser Nachteil wird gemildert durch dezentral angelegte Gemeinschafts- und Versorgungseinrichtungen.

    Auch im Norden wird in dem vorhandenen, für Freizeit und Kultur genutzten Speichergebäude und mit der Wiedererrichtung eines weiteren Speichergebäudes ein städtebaulich wirksamer Abschluss erreicht.

    Die für die aus Sicht der Olympischen Spiele geforderte Funktionalität ist gegeben (mit der Einschränkung der schon genannten langen Wege).

    Die Qualität des Wohnens ist durchweg gut bis sehr gut. Im niedrigeren Teil haben alle Wohnungen einen unmittelbaren Zugang vom öffentlichen Raum der Wohnhöfe, alle Wohnräume sind nach Süd-Westen ausgerichtet und haben große Terrassen bzw. Balkone.

    Für die PKW-Erschließung werden neben ebenerdigen Stellplätzen Garagenbauwerke angelegt, die unter Ausnutzung der Höhenstaffelung nur geringfügig eingegraben werden müssen.

    Die öffentlichen Räume sind lebendig gegliedert. Ein schöner Gedanke ist die Erweiterung der Wasserpromenade für die Zeit der olympischen Spiele als den wichtigsten verbindenden Kommunikationsraum durch eine schwimmende Ponton-Promenade mit ebenfalls schwimmenden Restaurants für jeweils kulturell spezifische Speisenangebote. Leider ist die ökologisch wertvolle Insel ersatzlos beseitigt worden, ebenso im Süden das naturnahe Ufer.

    Die übrigen Angaben zur ökologischen Nachhaltigkeit entsprechen gegenwärtigem Wissensstand. Leider sind viele Angaben für die technische Infrastruktur nicht auf den Plänen zu finden. Insgesamt ein sorgfältig durchgearbeiteter Entwurf mit guten Qualitäten.