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  • DE-70839 Gerlingen
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-234621)

Entwicklung des Baugebiets Bruhweg II


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    club L94, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: LORBER PAUL Architekten GmbH, Köln (DE)

    Preisgeld
    6.500 EUR

    Erläuterungstext
    Am Nordrand der Stadt Gerlingen entsteht das neue Stadtquartier Bruhweg II mit einem Mix aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Einrichtungen. Das Quartier liegt an der Schnittstelle von Stadt und Landschaft.

    Das grüne Herz
    Das grüne Herz des Quartiers wird von einem Park gebildet, der eine freiraumvernetzende Funktion zur Landschaft zur Aufgabe hat und gleichzeitig die Nutzungen Wohnen und Büro bzw. Gewerbe voneinander trennt. Gleichwohl bildet der Park die gemeinsame Mitte des neuen Quartiers. Zwei Parkwege in Nord-Süd Richtung verbinden Stadt mit der nördlich angrenzenden Ausgleichsfläche, die als Streuobstwiese angelegt wird sowie mit dem vorhandenen Grillplatz in der Landschaft. Mehrere Wege in Ost-West Richtung vernetzen das Quartier untereinander und strukturieren den Park. Dadurch entstehen mehrere Wiesen- und Rasenflächen, denen verschiedenen Nutzungen zugeordnet werden können. Sportwiese, Spielwiese, Liegewiese, Magerrasenwiese und Blumenwiese dienen sowohl ökologischen Zwecken, als auch entsprechenden Nutzeransprüchen. Der Westrand des Parks erhält offene Retentionsmulden, die als wechselfeuchte Zonen das Oberflächenwasser des Quartiers aufnehmen, versickern und verdunsten. Durch das natürliche Gefälle kann überschüssiges Wasser dem im Norden verlaufenden Bach zugeführt werden.

    Quartiersplätze
    Die Vernetzung mit dem Stadtraum wird über vier Plätze erreicht, die sich zu den Kreuzungspunkten der angrenzenden Erschließungsstraßen öffnen und dadurch eine einladende Geste erzeugen. Eine zentrale Aufgabe übernimmt der Quartiersplatz in Verlängerung der Maybachstraße als Verbindung zwischen der nahegelegenen S-Bahn Haltestelle im Osten und der neuen Bushaltestelle an der Ditzinger Straße im Westen. Zudem könnte der Platz im Gewerbegebiet als Jugendspielplatz mit Skaterpool dienen. Die weiteren Plätze haben halböffentlichen Charakter (Hotelvorplatz, Tankstellenplatz, Vorplatz Ärztehaus).

    Wohnumfeld
    Die Doppel- und Reihenhäuser im Westen des Quartiers erhalten private Gärten mit eigenen Stellplätzen auf dem Grundstück. Die Mehrfamilienhäuser im Zentrum des Quartiers erhalten private Gärten in den Erdgeschosszonen sowie Gemeinschaftsgärten für Alt und Jung mit Urban Gardening, Kleinkinderspielplätzen, Bouleflächen und Sitzbänken als Treffpunkt im Hof.

    Lärmschutz
    Das Quartier wird durch einen Lärmschutzwall mit integrierten Parkgaragen von der Ditzinger Strasse abgeschirmt.

    Erschließung
    Die Erschließungsstraßen werden unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt zum einen Haupterschließungsstraßen mit Längsparkplätzen unter Bäumen für die Besucher des neuen Quartiers; zum anderen werden kleinere Wohnwege vor allem in Ost-West Richtung und entlang des Parks angelegt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch zwei klar strukturierte Bauquartiere aus: im Westen das kompakte Wohnquartier, im Osten das Gewerbeband im Anschluss an die vorhandene Gewerbestruktur. Zwischen beiden Quartieren ist ein großer freier Grünraum eingefügt. Dieser städtebauliche Grundansatz ist richtig und überzeugend.

    Das Wohngebiet wird durch klare Rechteckstrukturen geprägt, die durch zwei Typologien aufgeteilt werden: Zur Ditzingerstraße vorwiegend Reihen-, Doppel-, und Stadthäuser, zum Park kompakte Wohnhöfe mit Mietwohnungen.

    Im Preisgericht wird diese Gliederung mit der Frage kontrovers diskutiert, ob nicht eine Umkehrung der Typologien besser wäre, denn die freiräumliche Verknüpfung mit dem angedachten Park sollte doch stärker herausgearbeitet werden.

    Hervorgehoben wird die gute Anordnung der Gebäudestellungen bei den Wohnhöfen mit interessanten nutzbaren Innenräumen und die Anordnung der Eigentumsstrukturen.

    Das Erschließungssystem folgt der Gebäudestruktur, wobei die räumliche Ausprägung der Garagenzeile im Lärmschutzwall zur Ditzinger Straße sehr fragwürdig erscheint – ein überholtes Garagensystem für die heutige Zeit.

    Die Anbindung der Tiefgaragen über die mittige Erschließungsstraße der Wohnhöfe ist dagegen knapp und vorteilhaft.

    Der Anschluss an die Ditzingerstraße mit einem Kreisverkehr liegt an der richtigen Stelle und die Ausfahrt zur Dieselstraße ist nachvollziehbar.

    Das Gewerbegebiet bildet einen Rand zum Park aus, ist aber nur sinnvoll mit einer gemischten Nutzung. Das weitere Gewerbeband ist gut gegliedert.

    Das Preisgericht ist der Auffassung, dass der Freiraum im Nahbereich zur offenen Landschaft eher zu großräumig ausgebildet ist.

    Die Anschlüsse an den Bruhweg im Süden und zur Ausgleichsfläche im Norden sind dage-gen zu schwach ausformuliert und wirken wenig einladend.

    Die Ausformulierung der städtebaulich wichtigen Eckpunkte am Kreisel im Norden mit Hotel und offenem Platz, sowie an der Kupferwiesenstraße im Süden sind nicht nachvollziehbar und fragwürdig.

    Trotzdem hat die Arbeit insgesamt eine tragfähige Grundstruktur für die gestellte Aufgabe an diesem Ort.