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  • DE-70839 Gerlingen
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-234621)

Entwicklung des Baugebiets Bruhweg II


  • Anerkennung

    © A-U-R-A GbR Ulm, Treibhaus Berlin, Lavaland GmbH, 2017

    Architekten, Stadtplaner
    A-U-R-A - Architecture, Urbanism + Research Agency, Ulm (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Marisol Rivas Velázquez , Christian Schmutz

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: LAVALAND Laura Vahl, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE)

    Preisgeld
    6.500 EUR

    Erläuterungstext
    KONZEPT
    Ziel des Entwurfskonzepts ist die Entwicklung eines nachhaltigen Stadtquartiers und die Schaffung übersichtlicher Nachbarschaften. Neben der Vernetzung mit der Umgebung und der Entwicklung von neu zu definierenden Qualitäten eines nachhaltigen Stadtquartiers wird besonderes Augenmerk auf die identitätsstiftende Qualität des neuen Grünzugs und die konfliktfreie Gliederung in Wohngebiete, Mischgebiete und Gewerbegebiete gelegt.

    STÄDTEBAU, NUTZUNGSKONZEPT/ FLÄCHENLAYOUT
    Das Gewerbegebiet wird an den östlichen Rand des Gebiets neben das bestehende Gewerbegebiet gelegt. Beginnend mit einem Autohaus an der Kreuzung mit der Dieselstraße reihen sich etwas größere Gewerbebetriebe an der Dengelwiesenstraße auf. Entlang der inneren von Norden nach Südosten verlaufenden Straße werden Gewerbehöfe platziert, mit einer straßenbegleitenden Bebauung in drei Geschossen. Durch ihre Präsenz an der Straße bieten sich diese sehr gut als Standorte für kleinere gewerbliche Nutzungen wie z.B. Handwerksbetriebe und Dienstleister an. Im nördlichen Bereich liegen eine Tankstelle und eines der beiden Parkhäuser, mit dem Grünzug als Puffer zum westlich gelegenen Wohngebiet. Im Südosten schiebt sich ein Mischgebiet zwischen die Gewerbehöfe und die angrenzenden Wohngebiete. In der Quartiersmitte findet sich ein sechsgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, am südlichen Ende am Entrée von der Siemensstraße ein fünfgeschossiges Ärztehaus, dazwischen das zweite Parkhaus mit drei Geschossen. Kleinerer Einzelhandel (Bäckerei, Kiosk) findet sich in der Quartiersmitte in direkter Nachbarschaft zur Bushaltestelle. Das zweite Mischgebiet mit Betreutem Wohnen und Dienstleistungen puffert das südliche Wohngebiet vom bestehenden Gewerbegebiet an der Siemesnstraße ab.
    Viergeschossige Zeilenbauten am Westrand schließen die Wohngebiete räumlich von der Ditzinger Straße ab und tragen zur räumlichen Definition des Ortsrands bei. Das Hotelgebäude markiert dabei den Quartiersauftakt von Nordwesten als Eckpunkt des Quartiers am Kreisverkehr. Fünf- bzw. sechsgeschossige Häuser markieren besondere Punkte wie z.B. Eingänge zum Quartier und die Gebietsmitte. Verschiedene Bautypologien besetzen die Baufelder. An den Gebietsrändern bilden sie Wohnhöfe mit privateren gemeinschaftlichen Außenräumen. In der Mitte orientieren sie sich zum Grünzug. Reihen- und Doppelhäuser mit eigenen Gärten ergänzen neben dem Geschosswohnen das vielfältige Wohnangebot für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen von Singels, Familien und Senioren. Eine kleinmaßstäbliche Parzellierung bildet den Rahmen für unterschiedliche Bauherren: Neben kleineren Grundstücken für Einzelbauherren finden sich Parzellen für Baugruppen und Wohnbauträger, private wie genossenschaftliche.
    Auf dem Grünzug nahebei der Mitte wird ein Bürgerpavilion für den Gemeinbedarf platziert. Das darin befindliche Quartierscafé dient als Treffpunkt für Jung und Alt. Flexible Räumlichkeiten erlauben eine Vielzahl von gemeinschaftlichen Nutzungen, z.B. für kleinere regelmäßige Veranstaltungen. Die benachbarten Spiel- und Sportfelder bilden mit ihren befestigten Oberflächen auch Raum für Aktivitäten.

    BAUPHASEN
    Die Entwicklung des Gebiets erfolgt in drei Abschnitten. Zuerst werden das südöstlich des Grünzugs gelegene Wohngebiet und das Mischgebiet entwickelt, jeweils von der Siemensstraße aus erschlossen. Parallel dazu wird der südliche Teil des Grünzugs angelegt, so dass sich dessen Vegetation baldmöglichst entfalten kann. In einem zweiten Schritt erfolgt die Entwicklung des südwestlich des Grünzugs befindlichen Wohngebiets, das bis zur neuen von der Ditzenbacher Straße ausgehenden Erschließungsstraße reicht. Zuletzt wird das nordwestlich gelegene Wohngebiet entwickelt. Das Gewerbegebiet, welches am östlichen Rand liegt, kann von den Wohngebieten unabhängig erschlossen und bebaut werden.

    ERSCHLIESSUNG UND ÖFFENTLICHER RAUM
    Um das Gebiet mit seiner Umgebung zu vernetzen, wird ein differenziertes Erschließungssystem vorgeschlagen. Räumliche Aufweitungen gegenüber der baulichen Umgebung bilden kleinere unterschiedliche Entreés in das Gebiet, teilweise nur für Fußgänger und Radfahrer, teilweise auch für den MIV: an der Kreuzung Dieselstraße/ Dengelwiesenstraße, an der Siemensstraße in Verlängerung der Maybachstraße und an der Kupferwiesenstraße in Verlängerung des Bruhwegs als Zugang zum Grünzug.
    Die größeren Gewerbeeinheiten werden an die Dengelwiesenstraße gelegt, die jetzt als Einbahnstraße mit Fahrtrichtung von Norden nach Süden den Kreuzungspunkt Dieselstraße/ Dengelwiesenstraße entschärft. Die kleineren Gewerbebetriebe und die Mischgebiete werden über zwei Straßen, zum einen von Norden von der Dieselstraße aus und von Südosten in Verlängerung der Maybachstraße erschlossen.
    Die Wohngebiete erhalten eigene Stichstraßen: im Südosten von der Siemensstraße aus, im Westen jeweils abzweigend von einem Anschluss an der Ditzinger Straße. Zur Erhöhung der Wohnqualität sind die Straßen zueinander versetzt und im Sinne von Begegnungszonen als verkehrsberuhigte Mischflächen ausgebildet. Neben dem Auto benutzen Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen diese "Shared-Spaces". Baumgruppen setzen Akzente; die unter ihnen angeordneten Besucherparkplätze und Fahrradstellplätze rhythmisieren den öffentlichen Raum. Die Hausadressen liegen entweder direkt an den Rändern der Baufeldern oder werden über die grünen Innenhöfe begangen (Zeilenbauten am westlichen Rand). Private Stellplätze für das Geschosswohnen befinden sich in Tiefgaragen, deren Zufahrten nahebei der Quartierserschließung liegen. Die Reihen- und Doppelhäuser verfügen über Stellplätze vor dem Haus oder über integrierte Garagen.
    Die Buslinie 98, die bisher entlang der Ditzinger Straße verläuft, macht einen Schwenk ins Quartier: Von Norden erreicht sie ihre Haltestelle in der Quartiersmitte über die Dieselstraße und verlässt diese nach Westen in Richtung Ditzinger Straße, bzw. in die Gegenrichtung.
    Um die Mobilität nachhaltiger zu gestalten, werden in den zwei Parkhäusern E-Ladestationen und Stellplätze für Stadtmobile (Carsharing Stuttgart) angeboten. Die Parkhäuser sind in den Mischgebieten platziert, in einer Wegeentfernung von weniger als 250 m von den Wohnungen und den Gewerbebetrieben. Dezentral platzierte E-Ladestationen und Fahrradunterstellplätze mit E-Fahrradladestationen in den Wohngebieten ergänzen das Angebot für Pendler mit der S-Bahn.
    Neben dem Grünzug durchqueren baumbestandene Wege für Fußgänger und Fahrradfahrer das Quartier, venetzen es mit der Umgebung und geben Blicke in die offene Landschaft frei.

    FREIRÄUME UND GRÜN
    Der zentrale Grünzug mit seinen Spiel- und Sportangeboten für alle Generationen bildet neben der Bebauung für das Quartier den prägenden räumlichen Charakter. Er verbindet den Bruhweg im Süden mit der Ausgleichsfläche im Norden und darüber hinaus mit der umgebenden Landschaft. Eine Aufweitung in der Mitte des Gebiets formt einen räumlichen Schwerpunkt im Quartier aus. Hier finden sich kleinerer Einzelhandel, Gastronomie und die beiden Bushaltestellen. Es entsteht ein zentraler Treffpunkt mit Zentrumscharakter, der eine befestigte Oberfläche für besondere Veranstaltungen, z.B. für Flohmärkte oder kleinere Feste erhält.
    Die von Süden nach Norden leicht abfallende Topografie ermöglicht es, innerhalb des Grünzugs das Oberflächenwasser erlebbar in die Ausgleichsfläche abzuleiten, die im östlichen Bereich beim Aischbach als Regenwasserretentionsraum ausgebildet wird. Naturnah gestaltete Flächen und gemeinschaftlich nutzbare Schmuck-, Kräuter- und Gemüsegärten laden zur Erholung und zur aktiven Teilhabe ein.
    Die Ausgleichsfläche wird in großen Teilen als großzügige Wiese ausgebildet. Hier treffen und verknüpfen sich die beiden Wassersysteme des Grundgrabens und des Regenswassers aus dem neu entstehenden Quartier. Im südlichen Bereich entlang der Dieselstraße werden die Gemüse- und Schrebergärten zum „Urban Gardening“ positioniert. Diese bilden einen Zusammenhang mit den Gärten jenseits der Ditzinger Straße.
    Die Gemeinschaftshöfe innerhalb der Blocks bilden maßstäblich kleinere Gartenräume mit Spiel- und Sitzgelegenheiten, die in erster Linie den Bewohnern des Quartiers zugeordnet werden. Unter Streuobstbäumen, zwischen Hecken und Staudenpflanzungen lässt sich hier der Wohnraum um das nächste Wohnumfeld erweitern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Es wird anerkannt, dass die Arbeit mit ihrem Erschließungssystem und mit der Bildung von vier Quartieren einen eigenständigen Denkansatz verfolgt. Die Anknüpfungspunkte der Erschließung an die Ditzinger Straße und an die Maybachstraße sind schlüssig gewählt, die zentrale Lage der Bushaltestelle wird begrüßt. Allerdings ist eine Durchfahrtsmöglichkeit von der Maybachstraße zur Ditzinger Straße vom Auslober nicht gewünscht.

    [...]

    Anerkannt wird der Versuch, die einzelnen Quartiere abwechslungsreich und kleinteilig zu gestalten. Die Bildung von Raumkanten und die Ausbildung von gebrochenen Blockstrukturen um gemeinsame Innenhöfe werden positiv gesehen, allerdings werden diese Ansätze nicht konsequent fortgeführt. Auch erscheint die Wahl der Gebäudetypen und Geschossigkeiten teils willkürlich. Die innere Erschließung der Quartiere ist kompliziert, eine intuitive Orientierung für Ortsfremde kaum möglich. Wendemöglichkeiten sind nicht zu erkennen. Insgesamt fehlt innerhalb der Quartiere eine übergeordnete, identitätsstiftende Gestaltungsidee.

    [...]