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  • DE-71672 Marbach am Neckar
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-252768)

Bereiche westlich und nördlich der Stadtmauer mit Lederfabrik Oehler


  • Anerkennung

    Lageplan

    Stadtplaner
    citiplan, Pfullingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Albrecht Reuss

    Mitarbeit
    Johanna Petka

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Riehle + Assoziierte Architekten und Generalplaner, Reutlingen (DE), Stuttgart (DE)
    Landschaftsarchitekten: Freiraumplanung Sigmund Landschaftsarchitekten GmbH, Grafenberg (DE)

    Preisgeld
    3.600 EUR

    Erläuterungstext
    Der Entwurf versucht mit angemessener Zurückhaltung genau diejenigen Qualitäten neu herauszuarbeiten, die in diesem Raum schon angelegt sind.

    Der einzigartige ANBLICK der Altstadtsilhouette mit Stadtmauer, die über dem Neckartal aufragt, wird durch die Reaktivierung des historischen Weinbergs als Schauweinberg oder Bürgerweinberg neu inszeniert, die spezielle „Marke“ des Ortes neu betont. Das Gebäude des Fabrikverkaufs fügt sich in diesen Zusammenhang zurückhaltend ein, indem es sich teilweise in den Hang hineinschiebt und die typische Materialität der Umgebung aufnimmt. Die Fassade wird zur modern interpretierten Fußmauer des Weinbergs und unterstreicht dadurch den speziellen Anblick des Altstadthanges, anstatt dass es diesen verstellt.

    Die Verstärkung der Beziehung zwischen Marbach und „seinem“ Neckar, der ja sogar im Ortsnamen verankert ist, gelingt in erster Linie durch den AUSBLICK, den ein neuer Randweg entlang der Stadtmauer freigibt. Hier kann auf kurzen Wegen Alltagserholung stattfinden für die Bewohner der engen Altstadt, die Identifikation mit dem Ort wird intensiviert, indem er sich dem alltäglichen Spazieren und Verweilen öffnet.

    Die VERNETZUNG zwischen unten und oben findet nicht auf dem kürzesten, sondern auf dem richtigen Weg statt. Der bestehende Mühlweg führt die Besucher direkt ins Zentrum der Altstadt. Er wird auf ganz selbstverständliche Art angebunden. Die Positionierung des Fabrikverkaufes erfolgt so, dass ganz automatisch eine Umlenkung zum Mühlweg erfolgt. Der Aufstieg in die Stadt ist intuitiv zu finden.

    Die Spazierwege durch den Weinberg dienen dagegen stärker der ortskundigen Bevölkerung und dem Verweilen. Der Radverkehr wird in aller Regel auch künftig die geringste Steigung über die Bottwartalstraße vorziehen.

    Das Plankonzept wird auf der Neckarseite der L 1100 sinnhaft fortgesetzt. Ein „Willkommens-Platz“ am Brückenkopf markiert den Stadteingang genau an der Stelle, wo die unterschiedlichen Wege (Neckarradweg, Bahntrassenradweg, Neckarbrücke, Neckarpromenade) und Verkehrsträger (Bus, Schiff via Neckarpromenade, Auto, Rad) zusammentreffen und sich gleichzeitig der markante Blick zur Altstadt auftut. Der Neckar wird über Sitzstufen erlebbar gemacht.

    Es wird vorgeschlagen, die Schiffsanlegestelle über eine Neckarpromenade und den „Willkommens-Platz“ an den Mühlweg anzubinden und nicht über eine eigene Brücke, da der Weg am Neckar den erlebnisreicheren Weg darstellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Idee, das gewünschte Verkaufsgebäude direkt an den Hang zu lehnen, teilweise in ihn hinein zu schieben, hat zunächst Charme und führt auch zu einigen angenehmen Folgen.

    Die fußläufige Hauptverbindung aus der Stadt und in die Stadt liegt richtig, eigentlich wie schon immer, und führt zudem direkt an den großzügigen Schaufenstern der Neubebauung vorbei.
    Der Vorschlag, den Hang mit Weinanbau zu reaktivieren und als öffentlich nutzbaren Raum zu gestalten ist interessant, bietet sicher auch besondere Qualitäten, wenngleich der Aufwand groß sein dürfte und sicher auch noch die eine oder andere Überprüfung erforderlich wäre.

    Das Gebäude ist maßstäblich recht zurückhaltend und gestalterisch im Duktus des Weinbergs durch das vorgeschlagene Natursteinmauerwerk. Die Grundrisse sind schlicht, funktionsgerecht und flexibel.

    Der Gesamtcharakter der Fassade bzw. der Hauptansicht lässt nicht für jeden sofort die hochwertigen Artikel der Firma Oehler erwarten, um die es hier geht. Der Entwurf könnte noch dahingehend weiterentwickelt werden.
    Die Gesamtqualität wird „erkauft“ durch ein Vorfeld, das sehr stark infrastrukturell geprägt ist durch Parkierung, Zufahrten, erforderliche Nebenanlagen usw.
    Auch der Versuch, das Vorfeld des Verkaufs zu einem Platz zu gestalten, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass am nordwestlichen Stadteingang von Marbach in weiten Teilen eine umfangreiche Straßenverbreiterung stattfindet.

    Die Aussagen zum „Ankommensplatz“ sind unzureichend – ebenso diejenigen zum gegenüberliegenden „Willkommensplatz“, dieser erscheint ohnehin konzeptionell ohne Bedeutung.

    Der Bushaltepunkt funktioniert gut.

    Der erklärte Verzicht auf eine zusätzliche Fußgängerbrücke aus Gründen des Aufwands und der Geometrie ist nachvollziehbar, zumal der nördliche Umweg deutlich „aufgerüstet“ wird.

    Letztlich kann die Arbeit insgesamt trotz eines interessanten und auch guten Ansatzes im Hinblick auf das am Ende wahrnehmbare Ganze nicht überzeugen.