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  • DE-10557 Berlin
  • 12/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-256531)

Neubau eines Bürogebäudes am Otto-Weidt-Platz, Europacity Berlin


  • Anerkennung

    © © KSP Jürgen Engel Architekten

    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Lemon Consult GmbH, Zürich (CH)
    Tragwerksplaner: Weiske + Partner GmbH Beratende Ingenieure VBI, Stuttgart (DE), Berlin (DE), Illerkirchberg (DE)
    Bauphysiker, Tragwerksplaner: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), München (DE), Wien (AT), Paris (FR), Oslo (NO), Melbourne (AU), Rom (IT)
    TGA-Fachplaner: Arup Deutschland GmbH, Berlin (DE), Düsseldorf (DE), Frankfurt am Main (DE)

    Erläuterungstext
    Leitideen des Entwurfes sind der Holzbau - konstruktiv und gestalterisch sowie das „Kontorhaus“ hinsichtlich Erschließung und Flexibilität.

    Die Europacity wird geprägt durch eine Vielzahl neuer Wohn- und Bürohäuser. Zum Teil fügen sich diese beiden Funktionen unmittelbar in einem Block zusammen, so auch am Otto-Weidt-Platz. Für das Bürogebäude ist es wesentlich, sich städtebaulich präzise in die Bebauung entlang der Heidestraße einzufügen, um den homogenen Straßenraum zu formulieren. Zum Otto-Weidt-Platz bildet das Haus einen Hochpunkt als kleines Landmark im Quartier. Gleichzeitig ist es wichtig, dass das Projekt eine konsequente Haltung und einen eigenständigen Charakter entwickelt, um als Bürohaus von den Nutzern angenommen zu werden. Dazu schlagen wir ein Gebäude vor, das durch die sichtbaren Strukturen des Holzbaus innen wie außen ein absolut innovatives und eigenständiges Erscheinungsbild entwickelt. Holz als natürliches Baumaterial ist nicht nur nachhaltig, sondern besticht auch durch seine eigene Ästhetik. Ganz beiläufig fügt es wunderbar die Funktionen Büro und Wohnen im Block zusammen.

    Konstruktion
    Das Gebäude wird ab 1. OG (teilweise auch EG) aufwärts konsequent mit Fertigteilen in Holz-Stahl-Stahlbeton-Hybridbauweise umgesetzt:
    - klar strukturierte Grundrisse mit unveränderter Tragstruktur in allen Regelgeschossen
    - Deckenelemente in Holz-Stahl-Stahlbeton-Verbundbauweise
    - Stützen in Holz bzw. Holz-Stahl-Verbundbauweise
    - einfache Fügung der Deckenelemente und Stützen über form- und kraftschlüssige Steckverbindungen ohne Verguss
    - aussteifende Kerne aus Stahlbeton-Fertigteilen mit Fügung mittels Vergusstaschen
    - R90-Qualität durch Abbrandrate im Holz bzw. Brandschutzbewehrung
    - 100-prozentiger Vorfertigungsgrad der Regelgeschosse
    - minimierte Bauzeit der Regelgeschosse

    Grundrisskonzeption
    Der Typus des Kontorhauses ermöglicht durch seine symmetrischen Aufbau ein in allen Teilen gleichwertiges Gebäude. Die Positionierung der Kerne in den östlichen und westlichen Flügeln schafft eine klare Orientierung hin zur Heidestraße. Ein Multifunktions-
    bereich im Foyer/Forum bietet höchst flexible Nutzungsangebote, neben den klassischen Gewerbeeinheiten. Dem Kontorhaus wird nördlich, zum Innenhof ein Verbindungsflur in Form eines vortemperierten Wintergartens angeheftet. Dieser verbindet alle Gebäudeteile miteinander und wird somit zentraler Kommunikationsbereich für alle späteren Mieter. Zusätzlich wird so nahezu jede Grundrisskonfiguration, von Großraumbüros bis hin zu Kleinsteinheiten für Startups und Einzelpersonen, möglich.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee des Entwurfs, ein innovatives und im Erscheinungsbild offenes Gebäude zu entwickeln, ist ein überzeugender Beitrag für diesen Ort. Die klare Fassadengliederung mit schlanken hervorspringenden Lisenen und Simsen und daher plastisch und filigran wirkender Strukturierung gibt dem Gebäude eine frische und einladende Ausstrahlung. Infolge der großen rasterfüllenden Prallscheiben entsteht nicht nur eine äußerst großzügige gestalterische Wirkung, es wird hierdurch darüber hinaus auch der Versuch unternommen, die Raumbelüftung bei gleichzeitigem Schallschutz zu lösen. Der Sonnenschutz findet überzeugenderweise hinter der Prallscheibe seinen windgeschützten Platz. Die filigrane vorgesetzte Holzstruktur ist allerdings schutzlos der Witterung ausgesetzt. Die in die Struktur integrierten Loggien auf der Hofseite sind ein guter Beitrag. generell stellt aber der sehr hohe Glasanteil der Fassaden ein ernsthaftes Problem für das Raumklima dar, das technische Lösungen erfordert. Im Zusammenhang mit der Fassade muss erwähnt werden, dass die äußere Struktur die Baulinie überschreitet und somit an allen Seiten die Baufelder nicht eingehalten werden. Auch die zulässige GRZ ist um ca. 5 Prozent überschritten. Das Staffelgeschoss auf dem Bauteil an der Heidestraße beeinträchtigt die Klarheit der Baufigur.
    Die geforderte Geschossfläche wird knapp erreicht. Die Büroflächen sind nicht zuletzt auch aufgrund der großen Fenster gut nutzbar, und es sind auch innovative Bürokonzepte dargestellt. Aufgrund der sichtbaren Holzkonstruktion erhalten die Räume eine inspirierende Arbeitsatmosphäre. Leider erscheint die Holzkonstruktion noch nicht vollständig durchdacht und mit der Fassade abgestimmt zu sein. Es bestehen Zweifel an der Machbarkeit. dennoch wird diese Idee grundsätzlich positiv beurteilt. Die Größe des Foyers im Erdgeschoss ist überzogen und geht auf Kosten von wünschenswerten Ladenflächen. Unverständlich erscheint die Tatsache, dass vom Foyer aus die Obergeschosse nur über Aufzüge nicht aber über Treppen erreichbar sind. Insgesamt ist der Entwurf eigenständig und innovativ aber mit einer Reihe von Mängeln behaftet, die eine Realisierung mit einem gewissen Risiko belastet erscheinen lassen würden.